Sardinien in den 60er und 70 er Jahren
Autor: bo
Datum: 12.01.10 14:00

Hi Michaela,
Das war jetzt mal lustig, gelle? Mit dem 81-jährigen meinte ich damals meinen Paul. Ich selbst kann schon seit meinen ersten Schlaganfällen 1988 nicht mehr Auto fahren. Heute könnte ich zwar wieder, aber nach 22 Jahren Abstinenz ging es letztens nicht mehr, als ich es versuchte nach der devise: wenn ihm was passiert, sollt ich wenigstens noch können. Aus, hier sagt man: die Posse habe e Loch. Dies nur zur Erklärung.

Wir wohnen übrigens nördlich von Frankfurt, ziemlich genau zw. dir u. Hans. Lieb von dir, uns mitnehmen zu wollen, aber fahr bitte mit dem Zug u. ohne uns, momentan ist d. Autobahn zwar frei, aber es schneit ständig weiter.

Wenn der "Macher" unserer Musikgruppe endlich in die Puschen kommt u. uns ins Internet stellt, sag ich, wo ihr hinklicken könnt. Das Bild ist schon geschossen.

Den 1. Schlaganfall hab ich mir übrigens auf der Heimfahrt von Sardinien eingehandelt, auf dem Colle di Cima nach einem Beinahe-Unfall. Aber das und die Jahre danach waren so unerfreulich, davon mache ich keine Geschichte. Eine andere Episode fällt mir grade ein, die gehört noch in die 60iger-70-ger Jahre: "von Leuten, die unter der Brücke schlafen obwohl sie keine Obdachlosen sind". Kommt demnächst. LG Ju
 
Autor: margit
Datum: 12.01.10 15:59

Hallo Ju,

lese mit Freude und mit wachsendem Interesse alle Deine interessanten und fesselnden Beiträge. Du beschreibst Deine Erlebnisse so Bildhaft, dass es einem leicht fällt sich vorzustellen wie es damals gewesen sein könnte. Deine Beiträge sind für mich immer wie kleine Kurzfilme nämlich sehr kurzweilig und zeigt mir Sardinien vor allem auch mal von seiner menschlichen Seite.

All Deine Erlebnisse müsste man glatt in einem Buch festhalten. Fände ich gut. Ich würde es kaufen. :)

Freu mich schon auf Deine weiteren "Kurzfilme".

LG
Margit
 
Autor: bo
Datum: 12.01.10 16:04

Hi Antonietta,
Natürlich erinnere ich mich noch an die Bonbon-Währung. Es war eine klebrige Angelegenheit in den Geldbörsen. Und dann gab es da noch die "Assegni", die als Kleingeld überall in Umlauf waren. Es war ein unglaubliches Geld-Durcheinander. Erst als der Staat wieder genug Münzen ausgab, normalisierte es sich wieder. LG Ju
 
Autor: Feuerpferd
Datum: 12.01.10 16:30

Vielleicht kann man ja die Berichte auch zusammenfassen und dann im Hauptforum einstellen, damit sie nicht irgendwann verschütt gehen. Wie die Sardiniengeschichten aus Bosa. Geht das?

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela
 
Autor: bo
Datum: 14.01.10 21:04

Guten Abend Margit und Michaela,
Macht mal! Ich habe keine Ahnung, wie man das technisch hinkriegen sollte, aber interessieren würde es mich schon, mal alles zusammen zu übersehen. Ich fange nämlich schon an zu vergessen, womit ich angefangen habe.


@ Antonietta,
Ich bin dahintergekommen, was dich an dem Wort "verköstigen" stört so wie du es gebraucht hast. Interessiert es dich? LG Ju
 
Autor: Feuerpferd
Datum: 14.01.10 21:46

Hallo Ju, ich weiß auch nicht wie das geht.

Peter, kannst Du uns aufs Pferd helfen?

