Sardinien in den 60er und 70 er Jahren
Autor: bo
Datum: 09.12.09 20:59

Guten Abend, Sardinista
Heute mittag hat mich mein Spar-Adapter dauernd aus dem Internet geschmissen, jetzt darf ich alles nochmal schreiben. (Was es nicht alles gibt).
Wir haben unser Auto damals dem Netz anvertrauen müssen. Es funktionierte eigentlich recht einfach: Das Netz (viereckig) wurde auf dem Boden ausgebreitet, man fuhr darauf, stieg aus u. ging auf der v. Monalisa beschriebenen Treppe ins Schiff. Die Arbeiter nahmen alle 4 Ecken des Netzes u. hängten sie über dem Auto an den Kranhaken. Dann bewegte sich der fahrbare Untersatz aufwärts. (unter stillen Gebeten des jeweiligen Eigentümers).

@ Antonietta,
Wir nahmen uns damals, als Kabinen noch außerhalb unserer reichweite waren, d. h. ich noch nicht wusste, wie das geht (außerdem war ich dunkelhaarig, nicht blond, hatte also per se die schlechteren Karten), immer die Luftmatratzen unter den Arm u. spurteten so schnell es ging nach oben um einen Platz unter einer Treppe zu erwischen. Da wurde man nachts nicht so leicht getreten. Eltern lagen außen, Kinder in der Mitte. Denen machte es einen Riesenspaß. Frische Luft z. Atmen, der Sternenhimmel über uns u. die jungen Srden, die ihre traurigen Lieder sangen, weil sie auf den "continente" mussten. Da soll nun der Mensch nicht sentimental werden! Morgens war das Deck dann voller cozze - Schalen.

@ Mario
demnächst gibt es meine Erfahrungen m. d. knarzenden tirrenia- Fähren.Muß nur schnell erst die Unione lesen, bin den ganzen Tag zu nichts gekommen. Bis bald Grüße an alle Ju
 
Autor: Angelino
Datum: 09.12.09 22:16

Hallo,ihr Abenteurer,
Früher sind wir mit der Verladebahn durch den Gotthard gefahren.Hier konnte
man schon mal Geduld üben die zb. in Genua gebraucht wurde.Bis Genua
ereicht war hatte ich als Kind die Gelegenheit meinen Mageninhalt los zu
werden.Die Kurven wollten nicht enden.Hatte wir die Tickets(am Schalter wurde es auch mal handgreiflich)ging die Fahrt weiter.Damals auch noch mit der Canguro Linea.Die sind oft so gefahren wie ihr Name.
Gruss Angelo
 
Autor: bo
Datum: 09.12.09 22:26

Caro angelo,
Um ehrlich zu sein, ich weine der Verladebahn durch d. Gotthard nach. Man konnte so schön ein Nickerchen machen 20 Min. in der Dunkelheit u. ein Fiesta essen. Inzwischen habe ich so viele Beinahe-Unfälle im großen Tunnel erlebt, daß er mir z. Alptraum wurde. Obwohl sie inzwischen das Licht verbessert haben u. vorne u. hinten eine Ampelschaltung installiert haben. Bo
 
Autor: antonietta
Datum: 09.12.09 22:38

Hallo zusammen

@ Ju......cozze - Schalen......ich amüsiere mich köstlich !!

Wir schliefen stets in den´ Sessel-Räumen ´. Bis wir erst oben waren über diese Außentreppe u. mit dem ganzen Gepäck waren die besten Plätze eh schon besetzt. Gut liegen konnte man auch zwischen den Sesselreihen, die unbesetzt waren, auf dem Boden, da wurde man auch nicht getreten. Aber von Schlafen war nicht wirklich die Rede bei dem Gebrumme die ganze Nacht.
Später mit eigenem Auto ging es dann viel schneller. Auto geparkt, kleine Tasche geschnappt und ab nach oben, da haben wir dann auch richtig schöne Plätzchen gefunden u. oft auch draußen auf Deck geschlafen.
Ich komme richtig ins schwärmen, wenn ich dran denke...

