Sardinien in den 60er und 70 er Jahren
Autor: bo
Datum: 04.12.09 13:16

Hallo, Monalisa
Apropos: kein Nullleiter u. Rauch aus den Dosen. Ich bin nie d ahinter gekommen, ist das nun mangelndes Wissen der Ausführenden oder gehört das zu den Erfahrungen der Sarden, die ich oft habe sagen hören: Arbeit finden ist hier nicht das Problem, aber Arbeit behalten!
Beispiel: Wasseraustritt vor dem Haus. Ich aufs Rathaus u. d. Schaden gemeldet. Kommen auch gleich 3 Arbeiter, reißen die Strasse auf, schneiden das schadhafte Stück raus u. ersetzen es
, säuberlich angeschlossen rechts u. links, durch ein Stück Plastikrohr. OK.und dann füllen sie den Graben wieder auf m. d. Brocken der alten Strassendecke, wobei darauf geachtet wird, daß auch ja die scharfen Kanten auf dem neuen Rohr zu liegen kommen. Der 1. (oder ein anderer) schwerbeladene Lastwagen, der dort parkt........erfordert dann eine erneute Reparatur.
LG Ju
 
Autor: monalisa
Datum: 04.12.09 14:18

bo

oder enel montiert in abwesenheit des hausherrn einen neuen stromverteilerkasten, reißt dabei die verbindung im haus auseinander
steckt den neuen kasten nur rein in die öffnung, wenn du dann kommst
alles neu - aber kein strom mehr da !

monalisa
 
Autor: bo
Datum: 04.12.09 17:22

Um Himmels Willen, schweigen wir v. d. Enel
,sonst werde ich ausfallend.

Eins hat sich gebessert in Sardinien seit damals. In den 70iger Jahren behandelten sie ihre Tiere unsagbar. Nachdem wir tagelanges Jaulen gehört hatten, kam eines Tages der Hund bei uns an, der sich durch d. Zaun gebissen hatte (seine Schnauze sah dementsprechend aus). So dürr, daß er swich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, die eigenen Vorderpfoten vor Hunger angefressen. Und er gehörte jemanden, er hatte ein Halsband an. Als ich das dann einem Bekannten erzählte, meinte der nur: "cosa voi, è solo una bestia."
Heute ist das anders. man sieht immer mehr Hunde, die stolz an der Leine mitgenommen werden, was für deutsche Verhältnisse normal ist, aber dort erst langsam sich durchsetzt. Man entsorgt die Überzähligen nicht sofort in der Mülltonne, sondern bietet sie erstmal auf dem Markt möglichen Tierliebhabern an.
Neulich traf ich in der Dunkelheit am Hafen einen Bekannten, der einen Teller Pasta trug. Wo gehst du denn damit hin? Verschämte Antwort: Die Hafenkatzen füttern. Da hatten doch tatsächlich die Einwohner sich zusammengetan, eine Holzpalette senkrecht gestellt als Windschutz u. regelmäßig Wasser u. Futter hingestellt.
Der Clou war dann "Billy" der Hafenstreuner, der sich Essen u. streicheleinheiten von Touris u. Hafenarbeitern holte. Eines Tages fragte ich in die Runde: wo ist denn Billy abgeblieben? Antwort: Der ist nicht mehr hier, è diventato padrone. Kurz danach sah ich ihn auf dem Beifahrersitz eines Autos. Er hatte offensichtlich einen chauffeur gefunden.

Natürlich sollte man die Entwicklung eines Landes nicht nur danach beurteilen, wie sie ihre Tiere behandeln. Vielleicht ist aber Sardinien doch nicht ganz hoffnungslos? Ju
 
Autor: P1
Datum: 05.12.09 12:09

Also ihr Lieben, bis hierher hab ichs gelesen.
Ich muß wohl nicht nochmal wiederholen, daß es hier niemanden rangmäßig zusteht über Beiträge zu urteilen. Also bo, nix Fettnäpfchen, war absolut in Ordnung und mein Schatz und ich haben alle Beiträge gelesen. In diesem Zusammenhang Danke an Monalisa und Antonietta macht weiter so.

Grüße Hans
 
Autor: antonietta
Datum: 05.12.09 20:21

Hallo zusammen,

ich hatte Schwierigkeiten mit dem Internetzugang. Immer, wenn ich was schreiben wollte bin ich aus dem Netz geflogen. Das Problem ist
(hoffe ich !!!) jetzt behoben.

Danke, Hans, für deine lieben Worte...

