Sardinien in den 60er und 70 er Jahren
Autor: Sandokan
Datum: 02.06.11 00:54

Che bello Bo-Ju.

hai un'anima meravigliosa. Ja, diese Geschichten interessieren brennend und ich werde immer wieder dazu verdonnert, die von meinen Großeltern Ende der 60er und 70er Jahre angefertigten Alben herauszuholen und die vielen alten Geschichten neu zu erzählen.

Das Schöne ist ja, daß man ständig Neue erlebt :)

Marco
 
Autor: Georgie
Datum: 02.06.11 11:13

Danke an alle, die dazu beigetragen haben, uns das Sardinien dieser Zeit nahe zu bringen. Ich habe immer bedauert, dass ich erst in den 80ern nach Sardinien gekommen bin.
Sardinienforum vom Feinsten!

LG
Georgie


 
Autor: maripino
Datum: 02.06.11 11:22

Das ist echt schön :)) hab ihr toll gemacht da spiegeln sich Geschichten aus den Erzählungen meines Vater wieder....
Macht Spaß zu lesen Danke dafür.. Und dieser Roller so einen haben wir noch immer....
Lg. Mary
 
Autor: Feuerpferd
Datum: 04.06.11 00:28

Ich habe übrigens meinen Jüngsten in das Dokument eingeschmuggelt. Es ist der Pimpf mit dem eisbekleckerten Gesicht auf Seite 10.

Grüße aus dem Ruhrgebiet,
Michaela

Nachricht bearbeitet (04.06.11 00:30)
 
ist hier der alte forumsbestand in vollem umfang übertragen?
jedenfalls würde ich mich sehr freuen, hier noch mehr zu hören zu bekommen.
gruß - daisy
 
Tja, Daisy,

Was willst du hören? Die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts sind nun lange vorbei. Was ist davon geblieben?

Vor ein paar Wochen kam unverhofft ein Anruf aus Canada von einem Inder aus Goa, der damals, als wir wilde Gesellen waren, mit vielen Sarden, Afrikanern und anderen unseren "Treffpunkt des Ausländes" in Köln unsicher machten. Er wäre ein paar Tage in Köln und ob wir uns nicht sehen könnten. Es wäre sicher das letzte mal.

Diese letzte Bemerkung riss uns vom Sofa und wir fuhren nach Köln. Ihr werdet es nicht glauben, aber in 2 Tagen bekamen wir 7 Leute von damals zusammen. Wäre die Zeit nicht so begrenzt gewesen, hätten wir noch 4 oder 5 andere dazuholen können.Die Kontakte waren ja nie ganz abgerissen.

Äusserlich gesehen glichen wir den Bewohnern eines Alten- u. Pflegeheims mit sämtlichen vorstellbaren Alterszipperlein. Erspart mir bitte die genaue Beschreibung derselben. Aber wir setzten unsere Gespräche fast dort fort, wo wir sie damals beendeten.Und das Gelächter beim Raussuchen der alten Fotos!! Weisst du noch? Weisst du noch?

Zwischendurch kam mir Sandokans Frage nach Erfolgsgeschichten in den Sinn. Schade, dass er keine Erfolgsgeschichten der Sarden in Deutschland meinte sondern der Deutschen in Sardinien. Denn die Sarden, die in Deutschland blieben, kamen oft besser voran als auf ihrer Insel. Und wenn Pietros Vater noch so oft zu seinem Sohn sagte: Una die ritornerai a sa pedra cagata (Eines Tages kommst du wieder zurück af den dreckigen Stein), Piè ging nie wieder zurück, nur noch zu kurzen Verwandtenbesuchen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ju
 
schöne geschichte, ju.
na, an den alterszipperlein führt leider für alle, die aus den 60er und 70er jahren geschichten aus einem damals schon erwachsenen leben erzählen können, kein weg vorbei. :(
gruß - daisy
 
Ju, Daisy & alle!
Ich bin Jahrgang 46, aufgewachsen in einem dt.-nationalen (das war damals in der Nachkriegszeit FDP, sage nur MENDE). Elternhaus. Unser Leben mit seinen Erfahrungen ist ja nicht auf dem Müll der Geschichte gelandet, sondern lebt. Jedenfalls in mir u. euch, hoffe ich. Und vieles hat sich in der BRD seit den 68ern verändert, z.b. die Kindererziehung. Als Dozent in MZ habe ich immer versucht, diese Geschichte zu vermitteln. Nicht ohne Erfolg, eine junge Studentin hat dann bei ihren Eltern A.S. Neill ausgegraben.
Über "Antiautoritäre Erziehung" habe ich übrigens mal einen kl. Artikel geschrieben, schicke ich euch gerne auf Anfrage per Mail.