Einmal hatte ich mit meiner Mutter eine Kabine. Eine 4er Kabine mit zwei Etagenbetten, die wir uns mit zwei Nonnen teilten. Soweit so gut...
Wir legten uns hin u. morgens versuchte die eine Nonne ihre Schwester zu wecken - vergeblich - sie war in der Nacht verstorben.
Während die anderen in den Kabinen sich fertig machten, um an Land zu gehen, durften wir nicht raus. Hafenpolizei kam, dann ein Arzt, der den Tod feststellte u. sicherstellte, dass kein Fremdverschulden vorlag.
Das dauerte ewig, bis wir raus konnten. Ich glaub wir waren die letzten außer dem Personal. Und die Nonne hat so geweint

Trotz diesem Erlebnis war ich immer sehr gerne auf der Fähre, da konnte man verstecken spielen u. viele andere Sachen. Oft hab ich Schimpfe bekommen von den Eltern, wenn ich mich verlaufen hatte u. sie sich Sorgen machten.
1999 bin ich zuletzt mit der Fähre rüber, seitdem fliege ich.
Es war die tirrenia - ´clodia´, gibt`s die überhaupt noch ?
Ich hab nie ein anderes Schiff betreten als tirrenia. Aber interessieren würde es mich schon, wie eine moderne Fähre so ausgestattet ist...
Vielleicht im nächsten Jahr...

ich grüße euch
antonietta
 
Autor: antonietta
Datum: 10.12.09 00:39

.....mir fällt da grad noch was ein zum Thema ´Gelassenheit am Fährhafen´ (aus den 80ern in Genua).
Das Schiff war abfahrbereit, wir standen oben und schauten auf die Rampe, die schon halb hochgefahren war. Da kam ein Auto angesaust, der Fahrer stieg aus, gestikulierte u. bat darum, noch mitgenommen zu werden.

Was passierte: die Rampe wieder runter, das Auto rein und die Rampe wieder halb hochgefahren...
Da kam doch tatsächlich noch ein Auto in den Hafen (auch viel zu spät, diesmal war es ein VW-Bulli).
Rampe wieder runter, und auch dieses Fahrzeug wurde noch eingeladen samt Fahrer. Wir sind bestimmt eine Stunde später abgefahren.
Da waren die jungen Mitarbeiter von tirrenia aber extrem gut drauf
haben wir gedacht.
Das war ein Beispiel, wie Menschlichkeit auch sein kann u. dass es auch ohne Hektik geht.

saluti antonietta


Angelino u. Ju - wie war das mit den Verladebahnen durch den Gotthard ??
Das kenne ich überhaupt nicht, da wir zu der Zeit nur mit dem Zug fuhren.
Freue mich über eine Info, wie das damals war...
Den Gotthard habe ich später selbst durchfahren, aber ganz normal mit Auto. Erzählt doch bitte, wie es damals war.....danke....



Nachricht bearbeitet (10.12.09 01:03)
 
Autor: P1
Datum: 10.12.09 05:34

Hallo antonietta,
ich kann mich nur dunkel an die Überfahrt 1985 von Civitavechia nach Olbia erinnern, das Verladen war anders als heute es gab mehr Winkel und Ecken in die Autos reingeschoben würden, auch weiß ich nicht mehr wie die Gesellschaft hieß.
Wir haben uns danch recht bald einen Wohnwagen gekauft, weil wir nach dem Sardinienurlaub einer mehr waren in der Familie. Dann haben wir erst in den 90igern wieder Fähren benutzt Mobi einmal und sonst Corsicaferrie, aber das war dann schon anders, zwar waren auch alte Schiffe dabei, aber die Ladedecks waren einfacher zu befahren, nur die Ladejungs waren die gleichen Büffel.
Aber wenn Du wiedermal eine Fähre benutzen möchtest, dann empfehle ich Dir GNV, das ist eine ganz andere Welt. Der Lademeister war derart freundlich, daß ich dachte ich wäre im falschen Film, gab der mir doch eine Karte wo draufstand wo mein Gespann steht, Passagiere fahren mit Rolltreppe an Bord. Schaus Dir selbst an im Internett, hat eher was von einem Kreuzfahrer und war 80 Euro billiger als Moby, aber das ist wohl nicht die Regel.

Hans
 
Autor: Hoffi
Datum: 10.12.09 18:21

Hallo Leute,

habe diesen Beitrag eben erst gelesen und dabei ist mir folgendes eingefallen (fahre seit 1971 auf die Insel, habe dort 1976 geheiratet und bin jährlich 3-4mal dort):

Anreise mit Tirrenia: häufig Streik mit der Konsequenz, dass man tagelang im schmutzigen Hafen von Genua herumlungern musste. Total unfreundliches und selbstherrliches Personal, schmutzige Kabinen

