Porto Torres und die Helden der „Onda“ – ihr Opfer hat sich tief ins Gedächtnis der Stadt eingegraben –
Eine Geschichte von Francesco Zizi
Die Geschichte
Im Jahr 1943 wurde das Fischereifahrzeug von einem U-Boot der Royal Navy torpediert.
Es gibt Geschichten, die im Gedächtnis einer Stadt über Generationen hinweg bewahrt werden – nicht, weil sie in Geschichtsbüchern verewigt sind, sondern weil sie auf der Straße oder auch von Familie zu Familie weitergegeben werden. Dies gilt auch für die „Onda“, den Fischereikutter aus Porto Torres, der am 6. Mai 1943 im Golf von Asinara sank, 7 Menschenleben forderte sowie eine Geschichte, die sowohl von Heldentum andererseits aber auch eine tiefe Verbitterung wegen der Ungerechtigkeit hinterließ.
Das Schiff hatte eine nahezu unbekannte Herkunft: Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Oslo als norwegischer Walfänger gebaut, 1916 von der Regia Marina gekauft und zu einem Minensuchboot umgebaut, wobei es den Namen erhielt, den es bis zum bitteren Ende beibehalten sollte.
Nachdem es mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, gelangte es schließlich in den Besitz des Reeders Nicola Delfino aus Porto Torres und wurde zum größten Fischereischiff im Golf von Asinara. 1940 wurde es erneut requiriert, kehrte dann aber zum Fischfang zurück, um die Soldaten der Garnison und eine vom Krieg erschöpfte Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. In diesem tragischen Umfeld spielt sich die Begebenheit ab, die die Geschichte der „Onda“ bis heute im Gedächtnis der Einwohner von Turritano unauslöschlich verewigt.
Anfang Mai 1943, als das Schiff in der Nähe von Fornelli die Meeresgründe absuchte, verfing sich etwas Riesiges in den Netzen: kein Fisch, sondern ein U-Boot, das nur wenige Dutzend Meter unter der Oberfläche auftauchte und dessen Ruder exakt durch diese Netze blockiert wurde. Der Kapitän, Gennaro Sandolo aus Ponza befahl, sofort in den Hafen zurückzukehren. Was eine Anekdote hätte werden können, von der man noch jahrelang erzählen würde, verwandelte sich in eine wahre Demütigung. Niemand glaubte den Fischern: weder die Hafenbehörde, die den Vorfall als Sichtung eines großen Wals abtat und deshalb wohl für ein U-Boot gehalten wurde. Auch der Reeder Delfino tadelte seine Männer wegen der Unterbrechung des Fischfangs.
Nicht einmal der Fund der Netze, die glatt durchtrennt waren – und zwar nicht von einem Tier –, reichte aus, um die allgemeine Skepsis zu erschüttern. Bis heute bleibt dies nahezu rätselhaft. Die britischen Unterlagen bestätigen nämlich nicht die Anwesenheit von U-Booten der Royal Navy in diesen Gewässern in den Tagen des Vorfalls, und die „Safari“ – das Boot, das kurz darauf die „Onda“ versenken sollte – war noch nicht in den Golf eingelaufen. Gerade das mangelnde Vertrauen in die Fischer machte das, was danach geschah, zu einem verhängnisvollen Ereignis.
5 Tage später kam der Befehl, wieder in See zu stechen. Sandolo wäre gerne im Hafen geblieben, doch das Militärkommando duldete keinen Widerspruch: Wer sich weigerte, würde wegen Desertation vor das Militärgericht von Oristano gestellt werden und mit der Androhung, so auch andernfalls erschossen zu werden. Als sie der Reihe nach gefragt wurden, wer von Bord gehen wolle, hoben alle Männer die Hand, und allen wurde geantwortet, dass sie ohnehin vor Gericht gestellt würden. Es war der Schiffsmaat Antonio Striano, der in einer von Resignation geprägten Rede seine Kameraden davon überzeugte, an Bord zu bleiben: Lieber in ehrenvoller Arbeit sterben, als den Kindern das Stigma eines erschossenen Vaters zu hinterlassen.