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela
 
Autor: bo
Datum: 14.01.10 22:02

In den "guten alten Zeiten", als man noch preiswerten Nepente aus den großen Stahltanks der Cantina sociale in Dorgali in 10 l Plastikkanister füllen konnte um sie mit heim zu nehmen, da fuhren wir jahrelang kreuz u. Quer durch Sardinien u. hatten überall auf der Insel unsere "Schlafplätzchen", wo man schnell hinfahren konnte um eine ruhige ungestörte Nacht zu verbringen. Niemand störte sich an uns Wildcampern. Eins war besonders schön u. v. der Hauptstrasse schnell zu erreichen: von Dorgali aus Richtung La Traversa kurz vor der großen neuen Cedrino-Brücke die alte Str. rechts runter, unter d. Brücke durch nach links in einem stillgelegten Steinbruch, wo sich nur ein paar Schweine aufhielten. Nie ein Problem für uns.

Eines Abends sangen die Tenores di Bitti in der Kirche von Nuoro. Es war ein sehr beeindruckender Abend, ich mag diese Art zu singen sehr. Da sie sehr spät anfingen, waren sie auch erst nach Mitternacht fertig. Zufrieden u. müde nahmen wir die Straße unter die Räder. Es war ja nicht weit. Nur sehr, sehr dunkel.Vor der Brücke rechts runter.....


Ein Schrei von mir: Stop! Wasser!!! Da mein Guter durch Erfahrung meine Lautäußerungen ganz gut einzuschätzen gelernt hat, stieg er ohne Diskussion voll in die Eisen. Geschafft, ein paar cm weiter und wir wären drin gewesen.
Wir hatten vergessen, daß sie die neue Brücke ja gebaut hatten um den Cedrino zu stauen. Der war im Laufe der Zeit ganz schön gestiegen. Da war also kein Durchkommen mehr. Auch nicht schlimm. Stück zurückfahren und etwas weiter oben nächtigen. Zufällig genau unter der Brücke. Morgens beim Kaffee meinte Paul sinnend: mal was neues, unter der Brücke haben wir nun auch mal geschlafen. Und wo sind jetzt unsere Plastiktüten?

Ich gebe sehr ungern Ratschläge, weil jeder seine Erfahrungen selber machen sollte. Einer aber liegt mir auf der Seele u. der muß jetzt raus:

An alle Sardinienneulinge die im Sommer auf stockdunklen Nebenstraßen unterwegs sind, nehmt bitte den Fuß vom Gas!! Nicht wegen eventueller Stauseen, davon gibts nur wenige. Sondern weil euch hinter jeder scharfen Kurve eine langsam dahintrottende Schafherde begegnen kann. Die werden nämlich nachts von Weide zu Weide getrieben um ihnen den Hitzestress tagsüber zu ersparen. (Für Sarden gilt das nicht, die wissen das sowieso).

Ps: Und wer von euch dort entlang fährt, könnte er bitte schauen, ob sie die alte Straße endlich gesperrt haben? Wäre ganz nett zu wissen. Ju
 
Autor: frei
Datum: 14.01.10 22:37

Ja, - und Wildschweine sind uns gleich am ersten Abend über den Weg gelaufen!

Heidrun
 
Autor: bo
Datum: 15.01.10 00:42

Hallo alle Interessierten,
natürlich haben wir in der CS Dorgali keinen Nepente aus Oliena geholt, sondern den guten Cannonau aus Dorgali. Aber wie das so geht, das Gedächtnis leidet mit der Zeit ein wenig und die Alten dürfen auch mal etwas verwechseln.
Grüße an alle Ju's "Guter"
PS. Ich lese auch mit großem Vergnügen im Forum.


