9.09.12 Sonntag
Ankunft in Olbia, die Insel begrüßt mich mit wunderbarem Wetter, die Autovermietung mit einem freundlichen Mitarbeiter... Die Formalitäten sind schnell erledigt, ich kann losfahren... Mein Weg führt nach Brunella, dort werde ich Italienischunterricht haben. Brunella ein kleines Dorf (nicht weit von Budoni) in der Nähe vom Marktplatz wartet Su Corvo auf mich ...wir fahren los, das Haus liegt oberhalb des Dorfes... Die Straße (wie viele in Sardinien) steil und kurvig, für mich gefühlte 40% Steigung, 90 Grad Kurve... und dann passiert es... ich würge das Auto ab... mir steht der Schweiß auf der Stirn... zwei Versuche bleiben erfolglos... beim dritten klappt es... Günther wartet geduldig auf mich...
In Su Corvu herzliche Begrüßung... Giampiera - meine Lehrerin...
Wir sitzen zusammen auf der Terrasse mit wunderschönem Blick ins Tal... es duftet herrlich... die Natur und das Essen, die Ruhe wird nur durch unsere Gespräche unterbrochen ... ein schöner Abend, der mit Spaziergang, mit leckerem Mirto und Finocchio endet...

10.09.12 Montag
Am Vormittag Italienischunterricht mit Giampiera. Sie ist eine erfahrene und kompetente Lehrkraft, es macht Spaß in dem "Klassenzimmer" mit dem schönen Ausblick zu sitzen und zu lernen... Es wird nur italienisch gesprochen... sie erklärt mit viel Geduld, man merkt die jahrelange Erfahrung...
Irgendwann macht sich bei mir die Anspannung von der Reise bemerkbar... meine Konzentration lässt nach... Günther versorgt mich mit vielen Büchern... jetzt kann ich schmökern und entspannen...
Am Nachmittag ein langer Spaziergang... unterwegs werden Brombeeren gesammelt... tolle Gespräche geführt, die schöne und ruhige Gegend erkundet, das Haus San Nicola liegt idyllisch gelegen, mit freiem Blick aufs Meer und die Berge...

11.09.12. Dienstag
Am Vormittag ist wieder Italienisch angesagt, der Nachmittag ist für das Meer vorgesehen...
Die Gegend vom Budoni ist mir absolut unbekannt... Ich fahre zur Spiaggia Salamaghe... ein schöner feinsandiger Strand aber auch ein schöner Pinienwald, der viel Schatten spendet und wunderschön duftet... dort bleibe ich... lese meine Urlaubslektüre (Empfehlung aus der Buchabteilung)...beobachte die emsigen Ameisen... gehe durchs Budoni (keine schöne Stadt), beobachte die Touristen, die dort Urlaub verbringen... Fahre nach Hause..ich kenne den Weg, die Steigung, die Kurven...das Auto würge ich nicht mehr ab...ein ruhiger und entspannter Tag geht zu Ende...

12.09.12 Mittwoch
Am Vormittag wieder das gleiche Programm... Nachmittag steht eine Wanderung auf dem Programm, ich will in die umliegende Berge... Giampiera zeigt mir und erklärt mir genau den Weg zu einer Wasserquelle... Ich muß bis zu bestimmten Stelle mit dem Auto fahren und weiter zu Fuß... es ist ein schöner Weg, mit Blick auf die Berge, die Ruhe, der Duft... auf einmal stinkt es bestialisch...unterhalb vom Weg liegt ein Kadaver, ich gehe schnell weiter... ich finde das Mandelbäumchen... dort in der Nähe muß die Quelle irgendwo sein... ich suche, und suche und finde leider nichts...
komme etwas enttäuscht zurück... im Rucksack nur drei Mandeln und kein Quellwasser...
Ich nutze die Abendstunden und lese ein Sardinienbuch aus Günthers Bibliothek zu Ende...(mehr dazu bald in der Buchabt.)
Am späten Abend kommt der maestrale... es wird kalt...

13.09.12. Donnerstag
Kurz nach 7uhr Aufbruch Richtung Barbagia...
Die erste Station Orgosolo (dazu habe ich schon was geschrieben)...
danach Nuoro, die Stadt, die als Eingangstor zur Barbagia bezeichnet wird...
Mein erster Ziel... Duomo Santa Maria della Neve, nicht weit von hier... im Schatten der Kathedrale finde ich das Museo Archeologico, der Eintritt kostet nur 2 Euro und es lohnt sich!
Ich frage nach dem Weg zum Museo Deleddiano... ein junges Pärchen erklärt mir den Weg... bis zum Dolci Tentazioni und dann rechts... Dolce Tentazioni....so viele leckere Sachen...ich kann nicht widerstehen...
Komme zum Geburthaus von Grazia Deledda, der Eintritt ist frei... ich besichtige das Haus, stelle mir vor wie sie hier gelebt hat... Nehme mir viel Zeit durch die Räume zu gehen... ich gehe in den Hof...ich fühle mich wie in einer anderen Zeit... Ich könnte hier stundenlang bleiben...
Ich verlasse Nuoro... fahre nach Orune, das Dorf mit den bunten Häusern, so malerisch gelegen.. auf dem Berg gebaut... von weitem sieht es so schön friedlich aus... ich will nicht an die Geschichte und die blutigen Auseinandersetzungen denken...
Es fängt an zu regnen, schwarze Wolken am Himmel ...ich bin auf dem Weg nach Su Tempiesu...der nuraghische Brunnentempel...für mich ein magischer Ort und die Ruhe, die dort herrscht...
Das Tor zum Besucherzentrum ist geschlossen... ich gebe nicht auf... gehe von der anderen Seite.. habe Glück...es ist offen... und ich darf kostenlos ins Tal ... (nachdem ich die Frage, ob ich wirklich bei dem Wetter dorthin gehen will mit überzeugenden ja geantwortet habe...)
Ich kenne den Weg , es hört auf zu regnen... die Luft, so frisch nach dem Regen... man kann die Tropfen auf den Blättern hören... sonst absolute Stille, man hört nur noch das Wasser...
die Zeit vergeht...
ich muß zurück...auf dem Weg nach Orune... ganze Herde Schafe vor mir... der Schäfer will mich vorbei winken...das möchte ich nicht... ich bleibe stehen...die Schafe...sie sind hier zu Hause, sie sind hier wichtig... sie sind Teil von der Insel... kilometerlang fahre ich im Schritttempo, erst vor dem Friedhof in Orune wird der Weg wieder frei...
Zurück nach Brunella... am Abend bin ich zum Essen eingeladen in Agriturismo Tra Sicca...
Es liegt oberhalb von Brunella, wunderschön gelegen... ein opulentes Menü, unzählige Vorspeisen, Ferkel und mein Lieblingsnachtisch Seadas... das Essen und der Wein schmecken vorzüglich...wir sitzen lange am Tisch... ein sehr langer und voller Erlebnisse Tag geht zu Ende...

14.09.12. Freitag
Am Vormittag Italienisch... Am Nachmittag brauche ich Ruhe, die Eindrücke von gestern beschäftigen mich immer noch... das Wetter ist sehr unbeständig, das nutze ich aus... fahre über Siniscola bis Parco Naturale di Bidderosa, ich freue mich auf die Wanderung, auf dem Parkplatz stehen 3 Autos...
meine Wanderung kann beginnen, ich kriege einen Plan in die Hand gedrückt... das Wetter spielt mit, es ist sehr kalt und windig aber es regnet nicht...ich gehe zu Fuß, geniesse die Natur, die Ruhe, beobachte die Vögel, am Stagno Sa Curcurica vorbei bis zu den leeren Stränden...irgendein Schiff kommt vorbei... die Strandlilien leisten dem Wind Widerstand... es wird spät, ich muß zurück...
in dem Tickethäuschen sitzt niemand mehr, mein Auto steht einsam auf dem Parkplatz...
Auf dem Weg zurück fahre ich über Santa Lucia... der Wind hat dort das Sagen... das dunkle Meer... die großen Wellen... in der Ferne Monte Albo, ein schöner Anblick...

Fortsetzung folgt...
 
Ciao Barbara,

vielen Dank für den tollen Bericht über deine ersten Tage auf Sardinien. So, wie du schreibst, kann man die Atmosphäre direkt nachfühlen ... wunderschön!

Auf die Fortsetzung bin ich natürlich gespannt!

LG - Barbara ;)
 
Wenn ich das gewusst hätte,hätte ich mit dir auch nur Italienisch gesprochen.

Tanti saluti
Bea2
 
oh Barbara, ist das ein schöner Bericht :)
Beim Lesen hab ich jedes Detail vor mir gesehen, ich habe die Macchia gerochen, das Wasser plätschern gehört, die Sonne und den Wind in den Haaren gespürt. Welches Glücksgefühl - Dankeschön dafür ! Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung ..
 
Hallo Barbara,

Dein Bericht hier im Forum ist wieder super. aber garnichts gegen den Bericht von Dir in Aachen. Persönlich ist eben immer besser.

LG

Dieter
 
tom glaubt wohl wir haben sonst nichts zu tun, barbara coacht uns für das bilderrätsel, da bleibt nicht viel zeit..
 
na hallooo?!
barbara unter zeitdruck setzen und selbst die goldhühner eeeewig auf frisches futter warten lassen?!
 
Ohhh ... urmel,.. sorry .. das wußte ich natürlich nicht .. wie sagte schon Emil Oesch, ..."Zeit haben heißt wissen, wofür man Zeit haben will und wofür nicht"... ( ist gegoogelt, und mir fiel sonst nichts ein) ... Ach ...daisyno ..... laalaaalaaa ...mal ehrlich, du machst mich echt noch fertig ..... aber egal .. 'n Korn für dich und alle Goldhühner ... Salute ...

Für mich 'nen Mirto. ( und lass dir Zeit, Barbara)
 
Halloooo Barbara ...

Sag mal, wann geht's denn endlich weiter ...?
Mach mal ran ... ;)
Der erste Teil war sooo schön ...

Liebe Grüße. Tom


...ja, ja... du willst doch nur wissen wo ich überall war...
damit du die fiesen fragen vorbereiten kannst...
Lieber Tom... noch ein bisschen geduld...
...bald kommt die fortsetzung...

Liebe Grüße,
Barbara
 
Die Fortsetzung... für alle die (un)geduldig drauf gewartet haben...


15.09.12. Samstag
Heute verlasse ich Brunella... ..Giampiera, Günther... herzliche Umarmung... ich habe hier sehr schöne Zeit verbracht... und weiß, daß ich wiederkomme...
Günther schenkt mir mehrere Zweigen Rosmarin, in meinem Auto duftet... die Sonne lacht, ich bin auf dem Weg nach Baressa...
Unterwegs habe ich vor... Oristano zu besuchen... ich kenne die Stadt nur im Abendlicht...
das herrliche Wetter... der wolkenloser Himmel... die Sonne... ich ändere meine Pläne... ich fahre zum Berchidda Strand... kaufe ein Parkticket für paar Stunden... der Strand ist wunderschön... kilometerlang weißer Sand, die Dünen... nur keine Kühe in Sicht... dafür ein ordentlicher Wind, der allen einen ungewollten Sandpeeling beschert...ich kann es nicht lange bleiben...ich muß weiter...
am Parkplatz verschenke ich meinen Ticket einer sardischen Familie... sie freuen sich... ich will losfahren... jemand klopft an meiner Scheibe... die Nonna kommt mit selbstgebackenen Kuchen, schneidet für mich ein Stück ab... ich bin gerührt...
Ein weiter Weg liegt vor mir... ich fahre am Lago Omodeo vorbei, unterwegs sehe ich Nuraghe Losa, die Abfahrt nach Santa Cristina und von weitem Monte Arci...
gegen 17 uhr komme ich bei Api an... Der Tag endet mit einem unvergesslichen Abend in Casaperta... (darüber habe ich schon geschrieben)

16.09.12. Sonntag
Heute heißt es ...schon wieder Abschied... Api beschenkt mich mit Mandeln, auch für Bea... ich verlasse Baressa... fahre nach Torre dei Corsari, am Stagno di San Giovanni und di Marceddi vorbei... auf mich wartet ein wunderschöner, rötlich gefärbter kilometerlanger Strand... ich bin müde, gehe kurz ins Wasser, ich habe nicht die Kraft mit den Wellen zu kämpfen, ich will den gestrigen Abend hier am Strand ausschlafen... irgendwann werde ich wach... ich gehe zum Turm und dann fahre ich weiter... dort wo Bea2 auf mich wartet...
Der Weg nach Magomadas führt über Nurachi (was für ein Zauberwort...), Riola Sardo, S`Archittu und Santa Caterina di Pittinuri, unterwegs immer wieder Nuraghen, teilweise eine sehr schöne Strecke... Cuglieri mit der schönen Kathedrale Maria delle Neve... über Tresnuraghes komme ich am Abend nach Magomadas... die engen Gassen, an einem kleinem Platz sitzen paar ältere Männer, ich muß lächeln... in jedem Dorf das gleiche Bild, ich frage nach Bea und Peter...es ist nicht mehr weit... Bea hilft mir mit dem Gepäck... ich sitze auf der Terrasse...der Blick aufs Meer mit einem wunderschönen Sonnenuntergang... schade... die Sonne verschwindet viel zu schnell am Horizont ... und irgendwann verschwinde ich auch... in meinem Bett...

17.09.12. Montag
Auf der Suche nach den Nuraghen...
ich fahre nach Sindia...suche Nuraghe Serres und Santa Barbara, ich brauche etwas Zeit um sie zu finden... unterwegs besichtige ich Abbazia di Santa Maria di Corte... dort frage ich nach dem Weg ... ich soll die Straße weiterfahren und hinter der Brücke immer gerade aus... Hinter der Brücke gibt es kein geradeaus..
dort geht es links oder rechts... ich entscheide mich für links... die Straße wird immer schmaler, bald wird sie zur Schotterpiste... umkehren ist nicht mehr möglich... ich biege einmal ab und noch einmal... und dann verliere ich die Orientierung, weiß nicht mehr in welche Richtung ich fahren soll... mein treuer Wegbegleiter tomtom sagt... sie befinden sich auf einer unbekannten Straße zwischen Sindia und Macomer... no ja... tomtom... soweit war ich auch! ich fahre über landwirtschaftliche Wege, habe null Ahnung wo ich bin... fahre immer weiter, habe das Gefühl in einem Labyrinth unterwegs zu sein...mein Handy hat keinen Empfang... ich kann nur hoffen, daß mit dem Auto nichts passiert...
Die Gegend ist wunderschön... Felder, Kühe, viele alte Korkeichen... Ziegen laufen über den Weg, die Straße wird wieder breiter... ab und zu ein Schild... Divieto di caccia... und dann endlich ein anderer... Chiesa di S. Antonio... ein Parkplatz... ein Picknickplatz wunderschön gelegen zwischen alten Bäumen... ein Kreuzweg... Kirche S. Antonio... was für ein glücklicher Zufall...
ich hole meine Sardinienkarte... Monte S. Antonio... endlich weiß ich wo ich bin..., ich strahle vor Freude, ich bin gerettet...
Auf dem Rückweg finde ich auch die beiden Nurgahen, fahre über Macomer nach Silanus, wo ich wunderschöne Murales entdecke...danach zum Nuraghe Santa Sabina... das Eingagstor ist geöffnet, das Infozentrum geschlossen... alles mit bunten Fähnchen geschmückt, sieht trotzdem verlassen aus... auf den umliegenden Felder weiden Schafe...man hört das bimmeln der Glöckchen...Die Kirche Santa Sabina und der Nuraghe Santa Sabina ... ein schönes Fotomotiv... Die Kirche ist geschlossen, ich besteige den Nuraghen... sehe die Felder, die Schafe... auf der anderen Seite Silanus, dazwischen die Straße, der Verkehr stört die Ruhe...
Nächste Station... Nuraghe Santa Barbara... ich nehme die Straße Richtung Sassari... der Parkplatz liegt direkt an der Straße... ein leichter Einstieg... absolute Ruhe... ein schöner Weg nach oben... unzählige Brombeersträuche säumen den Weg... ich habe Hunger... esse die Brombeeren, es ist mein Mittagsessen... meine Finger sind schwarz, mein Mund bestimmt auch, egal... oben auf dem Hügel steht Santa Barbara... ein schöner Anblick... es duftet so wunderschön... das Eingangstor ist offen, der Eingang zum Nuraghe mit Holzplatten versperrt... man kann es öffnen...
Vom Hügel gibt es einen fantastischen Blick auf die Stadt, zum ersten Mal finde ich Macomer schön... ich gehe wieder runter... ein Schmetterling fliegt direkt vor meiner Nase, er führt mich nach unten...
Auf dem Weg nach Magomadas schwarze Rauchwolken...der Rauch beisst in der Nase...verbrannte Blätter fliegen durch die Luft, Feuer... am Straßenrand steht ein einsamer Löschfahrzeug ein Einziger Feuerwehrmann ist zu sehen...
Ich fahre schnell weiter, in Sindia kaufe ich was zum essen... und freue mich auf den Abend auf meiner Terrasse... Bea hat mir frische Feigen vor der Tür gelegt, wie nett... der Wein Cannonau di Sardegna Jerzu Antichi Poderi 2009 schmeckt super gut... Pecorino di Orgosolo auch... ein herrlicher Abend... die Sonne geht runter... ich will nur noch schlafen...

18.09.12. Dienstag
Wochenmarkt in Bosa... ich fahre hin.. gehe über die alte Römerbrücke...(die neue Fußgängerbrücke mag ich nicht) schlendere durch die Stadt, alles sieht genau so aus wie letztes Jahr... gehe durch den Wochenmarkt... höre mir die Gespräche an... beobachte das Geschehen... Der Markt bietet viel... Lebensmittel, Pflanzen, Bekleidung, Schmuck, Gebrauchgegenstände, sogar Bücher...
Entlang der Via Lungo Temo gehe ich zurück, fahre nach Bosa Marina... gehe in den Hafen, hier war ich schon mal... 1999 mit dem Segelboot...(die Geschichte dazu vielleicht ein anderes mal...) viel hat sich hier nicht verändert... es kommen viele Erinnerungen ...
ich gehe zum Strand.... es gibt schönere Strände auf Sardinien... aber das Meer ist ganz ruhig, lädt zum schwimmen ein...und ich will nicht wieder Auto fahren, ich bleibe hier, ich will Ruhe... lese mein Buch, gehe ins Wasser, überlege wie viele neue Bars hier gibt... wie viele neue Häuser hier gebaut wurden... am Strand fast nur Italiener,... sehr angenehm... Auf einmal laute Musik... eine mobile Snackbar kommt angefahren... stellt sich direkt hinter mir.... ich finde es abartig und störend... zum Glück kauft niemand etwas... der Wagen zieht weiter... die Ruhe kehrt zurück... am späten Nachmittag kommen zwei Segelboote... es ist schön sie anzusehen...
Ein deutsches Pärchen kommt... Mitte, Ende 30... sie reden laut... als er sie fragt... "Schaaatz, wo ist meeein Nackenkissen, haaaast du es im Hotel lieegen laaassen...?" verlasse ich fluchtartig den Strand...
Zurück zu Hause...heute sind alle Gäste abgefahren... die nächsten kommen erst Morgen... Das leere Haus ist sehr groß, größer als gestern abend... ich schlafe sehr unruhig, höre jedes Geräusch...der Wind draußen macht es mir nicht leichter... die Nacht ist sehr lange...
 
19.09.12. Mittwoch
Sassari-Tag... ich fahre früh los... gerate in den Berufsverkehr...und denke...oh, wie schön es doch war... auf der unbekannten Straße zwischen Macomer und Sindia... suche verzweifelt nach einem Parkplatz... finde ein Parkhaus, direkt am Piazza Mercato...Von hier bin ich direkt am Ponte Rosello... und dort unten steht sie... die berühmte Fontana di Rosello, ich habe Glück, das Eingangstor ist geöffnet.. der Rasen ist noch kühl und naß... . ich gehe nach unten, dort kann man sie von ganz nah bewundern...
Danach die Markthalle... große Vielfalt an den Fischständen... paar Obst und Gemüsestände...Fleisch...Die Verkäufer preisen laut ihre Waren an...
Ich gehe entlang der Viale Umberto bis zum Palazzo del Governo, danach die Piazza d`Italia ein schöner, lebendiger Platz... Palazzo del Governo wird gerade restauriert, die schöne Fassade ist nicht zu sehen...
Im Schatten des Denkmals sitzen paar ältere Männer beisammen... so wie in jedem Dorf... hier mitten in Sassari gibt sie auch... ein schönes Bild...
danach Piazza Castello... dort entdecke ich eine sehr gut sortierte Buchhandlung... auf einmal ist die Tasche sehr schwer... Tamagnini lässt grüßen... auf der Piazza Azuni ein Eis... sehr lecker...
vor dem Rathaus eine schöne Aufführung...paar Kameraleute, paar Fotografen, paar Zuschauer...ein breiter weißer Stoffband, schwarz angezogene zierliche Akrobatin... Tuchakrobatik von feinstem... eine wunderschöne Vorstellung... atemberaubend... die Akrobatin ist nicht gesichert... ich bin begeistert und kriege Gänsehaut...
die nächste Station... Duomo San Nicola...die schöne Kalkstein Fassade leutchtet in der Sonne... ich bewundere die filigrane Motive... ich habe Glück... gleich wird die Kathedrale geschlossen.
auf dem Weg zum Auto komme ich am Piazza S. Antonio, gehe entlang der Stadtmauer zum Parkplatz... verlasse Sassari...
jetzt geht es Richtung Norden... Monte d`Accoddi ist mein Ziel... schlecht ausgeschildert oder ich bin nicht auf der richtigen Straße... auf einmal bin im Porto Torres... hier wollte ich gar nicht hin... hier gefällt mir nicht...die Stadt finde ich nicht schön...
ich kehre um... diesmal finde ich es... der prähistoricher Altarberg steht vor mir...mitten in der Landschaft... ich bin beeindruckt... kann mir die Stille hier gut vorstellen... heute leider nicht... ein Arbeiter mäht den kaum vorhandenen Rasen... es fängt an zu regnen...
Ich fahre zurück... nehme den Weg über Ittiri... unterwegs... eine wunderschöne Landschaft... die Olivenhaine, alte Korkeichen, Ruinen einer Kirche, bizarre Felsformationen, kleine Grotten...
der Himmel wird dunkel... ein schöner Blick auf Monteleone Rocca Doria... ich fahre am Lago del Temo vorbei und direkt vor mir der Tafelberg Monte Minerva ein grandioser Anblick... die Erinnerung an die schöne Wanderung vom letzten Jahr wird lebendig... die Strecke ist nicht einfach zu fahren... ich geniesse es trotzdem...ich habe Zeit...außer mir ist kein Auto zu sehen... über Montresta (mit den schönen Murales) erreiche ich Bosa...zum ersten mal sehe ich Castello Malaspina von oben...
Zu Hause... vor meiner Tür hat Bea ein Stück Kuchen gelegt... ich freue mich darüber... geniesse den Abend, das Essen und den Wein... die Sonne geht in den Wolken unter...
Ich verabschiede mich von Magomadas, von Bea und Peter... morgen geht`s weiter... in den Norden...

20.09.12. Donnerstag
Ich bin schon früh unterwegs... der Weg führt heute nach Santa Teresa di Gallura... dort ist Wochenmarkt... da will ich unbedingt hin...
Es geht Richtung Sassari...danach Richtung Olbia... unterwegs die Kirche Santissima Trinita di Saccargia.. in der Morgensonne sieht sie besonders schön aus...
ich habe wieder Glück.. die Kirche wird gerade geöffnet... ich plane den weiteren Weg... tomtom schickt mich über Plaoghe...
eigentlich bin ich unter Zeitdruck...trotzdem entscheide ich mich für die Strecke über Lago del Coghinas und Tempio Pausania... landschaftlich eine herrliche Strecke... über die Brücke am Lago del Coghinas... dann die Steigungen...Tausende Kurven...die Vögel, der Geruch des Waldes... ganz wenig Verkehr....Cantoniera Gaddau und Cantoniera Curadureddu... eine Wasserquelle direkt am Wegesrand... die feuchte Luft...
und irgendwann kommt Tempio Pausania... die Zeit wird knapp, ich fahre weiter... freue mich über jeden kurvenfreien Kilometer...kurz nach Tempio in der Ferne...auf der linken Straßenseite ein schöner Felsen, so schön abgerundet und glatt... ein faszinierender Anblick...
Porto Pozzo... nur noch wenige Kilometer... da bin ich am Ziel... Santa Teresa di Gallura... ich bin in Eille ... der Wochenmarkt ist noch da... viel größer als letztes Jahr... schnell finde ich das worauf ich das ganze Jahr gewartet habe... was für ein Glücksgefühl... zurück zum Auto... oh, schreck... jetzt merke ich erst, daß man hier Parkticket ziehen muß... ich spreche den Parkwächter an...gebe zu, daß ich nichts bezahlt habe... er lächelt mich an und lässt mich fahren... kriege ich bald Post von der Insel... mal abwarten...
Am Nachmittag fahre ich nach Vignola Mare... nach 11 Jahren wieder... hier hat sich sehr viel verändert...ein großer Parkplatz und ein Hotel...anstatt der Bäume... Campingplatz Baia Blu la Tortuga... so viel Zaun, so viele Wohnmobile, so viel Plastik, so viele zugepflasterte Wege, am Strand aufgereihte Sonnenschirme... und Dutzende Kitesurfer... die bunten Kites bestimmen die Landschaft... das ist nichts für mich...
ich sitze am Strand, ich bin deprimiert...der Blick Richtung Torre Vignola gerichtet....das schöne Meer und der Wind...sie sind noch unverändert geblieben...zum Glück...
Ich fahre zurück... gehe durch Santa Teresa... über die Piazza.. zum Torre Longosardo, die Luft ist schön, die Sicht ist gut... in der Ferne Korsika...die weißen Kreidefelsen von Bonifacio... ein schönes Bild ...
 
21.09.12. Freitag
Capo Testa...
kurz nach 8 bin ich am Parkplatz... ich bin die erste...(Freude!) kein anderes Auto zu sehen... die herrliche Morgenluft...es ist noch frisch aber die Sonne tut gut...
Capo Testa... mein absoluter Lieblingsplatz...
"Das Capo Testa ist in mancher Hinsicht die Quintessenz der Insel" so steht es im Reiseführer... so empfinde ich es auch...
In den letzten Jahren hat sich auch hier sehr viel verändert...der Weg zum Leuchtturm ist gepflastert... immer mehr Touristen finden den Weg hierher...
den alten kaputten Drahtzaun mit dem Schild Zona militare vietato l`ingresso... gibt es nicht mehr... an dem neuen Eingang steht jetzt Via Cala Spinosa...
Die Granitfelsen glitzern so wunderschön in der Morgensonne ... die Steine, die strahlen Ruhe aus... ich atme tief ein.. ich will die Stille, die Natur, den unvergesslichen Duft genießen
ich beobachte die wunderschöne Formen... überlege wie die Natur so was geschaffen hat... wie viele tausende Jahre dazu gebraucht hat...
ich entdecke immer wieder wunderbare Formen, die bizarre Landschaft... und der Geruch... was ist das für ein Genuß hier zu sein...
ich berühre die Steine...ich spüre die rauhe Oberfläche, der Granit fühlt sich noch kühl an... in den Mittagsstunden wird sich das ändern...
ich gehe weiter...so nah wie nur möglich am Wasser entlang... dort unten am Meer steht einsamer Boot... ein alter Mann wirft Angel aus...
immer wieder kleine Buchten...wolkenloser Himmel... klare Luft... die Sicht ist sehr gut...durch mein Fernglas rückt Bonifacio ganz nah...
auf dem Weg zu Valle di Luna... dichte Macchia... meine Beine werden zerkratzt, es blutet...ich denke... selber schuld... bin doch nicht zum ersten mal hier...
Von oben sehe ich schon.. es liegt vor mir... Valle di Luna... eigentlich schön wie immer... nur leider ist hier mit der Ruhe vorbei...
die Pseudoaussteiger, die dort den Sommer verbringen und das Tal verunstalten...
in der Mitte vom Tal zwei provisorisch gebaute Tische aus altem Sperrholz... daneben große Flasche halbvoll mit Zigarettenkippen...
zwei große (für mich überdimensionale) freilaufende Hunde... und zugedröhnte Gestalten, die sich gegenseitig laut anschreien...
jetzt weiß ich sogar wie sie heißen... Daaamianooo und Massimmooo...
ich gehe trotzdem runter... bleibe aber nicht lange... die größte Angst habe ich vor den Hunden... am Strand liegen paar Touristen...
zurück am Auto... der Parkplatz ist voll... aus der mobilen Bar kommt laute Musik... wie sich das Bild von heute morgen verdändert hat...
ich fahre weg... zum Strand Rena di Maiore... das alte Holzhaus steht immer noch da....wie schön... seit Jahren unverändert... als ob die Zeit stehen geblieben wäre... mir wird's warm ums Herz...
ich gehe schwimmen... Salzwasser auf meinen zerkratzten Beinen...das tut verdammt weh...
ich lese meine Urlaubslektüre zu Ende... ruhe mich aus...
auf dem Weg nach Santa Teresa fahre ich zu Chiesa del Buon Cammino... schön gelegen zwischen alten Olivenbäumen, in der Nähe ein Picknickplatz...fast idyllisch...

22.09.12. Samstag
Ich verlasse Santa Teresa di Gallura... fahre nach Porto Puddu... ein schöner Strand, sehr leichter Wind... 2 junge Frauen nehmen Surfunterricht...
der Surflehrer hat viel Geduld und viel Spaß dabei... ich bleibe nicht lange... ich will noch nach Palau... dort nehme ich ganz spontan die Fähre nach La Maddalena...
es ist zu spät ein Ticket am Schalter zu kaufen... ich soll es am Bord machen... ich gehe an Bord... ich muß mein Personalausweis abgeben...
ich werde es beim Ticketkauf zurückkriegen... so die Erklärung... ich bin skeptisch... ich kann nur hoffen, daß es so klappt...
Es funktioniert... ich bekomme den tatsächlich zurück... Unterwegs bewundere ich von weitem unseren Bären... seitdem der eingezäunt ist, gehe ich nicht mehr gerne hin...
Ich beobachte das Meer, die Farbe, die Sonne... die sich an der Oberfläche widerspiegelt... die Wellen, die durch das Schiff entstehen... ich könnte es Stundenlang so weiterfahren...
La Maddalena... am schönsten finde ich hier den kleinen Hafen La Gavetta... ich schlendere durch die Stadt... fahre zurück nach Palau...
auf dem Weg nach Olbia fahre ich nach Arzachena ich will wissen ob Il Fungo auch schon eingezäunt ist... ich verfahre mich in den engen Gassen der Altstadt...
auf einmal direkt neben mir stehen sie.. die Carabinieri... mir wird heiß... die verständnislose Blicke sagen viel aus... ich erwarte das schlimmste...
ich erkläre ihnen, daß ich mich hier nicht auskenne und Il Fungo suche... sie zeigen mir den Weg... ich bin erleichtert...
da oben auf dem Hügel steht der gigantische Felsen...der Pilz von Arzachena... so anmutig...
Ich fahre kurz nach Porto Cervo... ich will in den alten Hafen und in das weiße Haus, wo niemand wohnt... und danach direkt weiter....
In der Dunkelheit erreiche ich Olbia, das Hotel liegt direkt am Hafen...der Hafen ist schön beleuchtet, ich gehe in die Stadt...dort herrscht Stadtfeststimmung...
die Musik spielt... es wird aus einem Buch vorgelesen... ich bleibe stehen... sardische Spezialitäten liegen auf dem Tisch, sardische Trachten werden präsentiert und es wird getantzt... Valentina Usala stellt ihr Buch "Passo a quattro mori" vor...
ich kaufe ein Exemplar... bekomme eine Widmung... ich mag Bücher, die mich an bestimmte Ereignisse erinnern... irgendwann werde ich es lesen...
Mein Urlaub geht zu Ende es ist ein wunderbarer Abschluß...

23.09.12. Sonntag
Heute verlasse ich die Insel... es fällt mir schwer, wie immer...
Gehe kurz durch die Stadt... fahre viel zu früh zum Flughafen...
zwei Sardinien Wochen liegen hinter mir... ich habe viel erlebt und viel gesehen...
habe viel neues entdeckt und alte Plätze wiedergefunden...
wunderbare Menschen kennengelernt... neue Erfahrungen gesammelt...
und ich weiß... ich komme wieder!
ich warte auf den Flug... mir fällt ein schöner Spruch ein...
" WER SEINE SIEBEN SINNE BENUTZT, KANN DAS HERZ SARDINIENS SCHLAGEN HÖREN..."
 
Das war ein schöner Reisebericht. Danke. All diese Strasen sind wir früher auch gefahren, aber deiner Schilderung nach ist alles viel voller und "turistischer" geworden. Hätte ich neben dir im Auto gesessen, hätte ich dich gebeten in Sindia am Friedhof an der Strasse ein paar Minuten Pause zu machen um einen alten Freund und seinen Sohn auf dem Campo Santo zu besuchen. Sardische Schicksale: der Vater starb an Herzinfarkt mit 50 und der Sohn erschoss sich mit 17. Seitdem habe ich diese Gegend gemieden. Aber manches ändert sich anscheinend nie: auch in diesem September qualmten die Felder zwischen Macomer und Bosa. LG Ju
 
Liebe Bo-ju,
Vielen Dank!!!
jetzt kriege ich Gänsehaut....ich habe am Friedhof in Sindia gestanden...
den Rest erzähle ich dir in Abstatt...
Liebe Grüße,
Barbara
 
Barbara, wie gerne würde ich jetzt einen "ich umarme dich"-Button drücken
ich bin so berührt, dass ich im Moment nicht mehr sagen kann
 
Hallo Barbara
wie kann man so schön und eindrucksvoll schreiben ? Ich war jetzt beim lesen in Sardinien ....ich war ganz weg !

danke für die wunderschöne Erzählung
liebe Grüße Astrid
 
@Andiha,
vielen Dank! dein "ich umarme dich"-Button werde ich mir irgendwann persönlich abholen...:)

@Maria,
vielen herzlichen Dank! :)

Liebe Grüße,
Barbara
 
Hallo Barbara,

habe gerade die letzten Teile deiner Reiseeindrücke gelesen. Ich bin begeistert, das ist so superschön geschrieben. Du hast mir damit ganz schön viele Tipps geliefert für Orte, die ich mir auch unbedingt (noch) mal anschauen muss. Ich werde mir jetzt deine kompletten Berichte ausdrucken und zu meinen Sardinien-Planungs-Unterlagen legen.

Vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast, alles aufzuschreiben und es hier im Forum zugänglich zu machen.

LG - Barbara ;)
 
ich bin beim packen, habe aber trotzdem schon begonnen, deinen reisebericht zu lesen.spannend, und ich kenne die ecken und einige menschen, das ist dann doppelt toll
ich werde, wenn meine internetverbindung genügt, auf sardinien abends weiter lesen. da es ja nun früh dunkel wird, bleibt mir dann am abend genügend zeit für solche schönen texte. ich freu mich schon :)
 
Hallo Barbara,

habe gerade die letzten Teile deiner Reiseeindrücke gelesen. Ich bin begeistert, das ist so superschön geschrieben. Du hast mir damit ganz schön viele Tipps geliefert für Orte, die ich mir auch unbedingt (noch) mal anschauen muss. Ich werde mir jetzt deine kompletten Berichte ausdrucken und zu meinen Sardinien-Planungs-Unterlagen legen.
LG - Barbara ;)

Hallo Barbara,
meine Reiseeindrücke... deine Sardinien-Planungs-Unterlagen... es freut mich, sowas zu hören... Vielen Dank!:)
...das Schreiben hat Spaß gemacht... die richtige Motivation war da...:)

Hallo o-solemio,
dir wünsche ich eine schöne Zeit auf Sardinien... und eine gute internetverbindung...;)

Liebe Grüße,
Barbara
 
Liebe Barbara,
könntest du jetzt hier in Magomadas sein....
ich wüsste gern, in welche Worte du den Duft,jetzt nach der vendemmia-Weinleese, fasst,
der durch die Gassen zieht,von vergohrenem Wein.
Ich liebe diese Zeit.

Bea2
 
Cara Barbara, anche per me è stato molto interessante avere contato con una persona che ama e conosce così bene la mia terra. Un grazie di cuore,
A presto? Giampiera
 
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