Land und Leute:
- Verkehrsmittel vieler Bauern war der Esel/Muli
- an Sommerabend saß man bis weit nach 24 Uhr in Gruppen vor dem Haus und unterhielt sich (heute vorm Fernseher)
- jeden Abend gab es die passeggiata den corso rauf und runter, bei der sich die Jugend kennen- und liebenlernte (so auch ich meine heutige Frau), heute nur noch bei Festen
- pane carasau wurde von vielen Familien noch selbst im Holzbackofen hergestellt, die Hochzeitsvorbereitungen (Herstellung von Speisen, persönliche Einladung von Verwandten, Bekannten usw.) dauerten Wochen und waren ein soziales Ereignis. Heute wird die Hochzeit "gekauft" vom Videofilm über Menue in Restaurants bis hin zum Hochzeitsauto
- Schwarze Kleidung und Kopftuch waren für viele Frauen (nach dem ersten Todesfall in der Familie) die Standardkleidung über Jahrzehnte
- Im Winter bestand in manchen Häusern die Heizung aus einem Gefäß, gefüllt mit Glut, welches in eine spezielle Vertiefung in der Zimmermitte gestellt wurde.
- Haustiere waren die große Ausnahme, Hunde lagen meist herrenlos auf der Straße herum
- Als Tramper stand man nie länger als 20 Minuten auf der Straße

Was mir besonder fehlt:
- das Campen direkt am Strand war bis Ende der 70er Jahre noch möglich, das Schlauchboot lag direkt vor dem Zelt
- während heute die Bauern ihr Eigentum regelmäßig komplett einzäunen, konnte man sich früher in der Landschaft freier bewegen.

Was sich deutlich verbessert hat:
- die Qualität von Wein und Grappa
 
Autor: bo
Datum: 10.12.09 20:02

Guten Abend, alle miteinander
@Antonietta
Der Gotthard-Verlad ging so: Man fuhr in (davor o. dahinter weiss ich nicht mehr genau) Göschenen links v. der Straße ab an einem Ticket - Kiosk vorbei, wo man sich ohne aussteigen zu müssen durchs Beifahrerfenster sein T. kaufen konnte u. dann fing die Warterei in der Schlange an. Der Zug fuhr ca. alle Stunde u. wenn er gerade weg war, naja, dann war Geduld gefragt. Besonders hart, wenn man grade so schön schnell in d. Schweiz unterwegs war u. in Genua das Schiff wartete. Der Zug bestand aus einer Reihe offener Käfige, die miteinander verbunden waren. Eine schräge Rampe wurde an den letzten Waggon gehängt, man fuhr hinauf u. dann holterdipolter über die Holzbohlen bis vorne zur Lokomotive. Alle anderen Autos hinterher. Motor aus, Handbremse rein, dann konnte man relaxen. 20 Min. durch den Tunnel, dann kam man in Airolo wieder ans Licht. Runter v. Zug ging es genau wie Rauf über die schräge Rampe, die diesmal vorne angebracht wurde. Ach ja, u. wenn eine Lawine vor Göschenen die Str. versperrte, durften wir schon in Amsteg einsteigen.
 
Autor: antonietta
Datum: 10.12.09 20:45

Hallo Ju,

das ist ja interessant mit dem Verladen. War ja wohl auch sicherer als die Gurkerei mit dem Auto dadurch. Ich war immer froh, wenn ich heil aus dem Tunnel kam...

saluti
antonietta
 
Autor: antonietta
Datum: 10.12.09 22:32

Hallo Hoffi,

in vielen Punkten gebe ich dir recht - obwohl - auch heute spazieren die jungen Leute noch die Straße an der piazza rauf u. runter.
Und es gab in den 70ern auch schon Bauern, die eine vespa fuhren.

Aber du hast recht: 1974 hat mein cousin geheiratet, da wurde alles von langer Hand vorbereitet, die Verwandten in D. frühzeitig eingeladen u. gefeiert wurde grundsätzlich im Haus der Braut mit natürlich selbst zubereiteten Speisen.
Als 2002 die Tochter einer Nachbarin geheiratet hat, wurde ein Saal im teuren Forte Village angemietet u. die Verwandtschaft dorthin gekarrt.

Es hat sich sehr viel verändert, Sardinien ist kommerzieller geworden.
Wo früher kleine Läden waren, stehen jetzt Supermärkte.
Andersrum - in manchen Bergdörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, außer man sieht Leute mit Handys am Ohr.

Gerade deshalb hat sardinista diesen Beitrag aufgemacht, damit wir uns die alten Zeiten in Erinnerung zurückholen (für die, die es miterlebt haben u. für alle, die es interessiert u. noch jünger sind oder S. erst später entdeckt haben).

Ich finde es sehr spannend zu erfahren, wie andere die alten Zeiten erlebt haben.