 
Autor: sardinista
Datum: 15.01.10 07:00

buon giorno Ju's "Guter" , na das ist aber schön zu hören, dass auch du an diesem Forum deine Freude hast - willkommen :) . Vielleicht hast ja auch du Lust, uns am reichen Schatz deiner Sardinien-Erfahrungen teilhaben zu lassen. Ju's Berichte finden hier großen Anklang und ihr kennt Sardinien aus einer Zeit, in der viele hier noch garnicht wußten, wo Sardinien überhaupt ist ;-)
 
Autor: peter
Datum: 15.01.10 10:58

Moin Feuerpferd,
ich könnte schon die "echten" Kurzfilme rauskopieren und sie in einer eigenständigen Datei zusammenfassen, die man dann separat einstellen könnte. Um die Arbeit etwas zu verteilen: welche sollte ich dabei beachten? ist ja auch viel "Geplauder" dazwischen.
Apropos: im ja seit lägerem schon angekündigten neuen Forum, das leider wg. zu großen Investitionen immer noch nicht realisiert ist, aber eines Tages kommen wird, gibt es dann eine eigenständige Rubrik "Reiseberichte"
 
Autor: bo
Datum: 17.01.10 21:07

Nur damit ihr nicht denkt, Sardinien ist n u r aufregend u. abentheuerlich: die Insel kann auch ganz anders.

1968. Sommer. Wir zelteten auf dem CP links der Straße vor Santa Lucia. (Gibts den überhaupt noch?) Da die Kinder klein u. das Familienleben dementsprechend turbulent war, hatte ich mir angewöhnt, ganz früh aufzustehen um noch etwas Zeit für mich rauszuschinden.

Ich gehe also ganz früh morgens ans Meer u. setze mich auf einen Felsen. So ein stilles Meer hatte ich noch nie gesehen: nicht die kleinste Welle, keinen Millimeter Gekräusel am Ufer, tatsächlich wie ein Spiegel direkt flach hingelegt. Sowas hab ich hinterher nie mehr gesehen. Frieden. Einfach schön.

Durch meine Bewegung Beim Aufstehen regte sich auch neben mir was. Das, was ich für einen Felsen gehalten hatte, war ein überdimensional dicker Mann. Wirklich mehr breit als hoch. Beide hatten wir uns vorher nicht wahrgenommen. Und beide wollten wir den Zauber des Augenblicks nicht zerstören. Eine kleine Bewegung der Hand zum Gruß, ein halbes Lächeln des Einverständnisses, er blieb sitzen und ich ging meiner Wege. ju
 
Autor: Feuerpferd
Datum: 17.01.10 22:13

Hallo Peter,

könnte ich Dir die Arbeit erleichtern, indem ich die Geschichten in einem Word-Dokument zusammenfasse, formatiere und Dir dann zumaile?

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela
 
Autor: monalisa
Datum: 18.01.10 08:35

Hallo liebe Leser


Ich erinnere mich, damals als die Kinder noch klein waren, hatte ich
auf eine Pergamentrolle mit Tusche einen Plan gezeichnet, die Lage
eines Schatzes markiert. Der Lageplan entsprach den Umrissen
unseres Strands, dann die Ränder mit Kerze angesengt
und geschwärzt.
An entsprechender Stelle wurde eine Schatztruhe eingegraben,
gefüllt mit falschen Perlen und allerlei Glitter. Die Rolle kam in eine
Flasche, der Hals wurde mitWachs versiegelt und beim schwimmen
hat sie dann eines der Kinder entdeckt.
Die Aufregung war groß und mind. 10 Kinder beteiligten sich an der
Schatzsuche. Nach dem Dunkelwerden steckten wir Fackeln auf
und blieben die halbe Nacht am Strand.
Noch heute erninnern sich die damals Beteiligten gerne daran
und sind mittlerweile längst selbst Eltern.

