„ Wirtin in Italiens Insel-Paradies schimpft über Urlauber-Trend: „Wir sind ein Restaurant, keine Bar““

andrea21

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„Die Terrassen sind voll, die Kassen leer: Eine Gastronomin aus Cagliari benennt, welche Urlauber-Gruppe dem sardischen Tourismus am meisten schadet.

Cagliari – Wer an einem Augustabend 2026 durch das Marina-Viertel von Cagliari schlenderte, sah volle Terrassen, hörte Stimmengewirr, roch Grillrauch. Alles wie immer – und doch war nichts wie immer. Denn was die Gäste bestellten, hat sich grundlegend verändert. Pamela Solinas etwa führt das Restaurant L‘Oca Bianca mitten in Sardiniens Hauptstadt. Ihr Lokal im dreistöckigen Altbau ist eine feste Adresse für sardische Küche – Pizzen, Antipasti, Wein, klassische Abendessen.

In diesem Sommer aber sieht sie an ihren Tischen vor allem eines: Zurückhaltung. Vier Gäste teilen sich zwei Pizzen und einen Salat. Manchmal auch nur eine Pizza und eine Flasche Wasser. Den Wein, früher selbstverständlich, lassen immer mehr Gäste weg. Und das Tempo hat sich verändert: schnell bestellen, schnell essen, schnell gehen. In Italien nennt man das „Schnellessen“ – „mordi e fuggi“.

Rauswurf wegen neun Euro: Touristinnen überschreiten Grenze​

Vor wenigen Tagen reichte es Solinas. Zwei polnische Touristinnen setzten sich an einen Tisch und bestellten zwei Aperitifs und eine Vorspeise für neun Euro – zum Teilen. Solinas bat sie zu gehen. Gegenüber der sardischen Regionalzeitung La Nuova Sardegna begründete sie das knapp: „Wir sind ein Restaurant, keine Bar, und wir haben die Kosten eines Restaurants.“

Das Paradox dahinter: Sardinien verzeichnet in diesem Sommer steigende Besucherzahlen – die Restaurants aber schreiben rote Zahlen. Der sardische Branchenverband Confesercenti hat laut L‘Unione SardaHunderte Betriebe auf der Insel befragt: In Restaurants und tourismusnahen Branchen ist der Konsum gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 25 Prozent eingebrochen – in einzelnen Regionen sogar um bis zu 40 Prozent.

Supermarkt statt Ristorante: Urlauber kochen in Italien im Ferienappartement​

Wo das Geld bleibt, hat Solinas beobachtet: Viele Urlauber kaufen im Supermarkt oder beim Imbiss und essen dann in der gemieteten Wohnung oder im B&B-Zimmer. B&B-Betreiber berichten ihr von ungewöhnlich großen Müllmengen – ein stilles Zeichen dafür, wie viele Mahlzeiten gar nicht mehr in Restaurants landen. Der Boom der Kurzzeitvermietungen auf der Insel befeuert diesen Trend zusätzlich.

Solinas macht dafür nicht ihre Preise verantwortlich – die hat sie nicht angehoben. Eine Pizza Margherita kostet bei ihr weiterhin 7,50 Euro, genauso wie im Vorjahr. Um trotzdem auf ähnliche Einnahmen zu kommen, bleibt ihr nur eine Option: mehr Tische in kürzerer Zeit bewirten. Doch das ist kein Zustand, mit dem sie sich abfindet: „Ich würde lieber etwas weniger Tische bewirten, dafür aber mit normalem Essverhalten.“

Sardinien-Tourismus: Wachstum ohne Kaufkraft​

Für Solinas ist das kein Zufallsproblem, sondern eine Frage der Tourismusstrategie. In Cagliari entstehen Fünf-Sterne-Hotels – aber die Gäste, die tatsächlich kommen, haben oft wenig Spielraum. Besonders auffällig: In diesem Sommer kamen deutlich weniger Engländer und Italiener, dafür mehr Reisende aus Osteuropa – mit im Schnitt niedrigerer Kaufkraft, wie Solinas gegenüber La Nuova Sardegna beschreibt. Ihr Fazit ist eine unbequeme Frage an die Tourismuspolitik: „Man sollte sich auch fragen, welche Kundschaft wir anziehen wollen und mit welcher Kaufkraft – denn mit der aktuellen sind das die Ergebnisse.“ Ein Gast beschwerte sich jüngst auch über den „freiwilligen Betrag“ von über 48 Euro in einem Restaurant in Italien. (Quellen: La Nuova Sardegna, L‘Unione Sarda, L‘Orca Bianca) (cgsc)- Münchner Merkur, 04.09.26
 
Huch, der letzte Absatz sagt es wohl... Woher die Touristen kommen, denn Briten z.B. geben eher viel Geld im Urlaub aus und geben auch Trinkgeld. Kann jemand sagen, ob es im Norden der Insel ähnlich ist, also weniger Restaurantbesuche?
 
