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Wie fühlen sich die Sarden in de Saison wenn... ?

Tobit

Sehr aktives Mitglied
Wie fühlen sich die Sarden, wenn in der Saison Touristen wie Ameisen in ihr Land einfallen und sie sich plötzlich in der Minderheit befinden?
Was würden sie sich von uns Touristen wünschen?



Hallo zusammen

Ich möchte dieses Thema durchaus kontrovers diskutieren. Aber mit Respekt und Anstand gegenüber Meinungen anderer Forenmittgliedern. Mit allgemeinen Anfeindungen, Zänkereien und dergleichen habe ich nichts am Hut. Den feinen Humor, dem ich hier manchmal begegne, bringt auch mich zum Lachen und tut meiner Seele gut.:)


Ich spreche hier vor allem Sarden / Menschen die bereits einige Zeit in Sardinien weilen, oder aber eben Viel-Reiser, die schon oft in Sardinien waren, an.

Natürlich weiss auch ich, dass der liebe Tourismus Arbeitsplätze bietet auf die die Sarden angewiesen sind. Aber der Tourismus hat halt auch seine Kehrseiten, so wie z.B. hier auch schon erwähnt: der enormer Wasserverbrauch während der Trockenzeit. Das Erstellen von Bauten und Hotels mitten in den schönsten Landschaften von Sardinien. Das Abfallproblem. Die Verteuerung von Immobilien usw.

Die Welt ist ungerecht: Die Sarden haben das tolle Klima, die wunderbare Landschaft, das herrliche Meer und wir in der Schweiz haben nur die Finanzen. Zugegeben etwas überspitzt formuliert.

Meine Frage nun: Wie müsste nachhaltiger Tourismus aussehen, damit wir ihn mit gutem Gewissen gegenüber den Sarden vertreten könnten?

Wie können wir das Land bereisen/Urlaub machen oder Überwintern ohne zu viel von den kostbaren Ressourcen zu verbrauchen.

Wenn wir uns als Gäste in Sardinien aufhalten: was für ein Verhalten wünschten sich die Sarden von den Touristen.

Währe Agri-Tourismus eine gute Alternative zu den Hotel oder Pensionen.

Müssten Abgaben der Touristen (Kurtaxen erhoben oder stark erhöht werden, um finanzielle Mittel zur Verfügung stellen zu können für die Pflege und Erhaltung der Sardischen Kultur? (Wäre eigentlich Staatsache, wird aber nicht gemacht, wie man an den Schliessungen der Musen gut sehen kann)

Was könnten wir Touristen machen damit die Gewinnen der grossen Gesellschaften in Sardinien reinvestiert würden?

Würde den Sarden eine Auflistung (hier im Forum) von privaten Erzeugern resp. Verkaufsstellen von Produkten einheimischen Schaffens etwas nützen?

Wenn ihr Lust habt, freue ich mich über eine rege Diskussion.

Regnerische:( Grüsse aus der Schweiz.
Susanne


 
Hallo Susanne,
Deine zentrale Frage "Wie fühlen sich die Sarden ..." finde ich wichtig, aber sehr komplex. Aber ich kann auch deswegen kaum darauf antworten, weil ich zwar hier lebe, aber kein Sarde/keine Sardin bin. Und es geht Dir ja um die subjektive Wahrnehmung des Tourismus auf Sardinien.

Aber zur Begrifflichkeit "Nachhaltiger Tourismus" möchte ich schon was sagen. Der Begriff (oft auch "sanfter Tourismus" genannt) geistert als Worthülse seit den 70er Jahren durch alle einschlägigen Diskussionen, und meint nach Auffassung seiner Protagonisten vor allem

"Hauptziele des nachhaltigen Tourismus
Der nachhaltige Tourismus (sustainable tourism) zielt darauf
  • die Natur im Urlaubsziel so wenig wie möglich zu beeinflussen
  • die Natur möglichst intensiv zu erleben
  • sich der Kultur des bereisten Landes bestmöglich anzupassen"
(Quelle: Wikipedia)

Sind das nicht sehr begrenzte u. fragwürdige Ziele? Natur, Natur, Kultur ... Wo bleiben die Menschen u. die soziale Dimension?