monalisa
 
Autor: daisyno
Datum: 22.01.10 23:14

Hallo Ju,
Du schriebst von dem CP links der Straße vor St. Lucia.
Jetzt sind dort der CP "Selema" und dahinter - kurz vor St. Lucia - "La Mandragola". Ich weiß nicht, ob die beiden schon 1968 existierten. Der CP "Selema" vielleicht schon.
Wir waren mit unserer damals noch kleinen Tochter von 1991 bis 1998 jedes Jahr auf Mandragola und auch ich habe frühmorgens oft den Blick auf das spiegelglatte Meer, die Ruhe und den Duft des Pinienwaldes genossen. Etwas bequemer als Du saß ich allerdings als Erste und meist Einzige in der CP Bar mit Meerblick, leiser klassischer Musik, einem noch warmen Cornetto und dem besten Cappuccino der Welt (dank nochmal an die CP Kooperative Pia, Luigi, Angelo, Gianetto etc).
Erst als unsere Tochter nicht mehr mit uns fuhr, konnten wir anfangen, uns langsam den Rest der Insel zu erschließen und wir sind genussvoll immer noch dabei. Aber der Campingplatz Mandragola war eben unser Inseleinstieg und deshalb etwas Besonderes, an das ich mich gern (und ein wenig sentimental) erinnere - times change.
Irgendwann im letzten Jahr gab es hier im Forum die gruselige Information, dass Mandragola einer Feriensiedling weichen soll. UNVORSTELLBAR! FREVEL!
Gibt es dazu etwas Neues?

Gruß - Daisy
 
Autor: bo
Datum: 23.01.10 14:31

Hallo Daisy,
Ja, es war "Mandragola". Das mit der Feriensiedlung glaube ich übrigens erst, wenn ich es sehe. Genau wie die Windparks vor is Arenas oder im Süden. Letztens ging sogar durch die Zeitung, daß sie einen Flugplatz bei S.Antioco bauen wollten. Grad begann ich mich mit d. Gedanken anzufreunden, daß ich dann zu fuß v. Flugzeug aus nach hause hätte gehen können, als ein Freund sagte: "Macche aeroporto", was mit seiner Betonung soviel hieß wie "Was für ein Quatsch".
Was ich damit sagen möchte ist: Ab und an kommen Ideen auf, die auch breitgetreten werden, aber das Beharrungsvermögen der Sarden (was einen zugegebenermaßen manchmal auf die Palme bringt), man kann auch Sturheit dazu sagen, verhindert meist das Schlimmste. LG Ju
 
Autor: bo
Datum: 23.01.10 15:00

Man wundert sich wirklich, was alles an Erinnerungen hochkommt, wenn einem rechts u. links die Stichworte zufliegen.Hans schrieb hier am 8.12.09: besser vom Esel getreten als.....

Damals konnte man noch, von Bosa aus kommend Richtung Alghero, links ans Meer abbiegen u. auf den Weideflächen am Meer ruhig schlafen. (Jahre danach war alles eingezäunt u. heute hats da, wie ich gehört habe, einen CP).

Wir fuhren also zu den weidenden Eseln u. ich kochte Abendessen. Noch lange danach, als die Kinder aus dem Haus waren, kochte ich aus Gewohnheit viel zu viel. Auch an diesem Abend. Ein Riesenteller Reis (salzig, m. Erbsen, Tomaten, Deutschen Würstchen, Pfifferlingen) blieb übrig. Wohin damit? Wegwerfen kann ich heute noch nicht gut, dazu hatten wir nach dem Krieg zu viel Hunger. Es war mir ganz klar, das war kein Eselfutter, aus Jux ging ich hin u.hielt ihm den Teller vors Maul. Der fraß den Teller leer, schneller als ich gucken konnte.
Und dann wollte das Tier mich beißen! Ein Klaps auf seine Nase mit dem (Plastik)teller klärte die Fronten, aber beim Klettern ins Auto überlegte ich: Warum wollte er beißen? War er sauer, weil es zu wenig war oder hatte er was einzuwenden gegen Cayenne-Pfeffer? Ju
 
Autor: P1
Datum: 24.01.10 07:58

Wußte ich gar nicht mehr, Ju, aber stimmt ich schrieb dergleichen.
Wie ist den der Camping auf der Bosa Seite von Alghero, da ist mir nichts aufgefallen.