Monalisa, was du schreibst, hätte auch von mir sein können. Die Elektrik !!
Nur dass es bei uns kein Neubau war, sondern mein Elternhaus, das meine Mutter von ihrem früh verstorbenem Vater geerbt hat.
Als meine Eltern heirateten, waren es nur zwei kleine Zimmer und sonst nix.
Dann kamen die ersten Kinder u. Anfang der 50er Jahre hat mein Vater nach u. nach das Haus vergrößert und später das Obergeschoss gebaut.

In den 70er Jahren war das Haus dann vermietet an eine junge Familie
und wir waren in D. Die Mieter beschwerten sich, ständig war was kaputt,
die Sicherungen flogen raus, der Kühlschrank am Morgen aufgetaut, die Lebensmittel (gerade im Sommer ) verdorben und und und...

Mein Vater war ja nicht vor Ort, also beauftragte er über seine Brüder
" Elektriker ", die das jeweils reparierten. (Aber gelernte Elektiker, wie wir das hier kennen, gab es nicht - jeder konnte sich Elektriker nennen - ) War an einer Stelle was fertig, ging es woanders von vorne los.
Da lagen Kabel direkt neben dem Waschbecken u. völlig unisoliert...usw..

Das hat meinen Vater richtig viel Geld gekostet u. er hat sich immer darüber geärgert, weil er er nicht da war u. alles in seiner Abwesenheit erledigt werden musste.

Jetzt mach ich mal einen Sprung...

Auch heute stecken noch teilweise die maroden Kabel u. Leitungen in den Wänden - es ist immer ein gewisses Risiko dabei - . Zum Glück ist mein Schatz `ausgebilderter `Elektriker u. hat im Laufe der Jahre auch schon einiges repariert und sieht auch schnell, wo der Fehler liegt.
Aber einen FI haben wir immer noch nicht.
Ende August 2007, am Vorabend unserer Abreise, hatte ich noch eine Maschine Wäsche gewaschen, wir saßen auf Terasse bei einem Glas Ichnusa, da hörten wir einen Knall aus dem Bad - die Waschmaschine war implodiert. Was soll ich sagen -seitdem wasche ich per Hand - die paar
T-Shirts im Sommer...
Aber keine Sorge...dies ist ein Erfahrungsbericht von mir - die Ferienhäuser-u. Wohnungen auf Sardinien sind auf dem neuesten Stand
und unser Haus wird auch nicht vermietet...

Liebe Grüße
antonietta
 
Autor: bo
Datum: 05.12.09 21:14

Liebe Antonietta,
gehen in T. immer noch einige Frauen mit grünen Kopftüchern? LG Ju
 
Autor: antonietta
Datum: 05.12.09 21:34

Liebe Ju,

ja die gibt es noch vereinzelt, aber nicht mehr so häufig wie früher. Schade ...
Zu den
Festen wie S`Antioco, S`Ignazio oder S`Isidoro natürlich tradizionell..
Die Umzüge durch`s Dorf... Ich freue mich immer, wenn ich gerade zu der Zeit da bin

saluti antonietta
 
Autor: P1
Datum: 05.12.09 23:10

Hallo antonietta,
sag Deinem Schatz einen schönen Grüß, so von Kolege zu Kolege.
Ihr habt das aber so nebenbei mitbekommen, daß ich in diesem Jahr Teulada besucht habe und ich muß euch sagen da hat sich in 23 Jahren einiges getan. August 1985, wo ward ihr da eigentlich zu der Zeit, oder ist euch am Ende ein weißer Mercedes 123 T Model mit deutschem Kennzeichen aufgefallen? der gutaussehende junge Mann wäre nämlich ich gewesen, ha Späßle gmacht würde jetzt wer sagen?
Also mir ist niemand mit Kopftuch aufgefallen, aber wie schon gesagt, es hat sich einiges verändert. Auch die Mauer wo 1985 noch die alten Männer saßen ist einer modernen Treppenarchitektur gewichen.

LG Hans
 
Autor: monalisa
Datum: 06.12.09 09:35

Hallo Hans, sag mal

könnte es sein, dass dein weisses t-modell das kennzeichen "tü" oder so ähnlich trug und dein haus auf dem hügel "punta del grillo" steht ? und dass dein weisses auto einem dunkleren, aber gleichen modell weichen musste ?
dann nämich wäre ich dem wirklich gutaussehendem jungen mann schon
des öfteren begegnet und dann krieche ich aus der deckung!

liebe grüße - monalisa
 
Autor: bo
Datum: 06.12.09 12:08

Hallo Hans,
Beim Durchforsten meiner alten Logbücher (sowas haben wir geschrieben von allen Jahren u. allen Reisen, sonst kommt man ja am Ende völlig durcheinander), stellt ich fest, daß wir 1985 erst im September unten waren,v. 22.9.-25.9. Hätte also keine Möglichkeit gegeben, sich über den Weg zu fahren.