Ich schlage vor, die genannten Begriffe nicht mehr zu verwenden, denn m.E. gibt es keinen "sanften" oder "nachhaltigen" Tourismus. "Nachhaltig" profitieren vom Tourismus doch nur sehr wenige Sarden, aber viele Konzerne auf dem Festland u. im Ausland.

Zum Abschluss (für heute): Die schlimmsten u. irreparablen Zerstörungen der Natur u. der Urbanität werden von vielen Sarden selbst produziert, insbesondere durch ihre nicht eindämmbare Bauwut. Dazu kommen dann jetzt die Quatar Foundation etc., aber die verschandeln die Landschaft mit ihren oft illegalen Häusern ja noch nicht seit einer Generation.

Sonnige Grüße (23° im Schatten) vom sardischen Acker,
Günther
 
Zuletzt geändert:
Tobit,
auch ich bin kein Sarde, habe mich aber schon gut integriert, denke ich.
Wir freuen uns über die Touristen, aber wenn der Strand und die Geschäfte, ab dem 14.09, abgesehen von den wenigen Schweizern,
die dann in die Herbstferien gehen, wieder uns gehört, atmen wir auf.
Viele Sarden, sind der Überzeugung, dass freiere Baubestimmungen, sprich, wir dürfen Hotelanlagen am Meer bauen,
würden dem Tourismus auf Sardinien gut tun.
Ich sehe das ganz anders, denn dies Elend gibt es schon auf zu vielen Inseln.
Diese Argument habe ich in Bosa oft gehört, wenn es um die Bebauung des Strandabschnittes bei S´Abba Druche ging.
Hotelanlage mit Golfplatz.
Ich kenne auch Deutsche, die darauf spekulieren, dass die Baubestimmungen geändert werden, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Der liebe Gott behüte uns davor.

Bea2
 
Sali Günter

Natürlich hast du dazu etwas zusagen. Aus deinen Äusserungen im Forum entnehme ich, dass du dich vermutlich mehr als Sarde fühlst als so mancher ansässige mit einem italienischen Pass.

Aber warum fragwürdige Ziele? Natürlich gehören bei meiner Betrachtung auch die Menschen die dort arbeiten wohnen mit ihrem sozialen Umfeld mit zu dieser Betrachtung.Man muss sicherlich auch in dieser Sache ganzheitlich denke.(Das ist jetzt wieder so ein gängiges Schlagwort wo sich so jeder etwas anderes darunter vorstellen kann). Aber irgend wie muss man halt anfangen die Fragen aufzuwerfen. Es sind eben Wörter die in unserem Sprachgebrauch verankert sind und über deren Inhalt und Bedeutung in den Medien viel geschrieben wird. O.k., ich mache es ganz bestimmt nicht mehr;).
Aber einmal davon abgesehen, dass der Tourismus in Sardinien nicht mehr weg zu denken ist, warum sollte man sich nicht trotzdem Gedanken darüber machen wie dieser Umstand (wenn du willst) auch sozialverträglich und möglichst ökologisch und ohne der Urbanität zu schaden,zu bewerkstelligen wäre? Sorry: Diese Satz ist ein wenig überladen.
Wenn es so ist wie du sagst, dass viele Sarden die Zerstörung der Natur und der Urbanität selbst verschulden. Günter: Was könnte der Grund dafür sein? Erhoffen sie sich durch den Verkauf von Immobilien einen besseren Lebensstandard? Wird in den Schulen oder Medien zu wenig über die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ökologie auf Sardinien gesprochen? Ist den Sarden die Natur und Urbanität vielleicht nicht so wichtig (weil sie sich zu wenig Bewusst sind was sie zu verlieren haben) im Gegensatz zu uns Europäer die in Sache Zerschandelung/ Raubbau und Zerstörung doch schon vermeintlich so fortschrittlich sind.

Dazu möchte ich aber auch noch sagen: obwohl , (mindestens in Europa) in zunehmenden Masse seit Jahren das Bewusstsein für die negativen Folgen einer sogenannten modernen Entwicklung geschärft wird, ist es ja leider bei uns keinen Deut besser!!!!

Eigentlich schade, dass die Sarden scheinbar die selben Fehler machen, wie wir.

Warum ist es nicht möglich, dass die Sarden diese Konzerne, die ja mit sardischem Gut ihre Gewinne machen, zu einer mindesten teilweise, Reinvestieren gezwungen werden können?

Ich wünsche euch einen schönen Abend bei gefühlten 2 Grad.
Susanne
 
Liebe Bea 2

Bemühe den lieben Gott lieber nicht für Fehler die wir Menschen machen, für die sind wir selber verantwortlich. Ich als ehemalige Gewerkschafterin würde sagen: "Für dieses Anliegen müsste man auf die Strasse und demonstrieren. Was heisst denn hier die Wirtschaft ankurbeln? Ist einmal alles im Eimer, sprich: "Die schöne Landschaft ist verbaut, verschandelt und mit Füssen getreten, ziehen die lieben Touristen weiter auf die nächste Insel. Und so wäre es mit Einnahmen aus dem Tourismus in Sardinien wohl auch vorbei.
Warum nur sind ein Teil der Sarden für eine Lockerung der Bauvorschriften, möglich noch im vollen Bewusstsein, dass dies auf längere Sicht nicht einmal ansatzweise gut für die Sarden oder den Tourismus ist? Was versprechen die sich? Sind wir da wieder bei der Gewinn-Optimierung ohne Rücksicht auf Verluste? Entschuldige, aber manchmal geht mir einfach die Galle hoch. Wir Menschen sind scheinbar bereit den Nachbarn zu verkaufen zwecks kurzfristiger Optimierung unseres Gewinnes. So ganz nach dem Motto: Das geht mich alles nichts an, ich werde es vermutlich sowieso nicht mehr erleben, die lieben Nachkommen können dann schauen wie sie mit dem angerichteten Schaden zurecht kommen.
Wer jetzt als Unterschrift lieber Moralapostel hinschreiben würde, dem sei gesagt: Recht hast du, und trotzdem finde ich es eine Schweinerei.

Gruss Susanne
 
Was versprechen die sich?

Erst einmal: Geld. Nicht ganz zu Unrecht. Erst muss der Scheiß gebaut werden (Arbeitsplätze), dann muss er betrieben werden (Arbeitsplätze), dann können viel mehr Touristen untergebracht werden, und seien wir doch mal ehrlich - zumindest ich kenne genug Leute, die jetzt "auch mal" in Sardinien waren, aber eben nächstes Jahr nach Mallorca, Zypern oder in die Ägäis fahren und nie eine besondere Beziehung zu Sardinien entwickeln werden. Und diesem Typ Touri ist es scheißegal, wo er am Hotelpool sitzt, so lange es günstig ist, die Sonne scheint, das Bier knallt und der Sex gut ist.

Besonders beeindruckend fand ich das auf einem Kubatrip vor ein paar Jahren, bei dem ich mich dann doch dazu durchgerungen habe, mal nach Varadero (wenn man so möchte das dortige Tourighetto à la Stintino oder Costa Rei) zu fahren. Ganz netter Strand, ja, aber letztlich die gleiche Bumbum-Animation und die Hotelbunker wie auch am Mittelmeer. Dafür dann 1500€ für zwei Wochen ausgeben und 9h fliegen? Es gibt genug Deppen, die es machen, wird bei Sardinien ggf. ähnlich sein (sollte es so kommen, bin ich selbstredend endgültig durch mit der Insel).