Schreib doch noch was, wenn du magst

saluti
antonietta
 
Autor: bo
Datum: 10.12.09 23:09

1962, Mai. Den Schafen wurde das Fell zu heiß, es mußte runter. Wir wurden eingeladen zur Schafschur in der Campagna von Borore. Sehr tiefe Provinz, ich könnte die Stelle nicht mehr wiederfinden. Die Scheren waren nicht elektrisch wie heute, bewahre, sondern scharfe, vorne sehr spitze mit der Hand zu bedienende Scheren. Ich durfte auch mal probieren. Unter dem Foto von damals steht geschrieben: Das Schaf lebt noch. Aber ich muß gestehen, sein Haarschnitt war bei weitem nicht so elegant wie der von den Profis bei den anderen Tieren. Ich war damals schwanger u. man sah es. Also wurde ich gebeten beim Schlachten des Mittagessens u. b. Kastrieren der Eber bißchen beiseite zu gehen. Was ich auch gerne tat. Nur als ein Schaf kurz vor dem Hitzschlag stand, mußte es schnell gehen. Einer der Hirten packte das Tier, zog die lepa raus (ein sehr spitzes u. scharfes Messer), ein kurzer Pieks neben der Nase u. das Blut konnte fließen und dem Tier Erleichterung verschaffen. Nach kurzer Zeit drückte er mit dem Daumen die winzige Wunde zu u. das Schaf hüpfte fröhlich zu seinen Kameraden.

Hans, es gibt Essen!!!
Sie wuschen die Därme gut aus (keine Ahnung, wo sie das Wasser dafür hernahmen, aber es war da.) Dann wurde ein Zopf daraus geflochten u. das ganze rund in die Pfanne gelegt u. gebraten. Von Gewürzrn weiß ich n ix, aber es hat geschmeckt. Sie nannten es "treccia", Zopf.

Im Lateinunterricht war mal die Rede davon, daß es einen 5. Fall, nämlich den Vokativ gäbe. Keiner von uns konnte sich was drunter vorstellen, aber in Borore rief man sich tatsächlich noch: o claudio, o Maria usw. Antwort von oben: ite? hieß so viel wie :was ist? Redet man heute noch so? Ich glaube kaum.

Genug für heute, LG Ju
 
Autor: sardinista
Datum: 10.12.09 23:20

"- Im Winter bestand in manchen Häusern die Heizung aus einem Gefäß, gefüllt mit Glut, welches in eine spezielle Vertiefung in der Zimmermitte gestellt wurde."


dieser Satz von Hoffi erinnnert mich an unseren ersten Winter dort. Wir waren bei Nachbarn zum Essen eingeladen und - da wir uns noch nicht so gut kannten und außerdem Feiertag war - wurde in der 'guten Stube' gegessen, die nicht heizbar war. Die anderen Gäste wußten das wohl vorher und kamen im dicken fellgefütterten Ledermantel, mit dem sie sich auch an den Tisch setzten. Das kam uns ja zunächhst schon etwas seltsam vor, doch bald schon beneideten wir sie um ihre warmen Hüllen. Die Nachbarin schaufelte dann Glut in ein Gefäß, das auf einem Ständer am Eck des Tisches aufgestellt wurde.Das erinnerte mich wehmütig an meine toskanische Bettheizung, da hatte mir unsere ital. Freundin damals so nen Gluttopf an einem Holzgestell aufgehängt ins Bett gestellt und die Bettdecke darübergelegt....!

Inzwischen haben unsere Nachbarn Zentralheizung, die sie selbstverständlich aber nicht benutzen :) . Gegessen wird in der Küche, wo in der Ecke ein kleines offenes Feuer flackert. Wir dürfen mittlerweile auch dort essen und müssen nicht mehr in die gute Stube; außerdem haben wir uns kleidungsmäßig im Winter umgestellt .

Das die Zeiten sich geändert haben merkte ich bei der Einweihung des Andrea Parodi Theaters im Winter in Porto Torres. Aus Erfahrung bitterkalter events hatte ich mich so richtig ' in Schale' geworfen - alles doppelt + Pullover + Weste - und - es war geheizt !! Da die Veranstaltung von Videolina aufgenommen wurde, traute ich mich auch nicht zwischendrin rauszugehen und war am Ende des abends gut gegrillt ;-)
 