@ Monalisa, die Welt ist so riesig u. manchmal doch so klein. Schön Ju
 
Autor: antonietta
Datum: 06.12.09 12:49

Hans,

und ich war zur Jahreswende 1984/85 unten u. dann im Sommer nicht mehr.
Da haben wir uns ja `knapp` verpasst.
Wo jetzt die Treppe ist, standen früher alte Bäume, unter denen die alten
Männer saßen. Es hat sich wirklich viel verändert in all den Jahren.

Gruß antonietta
 
Autor: P1
Datum: 06.12.09 13:45

Nein Monalisa, DON wäre richtig gewesen und ich habe leider kein Haus auf der Insel und 1985 haben wir wildgecampt. Wir waren eine Gruppe von 12 Erwachsenen und 2 Kindern und haben unsere Zelte am Capo Malfatano aufgeschlagen, Wasser geholt haben wir in Teulada oder Chia und unseren Müll natürlich entsorgt. Auch haben wir eine Grube gegraben um kein fliegendes Papier und sonst nochwas sichtbar zu hinterlassen, man möge es uns verzeihen, aber zu der Zeit war das wohl auch noch kein Problem.
Es wäre auch zu schön gewesen Mädels.

Einen schönen Sontag noch, Hans
 
Autor: monalisa
Datum: 07.12.09 08:55

schade hans,

aber nun werde ich weiterhin ausschau halten und autos mit don-kennzeichen nach guten körpern sondieren !

viel spaß in der neuen wochen - monalisa
 
Autor: P1
Datum: 08.12.09 04:59

"körpern sondieren" ist halt schon eine Weile her, da sind jetzt auch schon ein paar Kratzer am Lack. Aber macht doch weiter und erzählt uns noch ein paar alte Geschichten, durchaus auch vom Essen und Trinken wir können für unser Kochevent noch ein paar Ideen brauchen. Wirklich einfache ursprüngliche Sachen. Es ist zur Zeit jemand von uns auf der Insel und der könnte die Zutaten im Januar mitbringen.

LG Hans



Nachricht bearbeitet (08.12.09 05:03)
 
Autor: bo
Datum: 08.12.09 10:40

Morgen Hans,
das was ich beisteuern könnte, kann P.J nicht mitbringen, das wächst erst im Frühjahr am Strassenrand u. würde wohl d. Transport nicht überstehen. Wenn die gelben Margeriten blühen, sind auch die Milchdisteln richtig z. Ernten. Leicht zu erkennen an ihren weißen Punkten. Man nehme eine Schere, schneide sie von unten ab. Die Köpfe (dürfen noch nicht geöffnet sein) kann man in Salzwasser kochen u. unter Öl konservieren. Die Stiele werden m. d. Schere entstachelt u. je nach Gusto wie Spargel zubereitet. Schmecken auch so. Hmmmm! Ich habe es mal vorgesetzt bekommen aber selbst nie ausprobiert. War mir zu viel Aua-pieks u. der Hunger auch nicht groß genug.

schnell andere Frage: habe gestern morgen "herrl. Sardinien" gelesen, fand es für einen Montagmorgen s e h r erheiternd, der letzt Eintrag war aber schon 3 Monate her. Oder länger. Da sollte wohl nieman mehr was dazuschreiben, es liest keiner mehr, oder werden solche threads offiziell geschlossen und wie?

Ist schon lustig: letztlich reduziert sich das Leben auf Essen, Trinken, das Gegenteil u. bißchen Wärme im Winter.

Schade, daß der geplante Koch-Event sich in St. in Luft aufgelöst hat. Deine Frau hat mein tiefstes Mitgefühl, wenn sie danach bei euch spülen muß.

Welches Buch v. Peter soll ich zuerst lesen? Mache grundsätzlich keine Geldgeschäfte über Elektronik, habe aber einen Guten Hugendubel, der mir alles bestellen kann. Hilft viell. auch gegen m. d. S. Gruß Ju
 
Autor: Mario
Datum: 08.12.09 11:18

Hallo Ju!!!

Die Küche machen wir Männer sauber, hab ich grad beschlossen....wer ist dabei?!?!?! Die Frauen haben schon genug Arbeit mit uns..zumindest meine mit mir!!!!

Viele Grüssle aus dem Schwabenland, Mario!!!
 