Hans
 
Autor: bo
Datum: 24.01.10 11:02

Bin da lange nicht mehr langgefahren, hab von d. CP. auch nur gelesen. Es wurde nur alles immer mehr eingezäunt. Die Esel-Wiesen liegen ganz knapp hinter Bosa, da wo die Str. langsam anzusteigen beginnt, kurz vor der scharfen Rechtskurve in die Berge. Ju
 
Autor: bo
Datum: 24.01.10 21:23

Noch eine Erinnerung an ganz früher

die ist jetzt für Mario, da er sein Tirrenia-Trauma immer noch mit sich rumträgt (siehe "Fähre ab Genua" v. 24.1.10, 18.51)

Hab mir lange überlegt, ob ich mich traue das hier zu erzählen, bin nicht so sehr stolz drauf u. es grenzt schon an Vandalismus. Monatelang habe ich darauf gewartet, daß sie mir eine Rechnung für die Reinigung schickten u. hätte sie auch anstandslos bezahlt. Habe aber nie was gehört v. den Ferrovie dello Stato. Die alte "Hermea" ist ja auch inzwischen abgewrackt.

Sie war so ein altes Schiff wo der Zug stückweise 1 rechts, 1 links ,Restzug mit Lokomotive in der Mitte.

Antonietta, wohin hat man denn unsere Autos hingepackt, in die Freien Räume dazwischen? Erinnerung weg.

Wir bekamen eine Kabine, o Wunder, aber unter der Wasserlinie, also fensterlos u. nahe dem Maschinenraum. Die Geräuschkulisse war grandios: quietsch, fauch, schleif, kratz, dazwischen eine zuschlagende Stahltür. Für mich kein Schlafen möglich. Ich ging rauf an Deck, fand eine freie Holzbank. Endlich Ruhe. Wachte auf, weil sich was an meinem Rocksaum bewegte. Ich glaube, wenn der Schiffsjunge nicht wie ein geölter Blitz verschwunden wäre, wäre ich handgreiflich geworden. Nicht weil er versuchte seine anatomischen Studien an mir zu vervollkommnen, sondern weil er mich g e w e c k t hatte.
Also wieder runter, nächster Schlafversuch. Quietsch, fauch......
Schäfchenzählen funktionierte nicht, sie sahen mich s o vorwurfsvoll an.
Wenn man neben 3 tief schlafenden Personen liegt u. selbst nicht schlafen kann, denkt man entweder an Mord oder macht ein Gedicht. Da Mord aus familiären Gründen nicht in Frage kam, wanderten die Gedanken zu dem Schulheft einer 10-jährigen, das ich tags davor gesehen hatte u. das sich mit sardischer Poesie beschäftigte. Ob ich das auch konnte?
Nach längerem Überlegen nahm ich einen dicken schwarzen Filzstift und schrieb mit 3 cm gr. Buchstaben an die Kabinenwand:

O Sardegna tranquilla, dove solo i grilli cantano durante la notte
paragonato con questa cabina col fischio infernale
sei il paradiso.

Poesie war das sicher nicht u. auch die Sprache ließ zu wünschen übrig, aber danach war mir besser. Auch wenn es nutzlos war, so hatte ich doch wenigstens versucht mich zu wehren. Im übrigen schrieb schon 1968 ein Journalist, es wäre jetzt vielleicht an der Zeit die Verkehrsmittel den Reisenden anzupassen und nicht umgekehrt. Ju
 
Autor: antonietta
Datum: 25.01.10 01:42

Ju,

ein schlechtes Gewissen brauchtest du wirklich nicht zu haben wegen der poetischen Zeilen ( da steckt ja Wahrheit drin ) , die du da in der Kabine hinterlassen hast....gefällt mir sehr gut....weils stimmt...
Ich habe, insbesondere in den 70ern, aber auch in den 80ern, öfter junge Sarden gesehen, die an Deck Sprüche und sardische Weisheiten auf die mit dicken weißen Lackschichten versehenen Außenwänden schrieben.

