VHS für sardische Sprache & Literatur gegründet
In Siniscola hat die private Initiative "Tramas de libertade" die wohl erste Volkshochschule für sardische Sprache & Literatur auf der Insel gegründet ("Iscola populare de limba e literadura sarda"). (La Nuova 30.1.2018). In den öffentlichen Schulen könnte nach dem ital. Minderheitenschutzgesetz auch Sardisch unterrichtet werden, aber davon wird leider kaum Gebrauch gemacht.
 
Zuletzt geändert:
Mein Italienisch ist recht gut, und Sardisch verstehe ich zum großen Teil (in der Familie meiner Frau wird Sardisch gesprochen), aber sprechen kann ich es nicht. Muß ich ja auch nicht. Meine Frau hat hier im Forum auch einmal Sardisch-Unterricht angeboten, aber die Resonanz war gleich Null.
 
die meisten, die urlaubstechnisch auf die Insel kommen möchten vielleicht erstmal sich zumindest ansatzweise in Italienisch verständlich machen können... und die residenti haben oft ausgezeichnete sardische Beschallung täglich um sich rum und brauchen keinen Unterricht... könnt so sein?
 
Corana Niedda,
nein, so ist es nicht, bei der VHS, über die ich informiert habe, geht es nicht um Sprachkurse, sondern um Vorträge und Workshops zur sard. Sprache & Literatur. Für Touristen ist das Veranstaltungsangebot nicht gedacht.
 
Gibt es denn EIN Sardisch? Sind es nicht auch 5 oder 6 unterschiedlich 'Sprachvarianten' oder lässt es sich mit 'Dialekten' umschreiben?
Ich finde ja das Gallurese spannend, lerne immer mal ein paar Wörter, wenn ich dort unterwegs bin. Klasse finde ich auch die 'alten' Wörter, salve ist wohl das beste Beispiel - wobei mir schon klar ist, dass dies nicht nur 'sardisch' ist, sondern auch auf dem Festland habe ich es schon hier und dort gehört.
Salve
Sabine
 
Du hast recht, "ein" Sardisch gibt es nicht, sondern verschiedene "Sprachvarietäten", wie man in der Linguistik sagt. Wie viele Varietäten sich auf Sardinien identifizieren lassen, ist umstritten. Manche Romanisten sehen etwa das Gallurese als eine Varietät des Korsischen an, darüber läßt sich sicherlich streiten. Im folgenden Artikel aus der "Pecora Nera" findest Du eine gute (und lesbare!) Übersicht.:

http://pecora-nera.eu/sardisch-das-schwarze-schaf-lernt-eine-sprache-oder-funf/

Günther
 
...solange es kein "hochsardisch" moo> gibt , für alle Sarden 100% verständlich , und es auch nicht auf https://de.babbel.com/ erscheint , braucht sardisch eigentlich nach meiner Meinung kein Neuzeitlicher Mensch,..... und solange gebe ich mich mit meinem "kauderwelsch-campidanese":D zufrieden ( nur zum fluchen :D!!!) ....
 
Eine solche Initiative zum Erhalt des Sardischen ist bestimmt anerkennenswert, aber ob solche VHS Kurse zum Erhalt der Sprache beitragen und die Rückläufigkeit einer Minderheitensprache aufhalten können, ist doch fraglich. Der einzige und letzte Raum, der von der sardischen Sprache bestimmt wird, ist und bleibt die Familie und die kleine Dorfgemeinschaft.
 
mmh, also meiner Erfahrung nach sprechen die jüngeren sowie die älteren Sarden (die ich bisher kenne) beides - in diesem Fall Hochitalienisch und Gallurese - mir kam es nicht so vor, als ob der lokale Dialekt wenig oder gar nicht gebraucht wird, aber das ist nur mein Eindruck und dies aus dem Nordosten der Insel...
 
Ich meinte nicht, dass sardisch heute nicht mehr gebraucht wird, im Gegenteil, intensiv wie gesagt in den Familien und Dörfern. Hier wird auch der Erhalt des Sardischen gesichert, während es in den Städten schon anders aussieht oder bald anders aussehen könnte. Je offener eine Gesellschaft ist, wie in den Städten, in Mischfamilien (sardisch/italienisch) durch Zuzug, Medien, desto weniger wird dem Sardischen allgemein essenzielle Bedeutung beigemessen. Das habe ich mir nicht selber ausgedacht. Ich kenne eine Studentin, die ihre Magisterarbeit genau zu diesem Thema geschrieben hat und zig, zig Sarden im Dorf und in der Stadt dazu befragt hat.
Su Corvu schreibt auch:
In den öffentlichen Schulen könnte nach dem ital. Minderheitenschutzgesetz auch Sardisch unterrichtet werden, aber davon wird leider kaum Gebrauch gemacht.
Wenn von der Öffentlichkeit/Politik nicht alles zum Erhalt der sardischen Sprache getan wird, ganz wichtig in Kindergärten, Schulen, könnte das Globale siegen und das Lokale schwinden. Kurse in der VHS sind ja ganz nett, aber die jungen Eltern haben es in der Hand, ob die sardische Sprache in Zukunft lebendig bleibt.
Interessantes Thema.
 