Und dann: Seht Euch doch die Diskussionen um Klimawandel und weiß ich was an. Nach mir die Sintflut, das Denken über die eigene und meinetwegen nächste Generation hinaus scheint dem Mensch einfach nicht vermittelbar zu sein. Und da zähle ich mich ausdrücklich dazu, natürlich ist es einigermaßen lächerlich, für zwei Wochen aus Deutschland nach Sardinien zu fliegen. Andererseits denke ich mir: Was ich so beruflich fliege (mal eben für eine dreitägige Konferenz nach Australien dieses Jahr, dort dann im anschließenden Urlaub noch eifrig weiter, um etwas von diesem riesigen Land zu sehen), da braucht sich keine Familie, die einmal im Jahr nach Sardinien fliegt, mehr einen Kopf machen. Und ich bin mit meinen vielleicht 30 Flügen pro Jahr ja auch noch ein ganz kleines Licht verglichen mit Leuten, die wirklich herumkommen (müssen/wollen/dürfen). Natürlich weiß ich, wie klimaschädlich das ist ... aber soll ich deshalb meinen Job aufgeben? Das Arbeitsamt würde mir etwas husten. Habe ich also überhaupt eine Wahl, besonders im Kapitalismus?

Insofern: So sehr ich die Entwicklung verteufle und so sehr die Alternativen auf dem Tisch liegen (hochpreisiger Ökotourismus z.B.), ich kann es, wenn ich mich in die Betroffenen hineinversetze, schon nachvollziehen, dass sie bauen wollen. Zumal die Sarden, nach allem was ich so lese und höre, ja nie ein besonders enges Verhältnis zu ihrer Küste hatten. Und wenn man sich das Gejammer hier im Forum über die gestiegenen Fährpreise durchliest, werden auch hier vermutlich einige auch lieber in den sauren Apfel beißen und noch weiter verbaute Küsten in Kauf nehmen (man fährt ja jedes Jahr hin, dann fällt es nicht so auf - eine sehr lange Sardinienpause bei mir war echt hilfreich um zu sehen, wie sehr die Küsten jetzt schon verschandelt sind, gerade eben an den Hotspots um Olbia, Cagliari, Palau/Sta Teresa und den Retortengebieten, aber auch sonst), als sich "ihr" Sardinien nicht mehr leisten zu können. Jede Wette ... Denn wenn man Programme wie Ökotourismus wirklich durchziehen würde, dann gehörten aber mal ganz schnell jede Menge bestehende Ferienanlagen, quer über die Insel, plattgemacht. Und zwar gnadenlos. Mit entsprechenden Folgen für die Preisentwicklung, Angebot und Nachfrage ...
 
Was würden sie sich von uns Touristen wünschen?
Wie müsste nachhaltiger Tourismus aussehen, damit wir ihn mit gutem Gewissen gegenüber den Sarden vertreten könnten?

Geld überweisen.
Daheim bleiben.

peko
Engel 1.gif
 
qwpoerium

Deinen Unmut kann ich verstehen. Nur nützt da Gezeter leider auch nichts. Der Wille der Wirtschaft (Das sind auch wir) in der Entwicklung voran zu kommen ist im Kapitalismus legitim. Auch glaube ich, dass niemand ernsthaft auf neue Technologien oder das was wir unter Fortschritt verstehen föllig verzichten möchte. Nur das WIE! wie das gemacht wird, ist die Frage. Wie viel die Wirtschaft, z.B. Baubranche wachsen soll, ist eine subjektive Grösse. Es ist auch kein Geheimnis: Dass die Sarden nicht die einzigen sind bei denen man eine negative Entwicklung auf der Insel ausmachen kann. Dieses Schicksal ereilen viele heute touristisch erschlossene Landschaften in aller Welt. Nur was heisst das jetzt für uns, für all diejenigen die Sardinien lieben und noch möglichst lange diese wunderschöne Insel geniessen möchten. Heisst das: man kann eh nichts machen. Was willst du gegen Windmühlen treten oder gib lieber deine Energie für etwas erfolgversprechendes aus. Alles hat einmal klein angefangen. Im persönlichen, ich gebe zu kleinen Umfeld, gibt es Möglichkeiten die Gefahren einer ungebremsten Entwicklung auf Sardinien oder ganz allgemein zu thematisieren. Nicht um sonnst heisst es doch steter Tropfen höhlt den Stein. Wär hätte vor Jahren bei uns in der Schweiz daran gedacht dass Bioprodukte einmal einen so regen Zulauf bekommen würden. Und das bei uns früher so oft aufgeführte Argument, das lohnt sich für die Bauern nicht, ist auch vom Tisch. An Bioprodukten verdienen mittlerweile nicht nur die Grossverteiler sondern auch die Bauern. Was möchte ich damit anregen. Nicht aufzugeben, immer wieder zu versuchen dieses Problem, wenn auch im kleinen Kreis, aufzufrischen. Ich kann nicht die ganze Welt verändern, ich kann aber sehr wohl meinen kleinen bescheidenen Beitrag dazu leisten.