Es war immer auf den Fähren, die von Cagliari zurück aufs Festland gingen ( Civittavecchia ).

Es waren Soldaten, die vom Heimaturlaub zurück aufs Festland mussten und junge "Gastarbeiter", die nach 4 Wochen Jahresurlaub bei den Eltern, Geschwistern u. Großeltern nun wieder zurück in die Fremde mussten.
Viele von ihnen nach Deutschland...

Ich habe das oft beobachtet, weil ich nachts, wenn ich nicht schlafen konnte mich aufs Deck begeben hatte, mich auf eine Bank setzte u. zusah.
Es haben sich auch kleinere Gespräche ergeben zwischen uns...
Sie passten nur auf, dass keiner vom Personal da vorbeikam.
Aber das ließ sich ja auch bei der nächsten Schiffsreinigung wieder beseitigen...

Das, was die jungen Sarden da an die Wände schrieben, war die Sehnsucht nach Sardinien, sie wussten nicht, wie lange sie in der Ferne noch bleiben mussten.
Ich habe mir leider keine dieser geschriebenen Sehnsüchte merken können...
Aber Ju, du hast es mir mit deiner Geschichte wieder ins Gedächtnis geholt...

Was du mit dem Zug im Schiff meinst, verstehe ich nicht ganz....Vielleicht meinst du Güterwaggons ???...und wo da die Autos geparkt haben.... keine Ahnung....
Ich bin ja bis Ende der 80er stets zu Fuß an Bord gegangen -- über diese Eisen - Außentreppe, wo ich dachte, meine kleinen Füße rutschen durch diese Lücken durch.....

Sag doch bitte, was du genau meinst mit dem Zug im Schiff.....

gruß
antonietta



Nachricht bearbeitet (25.01.10 01:44)
 
Autor: P1
Datum: 25.01.10 07:43

Mit der Kabinenvergabe war das wohl so eine Sache, Jutta erzählte am Wochenende auch solche Geschichten, von wegen es oblag der Besatzung wer und wo und nur gegen bares, war ja eine schlimme Zeit.

Hans
 
Autor: bo
Datum: 25.01.10 11:01

Guten Morgen Antonietta,
Es waren sowohl Güter- als auch Personenzüge. Der Zug kam vor dem Schiff z. Stehen, fuhr rückwärts rein, entweder links oder rechts, fuhr bis vorne durch, koppelte die Waggons ab, die innen Platz gefunden hatten. Rest fuhr raus, Weiche wurde umgestestellt, zurück auf die andere Seite. Rein, diesmal auf die andere Seite des Schiffes (wegen der möglichst gleichmäßigen Belastung des Kahns), abkuppeln was reinpasste, Rest Zug wieder raus. Weiche umstellen, die übrigen Waggons mit der Lok in die Mitte abgestellt. Die Kinder fanden es faszinierend. Die Schafe, die wegen Überlänge in den Waggons bis zum nächsten Tag warten mußten, wohl weniger. Unsere Autos können eigentlich nur in dem Zwischenraum zw. den Waggonreihen Platz gefunden haben. Aber das ist mir völlig entfallen.

(Du bist aber früh wach.) LG Ju
 
Autor: bo
Datum: 25.01.10 18:00

@ Antonietta,
Paul hat mich gerade berichtigt. Da er das Auto immer fuhr, hat er sich daran erinnert, wie das ging.
Es waren nur die Güterzüge die stückweise reinfuhren. Die Personenzüge luden ihre Fracht vor dem Schiff aus, daher unsere Erinnerungen an die Treppen, wenn das Schiff anlegte, stand ein anderer Zug bereit, der die Passagiere aufnahm und weiterfuhr auf der Insel.

Und die Autos wurden zuerst reingefahren, mit einem Fahrstuhl nach unten befördert u. dort verstaut.