Am 6. Mai stach die „Onda“ ein letztes Mal in See, mit 9 Männern an Bord – der Maschinist Sergio Del Giudice war wegen seines kranken Sohnes an Land geblieben. Vor der Küste von Punta Falcone tauchte das britische U-Boot „Safari“ unter dem Kommando von Fregattenleutnant Richard Barklie Lakin hinter dem Heck des kleinen Bootes auf und eröffnete aus einer Entfernung von knapp 550 Metern sofort das Feuer. Es wurden 46 Salven abgefeuert, von denen 40 ihr Ziel trafen. Innerhalb weniger Minuten sank die „Onda“, 3 Seemeilen vor der Küste von Asinara. Nur 2 Männer konnten sich retten: die Heizer Antonio Sanna und Giovanni Sposito, die ins Wasser sprangen, während das U-Boot weiterfuhr, um die gegenüberliegende Seite unter Beschuß zu nehmen. Der Matrose Ciro Valente verblutete hierbei bereits im Meer. Mit ihm kamen Kapitän Sandolo, der Fischereichef Michele Zeno, die Matrosen Emilio Acciaro, Paolo Bancalà und Salvatore Fois sowie Antonio Striano selbst ums Leben.
Das Wrack lag jahrelang auf dem Meeresgrund, bis es im Juli 1947 wieder an die Oberfläche geholt und geborgen wurde. An Bord wurden die Skelette von 4 Opfern gefunden, die nun endlich ein Grab erhielten. Die Leichen von Ciro Valente und Antonio Striano wurden dagegen nie gefunden.
Nach der Reparatur fuhr das Schiff noch jahrelang als „Onda Delfino“ weiter, bevor es 1978 in Griechenland abgewrackt und verschrottet wurde. Jahrzehntelang wurde die Erinnerung an diese Männer fast ausschließlich nur innerhalb der betroffenen Familien weitergegeben und welches von diesen bewahrt wurde.
Erst 2013 wurde die Piazza Renaredda in Porto Torres, direkt am Meer, an dem sich die Tragödie ereignet hatte, nach den "Gefallenen der Onda“ umbenannt. „Die Erinnerung der Familien und der Nachkommen der Fischer auf der Onda“, so die heutige Stadträtin „die an jenem einstigen 6. Mai 1943 in den Gewässern des Golfs von Asinara ihr Leben verloren, ist ein unauslöschliches Ereignis, was in den Herzen unserer Gemeinschaft bis heute gegenwärtig geblieben ist.“
Quelle:
www.lanuovasardegna.it
Eine Geschichte von Francesco Zizi
Die Geschichte
Im Jahr 1943 wurde das Fischereifahrzeug von einem U-Boot der Royal Navy torpediert.
Es gibt Geschichten, die im Gedächtnis einer Stadt über Generationen hinweg bewahrt werden – nicht, weil sie in Geschichtsbüchern verewigt sind, sondern weil sie auf der Straße oder auch von Familie zu Familie weitergegeben werden. Dies gilt auch für die „Onda“, den Fischereikutter aus Porto Torres, der am 6. Mai 1943 im Golf von Asinara sank, 7 Menschenleben forderte sowie eine Geschichte, die sowohl von Heldentum andererseits aber auch eine tiefe Verbitterung wegen der Ungerechtigkeit hinterließ.
Das Schiff hatte eine nahezu unbekannte Herkunft: Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Oslo als norwegischer Walfänger gebaut, 1916 von der Regia Marina gekauft und zu einem Minensuchboot umgebaut, wobei es den Namen erhielt, den es bis zum bitteren Ende beibehalten sollte.
Nachdem es mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, gelangte es schließlich in den Besitz des Reeders Nicola Delfino aus Porto Torres und wurde zum größten Fischereischiff im Golf von Asinara. 1940 wurde es erneut requiriert, kehrte dann aber zum Fischfang zurück, um die Soldaten der Garnison und eine vom Krieg erschöpfte Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. In diesem tragischen Umfeld spielt sich die Begebenheit ab, die die Geschichte der „Onda“ bis heute im Gedächtnis der Einwohner von Turritano unauslöschlich verewigt.
Anfang Mai 1943, als das Schiff in der Nähe von Fornelli die Meeresgründe absuchte, verfing sich etwas Riesiges in den Netzen: kein Fisch, sondern ein U-Boot, das nur wenige Dutzend Meter unter der Oberfläche auftauchte und dessen Ruder exakt durch diese Netze blockiert wurde. Der Kapitän, Gennaro Sandolo aus Ponza befahl, sofort in den Hafen zurückzukehren. Was eine Anekdote hätte werden können, von der man noch jahrelang erzählen würde, verwandelte sich in eine wahre Demütigung. Niemand glaubte den Fischern: weder die Hafenbehörde, die den Vorfall als Sichtung eines großen Wals abtat und deshalb wohl für ein U-Boot gehalten wurde. Auch der Reeder Delfino tadelte seine Männer wegen der Unterbrechung des Fischfangs.