Es gab in letzter Zeit in verschiedenen Medien mehrere Artikel, dass die Anzahl der Touristen zwar gestiegen ist, diese aber weniger Geld ausgeben. Es betrifft offensichtlich nicht ausschließlich die osteuropäischen, sondern es ist wohl generell insgesamt weniger Geld vorhanden, wird weniger ausgegeben und/oder kürzer geblieben. Wohl auch in deutschen Restaurants wie der oben verlinkte Artikel darlegt. Aber auch zB die Bootsvermietungen sollen bis zu 50% Rückgang haben, wie auch andere touristische Dienstleistungen, s.u. Den o.g. Artikel hat qwpoeriu übrigens schon an anderer Stelle aus dem Focus verlinkt.



 
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ich bin oft mit der Qualität des Essens unzufrieden. für gute selbstgermachte + liebevoll zubereitete Speisen bin ich bereit viel Geld auszugeben. wenn mir Fertigware zu hohen Preisen aufgetischt wird, koche ich lieber zu Hause. V
 
ich bin oft mit der Qualität des Essens unzufrieden. für gute selbstgermachte + liebevoll zubereitete Speisen bin ich bereit viel Geld auszugeben. wenn mir Fertigware zu hohen Preisen aufgetischt wird, koche ich lieber zu Hause. V
Aber auf Sardinien? Also ich kann mich nicht an ein extrem schlechtes Essen erinnern....
 
Naja, an den Strandbars gibt es teilweise schon Fertigessen, das in der Mikrowelle aufgewärmt wird, aber das weiß man ja, dass da die Möglichkeiten zu kochen beschränkt sind. Wobei es im Bericht ja ums Restaurant ging.

Vielleicht ändern sich auch die Essgewohnheiten. Die jüngere Generation isst oft auch nimmer am Abend drei oder mehr Gänge oder sehe ich das falsch?
 
Als wir sehr jung waren und mit dem Zelt gereist sind, gab es am Abend die typischen Spaghetti vom Gaskocher und sicher keine drei Gänge im Restaurant.
Kann es nicht auch mit den ganzen privaten Vermietungen zusammenhängen? Oft ist dann ja eine Küche vorhanden...
Sparen insgesamt ist natürlich ein Punkt, der ja auch die Restaurants in D betrifft, zumindest in unserer Ecke.
 
Hier in Castelsardo gibt es sicher 40 Prozent mehr ristorantis als vor ca 10 Jahren, zT wurden Bars in Ristorantis umgewandelt. wenn der Kuchen immer grösser wird.....zudem gibts neue Apérobars, mit grosser Aussicht und zum bestellten Apéro gibts mehr oder wenig umfangreiche Häppchen, da kann man ohne weiteres auch mal sattwerden, wenn der Hunger nicht zu gross ist.

Kann mich noch gut erinnern, dass vor vielen Jahren einfach erwartet wurde, dass man zwei bis drei Gänge bestellt...hab mich da auch ab und zu gewundert wieviele halbvolle Teller zurück gingen. Mit unseren drei Kindern war schon vor vielen Jahren ein Restaurantbesuch schlicht teuer und lag bei weitem nicht alle Tage drin. Zum Glück gab auch da schon Ferienwohnungen mit Küche.

Vermutlich haben grad alte traditionelle Gaststätten mehr Mühe sich auf veränderte Essgewohnheiten einzustellen und wenn eine neue Apérobar eröffnet wird, hupfen gerne viele dorthin, gerade wenn da noch grosszügig dazu serviert wird. Dies ist mir auch im Frühling in Cagliari aufgefallen.

Vorgestern in Olbia, riesiges Angebot an Bars und Ristoranti, wie mir schien die meisten sehr gut besucht, trotz Rauchverbot draussen. Auch in "unserem" haben wir Platz gefunden, dank Reservation. Es war gut belegt, mit zwei Schichten, Pizza gabs nicht und das für Sardinien unkonventionelle Essen war fein. Kosten für 2: Dreigänger mit einer Flasche Wein, 150.- preiswert, liegt halt nicht alle Tage drin, für uns.
 
Mir fällt zu dem Thema ein Gespräch von 2013 in Santa Teresa ein. Dort beschwerte sich ein Restaurantbesitzer, dass sich das Verhalten bereits zu dem Zeitpunkt verändert habe... Die Touristen seien sonst vier Wochen vor Ort gewesen und mindestens 1x am Tag in das Restaurant gegangen...auch für die Kinder wäre sehr viel ausgeben worden. Dann hätte sich der Aufenthalt auf zwei Wochen reduziert und auch das Essengehen mindestens halbiert etc. Es ging generell um italienische Touristen.
 
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