Autor: P1
Datum: 08.12.09 14:08

"herrl. Sardinien" wo steht das Ju? wenn Du der Meinung bist der Beitrag ist es wert nochmal aufgearbeitet zu werden, schreib Deine Gedanken darunter, dann kommt er wieder nach oben. In der Winterpause ist das keine schlechte Idee, die alten Geschichten ins Gespräch zu bringen. Wenn der Thread geschlossen ist kann niemand mehr etwas dazuschreiben, aber solange das geht, ist nix geschlossen.
Das Kochevent hat sich nicht in Luft aufgelöst, es ist sogar sehr aktiv, aber im Hintergrund (Du erinnerst Dich vielleicht der e-Mail Kontakt) schreib der Michaela eine Mail, die sagt Dir dann schon was Sache ist.
Ja, Ju, offensichtlich hat sich was geändert in dieser Zeit jetzt müssen die Männer ran in der Küche, das war bei Dir noch anders gel, ja, ja, die gute alte Zeit. Aber von diesen Milchdiesteln war hier mal die Rede und keiner wußte ganau wie man das macht. Sei doch so gut und eröffne einen neuen Thread, mit dem Titel " die vergessenen Genüsse einer Insel" oder so ähnlich und da schreibst Du solche Dinge rein. Sowas würde mich brennend interessieren und ich denke nicht nur mich.
Gibs zu es macht Spaß mit uns, Hans
 
Autor: bo
Datum: 08.12.09 17:02

Irrtum meinerseits. Es hieß "schönes Sardinien" unter Treffen u. Plaudern, ganz am Ende ab Beitrag Stammi bene v.10.11.09. (ist ja garnicht so lange her.) Ich hab vielleicht gelacht!!! Aber zurückholen bräuchten wir es eigentlich nicht. Es ist nur so: je weiter ich hier lese, desto mehr Erinnerungen kommen hoch u. öfters tritt mich der Esel u. ich möchte spontan was dazu schreiben. Meist kann ich mich bremsen.

"Die vergessenen Genüsse". Muss ich noch bisschen drüber nachdenken ob mir genügend einfällt.

Gebe zu: es macht Spaß. Ju
 
Autor: P1
Datum: 08.12.09 17:18

Ju mach einfach, schreib drauf los wenn Dich der Esel tritt. Immer noch besser als wenn Dich der Bus streifen würde.
Das hier ist das Plaudereck, da darf man das.

Hans
 
Autor: monalisa
Datum: 08.12.09 17:34

ja die siebziger Jahre...

eine fähre buchen, ging damals glaube ich, gar nicht, nur bei traghetto,und
da mußte man einen ital. bahnhof ansteueren und konnte ein ticket kaufen.
damit war es aber noch nicht getan, das mußte im hafenbüro abgestempelt
werden, da stand nun eine schlange, ach was sage ich, ein traube von menschen, die mit den längsten armen oder dem lautesten organ, bekamen
den stempel natürlich eher, als wir, die sich ordentlich einreihten. und dann
waren da noch die streiks, einmal standen wir 36 stunden im hafen, ohne
durchsage, ohne auskunft, wann es denn weitergehen sollte. die toiletten
waren.... dann diese hitze im august, da mußte man die insel schon sehr lieben,oder ein haus dort haben, das wenigstens einmal im jahr besucht werden wollte, sonst wäre man umgekehrt. unsere kinder nannten diese fährverbindung fortan "tragödie".
wenn wir dann angekommen waren, war natürlich alles vergessen.unsere
damals noch kleinen kinder hatten die absolute freiheit, felsen kraxeln,
aufbleiben wie die ital.kinder, mit minimopeds fahren, die örtliche polizei
hat noch freundlich hinterhergewinkt. die kinder hätten am morgen lieber
jede semmel einzeln im dorf geholt, weil mopedfahren so schön war.
(an die grünen unter euch, es ist fast 40 jahre her und wir haben damals
noch nix über umweltverschmutzung gewußt!! heute laufen auch unsere
großen kinder und die enkel diesen weg zu fuß!!)
lieber hans, über kochrezepte kann ich leider keine empfehlungen geben.
wir wurden wie im obigen beitrag bereits gesagt, von den fischern bekocht
die aber auch der einfachheit halber, fischsuppe oder gegrillten fisch
zubereiteten. was es sonst noch bei mir gibt, kennst du alles - und das
sogar besser.
so für heute reichts - wenn mir wieder was einfällt, schreibe ich weiter.

lg. monalisa
 
Autor: Mario
Datum: 08.12.09 17:48

Hallo Miteinander!!!

Vergessene Genüsse, ich hab lang überlegen müssen und dann fiel mirs ein.

Meine Tante Rosalba hat für uns immer Pesto gemacht, selbst gemacht. Die muss es ja auch können als gebürtige Genueserin. Anfangs hab ichs ja gar nicht gemocht, aber später bin ich dann doch auch noch auf den Geschmack gekommen.