Autor: antonietta
Datum: 10.12.09 23:55

Meine Oma hatte in der Wohnküche in der Ecke einen Kamin (forredda). Daraus wurde Glut in einen großen feuerfesten Teller geschaufelt, der dann zwischen unsere Füße auf dem Boden geschoben wurde. So hatten es auch die warm, die nicht direkt vor dem Kamin saßen. Aber wehe man hat sich da wegbewegt...
Wenn es dann ins Bett ging ( ins unbeheizte Zimmer ), blieben wir angezogen wie wir waren, nur Schuhe aus u. drei Decken übereinander. Die Feuchtigkeit zog in alle Knochen...Aber wir haben´s ja überlebt :)

Aber Ju, woran du dich alles erinnern kannst. Ja, man redet heute noch so !! Bei uns heißt das ita ?? (wat is ??).

buona notte

Nachricht bearbeitet (11.12.09 00:32)
 
Autor: monalisa
Datum: 11.12.09 09:44

Guten Morgen Leute

wer erinnert sich eigentlich noch an Mario Sales ? Das war auch in der Zeit
und meine Eltern waren sehr besorgt, als es uns mit unseren kleinen Kindern ausgerechnet nach Sardinien zog.
Etwas später passierte dann noch die Kronzucker-Entführung - und wieder
sollte es ein sardischer Hirte gewesen sein. Ich erinnere mich gar nicht
mehr, ob aufgeklärt wurde, wer es denn war.
Nun wir waren nicht prominent und auch nicht reich, also blieben wir
unangetastet, obwohl damals AUsländer, die sich ein Haus kaufen konnten
schon so eingestuft hätten werden können.

LG. Monalisa
 
Autor: bo
Datum: 11.12.09 12:38

Liebe Antonietta,
Die "bracciere (oder a?) benutzten wir bis vor kurzem noch im Garten von Cala Sapone. Wenn es abends ungemütlich wurde, sammelte ich Holz, speziell von abgestorbenem Ginster, der eine höllische Glut gibt, u. wir machten es uns in der offenen Gartenhütte richtig schön. Bauen durften wir auf dem Grundstück ja nicht,es war weder bauland noch terreno agrario, nur pastorale, also Weideland. Für uns gerade richtig: kein Lärm ringsum, nur einen einzuigen Nachbarn, mit dem man sich gut verstand, nur mediterrane Vegetation rundrum. Zum Schnurren schön. Eben unser eigener Campingplatz. Ob das die letzten Steinzeitgene sind in uns, die uns ein solches Leben schön finden läßt?

Und mit den Erinnerungen geht es auch nicht endlos so weiter, jetzt sind sie bald erschöpft. Wenigstens die von ganz früher. Vielleicht sind sie noch so gegenwärtig weil es die ersten waren.
LG Ju
 
Autor: bo
Datum: 12.12.09 13:08

Die "mattanza" hab ich vergessen. Damals wurde sie noch jedes Jahr abgehalten, schlief dann ein, wurde vor wenigen jahren nochmal aufgenommen, brachte aber nicht mehr genügend Thunfische u. wird wahrscheinlich ganz eingestellt. Soweit die Gerüchte dieses Jahr.

Durch ein raffiniert aufgestelltes Netzesystem werden die jährlich ziehenden Thunfische in die letzte 4 eckige "camera della morte" geleitet. Ist sie voll, beginnt das große Schlachten. An allen Seiten beginnen die Fischer in großen Kähnen gleichzeitig das letzte Netz hochzuziehen, (der Rais im kl. Boot in der Mitte gibt die Kommandos), Ist der verbleibende Platz so eng, daß die Fische nach oben kommen müssen, werden sie mit großen Haken hinter die Fischer ins Boot gezogen. Ich habe mir sagen lassen, heutzutage wird das mit Elektroschocks gemacht, damals aber war das eine sehr blutige Angelegenheit. Schwer zu ertrag en. Aber mit der inneren Schadenfreude, daß jeder Fisch, der über die Bordwand gezo gen wurde, "seinem" Fischer einen mächtigen Schlag mit dem Schwanz in die Nieren verpasste, ging es. Das waren mächtig große Tiere damals, teilweise größer als die Fischer selber.

@ Sardinista,
Zentralheizung aingebaut u. nicht benutzt.....
Unsere Freunde haben ein onyxgekacheltes Bad m. vergoldeten Wasserhähnen (jedenfalls sehen sie so aus). Gewaschen wird sich aber im Hof in einem kleinen Verschlag.