Den folgenden Beitrag zur sardischen Sprache hatte ich 2015 schon hier eingestellt, offensichtlich ist er schwer zu finden oder wird übersehen:

Der römische Ministerrat hat ein Gesetzesdekret erlassen, wonach die adminstrativen Maßnahmen zum Schutz der sardischen u. katalanischen Sprache u. Kultur auf die Region übertragen werden. Außerdem sollen dafür finanzielle Mittel bereitgestellt werden. (La Nuova", 4. Dez. 2015). Hier der Link:
http://lanuovasardegna.gelocal.it/r...andato-alla-regione-1.12560605?ref=hfnsssbr-4

Die dort zu findende Karte mit der Verteilung der Sprachen auf der Insel ist übrigens völlig unzulänglich. Diese großen, geschlossenen u. klar abgegrenzten Sprachgebiete gibt es in der Form nicht, den Sprachenatlas muss man sich vielmehr wie einen Flickenteppich vorstellen. Außerdem wird auf Sardinien nicht "corso" gesprochen, sondern "gallurese", welches viel mit dem Korsischen gemein hat (oder umgekehrt), aber eine andere Varietät der gallo-italienischen Sprachenfamilie darstellt.

Zur Erinnerung: „Die Republik schützt mit geeigneten Normen die sprachlichen Minderheiten“, so steht es im Artikel 6 der italienischen Verfassung von 1946. Aber erst 1999 trat auf nationaler Ebene ein Gesetz in Kraft, welches erstmals die Rechte der „historischen sprachlichen Minderheiten“ regelt (Gesetz Nr. 482 „Norme in materia di tutela delle minoranze linguistiche storiche“ vom 15.12.1999). Es sieht Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Sprache und Kultur der Minderheiten vor, darunter Unterricht in den Minderheitensprachen im Bildungssystem (vom Kindergarten bis zur Universität), Gebrauch der Sprachen in öffentlichen Institutionen sowie fakultative Projekte seitens der Regionen, Provinzen und Kommunen zur Förderung der Minderheiten im Kultur- und Medienbereich. Die Umsetzung des Gesetzes lässt in vielen Regionen noch immer auf sich warten, so auch auf Sardinien.

Das Gesetz Nr. 482 bezieht sich allerdings nur auf 12 der rund 20 sprachlichen Minderheiten Italiens. Nicht berücksichtigt sind u.a. Juden, Sinti und Roma sowie die auf den Sardinien vorgelagerten Inseln San Pietro u. Sant’Antioco lebende Minderheit der „Tabarchini“.

Die Zahl der Sprecher des Sardischen u. Katalanischen kann nur geschätzt werden. Nach Erhebungen deutscher u. spanischer Romanisten wird davon ausgegangen, dass auf Sardinien rund 1.400.000 Menschen im Alltag noch Sardisch sprechen, und um 20.000 noch Katalanisch, vornehmlich im Raum Alghero.

Günther
 
http://lanuovasardegna.gelocal.it/r...andato-alla-regione-1.12560605?ref=hfnsssbr-4

Die dort zu findende Karte mit der Verteilung der Sprachen auf der Insel ist übrigens völlig unzulänglich. Diese großen, geschlossenen u. klar abgegrenzten Sprachgebiete gibt es in der Form nicht, den Sprachenatlas muss man sich vielmehr wie einen Flickenteppich vorstellen. Außerdem wird auf Sardinien nicht "corso" gesprochen, sondern "gallurese", welches viel mit dem Korsischen gemein hat (oder umgekehrt), aber eine andere Varietät der gallo-italienischen Sprachenfamilie darstellt.

Günther

Interessant.. Hast Du Quellen für die Behauptung, dass die Karte falsch (oder zumindest unzulänglich) ist? Gibt es genauere?
Auf der Karte wird doch auch Gallurese erwähnt, als Variante von Corso. Wichtig ist doch, dass Gallurese/Corso von der sardischen Sprache verschieden ist.
 
Hallo "Bonzibi",
den von mir erwähnten Sprachenatlas habe ich zur Zeit nicht zur Hand, der steht im Bücherregal in D.
Aber aus eigener Anschauung kenne ich die lokal unterschiedliche "Sprachenvielfalt". Zum Beispiel Budoni: Nach der o.a. Karte wird dort Logudorese gesprochen, in Wirklichkeit spricht ein Großteil der Einwohner aber Gallurese. Gleiches gilt für Posada: Schließlich war die Stadt über Jahrhunderte Hauptstadt der Unteren Gallura, deshalb sprechen auch heute noch viele Sarden dort Gallurese.
 
Soweit ich weiß (und so wie ich das auf der Karte sehe), verläuft die Sprachgrenze durch Budoni durch (angeblich genau an der Kirche). Meine Erfahrungen (ich gebe zu, viel zu wenig um irgendeine statistische Relevanz zu haben) bestätigen das: Die, die nördlich davon aufgewachsen sind, sprechen Gallurese (also kein Sardisch), und die anderen Logudorese (also Sardisch). Die Karte scheint also nicht soo falsch zu sein.
 
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