Hallo Bootsmax,
unsere Feststellung ist, daß die Besucherzahlen aus dem Ausland außerhalb der Hochsaison zunehmen und die Inlandsnachfrage in den Monaten Juli/August abgenommen hat - sehr vereinfacht ausgedrückt. Um zu erklären warum der Umsatz ungefähr auf dem gleichen Niveau geblieben ist, muß man die Entwicklung der letzten Jahre mit ständig zunehmenden Besucher und Gästezahlen verstehen und kennen, die bei gleichbleibender Infrastruktur eine kaum noch zu bewältigende Anzahl an Touristen verkraften musste. Es ist ungefähr so, als wolltest Du mit einem Feuerwehrschlauch ein Schnapsglas befüllen wollen. Der Feuerwehrschlauch sind die Vektoren (also Fähren, Flugzeuge, Autos, Besucherzahlen und Schnapsglas sind Häuser, Hotels und Zeltplätze).Die starke Verteuerung der Fähren, Flugverbindungen und Benzinpreise hat zwar die Besucherzahlen reduziert aber das Gros der Tourismusindustrie schreibt weiterhin nach wie vor schwarze Zahlen.
Die Exzesse der Jahre 1997 - 2009 sind eine jährliche durchschnittliche Zuwachsrate von 20-30%, die dazu geführt hat, daß bestehende Strukturen überfüllt und überbelegt waren, so daß die Gäste mal plastisch ausgedrückt auf Kaschemmen, Besenkammern und Wigwams für teures Geld ausweichen mussten und das auch zähneknirschend hingenommen haben. Welche Motivation sollte ein Besitzer eines Gammelhauses oder Unterkunft haben, sein Haus zu erneuern oder zu verschönern, wenn er es sowieso an den meistbietenden vermieten kann ? Ich hoffe Du gehst mit mir konform, daß es sich dabei nur um eine sehr ungesunde Entwicklung handeln kann, da es in dieser Situation kaum noch Wettbewerb gab und gibt.
Wir sprechen im Schnitt von einer 10 fach potentiellen Überbelegung der Betten. Das heißt, daß auf ein Bett 10 potentielle Anfragen ankommen und nur derjenige einen Platz bekommt, der entweder rechtzeitig bucht oder eben bereit ist, teures Geld für eine mittelmäßige Unterkunft auszugeben. Heute im Jahre 2012 haben wir "nur" noch eine 5 fache Überzeichnung der Anfragen, womit aber trotzdem immer noch eine Vollbelegung stattfindet.
Wer leidet also dann darunter ?
Es sind diejenigen, die von diesen ständigen Zuwachsraten profitiert haben ohne sich groß anstrengen zu müssen, schon in den Jahren ein unverhältnismäßiges Preis-Leistungsniveau hatten, diejenigen Restaurants die völlig überteuert angeboten haben undsoweiterundsofort.
Vielleicht ein weiteres Beispiel zum besseren Verständnis: Einige Reiseunternehmen boten ihren Urlaubern günstige Pauschalangebote "all inclusive" an. Diese waren bis auf die zweite Kommastelle genau kalkuliert und konnten nur dann gewinnbringend angeboten werden, wenn das Hotel voll ausgelastet war. Da dies bei ständig steigenden Preisen (Benzin, Strom, Wasser, Lebensmittel, Infrastruktur, Abgaben, Steuern, Wiedereinführung ICI-IMU, Müllgebühren und Anderskosten) nicht mehr möglich ist, sind die Hotels im Niedrigstpreissektor damit grandios gescheitert. Deren Plätze hat eine gehobene Mittelschicht eingenommen, die bereit ist für gutes Geld eine adäquate Unterbringung zu fairen Konditionen zu buchen. Die Hotels im Niedrigpreissektor haben entweder erst gar nicht mehr eröffnet oder haben nur mit einem reduzierten Service angeboten (beispielsweise von Vollpension auf "nur Frühstück) oder stehen unter Zwangsvollstreckung.
Wer profitiert davon ?
Diejenigen die schon vorher ein gesundes Preis-/Leistungsverhältnis hatten und nun Gäste aufnehmen, die schon vorher eine größere Urlaubskasse hatten. Es macht für einen Restaurantbesitzer schon einen erheblichen Unterschied, ob ein Gast abends eine Pizza und einen Hauswein trinkt, oder ob er einen "antipasto" "primo", "secondo", "dolce", "caffé" e "ammazzacaffé" und 2 Flaschen guten Wein trinkt. Anstatt für 12 Euro/Person/Platz macht er 50 (?) Euro/Person/Platz Umsatz.
Nicht falsch verstehen - das ist eine sehr grob vereinfachte Version die ich hier aufliste....
Trotzdem finde ich diesen Gesundungsprozess sehr positiv.
Marco