Die gleichen Sprüche höre ich von meinen sardischen Nachbarn:
Man sollte die Deutschen Autobauer doch boykottieren!!
Meine Gegenfrage blieb bis heute unbeantwortet : Kaufen die Italiener dann mehr FIAT?
2 meiner Nachbarn haben tolle Mercedes'-Oldtimer in der Garage. Lach!!
Echt, diese Denke ist genau so blöd wie der Trottel Trump sagt, dass er kein deutsches Auto mehr auf dem Timessquare sehen will.
Lächerlich.
Genau so wenig wie die Europäer weniger deutsche Autos kaufen werden, werden es auch die Italiener nicht tun
. Quatsch!!
Blöd, Quatsch, Trottel. Geht es noch eine Runde primitiver?
Du beteiligst dich an einer Diskussion über für die gesamte Eurozone relevante volkswirtschaftliche Fragen. Bist aber letztlich in erster Linie beleidigt, dass du nicht mehr 5% Zinsen auf deine Ersparnisse bekommst. Und zeigst mit diesem Beitrag erneut, dass du das große Ganze nicht betrachten willst oder kannst. Was es müßig macht, mit dir zu diskutieren.
Es geht nicht darum, irgendjemanden zu boykottieren, es geht darum, dass Deutschland die derzeit in Europa gefahrene Politik am meisten nutzt: Bleiben wir beim Autobeispiel und greifen (bewusst vereinfacht) die immer wieder zu hörenden Forderungen aus AfD, FDP und CSU auf und verabschieden Griechenland, Italien und Co. aus dem Euro (rechtliche Fragen außen vor). Was passiert? Es gibt wieder nationale Währungen, die sofort massiv abwerten. Bei einem Ausstieg Deutschlands aus dem Euro passierte das Gegenteil, die Mark (oder was auch immer) würde innerhalb kürzester Zeit massiv aufgewertet. Gleiche Folge in beiden Fällen: Niemand müsste einen deutschen Autobauer boykottieren, der Italiener, Grieche etc. könnte sich die Karre schlichtweg nicht mehr leisten. Umgekehrt würden Fiats für den Deutschen deutlich günstiger. Klar, schlechte Qualität (zumindest wird uns das seit Generationen eingeredet, aber zum "Glück" gibt es ja nicht nur Fiat in Italien ...), das kümmert den, der den Kaufpreis für sein Auto nicht wie du mal eben bar auf den Tisch legt, mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ebensowenig wie die Tatsache, dass das teure Fleisch im Bioladen qualitativ hochwertiger ist als jenes beim Penny. Nachfragerückgang im Außen- und im Binnenmarkt. Gewinnrückgang. Forderungen nach Nullrunden bei den Verhandlungen mit der IG Metall, Kurzarbeit und schließlich betriebsbedingte Kündigungen. Aber hey, du bekommst deine Zinsen. Zumindest vorläufig. Bis die Zentralbank (ob nun die EZB oder die Bundesbank, wenn wir den Euro verabschieden) beschließt ... den Leitzins zu senken, um Kredite zu vergünstigen, Investitionen anzuregen und der Aufwertung etwas entgegenzusetzen. Da - Ironie der Geschichte - gerade Deutschland immer darauf gedrungen hat, dass die Zentralbanken unabhängig sind, könnte auch eine AfD-Regierung ein solches Vorgehen nicht verhindern.
Es geht aber gar nicht um den Einzelnen, die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen etwa Deutschland und Italien sind ja viel weitreichender und reichen auch historisch weiter zurück als der Euro. Warum sollte z.B. Airbus nicht ein paar Teile mehr in Italien produzieren lassen, wenn es dort günstiger ist (von einem EU-Austritt reden ja noch die wenigsten)? Warum sollte Triest weiterhin als Öl-Anlandehafen für die Pipeline nach Ingolstadt und Karlsruhe herhalten. Und wenn, dann zu welchem Preis? Wie sieht es mit der Pipeline aus Nordafrika via Sardinien aus? Schon Marseille als erster französischer Hafen, der in der Lage ist, große Öltanker zu empfangen, wäre ein ziemlicher Umweg. Von Rotterdam/Wilhelmshaven ganz zu schweigen. Was schon ein paar Flüsse mit Niedrigwasser trotz niedrigem Ölpreis mit den Preisen an der Tankstelle in Süddeutschland anstellen, ist gerade nett zu beobachten. Was ist mit den deutschen Rüstungsexporten, aus dren Verträgen man Griechenland auch dann nicht entließ, als sie am Ende waren? Banken, Fonds und Staatsanleihen? Die Beispiele und Folgen sind endlos. Nur eines noch: Italien wäre selbstredend - zumindest in der kurzen Frist - am Ende. Und ich habe so eine leise Vermutung, in welche Richtung sich die Menschen aufmachen werden, um am Wohlstand teilzuhaben. Von den aus Afrika anlandenden Menschen ganz zu schweigen. Was machen wir dann? Eine Mauer bauen?
Ich hege keinerlei Sympathien für die aktuelle italienische Regierung, denn mit Faschisten koaliert man nicht, egal zu welchen Rahmenbedingungen. Aber im Gegensatz zu Griechenland, wo die Menschen sich ebenfalls anschickten, der Finanzpolitik der EU auf dem einzig legalen Wege eine Absage zu erteilen, um dann von Deutschland vor den Kopf gestoßen zu werden (Jurist Schäuble zum Ökonom Varoufakis: "Es kann schon sein, dass Sie recht haben. Aber Sie werden niemals damit durchkommen"), ist Italien zu wichtig. Insofern wird es spannend zu sehen, wie weitsichtig Deutschlands Politiker bzw. zumindest ihre Berater im Hintergrund agieren. Lange geht die Chose nicht mehr gut ... und dann stellt sich eben die Frage, ob man an Europa oder lieber kurzfristig an sich selbst denkt (übrigens wie der "Trottel" Trump und der "Trottel" Salvini) und noch stärker auf Kosten anderer lebt. Bzw. nicht nur dann europäisch denkt, wenn es nützlich ist, wie bei der Verteilung der Geflüchteten.
P.S.: Ich fahre weder Diesel noch eine andere Art von Auto, wenn ich nicht gerade in Sardinien bin.