Sardinien hält den Rekord bei Schulabbrechern an weiterführenden Schulen

Beppe

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Sardinien hält den Rekord bei Schulabbrechern an weiterführenden Schulen
Die Insel belegt in Italien damit den letzten Platz auf der nationalen Bildungsscala

Laut einer Veröffentlichung in der ‚La Nuova Sardegna’ vom 17.6.2018 hat den Daten der ISTAT zufolge die Region Sardinien den höchsten Anteil an „Sitzenbleibern und Wiederholern“ und belegt somit den letzten Platz. Hieraus ergeben sich auch weitere Negativzahlen was sowohl die Anzahl von Absolventen betrifft als auch die Anzahl von Jugendlichen und Heranwachsenden, die weder studieren noch arbeiten und auch sonst keine qualifizierte Ausbildung erhalten.

Laut der ISTAT ist Sardinien auch diejenige italienische Region mit der höchsten Anzahl an Schulabbrechern. Bei den „Jungen“ sind sogar 13% gezwungen ein Schuljahr zu wiederholen. Eine besorgniserregende Zahl, die den nationalen Durchschnitt, der bei 7% liegt, um immerhin 6% Prozentpunkte übersteigt und damit fast doppelt so hoch liegt wie der Landesdurchschnitt.

Im Bildungssektor ergeben sich insofern äußerst düstere Zahlen für die Insel:
Die äußerst geringe Anzahl von Studien- bzw. weiterführenden Schulabschlüssen und der sehr hohe Prozentsatz der jungen so genannten Neets, dh., derjenigen die weder studieren noch arbeiten oder einer sonstigen Berufsausbildung nachgehen.
 

Georgie

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NEET (engl., [niːt]) ist ein Akronym des Begriffs Not in Education, Employment or Training, nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung, und bezeichnet die Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in beruflicher Ausbildung befinden und dies auch nicht unmittelbar anstreben.

In Europa wird die Gruppe der sog. Neets so definiert:
Zum einen als sozial und in der Arbeitswelt insgesamt benachteiligte Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Jugendlichen aus armen und bildungsfernen Familien bilden die größte Gruppe der NEETs.
Zum anderen Kinder sozial höherer Schichten, in denen kein direkter Erwerbsdruck herrscht (Hotel-Mama-Effekt).

Oder sind die jungen Arbeitslosen vielleicht Parasitäre Singles (Menschen, die bis in die späten 20er- und frühen 30er-Jahre ihres Lebens bei ihren Eltern wohnen, um ein sorgenfreies und damit komfortables Leben zu genießen.),
oder Freeter (junge Menschen im Speziellen zwischen 15 und 34 bezeichnet, die keiner Vollzeitbeschäftigung (Unterbeschäftigung) nachgehen, ausgenommen Studenten und Hausfrauen

Oder etwa einfach nur Nieten ? ;)
 
Auf Sardinien gehören 56 % der Altersgruppe von 16 bis 24 J. zu diesen sog. NEET. Die wenigsten, die ich persönlich kenne, sind "Nieten". Diese jungen Leute finden einfach keine reguläre Arbeit, schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch und leben oft noch bei den Eltern, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können.
Viele von ihnen haben die "Fünf Sterne" gewählt, weil sie an das Wahlversprechen des "reddito di cittadinanza" (Grundsicherung von 780 € für eine einzelne Person) geglaubt haben.
 

Georgie

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Günther, bei der Definition hast du den kleinen Nachsatz nicht beachtet:
und sich nicht in beruflicher Ausbildung befinden und dies auch nicht unmittelbar anstreben.
Da sehe ich den Knackpunkt: Den mangelnden Willen, die Voraussetzungen für sich zu schaffen, in Arbeit und Brot zu kommen. Hierüber haben wir schon verschiedentlich diskutiert. Wenn die jungen Leute weiter in klein-klein denken, nicht bereit sind, u.U. ihre kleine Heimat evtl. nur für eine überschaubare Zeit zu verlassen, um zu studieren, zu lernen, oder auch auf der Insel mit Biss ihre beruflichen Ziele zu erreichen, anstatt auf die Grundversorgung zu hoffen, dann wird sich nichts ändern. Da hilft es nicht zu jammern, dass es keine Arbeit gibt, sich mit Gelegenheitsarbeiten durchzuschlagen und sich auch ein Stück weit damit zufrieden zu geben. Wann fangen wir an, Europa als unsere Heimat zu betrachten, in der wir uns frei bewegen und alle Möglichkeiten für das persönliche Weiterkommen ausschöpfen können.
 

ferina

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Naja immer noch besser als die Generation in Deutschland die fröhlich vom Staat lebt und genauso wenig daran interessiert ist für vielleicht 100 Euro mehr im Monat arbeiten zu gehen.....
 

Su Gustu

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Es gibt auch eine andere Seite, die Mamms wollen garnicht das das Söhnchen flügge wird und wenn doch dann sollte die Arbeit nicht weit entfernt sein damit er Mittags zum essen nach Hause zu Mamma kommen kann.
 

Georgie

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Ich glaube, so unselbständig ist die Jugend heute nicht mehr, höchstens aus Bequemlichkeit.
 

Su Gustu

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@Georgie lebe und arbeite seit fast 30 jahren in Italien, viel hat sich nicht geändert bis vielleicht auf ein paar Ausreiser die es dann natürlich auch geschafft haben, der Grossteil denkt noch immer so wie ich geschrieben habe, nur wenn es wirklich keine andere Lösung gibt wird das Nest verlassen.
 

Georgie

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Ich bin auch schon 30 Jahre auf Sardinien, wenn auch nicht ständig. Deshalb kenne und bestätige ich die Denkweise, wie du geschrieben hast. Ich sehe viel im Bekanntenkreis und im Dorf. Viele bleiben gerne in der Abhängigkeit. Es war schon immer mühsam und es braucht ein Stück Mut, gegen den Willen der Eltern das Leben zu gestalten. War doch früher bei uns auch nicht anders.
 

Su Gustu

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Nur eine kleine Story als ich mit meiner Frau aus dem Elternhaus mit der Hausnummer 18 in die Hausnummer 16 gezogen bin war das eine mittelschwere Katastrophe für ihre Mutter. Als ich meiner Mutter sagte das ich nach Italien gehe hat sie mir sogar geholfen manche Schwierigkeiten zu überwinden und hat mich nicht abgehalten.
 

Maren

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Ja, klar, die Mütter sind schuld an der Misere. Wahrscheinlich auch daran, dass 13 % ein Schuljahr wiederholen müssen ;)
 

Georgie

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@Maren, vielleicht doch. Wenn Kinder keine Unterstützung beim Lernen von Zuhause kriegen, ist das Sitzenbleiben oft die Folge. Inwieweit Eltern den Kindern bei den Schulaufgaben helfen bzw. helfen können, hängt doch von dem Bildungsstand der Familie ab. Und da sind wir wieder beim Thema, die Jugendlichen aus bildungsfernen Familien gehören zu der größten Gruppe der NEETs. Da beißt sich die Katze in den Schwanz
 

ferina

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Man sollte aber auch nicht außer Acht lassen das es die typische Ausbildung wie in Deutschland nicht gibt..... Da geht vieles nur mit privaten Schulen..... Und die Kosten !!!
 

Su Gustu

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@Georgie Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Meine Tochter hat morgen ihre erste von drei Abiprüfungen, ich weiss nicht wo meine Frau die Geduld der letzten Monate her nimmt, wahrscheinlich der Vorteil italienischer Mentalität.
 

