Also ich bringe jetzt mal meine gesammelten Erfahrungen mit Ferienhäusern ins Spiel...
80er Jahre - Dänemark... einmal Urlaub in einer typischen Ferienhaussiedlung, die zur Urlaubszeit fest in deutscher Hand war. Die Einrichtung des Hauses war komplett dem Ikea Katalog entnommen. Also relativ einfach, aber praktisch. Diverse Feriengäste hatten Sachen hinterlassen... Bücher zumeist, aber auch kleine kitschige Stehrümchen, so als Präsent für die Vermieter. Dazu dann auch ein wenig "geplante" Deko in Form von Bildern, Vasen etc... das Haus sah also "bewohnt" aus. *Daumen hoch*
Nochmal Dänemark - in einem alten Bauernhaus, welches kurz zuvor vom Besitzer - der im Gesindehaus gleich nebenan wohnte - modernisiert worden war. Einrichtung eine Mischung aus Ikea und pfiffigen Ideen - wie z.B. gemauerte Küchenschränke - und alles noch recht neu. Da wir in der Nebensaison dort waren, war es zudem auch preislich sehr günstig... *Daumen hoch*
Erster Urlaub auf Sardinien - Villa an der Costa Rei im Mai... Nebensaison also günstig. Auch dieses Haus war erst "kürzlich" (= ein paar Jahre zuvor) renoviert worden. Die Möbel waren zweckdienlich. Nix aus dem "schöner Wohnen" Repertoire, aber auch keine Fundstücke vom Sperrmüll... Bilder, Vasen, Krimskrams, Bücher von vorherigen Gästen... auch ein "bewohntes" Haus, welches sehr angenehm war.. *Daumen hoch*
Gleiches Jahr, anderes Haus, Costa Rei im Herbst - grausig... ja, ein typisches Beispiel für "zum Glück haben wir eine Terrasse". Die Einrichtung war Kategorie Baumarkt und weder ansehnlich, noch bequem. Insgesamt hatten wir den Eindruck, daß da ein Ferienhaus hingestellt worden war, um mit möglichst wenig finanziellem (oder sonstigem) Einsatz in der Hauptsaison möglichst viel Geld einzunehmen... *Daumen runter*
Folgejahr, anderes Haus, wieder Herbst, wieder Costa Rei - nach kleineren Problemen, weil das eigentlich geplante Haus aufgrund eines Kanalisationsproblems kurzfristig nicht verfügbar war, wurden uns mehrere Alternativen angeboten... wir entschieden erstmal nach dem Ort (50m zum Strand und zum Supermarkt, 100m zur Eisdiele...) und beachteten erst im Nachhinein die Einrichtung. Kategorie: einfach, aber praktisch. Nicht wirklich neu, aber ordentlich nutzbar. Auch hier kein "schöner Wohnen" aber auf jeden Fall ein "okay Wohnen". Selbst ein wenig Deko war zu finden... und dazu ein Vermieter, der auf eine kleine Anmerkung - "Wir haben an der Terrasse die Wäscheleine so aufgespannt, daß man da eine Decke drüberhängen kann, um nicht in der prallen Sonne Frühstücken zu müssen" - sofort einen Mitarbeiter (Verwandten?) rüberschickte, um das Provisorium mittels ein paar Haken permanent zu machen... Für den nächsten Urlaub an der Costa Rei ist dieses Haus unsere erste Wahl. *Daumen ganz hoch*