Än schönä Obig
Susanne
 
peko

Mal im Ernst. Glaubst du auch was du da schreibst? Findest du deine Äusserungen nicht etwas all zu provokativ? Einen differenzierten Beitrag wäre eine bessere Möglichkeiten gewesen und sicherlich auch einen echten Gewinn für diese Forum.

LG Susanne
 



Wie können wir das Land bereisen/Urlaub machen oder Überwintern ohne zu viel von den kostbaren Ressourcen zu verbrauchen.

Wenn wir uns als Gäste in Sardinien aufhalten: was für ein Verhalten wünschten sich die Sarden von den Touristen.

Müssten Abgaben der Touristen (Kurtaxen erhoben oder stark erhöht werden, um finanzielle Mittel zur Verfügung stellen zu können für die Pflege und Erhaltung der Sardischen Kultur? (Wäre eigentlich Staatsache, wird aber nicht gemacht, wie man an den Schliessungen der Musen gut sehen kann)

Was könnten wir Touristen machen damit die Gewinnen der grossen Gesellschaften in Sardinien reinvestiert würden?

Würde den Sarden eine Auflistung (hier im Forum) von privaten Erzeugern resp. Verkaufsstellen von Produkten einheimischen Schaffens etwas nützen?

hi Susanne,

1. wasser sparen. feuer vermeiden. müll nicht in die pampa.
2. vorsichtig mit feuer umgehen (kochen und grillen) - s.1.freundlich und aufgeschlossen sein. geld mitbringen und großzügig sein (so, wie man kann - auch mal was spenden an die vielen coops oder naturschützer). sardische projekte unterstützen, auch wenn sie evtl. schiefgehen. nicht nackig am strand rumlaufen. ein bisschen italienisch lernen. sich interessieren und das gespräch suchen. wiederkommen. einheimische produkte kaufen, auch bei den alten frauen im torbogen oder auf dem wochenmarkt. nicht wildcampen (zelt oder womo). wasser sparen - s. 1.
3. man kann auch aus eigenem antrieb spenden, siehe 2.
4. nix, das ist bestimmt nicht deren ziel bzw. ist das nicht gewollt - interessenkonflikte.
5. weiß ich nicht, aber es gibt schon ganz viele auflistungen über produkte, agriturismi, wochenmärkte, verkaufsstellen in deutschland usw.

lg anke

@peko - als verlustnummer bist du mir aber auch undifferenziert ziemlich sympathisch ;)
 
Zuletzt geändert:
Hallo zusammen. Ich finde die von Susanne aufgeworfenen Fragen sehr wichtig und auch gut auf viele andere Dinge, neben Sardinien, zu übertragen. Wir sollten alle dies ernst nehmen und nicht einfach polemisieren. Auch ich reise, fahre Auto, esse liebend gerne Fleisch und trinke sogar Wein. Aber ist es nicht gut, dies manchmal zu hinterfragen, oder dann wirklich bewusster zu machen? Ich bin mit meiner Frau schon über die sardischen Dörfer gefahren, mittags in eine Bar - zugegeben sie war die einzige Frau - jeder von uns hat ein 0,66er Ichnusa getrunken, und neben uns saßen drei sardische Männer, die sich ein Ichnusa geteilt haben! Es hat mich nachdenklich gemacht, und ich habe mich nicht wohl gefühlt. Also.. ich finde Susannes Fragen sehr gut und wichtig! Einen schönen Abend, Rüdiger
 
Rüdiger, ich kenne das Gefühl auch, aber wenn Ihr KEIN Bier auf der Insel trinken würdet, könnten sich die drei vielleicht noch nicht mal EINS teilen, also jetzt im übertragenen Sinn. Wichtig finde ich, dass man nicht "einen auf dicke Hose macht" und auf die "einfachen" Leute herabschaut. Evtl. wollten die drei zur Mittagszeit einfach nur jeder ein Gläschen und keine ganze Flasche Bier trinken, könnte ja auch sein.
 
Ich bin mit meiner Frau mittags in eine Bar - zugegeben sie war die einzige Frau - jeder von uns hat ein 0,66er Ichnusa getrunken, und neben uns saßen drei sardische Männer, die sich ein Ichnusa geteilt haben! Es hat mich nachdenklich gemacht, und ich habe mich nicht wohl gefühlt.
Um Dein schlechtes Gewissen evtl zu beruhigen: Dass drei Sarden mittags gemeinsam ein Bier trinken, muss nicht unbedingt auf den Mangel an Geld zurückzuführen sein. Unsere Handwerker z.B. haben sich oft eine Dose geteilt, weil sie den Geschmack mochten, aber die nachteilige Wirkung von Alkohol bei 35° im Schatten kannten. Gegen den Durst tranken sie Wasser.

peko
 
Zitat von peko

Differenziertere Beiträge schaff' ich nicht, und als echte Verlustnummer für dieses Forum fühl ich mich eigentlich recht wohl.

Ja peko, das glaube ich dir aufs Wort. Bei soviel Selbstgerechtigkeit macht es auch nichts wenn man sich als Verlustnummer outet.

Ich wünsche dir trotzdem einen schönen Abend.
Susanne
 
Sich eine Flasche Bier zu teilen, hat auf Sardinien überhaupt nichts mit Geldmangel zu tun, sondern mit Tradition und tief verwurzeltem Gemeinschaftssinn. Die Männer bestellen eine oder mehrere Flaschen, je nachdem wie groß die Runde ist, und das Bier wird auf alle Gläser verteilt. Die Gläser sind klein, nicht wie bei uns die Biergläser, sondern eher wie kleine Wassergläser. Wenn die Flasche und die Gläser der Runde leer sind, bestellt der nächste eine oder mehrere Flaschen und das Bier wird wiederum verteilt, und so weiter. Es ist auf Sardinien unmöglich, alleine zu trinken. Ich schäme mich, nicht weil wir uns mehr Bier leisten können, sondern weil jeder von uns vor seiner Flasche Bier sitzt ohne zu teilen, weil wir diese schöne Tradition nicht haben.
 
Zitat von peko
Ja peko, das glaube ich dir aufs Wort. Bei soviel Selbstgerechtigkeit macht es auch nichts wenn man sich als Verlustnummer outet.

finde ich jetzt nicht gerade konstruktiv oder zielführend.
 
liebe susanne,
du bist erst seit 2 wochen in diesem forum unterwegs und daher weder mit der forumseigenen "schreibkultur" vertraut noch kennst du die mitglieder und weißt nichts über deren persönlichen bezug zu sardinien.
deine eingangsfrage ist sicher interessant und wert, hier diskutiert zu werden. üblicherweise gehen wir hier sorgsam und tolerant miteinander um und es wäre gut, wenn du dich diesen umgangsformen anpassen würdest.
schönen gruß - daisy
 
Damit sich die, die nicht so mit den Gepflogenheiten auf dem Land vertraut sind, ein Bild davon machen, wie die Biertrinkerei funktioniert, hier ein Foto von unserem Besuch in einer Bar in Orune. Richtig integriert ist man, wenn es einem gelingt, auch eine Runde zu bestellen und zu verteilen, aber das passiert fast nie, das verbietet die Gastfreundschaft der Sarden. Vielleicht gelingt es jetzt dem einen oder anderen von euch, sind in die Runde zu schmuggen und Biere zu verteilen. Uns ist es in Orune trotz des Wissens um diese Tradition nicht gelungen, wir haben nur jede Menge Bier bekommen.

Das zum Thema "Wie fühlen sich die Sarden...." Sie fühlen sich gut, wenn wir als Fremde offen ihnen gegenüber sind, Zeit mit ihnen verbringen, ihre Erzählungen anhören und nicht nur am Strand sind, sondern auch Interesse an Land und Leuten zeigen.
 