Eine andere Tante von mir, hat von ihrer Verwandschaftsseite bei sich eine Frau aufgenommen, deren Namen ich nicht mehr weiss, aber die wir immer Verstärker genannt haben weil sie so laut gesprochen hat. Kaum waren wir zur Tür rein, rief es schon laut, ESPRESSO?!?!?!? Bei dem Ton wagte niemand nein zu sagen, vor allem, wenn man zwei Meter von ihr weg stand. In dem Haus duftete es immer nach Kaffee, und ich muss auch sagen, ihr Espresso ist bzw. war der beste der Welt.

Nicht nur diese Düfte bzw Genüsse sind es, die mich nach Sardinien locken. Vor drei Jahren, als ich nach 16 Jahren wieder auf der Insel war, war es der Geruch am Strand, der in den Gassen von Bosa, die Oleanderbüsche am Strassenrand, die Landschaft mit ihren Ausblicken und Eindrücken...einfach unbeschreiblich wenn man beinahe ( beinahe mit Betonung) damit aufgewachsen ist, und man sich jedes Jahr wieder gefreut hat, auf die Insel zu kommen.

Das war nur ein kleiner Auszug, aber ich glaube, dass reicht um den/die eine/n oder andere/n ins schwärmen zu bringen. Gut, von den 60ern kann ich nix erzählen und von den 70ern nicht viel, weil Baujahr 73, aber vielleicht hat sich ja in den zwei Jahrzehnten auch nicht viel verändert...oder????

Viele Grüssle aus dem Schwabenland, Mario!!!
 
Autor: Feuerpferd
Datum: 08.12.09 18:56

Stimmt Ju,

der Beitrag "Schönes Sardinien" hat eine sehr komische Eigendynamik entwickelt. Ich habe gerade auch noch mal nachgelesen und mußte wieder laut lachen. Stammi bene hat aber auch einen feinen Humor, der mir richtig gut gefällt.

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela
 
Autor: bo
Datum: 08.12.09 21:02

Doch @ Mario, es hat sich sehr, sehr viel verändert u. tut es ständig weiter. Seit Jahren habe ich mir abgewöhnt, Neuankömmlingen AUF der Fähre gute Ratschläge zu geben, wie man am besten wohin kommt. Von Jahr zu Jahr bauen sie überall um. Alleine der Hafen v. Livorno!!! Ich habe wirklich gedacht, nach all den Jahren kenne ich mich aus, aber vor 2 Jahren musste ich einenCarabiniere fragen, wo es denn raus geht. Hätte er nicht so nett gelächelt b. Erklären des Weges, hätte ich mich fast geschämt.

@ Hans, eine Essensgeschichte von früher:
Wir kamen von "Su Cologone" als wir in der Nähe einer Kirche Gesang hörten. Die Neugier trieb uns über die Mauer zu schauen, wir wurden entdeckt u. prompt eingeladen. Es war eine Feier zu Ehren der glücklichen Heimkehrer aus Lourdes. Es wurde gegessen, getrunken u. viel gesungen, ein typisch sardisches Fest also. Ein Schaf wurde geschlachtet u. wir bekamen als Vorspeise "Zurrete", gerührtes Schafsblut mit Zwiebeln u. Petersilie u. etwas Salz auf carta musica. Für uns als Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig, ber wer wird denn ablehnen, wenn er so nett eingeladen wird? Der Rest des Abends ist mir nicht mehr ganz gegenwärtig, aber nach den Kopfschmerzen am nächsten Tag muß es schön gewes en sein.
 
Autor: Ingrid
Datum: 08.12.09 23:03

Hallo @monalisa,

Dein Beitrag weckt Erinnerungen aus den 70`ern.

Die zahllosen Überfahrten mit den Schiffen der Ferrovie dello Stato. Vorbuchen praktisch nicht möglich, auf der langen Anfahrt wuchs spätestens nach dem Brenner das bange Hoffen auf einen Platz.

Civitavecchia, vorbei an den Kasernen in den mittelalterlichen Naturhafen. Eingerahmt von unendlich langen Speichergebäuden, vergangene Juwelen italienischer Industriearchitektur, zum Ticketoffice.

Egal wie man auch Acht gab, ein flüchtiger Blick zur Uhr genügte, schon stand eine vierköpfige sardische Familie fröhlich grinsend vor einem in der endlosen Warteschlange. Am Schalter angekommen schworen dann alle beim Leben der heiligen Jungfrau Maria, ihr PKW sei niemals länger als 3,50 m ...

Tatsächlich waren die PKWs der sardischen Gastarbeiter meist höher als lang. Nicht selten schlichen sie mit großen Augen um unseren VW-Buss, wohl das Ladevolumen taxierend .. bella maccina...

