Kulinar. div. Mein langes Interview zum Thema Olivenöl auf Sardinien

Hans-Peter Bröckehoff

Sehr aktives Mitglied
Ich habe gerade ein langes Interview mit einem der renommiertesten Olivenöl Experten Sardiniens, Pietro Paolo Arca, fertiggestellt und veröffentlicht. Es behandelt unter anderem die Fragen: Gibt es ein typisch sardisches Olivenöl? Wie wird das Öl auf der Insel heute produziert? Und welche Qualität hat das Olivenöl auf Sardinien? Schon das Gespräch selbst war hochinteressant. Und beim Bearbeiten der Abschrift habe ich nochmals einiges über das sardische Öl und über modernes Olivenöl insgesamt gelernt. Wen das Thema interessiert, hier ist das Interview. Interview Olio.jpg
 
Zuletzt geändert:
Na klar - aber - wo kann ich es erwerben auf Sardinien.
Wie sieht es aus im verpackten abgefüllten Zustand.
Das wäre nett HPB ;)
Das Interwiew lese ich dann heute abend wenn ich von schicht komme.
LG andreas
 
ich seh das Interview etwas kritisch....
er spricht davon dass eine Erhöhung der Quantität sehr wichtig sei
und was Qualität sonst noch ausmacht, ausser den "modernen" Ansprüchen an Geschmack und Gehalt an Phenolen und so bleibt aussen vor,

also Schadstoff-Freiheit, nachhaltige Bewirtschaftung der Olivenhaine usw.
 
Also ich freue mich, wenn ich auf dem Markt von einem Anbauer sein mit Stolz eigenes Olivenöl kaufen kann ohne bestimmte Marke und meist noch in der Plastikflasche.
Genauso bin ich froh, dass hier die Weinbauern noch ihre eigenen Weine keltern und nicht so ein Mischmasch produziert wird wie in Deutschland.
Der Fortschritt wird sich nicht aufhalten lassen, aber er kann ruhig noch etwas auf sich warten lassen ;)
 
Ich habe in Deutschland beobachtet, dass die Genossenschaften immer größer werden und die Vorschriften für die Weinbauern immer strikter was Erntetage, Qualität und Menge betrifft. Das meine ich mit Mischmasch. Aber es soll ja hier um Sardinien gehen und da hoffe ich einfach, dass es noch lange so bleibt wie es ist.
 
ich seh das Interview etwas kritisch....
er spricht davon dass eine Erhöhung der Quantität sehr wichtig sei
und was Qualität sonst noch ausmacht, ausser den "modernen" Ansprüchen an Geschmack und Gehalt an Phenolen und so bleibt aussen vor,

also Schadstoff-Freiheit, nachhaltige Bewirtschaftung der Olivenhaine usw.
Das erste verstehe ich nicht. Arca sagt ja gerade, dass immer noch zu viele Olivenbauen auf die Quantität schielen, was er nicht gut findet. Es kommt seines Erachtens nicht auf die Quantität (also die Schwere und den Ölgehalt der Oliven an, sonderen auf den Lesezeitpunkt un die Behandlung der Oliven.

Über Bio-Anbau haben wir auch gesprochen. Und er ist ein Freund davon, schließlich ist er bei Slow Food aktiv. Aber das Thema ist komplex und erfordert einen eigenen Beitrag.
 
Also ich freue mich, wenn ich auf dem Markt von einem Anbauer sein mit Stolz eigenes Olivenöl kaufen kann ohne bestimmte Marke und meist noch in der Plastikflasche.
Ich kaufe auch Öl vom Bauern in der Straße oder von Bekannten. Diese Öle sind teils hervorragend. Sie sind auf Sardinien heute alle in modernen Extraktionsanlagen hergestellt worden. Und wenn der Bauer dann noch den richtigen Lesezeitpunkt gewählt hat und mit den Oliven gut umgegangen ist (schnell zur Ölmühle und nicht zu warm werden lassen), ist die Grundqualität schon mal gesichert.
 
Bis wieviel Grad gilt eigentlich "kalt gepresst"?

Wenn es "rund geht", laufen die Maschinen fast rund um die Uhr.
Die werden dann ganz schön warm.
Vielen ist das sogar recht.
Weil es mehr Ertrag bringt.
 
"Kalt gepresst" gibt es eigentlich nicht mehr. Denn es wird nicht mehr gepresst. In allen sardischen Ölmühlen werden die Oliven mechanisch zerkleinert (wenn mit Messern gehackt und nicht mit Hämmern/Stößeln zerquetscht, um so besser). Danach wird durch eine Zentrifuge das Öl extrahiert und meist noch durch eine zweite, noch schneller drehende Zentrifuge gereinigt. Deshalb ist auch ca. zwei Drittel des Öls heute Extra vergine, was wir Laien oft immer noch mit der "ersten Pressung" in Verbindung bringen. Minderwertigere Öle, die aus den Rückständen des ersten Durchgangs gewonnen werden, spielen heute keine so große Rolle mehr.

Viele Anlagen werden auch schon gekühlt, um auch bei der Verarbeitung die kritische Temperatur von ca. 20 Grad nicht zu überschreiten. Das Öl leidet durch Sauerstoffkontakt und durch Wärme.
 
Zuletzt geändert:
Also ich freue mich, wenn ich auf dem Markt von einem Anbauer sein mit Stolz eigenes Olivenöl kaufen kann ohne bestimmte Marke und meist noch in der Plastikflasche.
Genauso bin ich froh, dass hier die Weinbauern noch ihre eigenen Weine keltern und nicht so ein Mischmasch produziert wird wie in Deutschland.
Der Fortschritt wird sich nicht aufhalten lassen, aber er kann ruhig noch etwas auf sich warten lassen ;)
ja, die privaten Anbauer, die mit Stolz ihr eigenes Öl produzieren, ohne Stress, den Gewinn maximieren zu wollen, die machen oft richtig gute Sachen
die sind auch verbunden mit ihrem Stück Land
so soll es sein

der Fortschritt..... was ist Fortschritt? Geldgeilheit die über Leichen geht? Maximale Maximierung?
Hamwa schon viel zu viel auf diesem Planeten, auf Sardegna haben sie die Chance, es anders zu machen, wenn sie halbwegs wach sind

Sardinien hat und hätte die Chance, auf Qualität statt auf blinde Quantität zu setzen, vielleicht ein eigenes Label zu kreieren für die Kleinbauern, die faktisch mega-bio sind, aber sich das Bio- Siegel nicht leisten können
jenseits von irgendwelchen EU-Sklavereien

aber da brauchts Leute die nachhaltig mitdenken
nicht die aus der Tourismusbranche, die überall Golfplätze errichten will
oder analog ähnliches in der Landwirtschaft
 
ja, die privaten Anbauer, die mit Stolz ihr eigenes Öl produzieren, ohne Stress, den Gewinn maximieren zu wollen, die machen oft richtig gute Sachen
die sind auch verbunden mit ihrem Stück Land
so soll es sein

der Fortschritt..... was ist Fortschritt? Geldgeilheit die über Leichen geht? Maximale Maximierung?
Hamwa schon viel zu viel auf diesem Planeten, auf Sardegna haben sie die Chance, es anders zu machen, wenn sie halbwegs wach sind

Sardinien hat und hätte die Chance, auf Qualität statt auf blinde Quantität zu setzen, vielleicht ein eigenes Label zu kreieren für die Kleinbauern, die faktisch mega-bio sind, aber sich das Bio- Siegel nicht leisten können
jenseits von irgendwelchen EU-Sklavereien

aber da brauchts Leute die nachhaltig mitdenken
nicht die aus der Tourismusbranche, die überall Golfplätze errichten will
oder analog ähnliches in der Landwirtschaft
Sardinien setzt auf Qualität statt auf Quantität. Genau das wird im Interview sehr plastisch beschrieben. Aber gerade bei kleineren Olivenbauern ist das Streben nach möglichst hoher Quantität immer noch vorhanden. Viele von denen lassen die Oliven immer noch zu lange reifen, um mehr Öl rausholen zu können, was der Qualität jedoch schadet. Da versuchen die Institutionen und Experten aufzuklären.

Ich habe mir die Arbeit einer Ölmühle angesehen. Die dort von den kleineren Produzenten angelieferten Oliven sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Die, die ihre Oliven gut behandelt haben, sie vor allem zum richtigen Zeitpunkt geerntet und sie sofort zum Franoio gebracht haben, freuen sich gar nicht, wenn vor ihnen eine Charge mit Oliven minderer Qualität an der Reihe ist, denn es bleibt immer einiges vom vorigen Öl in der Anlage und verunreinigt dann das Öl der nächsten Charge.

Übrigens: Alle Bauern, auch "die privaten Anbauer, die mit Stolz ihr eigenes Öl produzieren", lassen ihre Oliven in einem Frantoio, einer Ölmühle, verarbeiten und alle sardischen Ölmühlen arbeiten mit modernen Extraktionsanlagen. Hier setzt Sardinien sehr auf "Fortschritt". Und niemand auf der Insel weint den alten Ölpressen eine Träne nach.

Noch ein Wort zum bilologischen Anbau bei den Kleinbauern. Ich habe auch schon mit Olivenbauern gesprochen, die mir glaubhaft versichert haben, dass ihr Öl biologisch angebaut sei, die es aber wegen der Kosten nicht zertifizieren lassen. Das lohnt sich bei kleinen Mengen in der Tat auch nicht. Aber ich kenne auch einige kleine Olivenanbauer, die sehr großzügig mit chemischen Spritzmitteln umgehen. Interessanterweise sprechen sie dabei von "dare medicina" (Medizin geben).

Die Gleichung klein gleich qualitativ gut und biologisch stimmt in Bezug auf die Olivenöl-Produktion auf Sardinien leider ganz und gar nicht. Aber zum Glück gibt immer mehr Produzenten, "die nachhaltig mitdenken" – und zwar sowohl bei den kleinen als auch bei den größeren Produzenten. In diesem Sinne gefällt mir der Fortschritt in der sardischen Olivenöl-Produktion sehr gut.
 
Ich kann da leider nicht mitreden, was Produktionsverfahren und -mengen im großen Stil angeht.

Wir verwenden ausschließlich Olivenöl meines Schwiegervaters , welches von den Oliven der eigene Bäume stammt und sortenrein in der Ölmühle gepresst wird. Das schmeckt hervorragend und gute Freunde bekommen schon mal ein Fläschchen als Geschenk.

Ein Kanister mit 20 Litern davon mit nach Deutschland gebracht, reicht uns so gerade, um übers Jahr zu kommen. Und manches Jahr, wie 2020, fällt der Ertrag auch schon mal knapp aus. Dann kann man nur hoffen, dass es im darauffolgenden Jahr wieder mehr Ertrag gibt.

Viele Familien, die eigene Ölivenbäume haben, verfahren genauso und verwenden ihr Öl für den Eigenbedarf. Von daher kenne ich keine Bauern, die Öl in größeren Mengen verkaufen, das wird meist in den Familien und zu Freunden weitergeben.

Und wer keine eigenen Bäume hat, dem bleibt eben nichts anderes übrig, als das im Supermarkt oder im Fachhandel angebotene Öl zu kaufen, was sicherlich nicht schlecht sein muss, aber eben nicht klar ist, welche Oliven da zusammengemischt wurden.
 
Kann ich nur zustimmen - die Qualität der Oliven, die von kleinen bis kleinsten Anbauern angeliefert werden, ist höchst unterschiedlich. Da waren z.T. Oliven dabei, die offensichtlich verfault und vom Boden aufgelesen waren... wir waren froh, dass unsere Ölmühle solche Oliven beiseite gestellt und unsere vorher drangenommen hat.
Wir haben mehrere Jahre hintereinander auch Analysen des Öls machen lassen, um sicher zu sein, dass es den Anforderungen für extra vergine entspricht. Leider reichen unsere Mengen nur für uns selbst und Freunde/ Bekannte.
 
Durch Zufall bin ich auf eine kleine "Broschüre" (bebildertes PDF von 10 Seiten) des Zeit-Verlags gestoßen, das sehr anschaulich die Einflussfaktoren auf die Qualität des Olivenöls beschreibt. Hier habe ich noch besser verstanden, wie heute gutes Olivenöl gemacht wird. Passt sehr gut zu diesem Thema und ist sehr lesenswert. Hier der Link: https://zeitshop.cstatic.io/media/pdf/96/3b/13/Einflussfaktoren.pdf
 
Anzeige

Heutige Geburtstage

Themen mit ähnl. Begriffen

Top