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vielleicht kann man ja ein bier mitbringen, es in die kühlung schmuggeln und dann gibt der wirt ein freibier für alle aus?
ich kenne diesen brauch von schottland (im norden) - allerdings mit whisky. das würde meine leber heute nicht mehr überleben. insofern heißt es jetzt: kreativ sein auf sardinien - ein ichnusa geht schon mal.
und dass die gastfreundschaft der sarden sprichwörtlich ist, haben wir auch schon mehrfach erlebt. z.b. zugeparkt in galtelli landeten wir am ende beim riesenfest des heimlichen bürgermeisters mit aller prominez des umlandes - als entschuldigung. sowas hab ich echt noch nie davor erlebt. und keine chance, sich zu revanchieren, außer man kommt wieder und kauft kanisterweise wein zum mitnehmen - samt anleitung zum verkorken (ok offtopic modus wieder aus)

lg anke

ps: der echte bürgermeister hat uns dann auf anweisung des heimlichen noch durch das grazia deledda haus geführt und eine eigentlich gesperrt kirche gezeigt.
 
Anke, du bist überhaupt nicht im offtopic Modus gewesen, das passt wunderbar zum Thema. Ein Beispiel, wie leicht der Umgang zwischen Einheimischen und Fremden läuft, wenn man offen ist. Revanchieren kann man sich tatsächlich, indem man Öl oder den selbstgemachten Wein kauft - so grauslich der auch manchmal schmeckt, egal, loben und kaufen. Was ihr zu Hause damit macht, auch egal :D
 
wischw3
Wir sollten alle dies ernst nehmen und nicht einfach polemisieren

Liebe Daisyno

peko hat meinen Beitrag ins lächerliche gezogen, das hat ausser wischw3 scheinbar auch dich nicht gestört. Du siehst polemisiert wurde schon vor meiner, scheinbar nicht passenden Äusserung. Man gehe in den Foren üblicherweise tolerant und sorgsam miteinander um? Da gehe ich in der Kernaussage mit dir einig, nur warum spüre ich dann bei etlichen Forenmitgliedern so wenig davon? Du massregelst nur mich, und das wie ein unfolgsames Kind, warum? Weil ich hier neu bin, dem eingeschworenen Kern nicht zugehörig, unwissend und anscheinend auch eure Schreibkultur nicht verstehe? Erkläre es mir. Denn ich war immer der Meinung, dass die Regeln für alle dieselben sein sollten, das war aber hier nicht der Fall.

Gruss Susanne
 
@Georgie - wir haben seit 14 jahren (eben von jenem heimlichen bürgermeister) einen offenen malvasia. unglaublich, was aus dem geworden ist. mein mann wollte den wegkippen, weil er farbe angenommen hatte. der ist nicht gekippt, sondern sowas wie ein likör geworden. ich kann mir das kaum erklären - aufklärer gerne willkommen.

lg anke
 
hallo Susanne,

ich glaube, der ton macht die musik.
was polemik betrifft, verweise ich gerne hierauf: http://de.wikipedia.org/wiki/Polemik
ansonsten: du beziehst dich auf daisynos sehr sachlichen beitrag - ich empfinde diesen (deinen) als sehr emotional. warum? du musst dich nicht angegriffen fühlen und so um dich schiessen - das finden dann andere vielleicht ein bisschen befremdlich.

peko hat deinen beitrag nicht ins lächerliche gezogen - das ist deine interpretation.
daisyno maßregelt nicht, schon gar nicht wie ein unfolgsames kind - das ist deine interpretation.
ich selbst habe es nicht auf polemik angelegt, sondern mir meine gedanken gemacht - und mich kurz gefasst (meine 5 punkte antwort ist übrigens nur meine sicht, jederzeit ergänzbar von anderen).

komm doch mal wieder aufs thema zurück, ohne zu belehren/zu bekehren (entschuldige, das empfand ich [persönlich] in vielen passagen deiner beiträge so). ich fände das recht hilfreich.

einen frohen neuen tag wünsche ich
anke
 
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