Folgejahr, Sommer, Kurzurlaub in Berlin - Renovierter Altbau im ehemaligen Ostteil der Stadt. Vierte Etage ohne Fahrstuhl... *keuch* Die Einrichtung war recht modern... moderner als bei uns zu Hause... aber nicht in allen Fällen auch praktisch. "Schöner Wohnen" hatte hier wohl zumindest eine marginale Rolle gespielt... Optisch aber alles sehr angenehm. Zudem war im Vorderhaus das vermutlich beste italienische Restaurant Berlins untergebracht, eine kleine Trattoria mit winziger Speisekarte, großer Weinkarte und wechselnden Tagesgerichten... Keine Spaghetti Bolognese, keine Pizza, dafür Spaghetti mit Guanciale und ohne Sahne... Preislich anspruchsvoller als Sardinien (auch in der Nebensaison) aber dennoch erste Wahl wenn wir wieder mal in Berlin Urlaub machen... allerdings in der Wohnung eine Etage tiefer, die von der gleichen Vermieterin angeboten wird... *Daumen ganz hoch*
Gleiches Jahr, Nähe Bosa, Herbst - Über jemand hier im Forum gebucht. Traumhaus, tolle Lage, top renoviert und eingerichtet, daß man problemlos dauerhaft dort wohnen könnte. Bilder, Stehrümchen, Deko... alles sehr liebevoll ausgesucht und eingerichtet. Unterschied war wohl, daß hier "Deutsche Gründlichkeit" im Spiel war (in Form der Vermieterin...) Auch hier *Daumen ganz hoch*
Jetzt muß ich dazu allerdings noch ein paar Dinge anhängen
- auch hier in Deutschland ist "Schöner Wohnen" für mich seit Geburt eher lachhaft... In der elterlichen Wohnung war die Einrichtung seit den 50ern unverändert. Dann kamen ein paar - so 10? - Jahre in einem Gartenhaus mit geerbten Möbeln, brauchbaren Sachen vom Sperrmüll, geschenktem und wenig extra gekauftem. Dann Umzug und neu-einrichtung bei Ikea und durch gebrauchte Möbel... und wieder ein Umzug (der bislang letzte) in eine bereits komplett eingerichtete Wohnung - Stil: 70er Jahre + Teile aus meiner aufgelösten Wohnung... Es ist also wohl so, daß bei mir der Nutzwert von Möbeln weit den der Optik übersteigt...
- Ich liebe es grundsätzlich eher "rustikal" als "modern". Wenn ich in einer Ferienwohnung Möbel aus der Zeit um 1900 vorfinde, ist das für mich eher ein Grund zum Jubeln als zum Jammern... selbst wenn sie grob selbst zusammengezimmert sind.
- in Wohnungen, wie sie oft in Möbelkatalogen, Fernsehsendungen und "Schöner Wohnen" zu sehen sind, möchte ich dagegen nicht unbedingt leben müssen - selbst nicht für relativ kurze Zeit... zu steril, zu künstlich..
Ergo: Wohnen - auch im Urlaub - ist immer Geschmackssache. Und Geschmäcker sind, wie von anderen schon gesagt, verschieden. Ebenso wie Bedürfnisse... und Ziele.
Ich denke, es gibt auch auf Sardinien ein ganze Reihe von Vermietern, für die der - vielleicht nur kurzfristige - Profit das einzige Ziel sind. Und solange für relativ ungemütliche / schlecht ausgestattete / grottig möblierte Ferienwohnungen im Sommer trotzdem noch potentielle Mieter zu finden sind, besteht für sie kein Grund etwas zu ändern. Und das sich trotz dieser negativen Gesichtspunkte dennoch Kunden finden zeigt, daß nicht jeder gehobene Ansprüche hat oder diese finanzieren könnte.
Hier im Forum über schlechte Ferienhäuser zu jammern bringt m.E. aber relativ wenig, denn die sardischen Vermieter, die es vermutlich beträfe, sind hier sicherlich nicht zu finden.
Also bleibt wohl nur entweder auf den Urlaub auf Sardinien zu verzichten oder sich halt vorher so gut wie möglich zu informieren und bei einer Enttäuschung im nächsten Jahr etwas anderes zu probieren. Meiner Meinung nach, könnte (!) jeder auf Sardinien etwas in jeder Hinsicht passendes finden... also eigentlich... so.. rein theoretisch...