So, jetzt ist m. Geschichtenvorrat v. alten Zeiten erschöpft. LG Ju


 
Autor: antonietta
Datum: 10.01.10 00:58

Liebe Ju, jetzt machen wir hier weiter,

mein Onkel hatte sein Haus zwischen unserem u. meiner Oma´s Haus.
Er war früh verwittwet u. hat seine drei Söhne allein großgezogen.
In malfatano hat er ein Grundstück erworben u. bewirtschaftet mit Schafen, Hühnern usw.
Nach und nach hat er sich ein Häuschen dahin gebaut (zwei Zimmer).
Und hat seinen Wohnsitz dorthin verlegt.
So ca. 2 mal die Woche kam er nach Teulada, um seine Mutter zu besuchen u. Einkäufe zu erledigen.
Dann brachte er selbstgemachten Wein u. Käse mit. Dies wurde in den Nachmittags -u. abendstunden mit den Nachbarn verköstigt (verköstigt = blödes Wort).
Da war er dann so manches Mal richtig angeschickert, als er die Rückfahrt angetreten hat. Die ganzen Kurven hoch von Teulada nach malfatano...
Das ging wohl auch mit Promille, damals...da war ja nicht so viel los auf der der Straße. Später hat er sich eine Ape zugelegt, war wohl sicherer...
und es war für mich ein Vergnügen, da mitzufahren....

Mein Onkel ist schon lange verstorben, aber einer seiner Söhne hat das ganze übernommen u. ich freu mich darüber - immer, wenn ich dort bin, besuche ich ihn in malfatano ....

Liebe Grüße
antonietta
 
Autor: antonietta
Datum: 10.01.10 17:44

Ja Hans,

das Cap ist ja rechts von Teulada kommend. Fährst du die (Haupt) Straße ein Stückchen weiter, geht links ein kleiner unasphaltierter Weg rein. Da kommt man zu den Grundstücken, eingefasst von Büschen u. Bäumen.
Es ist von der Straße nicht einsehbar - wenn man´s nicht weiß fährt man dran vorbei.
Wie soll ich´s erklären: Etwa wie Schrebergärten, nur weiter auseinander u. jeder für sich u. richtig urwüchsig. Natur pur... Da fühlt man sich zurückversetzt in vergangene Zeiten. Eine Oase in den Bergen...
Ach, ich komme schon wieder ins schwärmen...

sei gegrüßt
antonietta
 
Autor: bo
Datum: 10.01.10 21:40

Liebe Antonietta,
Jetzt bin ich ein bißchen verunsichert, von d. 60iger u. 70iger Jahren hab ich in der Erinnerung gekramt u. berichtet, es gab Jahre, von denen ist nichts besonderes zu berichten, was noch interessant wäre, geschah zw. damals u. 2008.
Das gehört alles nicht hierher. Ich würde gerne von der Gastfreundschaft der Nuoresen gegenüber gestrandeten Touris reden oder Über "Sardonisches Lachen", das gehört aber eigentlich zu "es brennt". Alles eigentlich nur Momentaufnahmen, sozusagen Reiseberichte aus Sardinien.
Außerdem sind ein Paar Kleinigkeiten von mir geschrieben hier nicht erschienen, und nun wüßte ich gerne, hab ich vergessen auf "absenden" zu drücken oder hat Peter mich rausgeschmissen. Dann wüßte ich gerne den Grund dafür, damit ich es nächstes mal besser machen kann. Aber mit derartigem Kleinkram gibt er sich sicher nicht ab.
Erstmal lese ich mit, was sich weiterhin so tut, aber keine Bange, ich bleibe hier.Liebe Grüß Ju
 
Autor: antonietta
Datum: 10.01.10 22:29

Liebe Ju,

ich kann mir nicht vorstellen, dass peter deine Beiträge "rausgeschmissen" hat. Mir passiert das auch häufiger, dass ich mitten im Schreiben hier rausfliege u. von vorne anfangen muss. Ich weiß nicht warum, ich bin vielleicht zu blöd am PC...
Aber egal... schreib unbedingt weiter - ich finde es sehr interessant, was du zu erzählen hast - das sind ja Erlebnisse aus deinem Leben auf Sardinien...
Ich schreib auch, was mir gerade einfällt...

z.B. dies:
...kennst du noch die Geschichten mit dem Wechselgeld.
In den kleinen Geschäften, wenn man ein paar lire zurückbekam beim Einkauf, gab es ein paar Bonbons statt Wechselgeld oder ein Kaugummi zurück.
1000 Lire waren ja eine D-Mark u. die zehn oder zwanzig lire Restgeld gab es dann in "Naturalien" zurück. Trotz alledem musste ich das "Restgeld" zu Hause vorzeigen, erst dann durfte ich die Bonbons lutschen..
Ist heute kaum mehr vorstellbar - war aber so...