Nicht einmal der Fund der Netze, die glatt durchtrennt waren – und zwar nicht von einem Tier –, reichte aus, um die allgemeine Skepsis zu erschüttern. Bis heute bleibt dies nahezu rätselhaft. Die britischen Unterlagen bestätigen nämlich nicht die Anwesenheit von U-Booten der Royal Navy in diesen Gewässern in den Tagen des Vorfalls, und die „Safari“ – das Boot, das kurz darauf die „Onda“ versenken sollte – war noch nicht in den Golf eingelaufen. Gerade das mangelnde Vertrauen in die Fischer machte das, was danach geschah, zu einem verhängnisvollen Ereignis.
5 Tage später kam der Befehl, wieder in See zu stechen. Sandolo wäre gerne im Hafen geblieben, doch das Militärkommando duldete keinen Widerspruch: Wer sich weigerte, würde wegen Desertation vor das Militärgericht von Oristano gestellt werden und mit der Androhung, so auch andernfalls erschossen zu werden. Als sie der Reihe nach gefragt wurden, wer von Bord gehen wolle, hoben alle Männer die Hand, und allen wurde geantwortet, dass sie ohnehin vor Gericht gestellt würden. Es war der Schiffsmaat Antonio Striano, der in einer von Resignation geprägten Rede seine Kameraden davon überzeugte, an Bord zu bleiben: Lieber in ehrenvoller Arbeit sterben, als den Kindern das Stigma eines erschossenen Vaters zu hinterlassen.
Am 6. Mai stach die „Onda“ ein letztes Mal in See, mit 9 Männern an Bord – der Maschinist Sergio Del Giudice war wegen seines kranken Sohnes an Land geblieben. Vor der Küste von Punta Falcone tauchte das britische U-Boot „Safari“ unter dem Kommando von Fregattenleutnant Richard Barklie Lakin hinter dem Heck des kleinen Bootes auf und eröffnete aus einer Entfernung von knapp 550 Metern sofort das Feuer. Es wurden 46 Salven abgefeuert, von denen 40 ihr Ziel trafen. Innerhalb weniger Minuten sank die „Onda“, 3 Seemeilen vor der Küste von Asinara. Nur 2 Männer konnten sich retten: die Heizer Antonio Sanna und Giovanni Sposito, die ins Wasser sprangen, während das U-Boot weiterfuhr, um die gegenüberliegende Seite unter Beschuß zu nehmen. Der Matrose Ciro Valente verblutete hierbei bereits im Meer. Mit ihm kamen Kapitän Sandolo, der Fischereichef Michele Zeno, die Matrosen Emilio Acciaro, Paolo Bancalà und Salvatore Fois sowie Antonio Striano selbst ums Leben.
Das Wrack lag jahrelang auf dem Meeresgrund, bis es im Juli 1947 wieder an die Oberfläche geholt und geborgen wurde. An Bord wurden die Skelette von 4 Opfern gefunden, die nun endlich ein Grab erhielten. Die Leichen von Ciro Valente und Antonio Striano wurden dagegen nie gefunden.
Nach der Reparatur fuhr das Schiff noch jahrelang als „Onda Delfino“ weiter, bevor es 1978 in Griechenland abgewrackt und verschrottet wurde. Jahrzehntelang wurde die Erinnerung an diese Männer fast ausschließlich nur innerhalb der betroffenen Familien weitergegeben und welches von diesen bewahrt wurde.
Erst 2013 wurde die Piazza Renaredda in Porto Torres, direkt am Meer, an dem sich die Tragödie ereignet hatte, nach den "Gefallenen der Onda“ umbenannt. „Die Erinnerung der Familien und der Nachkommen der Fischer auf der Onda“, so die heutige Stadträtin „die an jenem einstigen 6. Mai 1943 in den Gewässern des Golfs von Asinara ihr Leben verloren, ist ein unauslöschliches Ereignis, was in den Herzen unserer Gemeinschaft bis heute gegenwärtig geblieben ist.“
Quelle:
Porto Torres e gli eroi dell’Onda, il loro sacrificio è scolpito nella memoria cittadina – La storia
Nel 1943 il peschereccio venne silurato da un sommergibile della Royal Navy
Zuletzt geändert: