Die Gegenwart von vor 10 Jahren?
Versteh mich nicht falsch, mir ist der Artikel wurscht und ich kenne die Autorin nicht. Aber letztlich werden in einem Absatz Todesfälle/Verbrechen geschildert, und wenn 2007 etwas passiert ist, dann würde ich es in diesem Format auch nicht verschweigen.
Und dann sind wir eben wieder beim alten Thema, wie viel Tourismus und Aufmerksamkeit die Insel verträgt. Natürlich hat niemand gemordet oder Wände bemalt, um bei SPON erwähnt zu werden. Aber dass der Ort und zwielichtige Geschäftsleute unter anderem aus solchen Storys ihr Kapital schlagen (siehe die im Höh-Führer beschriebenen und kritisierten Pseudoüberfälle) oder zumindest damit kokettieren, ist doch unstrittig. Die wenigsten hier könnten Gavoi, Orune oder Desulo auf einer Karte verorten - Orgosolo sagt ihnen etwas. Lebte ich dort, ich käme mir vor wie im Zoo, wenn die Leute vorbeikommen, um mein Dorf zu beglotzen. Gleichzeitig gehen diese Leute aber auch in Orgosolo essen, übernachten womöglich, bringen jedenfalls (einigen Glücklichen) Geld. Was machen wir also: Berichte schreiben, in denen steht, dass es dort bemalte Häuser gibt, aber den Rest unter den Tisch fallen lassen? So funktioniert die Medienlandschaft nicht. Skandale, Absonderlichkeiten, Pseudospannung, ... und lieber Leser, traust du dich, todesmutig, in dieses Verbrechernest? Das lässt sich grundsätzlich kritisieren, aber ich finde diesen Artikel jetzt nicht übermäßig schlecht oder tendenziös, wirklich nicht. Da war vermutlich jemand im Sommerurlaub da, hörte von diesem Ort, packte Internetrecherche und Hörensagen zusammen und machte, wichtig, eine Story daraus.
Auch hier:
http://sardinienforum.de/threads/nach-orgosolo-fahren-oder-doch-lieber-nicht.2947/ gab bzw. gibt es ja durchaus warnende Stimmen. Ich war vor ewigen Zeiten dort, keine Ahnung, wie sich das gewandelt hat, damals fühlte ich mich nicht wohler oder unwohler als anderswo.