Das Ticket in Händen hatte nichts zu bedeuten, war eigentlich nur ein terminvariables Überfahrtsversprechen.

Zunächst lief der Dampfer aus Sardinien in den Hafen ein. Die Eisenbahnschienen wurden mit dem Festland verbunden, ein schriller Pfiff und die Wagons setzten sich in langsam in Bewegung. Mal ein Zug backbord, mal eine Ladung steuerbord rollten von Bord, damit der Kahn nicht zu sehr Schlagseite bekam und sich die Schienen an der Rampe verbogen.

War der Schiffsrumpf dann leer, kam der alles entscheidende Moment. Einladen oder -wie so oft- Streik! Das hieß erstmal Warten...

Quer über die Laderampe wurde eine Kette gezogen, durch die gesamte Besatzung ging ein Aufatmen und mit den Händen in den Hosentaschen verließ die gesamte Mannschaft zielstrebig das Schiff. Mehr Lohn, bessere Arbeitsbedingungen - aber zunächst erst mal heim zu Mama, die Pasta wartet schon.

Das war das Signal für die Schalterbeamten. Schlagartig fielen die Läden ins Schloss. Ein Murren ging durch die endlosen Warteschlangen der Passagiere. Eine anfängliche Wut wich langsam strategischen Überlegungen. Schließlich stand die Nacht bevor. Zögerlich wurden zunächst Lebensmittel ausgetauscht, Autositze zu Betten umgebaut und mit zunehmender Dunkelheit kreisten dann Weinflaschen.

Wie monalisa schrieb, Information gleich null. Gesunder Menschenverstand war gefragt. Und richtig, wer am Abend heim marschiert schläft erst mal aus. Am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang kehrten die ersten Protagonisten zurück. Sofort ein prüfender Blick zur Streik-Kette vor der Schiffseinfahrt, aha, alles so wie wir es gestern abend verlassen haben.

Gruppenbildung an der Mole. Die wartenden Sarden mischten sich geschickt unter die Streikenden. Zeigten vordergründig grosses Verständnis, geben aber auch ganz vorsichtig zu verstehen - bei allem Verständnis, wir möchten schon ganz gerne mal nach hause. Das Schiffspersonal reagiert. Liebe sardischen Freunde, was sind die großen Ziele der Arbeiterklasse gegen eure paar Tage Heimaturlaub, päh...

Alles zieht wieder heim zu Mama, Siesta. Also, weiter Warten...

An der Nebenmole wird aus einem Frachter Kohle verladen. Eine feine Meeresbrise zieht landeinwärts, Kohlenstaubwolken legen sich über die Wartenden und ziehen ins Wageninnere. Dabei hatte ich die Bettüberzüge frisch gewaschen. Unseren 8-monatigen Söhnchen gefällt der Trubel.

Am Abend dann die erhoffte Wende. Wie selbstverständlich - als wär nie etwas besonderes vorgefallen - kommt die Schiffsbesatzung nach dem Nachmittagsbierchen in den Hafen zurück, öffnet die Kette und beginnt mit dem Einladen. Erst die Güterwagons, unschwer am Geruch zu erkennen- Schafe.

Dann die Pkw´s. Mit einem "auf was wartet ihr eigentlich" Gesicht werden wir vom Lademeister energisch aufs Schiff getrieben - köstlich.

Es geht an Bord. Die tuchverhangenen, offenen Decks sind sehr breit. Es liegt Luftmatraze an Luftmatraze, Decke an Decke. Nur die in schwarze Tracht verhüllten sardischen Frauen sitzen vornehm auf Stühlen. Ein junger Sarde sitzt respektvoll neben seiner Mutter. Als das Schiff ablegt, beginnt er leise sardische Lieder zu spielen .....

Gruss
Ingrid
 
Autor: sardinista
Datum: 08.12.09 23:25

..".ein terminvariables Überfahrtsversprechen" - mit Schmunzeln und Freude habe ich deinen Beitrag gerade gelesen liebe Ingrid und denke, dass etwas mehr Langmut bei den aktuellen Ladebedingungen, die ja vergleichsweise wie am Schnürchen laufen, ab und zu angesagt wäre.

Erinnert sich noch jemand an die Auto-Verlade in Netzen?
 