freue mich auf weitere Berichte von dir

LG
antonietta
 
Autor: peter
Datum: 11.01.10 01:01

Liebe bo,
ich habe nichts von Dir rausgeschmissen, da muß was anderes passiert sein. Bevor ich etwas lösche (was so oft nicht vorkomt), informiere ich auch zuallermeist den/die Betreffende(n) und nenne den Grund.
Ich verschiebe aber öfter Beiträge in andere Rubriken, die thematisch dafür vorgesehen sind.
Ich fände es sehr spannend, etwas von Dir zum "sardonischen Lächeln" oder der Nuoreser Gastfreundschaft zu lesen. Also schreibe (in der richtigen Rubrik) und drücke am Ende auf "absenden"!
Gruß Peter
 
Autor: P1
Datum: 11.01.10 06:02

Grüßt euch ihr Lieben,
Peter und Beiträge von Dir rausschmeißen zzzz da wäre ich jetzt auch nicht draufgekommen, so schlimme Sachen kennst Du doch gar nicht liebe/lieber Ju und da wären wir jetzt an einem wichtigem Punkt. Seit geraumer Zeit rätseln Michaela und ich ob Du nun zu den Mädels oder den Jungs gehörst und da sind sich wohl mehrere nicht so ganz sicher, also sei so lieb und mach dem Rätseln ein Ende.
@Antonietta, 2009 waren wir in Sachen Romantik wieder am Capo Malfatano, sind mit dem Auto bis zu unserem Zeltplatz von 1985 gefahren und dann letzlich bis zum Turm gelaufen. Ich erinerre mich, daß 1985 in der Nacht immer Schafe in der nähe waren, die zum weiden geführt wurden.
Vielleicht waren ja auch die Deines Onkels dabei, schöne Geschichte.
@ Ju, ob das alles zum Thema passt oder nicht, ist doch egal. Eine schöne Geschichte bleibt eine schöne Geschichte, auch wenn sie später oder früher spielt, mach nur weiter und vergiß das Absenden nicht.

Gruß Hans
 
Autor: antonietta
Datum: 11.01.10 11:09

Hallo Hans,

die Schafe meines Onkels waren das sicher nicht, die du da blöken gehört hast. Da wäre die Entfernung zu weit gewesen...
Aber eine schöne Geschichte, ja...

ich grüße dich
antonietta
 
Autor: bo
Datum: 11.01.10 15:47

@ Michaela u Hans
Eigentlich müßtet ihr mein Lachen vom Rheinland bis ins Ries hören. Ich dachte, die Frage sei längst geklärt. Bei der Geschichte der Schafschur habe ich (10.12.09) hier geschrieben: ich war damals schwanger u. man sah es. Das wäre für einen Mann nunwirklich ungewöhnlich gewesen.

Ich bin eine alte Frau von 77 Jahren, mein Guter ist 81, wir haben beide schneeweiße Haare, er weniger als ich, verheiratet seit 58 Jahren.

Nur habe ich mir, fürchte ich, im Laufe der Jahre einen etwas burschikosen Ton angewöhnt, was zwangsläufig geschieht, wenn man mit jemanden zusammenlebt, der ein großer Schweiger ist, der das Geld für uns alle mit Kopfarbeit verdient hat u. heute froh ist für jedes Wort, das er nicht reden muß. Im Prinzip komme ich damit gut klar, wir sind alle beide eigentlich ständig am Lesen. Aber so ein Forum, wo man sich mit anderen austauschen kann, gibt einem das Gefühl noch lebendig zu sein. In diesem Sinne also: redet ihr noch mit mir? LG Ju
 
Autor: antonietta
Datum: 11.01.10 16:29

Hallo Ju,

ich musste heute morgen auch schmunzeln, als ich Hans´ Anfrage an dich gelesen hab. Mir fiel sofort dein Beitag ein, in dem du gesagt hast, du warst schwanger u. das sah man auch...ich finde das köstlich...
Mal sehen was Hans u. Michaela dazu sagen.
Ich hab nix gesagt - wollte dir die Antwort nicht vorwegnehmen...
Na dann können wir ja munter weiterplaudern

LG
 
Autor: P1
Datum: 11.01.10 16:30

Danke Ju, ich war mir sicher, daß Du zu den Mädels gehörst, aber Michaela war kurz anderer Meinung, jetzt ist ja alles klar. Du kannst Dich drauf verlassen daß wir mit Dir reden, ganz sicher.

Hans
 
Autor: bo
Datum: 11.01.10 21:36

"Sardonisches Lachen"
man liest es mal im Lexikon, speichert es im Gedächtnis u. vergißt es wieder. Bis eines Tages.......

Sprung......