Gast1539

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Ich verstehe es auch nicht. Warum kann ein junger Mensch sich so schwer von Zuhause lösen. Er wird zum größten Teil auch nicht losgelassen. Ich habe schon Meinungen gehört, da wurde es nicht verstanden, das die Tochter auf dem Festland studiert. Ich fand es gut. Endlich raus und was anderes kennenlernen. Da wurde mit dem Kopf geschüttelt. Studieren könnte man auch auf Sardinien.
Es fängt doch schon früh an. Ich sehe hier keine Kinder zur Schule laufen. Nur die Älteren die mit dem Bus nach Olbia fahren. Die Kleineren werden die kürzeste Strecke gefahren. Auf Kindergeburtstage von Grundschulkinder sind die Mütter dabei. Auf meine Frage warum, sie sind doch alt genug, wurde ich entsetzt angeschaut. Man könne die Kinder doch zur Geburtstagfeier nicht alleine hinschicken.
Aus dem Blickwinkel der Italienerinnen war ich wohl eine Rabenmutter. Mein Trost, meine Kinder stehen voll im Leben und haben keinen Schäden erlitten
 

Su Gustu

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Das Problem ist das die Grundschüler von einer autorisierten Person, wenn nicht von einem Elternteil, gebracht und abgeholt werden müssen sonst können sie die Schule nicht verlassen (questione di resposabilita). War für mich auch komplett neu wenn auch schon lange her, geändert hat sich nichts. Das bei den Geburtstagsfeiern seinerzeit alle Eltern dabei waren war auch lernbedürftig für mich, jetzt normal obwohl es mich (Gott sei dank) nicht mehr betrifft.
 

Su Gustu

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Ich kenne Väter die warten im Auto vor der Disco bis die Tochter (15,16,17 jahre) raus kommt um sie nachhause zu fahren.
 

Gast1539

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Warum dürfen die Kinder nicht alleine die Schule verlassen. Will keiner die Verantwortung übernehmen,wenn was passiert. Passieren kann soviel im Leben, da ist man nie drauf vorbereitet.
Dann sollte man auch so konsequent sein und die Kinder im Auto anschnallen.
 

Su Gustu

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Nochmal, die Grundschüler können nur von den Eltern oder einer vorher der Schule gemeldeten Person abgeholt werden, sonst lässt der Lehrer das Kind nicht von dem Schulgelände. Warum ? Ist so und basta.
 

Blund

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Günther, bei der Definition hast du den kleinen Nachsatz nicht beachtet:

Da sehe ich den Knackpunkt: Den mangelnden Willen, die Voraussetzungen für sich zu schaffen, in Arbeit und Brot zu kommen. Hierüber haben wir schon verschiedentlich diskutiert. Wenn die jungen Leute weiter in klein-klein denken, nicht bereit sind, u.U. ihre kleine Heimat evtl. nur für eine überschaubare Zeit zu verlassen, um zu studieren, zu lernen, oder auch auf der Insel mit Biss ihre beruflichen Ziele zu erreichen, anstatt auf die Grundversorgung zu hoffen, dann wird sich nichts ändern. Da hilft es nicht zu jammern, dass es keine Arbeit gibt, sich mit Gelegenheitsarbeiten durchzuschlagen und sich auch ein Stück weit damit zufrieden zu geben. Wann fangen wir an, Europa als unsere Heimat zu betrachten, in der wir uns frei bewegen und alle Möglichkeiten für das persönliche Weiterkommen ausschöpfen können.

Vielleicht, wenn Europa und vor allem seine Regierungen bereit dazu sind. Momentan sieht es nicht so aus moo>
 

Su Gustu

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@Terranova es ist Gesetz das die Grundschüler die Schule nicht allein verlassen dürfen. Sogar auf dem Gymnasium mussten meine Frau und ich der Schule die Vollmacht unterschreiben das unsere Tochter die Schule alleine verlassen durfte.
 

LauraY

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Schon schräg, wie in Italien die Gesetze für die Kinderbetreuung sind. Einerseits dürfen Grundschüler nicht selbstständig den Schulweg machen, andererseits werden 30 Kindergartenkinder (3-6Jahre) von nur einer Erzieherin betreut... :rolleyes:
 

bootsmax

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Es fängt doch schon früh an. Ich sehe hier keine Kinder zur Schule laufen. . Die Kleineren werden die kürzeste Strecke gefahren. Auf Kindergeburtstage von Grundschulkinder sind die Mütter dabei.

Genau das ist auch in unsrer bayr. Kleinstadt der Fall. Ob wir bald "italienische Verhältnisse" haben werden?
Nur die entsprechende Vorschrift fehlt noch.
 
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