Günther
 
Hallo Günther,

ich war damals glühende Anhängerin von A.S. Neills "Summerhill"., das meinst du doch, oder? Das waren Zeiten wirklicher Aufbruchstimmung aus der verkrusteten Erziehungslandschaft. Schön war's und faszinierend. Nach Sardinien waren diese "neumodischen" Erziehungsgedanken sicherlich nicht übergeschwappt - da herrschte wahrscheinlich die über allem schwebende, übermächtige Mamma.

Gruß
Georgie
 
hat jetzt nichts mit "sardinien in den 60er ..." zu tun, aber geht mir bloss wech mit "summerhill"!
wir hatten uns für die erziehung unserer tochter eine eigene mischung aus den theorien von a.s. neill und boris nikitin zusammengebastelt.
in einem schulaufsatz in der 6. klasse mit dem thema "was würde ich bei meinen kindern anders machen als meine eltern" schrieb unsere tochter sinngemäß "ich hatte eine schwere kindheit, weil meine eltern mir nie grenzen gesetzt haben. das finde ich doof".
mpf!!

lasst uns lieber geschichten über sardinien hören.
 
Unser Sohn ist hier im Dorf vor bald 20 Jahren in die Grundschule gegangen - die Lehrerinnen waren freundlich, aber autoritär. Und so ist es auch heute noch. In der Kindergartenlandschaft (scuola materna) sah u. sieht es anders aus. Ich habe viele Kindergärten von innen gesehen, nicht nur in der Emilia Romagna (die sog. Reggio-Pädagogik ist da eher nicht sinnstiftend!), sondern auch auf Sardinien u. war immer angetan davon, dass vorschulisches Lernen u. Förderung von Kreativität, kein Gegensatz sein müssen.

Übergeschwappt ist nach Sardinien aber in den 70er Jahren die von Franco Basaglia angestossene Psychiatriereform, auf Sardinien wurden mit die ersten "autonomen" Wohngruppen realisiert. Deren Ende kam mit der pseudosozialistischen Craxi-Regierung, die den Projekten den Geldhahn zudrehte.
 
Hallo Georgie, daisyno & u. alle anderen,

"Geschichten von u. über Sardinien" aus den 1960er u. 70er Jahren (diese Jahre sind doch kein Museum, sondern wichtig im Gegenwartsbezug) können auch welche von uns im Jahr 2012 u. unserer persönlichen Biografie wichtige sein, wenn sie einen Bezug zum Thema haben. Z.b. die Frage von Georgie, ob "antiautoritäre" Erziehungskonzepte auch auf Sardinien eine Rolle gespielt haben. Das ist doch im dt.- Ital./sard.Vergleich spannend.

Daiysy, ich sage mal: Der Aufsatz eurer Tochter ist doch ein Zeichen für den Erfolg eurer "freien" Erziehung. Rebellion gegen die Eltern. :)

Mein Freund Arnfrid Astel, Dichter aus dem Saarland, hat es in einem seiner Epigramme mal so formuliert:
"Wir hatten schlechte Lehrer, das war eine gute Schule!"

Günther
 
das gefällt mir gut, dass du den alten fred mal wieder ausgekramt hast , liebe Michaela. Mir machts Spaß, darin mal wieder rumzustöbern und sicher gibts auch neue user, die diese Geschichten noch garnicht kennen. Vielleicht kommen ja weitere dazu?-wäre toll!

lG Andrea
 
Das it eine schöne Überraschung, Michaela. Vielen, vielen Dank. Hab mich eben wieder stundenlang festgelesen und erinnert.
 
Liebe ju, grab mal in deiner Erinnerungskiste , da fällt dir doch bestimmt noch das ein oder andere ein;) Mach doch bitte auch V. auf diesen Beitrag aufmerksam, denn er könnte da sicher auch aus seinen Erfahrungen beitragen
 
Mein Freund Arnfrid Astel, Dichter aus dem Saarland, hat es in einem seiner Epigramme mal so formuliert: "Wir hatten schlechte Lehrer, das war eine gute Schule!"

Günther

Ciao Günther,

wusste ich gar nicht, dass Arnfrid Astel das gesagt hat. Aber Recht hat er schon! Du kennst ihn echt persönlich? Hast du nicht auch noch 'ne Geschichte aus dem früheren Sardinen zu erzählen?


@ bo-ju: Ich muss mich meinen Vorrednerinnen bzw. -schreiberinnen leider ganz und gar anschließen. Auch ich finde diese Geschichten immer wieder toll! Also ran an die Feder bzw. Tastatur, wenn dir was einfällt.


LG und allen ein SCHÖNES WOCHENENDE !

Barbara ;)
 
Liebe Barbara,

aus den alten Zeiten der "bo-ju-Generation" :) kann icht nichts erzählen, denn ich kam zum ersten Mal erst 1982 auf die Insel.

Auch Dir ein schönes Wochenende, bitte mit mehr Sonne!

Günther
 
Guten Tag zusammen,
ich habe da zu Hause ein sehr schönes Buch, die Fotos sind sehr aussagekräftig.
Ich selbst war in der Ausstellung in Loculi 2010.

LG Romy

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Hallo Romy,

ich war auch in der Ausstellung in Loculi. Sehr eindrucksvoll. Ich fand das Ambiente, das sehr schön renovierte Haus, in dem die Ausstellung stattfand, hat noch die Wirkung der Fotos wirksam unterstrichen.

Das Buch "L'Africa in Casa" habe ich auch und schaue mir gerne die Fotos an. Ich habe mit Leuten gesprochen, sie erinnern sich noch sehr genau, als der Fotograf ankam und die Fotos gemacht hat. Sie sagten aber auch, dass einige Szenen nachgestellt seien, weil sie noch weiter in die Vergangenheit gingen.

LG
Georgie
 
Guten Abend Sardinienfreunde,
vielen Beiträgen kann ich nur zustimmen.
Ich selbst, bin Baujahr 62 und erlebe die Insel seit meinem 3. Lebensjahr, jeweils in den Ferien. Ich habe noch Bruchstücke im Kopf, wie unser Auto per Kran verladen wurde.
Als Kind, ging unsere Reise immer bis Civitavecchia, von dort mit der FS bis Golfo Aranci.
Immer an Deck mit Luftmatratzen, da die Anzahl der Kabinen nie ausreichend war.
Meine 1. Fahrt alleine als Jugendlicher war irgendwann zwischen 75 oder 76. Ich war damals 13 oder 14 Jahre alt. Zug von Duisburg bis Roma Termini. Dort umsteigen im Zug nach Civitavecchia. Damals sprach ich kein italienisch, Zugzielanzeiger konnte ich jedoch lesen, war auch einfach. Also nahm ich den Zug nach Civitavecchia. Da gab es aber mehrere, den der direkt bis im Hafen fuhr, habe ich nicht bekommen, bzw. ich war noch nicht in der Lage dieses zu unterscheiden. Mit einem Zettel von meinem Vater setzte ich mich in ein Taxi, zeigte dem Taxifahrer den Zettel " per Cagliari". Im Hafen angekommen, keine 3 Minuten später zeigte ich am Schalter der Tirrenia meinen 2. Zettel "Seconda Classe Cagliari". Ok, hätte ich auch laufen können, wußte ich damals aber noch nicht. In Cagliari wurde ich dann von Verwandten abgeholt.
Bei Opa und Oma gab es noch kein fließendes Wasser. Mit Opa ging es raus im Weinberg zu Brunnen, wo Opa selbst, den Zinkeimer runtergelassen und hochgeholt hat und ich daraus getrunken habe. Kaum angekommen, ging es mit meiner Tante zur Post zum Telegramm aufgeben. Telefon gab es Oma und Opa noch nicht. Ich habe den ganzen Zettel voll geschrieben, bis meine Tante mir zu verstehen gab, das geht so nicht. Aus dem langen Text wurde dann "bin angekommen" Punkt.
Soviel fürs erste.
LG Karl
 
Die schreckliche Wasserknappheit in den 60iger und 70iger Jahren vergesse ich nie. Eins hat der Klimawandel, von dem man uns mal dies, mal jenes erzählt, jedenfalls erreicht: Im Winter fällt inzwischen so viel Regen in Sardinien, dass die Stauseen voll sind und die Wasserversorgung (mit Ausnahmen natürlich) gewährleistet ist.
Wenn wir, von Olbia kommend, über Nuoro gen Süden fuhren, gingen die Augen nach links zum Lago Omodeo. Meist stand das Wasser bis zu 2 Metern unter dem Uferrand. Heute ist er meist so voll, dass das Wasser noch bis rechts unter der Strasse durchfließt. Damals hieß es für alle: Wasser sparen, sparen, sparen. Schon ab Mitte Mai wurde die Trinkwasserversorgung in ganz Sardinien stundenweise tagsüber abgestellt. Alle Gefäße im Haus wurden vorher gefüllt, um bis zum nächsten Tag zu reichen. Wehe, jemand vergaß es. Die Waschmaschine wurde nachts um 2 Uhr laufen gelassen. Wehe, die Hausfrau wachte dafür nicht rechtzeitig auf. Familienkrach war vorprogrammiert, schon gar, wenn Säuglinge im Haus waren, die, wie jeder weiß, etwas mehr Wäsche brauchen als Erwachsene.
Wenn der Eimer in der Toilette leer war, war der Hausherr erleichtert, wenn wir als Gäste sagten: Hier, ich hab noch einen Kanister voll im Auto, könnt ihr haben.
Wir fuhren ja dauernd durch die Gegend und füllten unser Wasser auf bei jeder sich bietenden Gelegenheit. (Mit Reinigungstabletten wird daraus Trinkwasser). Eines Tages auf der Genna Silana saß bei unserer Quelle ein sardisches Ehepaar, das rechts und links des großen Gefäßes geduldig wartete, bis die Quelle tropfenweise ihr Nass abgab. Beide in Tracht, beide alt und abgeklärt. Ich mochte nicht um Fotografiererlaubnis bitten; so blieb uns das Bild nur im Gedächtnis, aber für immer.
Welch ein Unterschied zu heute: angekommen in der Wohnung, stelle ich im Hof die Wasserleitung an und es läuft. Herrlich. Und welch ein Luxus: jede Wohnung im großen condominio hat ihren eigenen Zähler. Genau wie für den Strom. Das war früher alles andere als selbstverständlich.
Noch voriges Jahr hat unser Freund in einem Mehrfamilienhaus für jeden der 6 Mieter einen eigenen Zähler eingebaut. Das reduziert Streiterein ganz erheblich.
LG Ju
 
Oooh ja ju, ich weiss noch dass wir bis abends immer pünklich zu Hause bei der Nonna sein mussten, egal ob wir vom Strand oder vom Ausflug heim kamen, weil nach acht Uhr war an Duschen oder fliesend Wasser nicht mehr zu denken....aber da war ich noch sehr klein ääääh jung (klein darf ich nicht sagen, das bin ich heute noch);)

Viele liebe Grüssle, Mario!
 
.
Was auch mir immer von den 60/70 iger in Erinnerung bleibt .... meine Großeltern wohnten im alten Castel Sardo. Das Wasser wurde mit großen Behältern auf den Köpfen der Frauen geholt. Der Brunnen war ganz unten am Strand und dann die vielen Treppen wieder rauf.

Wenn ich mir überleg was für ein Kraft diese Frauen hatten. Manchmal passte es auch das mein Nonno mit dem Esel vom Feld kam und auch Wasser (oder uns Kinder ) mit nach oben genommen hat .Ich hatte da immer den Vorrang ...la piccola bionda tedesca . So viele gab es damals noch nicht.

Wir Kinder haben das mit dem Wasser tragen natürlich auch mitgeübt....war nie ein Tropfen mehr im Behälter bis oben. .Für uns in D war normal Wasserhahn auf und fertig. ....und trotzdem was war das immer schön. :):)

Wäsche gewaschen wurde unten am Fluss am Hafen ....jede Familie hatte seinen festen Waschplatz / Stein .Die Großen machten ihre Wäsche und tauschten die neuste Nachrichten aus. Da brauchte man kein Fernseher und kein Facebook nur Wäsche waschen ...und dann war man wieder über alles informiert ;) . und wir Kinder hatten an dem Waschtag auch immer einen Heidenspaß.

Ich habe so viele schöne Erinnerungen und gerne denke ich an die schöne Zeit zurück.
Lg Astrid
 
Mit Nonno haben wir damals die Schrankentore ( Bahnübergang der FMS ) verschlossen.
Ich denke, das es so um 1968 gewesen ist. Die Dieseltriebwagen, sahen für mich als kleines Kind unheimlich aus. Die Windschutzscheibe mit 3 oder 4 Streben und der große Bahnräumer waren schon unheimlich, wenn der Zug am Übergang vorbeirauschte.
 
Und die sardischen Bahnübergänge! Meist machte die Bahn grade an dem Punkt, wo sie die Strasse überquerte, eine Kurve. Die Strasse folgte der Bahnneigung und RUMS, knallte das Auto unerwartet rein. Unerwartet nur das erste Jahr, dann wurde es Gewohnheit.

Aber der Ausdruck "sardischer Bahnübergang" blieb uns. Was haben wir vorige Woche gelacht. Unser deutsches Dorf hat seinen Bahnübergang renoviert. Ist nun schlimmer als vorher und es rumst ganz schön, wenn man mit gewohnter Geschwindigkeit drüber fährt. Wir sahen uns an, lachten, und sagten nur:"sardischer Bahnübergang".
 
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