Viele männliche Sarden gelten gemeinhin als Pyromanen, außer vielleicht Babys u. Auswanderer der 2. Generation. (Denkt nur an die vielen Grillplätze überall, die gerne und kunstvoll benutzt werden.) Nun ist ja Feuer etwas sehr schönes u. hat die Menschheit durchaus weiter gebracht. Wären da nicht auch die anderen.......

Ein alter Sarde erzählte mir, wie sie als Jungen gezündelt hätten: Man nahm einen Fasan, band ihm ein Stück Papier an den Schwanz , zündete dies an u. ließ den Vogel frei. Das Tier flog ein Stück, setzte sich, es wurde ihm hinten heiß, er flog wieder davon, setzte sich usw.

Heute hat man andere Methoden, die ich aber nicht erzähle um keine Nachahmer zu animieren. Eine Methode, die dem Brandstifter erlaubt, sich lange vorher zu entfernen, bevor die Zündung hochgeht. Die Feuerwehr hat mir erzählt was sie alles finden bei der Nachkontrolle.

Bei Cala sapone gab es jedes Jahr mindestens 1 Feuer, immer bei maestrale, immer in der Mittagszeit u. meistens dienstags oder mittwochs. Da noch an Zufall zu glauben fiel schwer. Also waren wir wachsam.

Und eines Tages erwischte es uns. Ich blickte zufällig hoch u. sah 2 Feuersäulen auf uns zukommen. Schon zu groß zum Löschen. Blitzschnelles Überlegen: wo genau brennt es hin. Dann zu meinem Guten: schnell, nimms Auto u. fahr den Hügel hoch (von wo aus man schnell auf die Asphaltstr. kommt u. in Sicherheit wäre). Es schepperte ganz schön, als das Geschirr im Auto rumflog, aber er schaffte es. Dann warf ich alles, was ich schnell greifen konnte: Tisch, Stühlchen und anderes ins Innere der Hütte. Hohlblocksteine gedeckt m. Eternit brennt nicht. Ich selbst war nicht direkt in Gefahr, es gab noch 2 300 litertonnen halb voller Wasser, in die ich mich hätte retten können.

Handy raus u. die Feuerwehr angerufen. Da Fragte mich der Mann doch langatmig nach meiner Handynummer und anderer Auskünfte. (Später erzählte man mir, das machten die immer so, es gibt nämlich Schlaumeier, die die Feuerwehr zu einem Platz rufen um dann in Ruhe woanders zu kokeln.) Da platzte mir der Kragen u. ich beschimpfte das 1. u. hoffentlich das letzte mal einen Sardischen Mann mit "fai in.....,
ich habe keine Zeit , ich muß einen Brand bekämpfen. Er nahm es mir nicht übel, die Feuerwehr kam sehr schnell. Auch der Hubschrauber.

Inzwischen lief ich zum Nachbar, der nazürlich wochentags nie da ist u. schaute, ob ich da noch was retten konnte. Der Hubschrauber hat mich fast ertränkt, er kam aber wenigstens so schnell, daß er das Feuer einenhalben Meter vor Nachbars Hütte zum Stehen brachte. Nur sein halber Garten war schwarz, inklusive der Olivenbäume.

Dann war es an mir, den Nachbarn anzurufen: Kannst du mal kommen, hier ist ein bißchen was schief gelaufen! Er kam, sah sich eine Weile den Graus an, drehte sich zu mir um,und sagte dann lächelnd: o wie praktisch, da habe ich ja im Herbst eine Menge Arbeit gespart.

Und auf einmal war mir klar, was sardonisches Lachen bedeutet.
 
Autor: Feuerpferd
Datum: 11.01.10 22:53

Hallo Ju,

die Geschichte mit der Schafschur ist mir dann wohl dummerweise durchgegangen!!!

Auf meinem Vorschlag, ein Forumstreffen auf Sardinien zu machen, hast Du geantwortet, dass man einem alten Mann keinen Leihwagen mehr gibt. Ich habe Dich da beim Wort genommen - und mich zwischendurch immer mal wieder gewundert........

Übrigens wohne ich ja nicht im Ries, sondern im Ruhrgebiet. Und wenn Du magst werfe ich meine Zuganreisepläne zum Kochevent am Samstag gerne um und sammle Euch im Rheinland mit dem Auto auf, damit wir uns dann beim gemeinsamen Essen von Euren schneeweißen Haaren überzeugen können und außerdem nie mehr vergessen, wer Männlein und wer Weiblein ist;-)

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela

Nachricht bearbeitet (11.01.10 23:06)
 
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