Autor: antonietta
Datum: 09.12.09 02:14

Die Auto-Verlade in Netzen hab ich oft beobachtet, aber meistens vom Deck aus, daher kann ich dazu nix sagen.
Meine Familie u. ich sind immer mit dem Zug angereist. Es war für mich immer eine abenteuerliche Reise.
Einsteigen in Oberhausen (der Zug kam aus Amsterdam bis roma termine)
mit Koffern u. Taschen bepackt, Abteil suchen u. sich einrichten, mit uns noch zig andere. Bei jedem Stop wurde der Zug voller, alles Sarden u. Festlanditaliener u. alle hatten das selbe Ziel - nach Hause !! Wenigstens für 4 Wochen.
Da war was los im Zug, eine Geräuschkulisse vom feinsten, alle redeten miteinander, erzählten sich Geschichten wer seit wann u. wo in D. lebt u. was man so macht... Es wurde sardisch u. italienisch gesprochen, wir Kinder u. Jugendliche unterhielten uns auf deutsch u. hielten uns die meiste Zeit im Gang auf.
Dann am Abend wurden die Butterbrote ausgepackt u. die Thermoskannen u. Rotweinflaschen. Es wurde sich gegenseitig Essen u. Trinken angeboten in den Abteilen, da war richtig was los.
Später kam der Schaffner und sammelte die Pässe ein, weil wir die Grenze Chiasso erst spät abends passierten.
Kennt ihr noch diese 6er Abteile, wo man zwei gegenüber liegende Sitze in der Mitte zusammenziehen konnte, worauf dann zwei Leute liegen konnten.
Meistens hatte ich beim Schlafen die Füße meiner mamma neben meinem Kopf u. umgekehrt.
Wenn alle Sitze zusammengezogen waren, war alles dicht, wie ein Bett für 6 Personen. Wenn der, der am Fenster lag, nachts mal raus musste, musste er über uns alle drüberklettern. Das war ein Gehampel, besonders für die älteren Leute.
Am morgen hatten wir Norditalien erreicht u. an den großen Bahnhöfen wie Como, Milano oder Bologna hatten wir etwas Aufenthalt, dann gingen die Männer raus auf den Bahnhof und füllten ihre Flaschen mit Wasser auf.
Einmal kam ein Mann nicht rechtzeitig zurück, der Zug wollte abfahren. Seine Frau hat geschrien dass ihr Mann nicht zurück sei. Und tatsächlich hat der Zug gewartet (ich glaub es war Bologna).

Dann roma termine Ankunft. Raus aus dem Zug, neues Gleis suchen, zurück nach Civittavecchia.
Vom Bahnhof zum Hafen ist`s nicht so weit, aber mit Koffern beladen bei der Hitze....
Im Hafen stand jedes Jahr ein alter dicker Eisverkäufer, da durfte ich mir jedes Jahr eine Kugel Eis kaufen (das nur am Rande) u. als ich das nächste Jahr kam, war er nicht mehr da. Ich war traurig - er war vielleicht gestorben.
Das war ein Ritual, das zu meinen Sardinienreisen gehörte.
Tickets haben wir auch vor Ort geholt, für uns ohne Auto kein Problem, aber schlangestehen war auch.
Dann mit dem ganzen Gepäck diese Eisentreppe hoch auf die Tirrenia, mit reichlich Gedränge. Oben angekommen zuerst einen Platz gesucht, wenn wir Glück hatten, konnte wir eine Sitzgruppe ergattern, wo man sich auch hinlegen konnte. Ansonsten haben wir auf dem Boden geschlafen.
Überall lagen Leute rum, in den Fluren u. Treppenaufgängen, draußen u. drinnen.
Und viele Leute aus dem Zug haben wir dort wiedergetroffen.

Von Cagliari dann mit dem Bus nach Teulada. Wegen der großen Hitze hat der Busfahrer auch zwischenstopps eingelegt zum Wasser trinken.
Die Strecke von Domus de Maria nach T. ist sehr kurvig u. geht bergab (Teulada liegt im Tal). Und wenn ich da oben im Bus saß, hab ich manchmal Angst gehabt wenn ich runtergeschaut hab - die kleinen Leitplanken u. dahinter geht`s runter.
Später mit dem eigenen Auto war u. ist das o.k. Da sitzt man nicht so hoch wie im Bus es ist gut zu fahren.

Donnerstags um 14 Uhr in D. losgefahren und Samstags gegen mittag endlich angekommen.

Für mich immer eine abenteuerliche Reise


saluti antonietta
 
Autor: P1
Datum: 09.12.09 09:05

Hallo alle miteinander,
1985 sind wir auch von Civitavecchia aus abgefahren auch ohne vorbuchen, leider haben wir den Hafen 10 Minuten zu spät erreicht und mußten auf die nächste warten. Der Hafen sah auch noch wie ein mittelalterlicher Hafen aus, wie ist die Situation eigendlich im Moment? Fahrtzeit bei uns Freitag 17 Uhr Abfahrt in Schwaben etwas nördlich von Augsburg Ankunft Sonntag 8 Uhr Capo Malfatano mit dem Auto und wenig geschlafen.
Es ist wirklich mal wichtig zu erzählen wie es war, ich stelle mir gerade vor jemand hätte in den 60igern eine Überfahrt mit GNV 2009 beschrieben.