Was für ein Unterschied zwischen damals u. heute. Die letzte Überfahrt mit Moby: preiswert, weil Nebensaison, riesengroß, an einer Wand ein Doppelbett, an der anderen ein Einzelbett, obendrüber 2 Hochgeklappte, von denen man sich die Kopfkissen holen konnte zwecks bequemerem Liegen, die gesamte Decke verspiegelt!!! Was für ein Luxus. Auch mal angenehm. Ju
 
Autor: antonietta
Datum: 25.01.10 18:51

Liebe Ju,

es ist schon erstaunlich, je detaillierter du das beschreibst, umso mehr kann ich mich auch wieder dran erinnern.... Da war was mit den Waggons, die ins Schiff reingefahren wurden über eine große Rampe.
Mein Gott, ist das lange her !!
Wahrscheinlich war ich zu sehr beschäftigt mit der Kofferschlepperei u. der Vorfreude, endlich aufs Schiff zu kommen u. hab das gar nicht so wahrgenommen.
Wir Passagiere mussten jedenfalls schon vorher aussteigen u. noch ein Stück laufen, das war wohl auch ein anderer Zug.

Freue mich auf weiteren Erinnerungsaustausch mit dir...

Das mit den Autos im Fahrstuhl kenne ich gar nicht, da habt ihr doch bestimmt die Schlüssel abgegeben ans Personal oder ist dein Mann selbst mit da runter gefahren, oder wie ging das ??

LG
antonietta


( ps: ich war noch nicht wach, ich war NOCH wach )
 
Autor: bo
Datum: 25.01.10 22:30

@Antonietta,
Man mußte die Schlüssel dem Personal abgeben u. dann sah man seinen geliebten fahrbaren Untersatz im Untergrund verschwinden. Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute da innerlich gebetet haben.

So schreckliche Sachen wie mit deiner Nonne haben wir nicht erlebt. Nur einmal (in einer Vierer-Kabine) eine Dame, die eine Nierenkolik bekam. Es ging ihr sehr schlecht, die Aushilfskrankenschwester war schlichtweg überfordert. Ein Handy hatte damals noch kein Mensch. Ich beschloß zum Kapitän zu gehen, damit der einen Rettungswagen zum Hafen beordern konnte. Nachdem ich die üblichen Abwimmelungsversuche abgewehrt hatte (der Terrier unter meinen Ahnen hob den Kopf ) gelangte ich zum Kapitän, erklärte ihm den Fall, er erbat den Rettungswagen zum Hafen. Alles klappte, die arme Dame wurde bei Ankunft sofort behandelt.

Was mich aber wirklich erstaunte war folgendes: ich mußte lange Gänge duchqueren in den Mannschaftsquartieren und stellte fest: die lebten ja viel komfortabler als wir armen Reisenden! Hell, freundliche Atmosphäre, gute Gerüche aus der Mannschaftsküche. Die mußten ja auch viel länger auf d. Schiff leben, während wir zahlendes Herdenvieh nach 10 Std. wieder weg waren. LG Ju
 
Autor: peter
Datum: 26.01.10 00:24

Michaela,
ja mach das doch mal und schicke es. Ich bin im Moment völlig mit Arbeit zugedeckt, komme zu so was also derzeit selbst nicht.
 
Autor: antonietta
Datum: 26.01.10 00:52

Ja, die Kabinen waren wirklich sehr klein u. beengt, das habe ich selbst als Kind so empfunden, obwohl mir das eigentlich egal war.
( ob es eine Toilette in der Kabine gab, weiß ich nicht mehr, ich glaube, wir hatten nur ein kl. Waschbecken ).

Ich schlenderte sowieso über alle Decks, die Treppen rauf u. runter u. durch
die langen schmalen Gänge zu den Kabinen. Da musste man sich echt unbedingt die Zimmer-Nr merken u. welches Deck es war, sonst war man verloren. Ich hab sie jedenfalls gefunden...

Hoffe, ihr habt euren Wagen stets unversehrt zurückbekommen....

LG
antonietta
 
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