Weiter so ich finde es total spannend, bei monalisa stelle ich fest, he Du bist ja auch schon Oma, ja ich bin auch Opa, toll was.

Hans
 
Autor: Mario
Datum: 09.12.09 10:06

Hallole!!!

Meine Mutter kann sich auch noch an die Autoverladenetze erinnern, aber eine genaue Geschichte hab ich da nicht dazu!!

An was ich mich noch erinnere, sind die alten Tirennia-Klepper. Die knarzten und rappelten an jedem Ende. Der sogenannte Sanitärbereich war für mich kleinen Steppke damals fast unmöglich zu erreichen, da man über eine ca 30 cm hohe Schwelle steigen musste, war man dann drüber reichte mein oberes Kopfende genau an die Kante des Waschbeckens.
Die Dinger haben so geschaukelt, dass meine Schwester mitsamt meiner Mutter die gleiche Gesichtsfarbe hatten. Angenehmer war es, als wir noch eine Kabine bekommen haben, aber da war ich dann schon ein bisschen grösser.

Einen Streik hab ich auch schon mitbekommen. Wir warteten im Hafen bis das Schiff (von Tirennia versteht sich) endlich ankommt. Abfahrt wäre normalerweise um 8 Uhr abends gewesen, angekommen ist der Kahn ca 2 Stunden später. Wir bekamen von jemanden mit, das das Schiff draussen vor dem Hafen angehalten hat, mit den ganzen Leuten drauf, die endlich vom Kahn runter wollten. Als das Ding dann aber angelegt hatte, ging es ruckzuck, ausgeladen, eingeladen und ab die Post.

Viele Grüssle, Mario!!!
 
Autor: antonietta
Datum: 09.12.09 13:09

Ja Mario,
an die hohen Schwellen erinnere ich mich auch. Die gabs auch, wenn man nach draußen an Deck wollte. Und die dicken schweren Eisentüren, die kaum zu öffnen waren für ein Kind. Überhaupt war das ein riesiger Stahlkoloss, auf dem ich mich oft verlaufen habe.
Sommer 1964, kurz vor meinem 1. Geburtstag:
Da war wohl so schwerer Seegang, dass sämtlichen Passagieren u. der kompletten Besatzung das Essen noch mal durch den Kopf ging.
Ich kann mich natürlich nicht erinnern, aber diese Geschichte wurde in der Familie so oft erzählt, dass ich mich selbst da sitzen sehe inmitten der k.......Leute u. habe gelacht u. wollte beschäftigt werden.
Mir war nicht übel..... da lachen wir heute noch drüber.....

saluti antonietta
 
Autor: monalisa
Datum: 09.12.09 15:54

nun fällt mir noch ein, dass man bei tirrenia im hafenbüro in der regel keine kabine bekam, die wurden erst nach dem ablegen, per gießkanne von den
schönen männern in den weißen hosen verteilt. da war es sinnvoll die frauen - möglichst solche mit dekolté an den schalter zu schicken. diese
stolzen gallos waren damit wirklich zu beindrucken. (heute würde mir das
nicht mehr gelingen - schade eigentlich) !!
ich erninnere mich auch, daß die fahrzeuge in die fähre gefahren wurden,
alle personen zurück mußten und über die außentreppe in das schiff kletterten.
unten vor der treppe war ein derartiges gedränge, daß ich einmal einen
schuh verlor, den ich aber nicht mehr finden konnte, weil mich die leute
einfach weiterschoben. oben angekommen, sah ich dann, daß jemand meinen pantoffel ins hafenbecken schubste.
für die kinder hätten wir eigentlich nie eine passage buchen müssen, die
schlüpften durch und winkten schon von ganz oben, als wir noch warteten.
ja, hans, enkelkinder sind was erquickliches, wenn sie beginnen einem zu nerven, gibt man sie einfach wieder zurück.
als mein damals einziger enkel noch keine 4 jahre alt war, durfte er mit
und zwar für 4 wochen - ich habe damit gerechnet, den urlaub vorzeitig
abbrechen zu müssen, wenn er heimweh bekäme - aber das gegenteil
war der fall, er wollte gar nicht mehr nachhause - ich habe ihn dann
in die obhut einer nachbarin gegeben, anschließend kamen die eltern
sodaß er insgesamt 2 monate auf sardinien verbracht hat.
da soll man keinen virus bekommen ?

grüße an alle - monalisa



Nachricht bearbeitet (09.12.09 16:56)
 
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