Wandern, Trekking Erfahrungsbericht: Selvaggio Blu
qwpoeriu
Sehr aktives Mitglied
Der nachfolgende Text passt auch in die Kategorie Reisebericht, wenn eher dort gewünscht, dann bitte einfach verschieben.
Vorab: Der Selvaggio Blu ist kein Wanderweg. Es gibt normalerweise kein Süßwasser, keine Infrastruktur, keine Markierungen, es sind diverse Abseilstellen bis ca. 50m enthalten, die nicht umgangen werden können. In weiten Teilen kein Handynetz. Wer nicht wirklich Erfahrung mitbringt und unvorbereitet alleine aufbricht, hat Chancen, dass es der letzte Sardinienurlaub wird.
Meine Tour wurde von der Cooperativa Goloritzé organisiert. Eine überschaubare Gruppe, ein staatlich geprüfter Bergführer aus dem Trentino. Die Sarden scheuen die Ausbildung, für die sie in die Hochalpen müssten, sagt der "Erfinder" des Treks. Man wandert mit einem Tagesrucksack, abends kommen, je nach Standort per Jeep oder Boot, Verpflegung und Zelt. Es gibt wohl von anderen Anbietern auch die Möglichkeit, dass man täglich in die Zivilisation zurückgebracht wird, für mich hätte sich das auf diesem Weg aber irgendwie "falsch" angefühlt. Saison ist im März/April und September/Oktober, vorher ist es zu dunkel und kalt, im Sommer zu heiß.
Startpunkt ist in Pedra Longa, es geht dann über fünf Etappen mit Übernachtungen auf der Punta Giràdili (Gennirco), Portu Cuau, Su Tasaru und Bacu Su Padente in die Cala Sisine. Es gibt wohl mittlerweile diverse schwerere und leichtere Varianten, diese gilt als das "Original".
Der erste Tag ist eine vergleichsweise harmlose Wanderung mit Badestopp in einer erst durch einen Erdrutsch entstanden Bucht. Ich habe Sardinien noch selten so grün gesehen, allerdings dominieren dann im Aufstieg helle Felsen die Landschaft. Heißt Sonne von oben und von der Seite - ich will allerdings nicht klagen, fünf Tage Sonne am Stück ohne Regen sind im April schließlich nicht selbstverständlich.
Tag 2 liefert dann die ersten kleineren Stellen, an denen der Bergführer ein Seil legt. Ob man es nutzt, bleibt einem selbst überlassen. Der Fels ist gut und nicht speckig.
Am 3. Tag kommt dann die erste Abseilstelle, noch komplett harmlos, ein paar Meter, aber eben ein paar Meter zu viel, um zu fallen/springen. Goloritzé ist natürlich ein Highlight, von oben wie unten ... allerdings bekanntermaßen von Instagram zerstört. Im April bereits kaum noch ein Platz frei.
Tag 4 bietenden eine Highlight-Abseilstelle in die völlige Leere (siehe Bild, that's me). Unter einem nur das blaue Meer. Gurt sollte sitzen, Seil halten. Im Prinzip spart man sich den nächsten Abstieg dadurch. Nachmittags wartet dann auf einmal eine frei zugängliche Grotte am Wegesrand.
Am letzten Tag schließlich die längste Abseilstelle, die schwierigste Kletterpassage (Sollte vermutlich C/D bis D sein, das in Italien übliche lockere KS-Seil hing schon). Und eine menschenleere Cala Sisine, die das Glück hat, einen Tick weniger spektakulär als Goloritzé zu sein.
Kurzum: Eine wunderschöne Erfahrung, wer genügsam und gerne in der Natur ist, findet hier den wilderen und anspruchsvolleren Bruder des GR20 auf Korsika.
Infos gibt's beim Büro der Gemeinde Baunei. Und ich habe mit der Cooperativa Goloritzé nichts zu tun, aber ich kann Antonio und Co. nur wärmstens empfehlen.




Vorab: Der Selvaggio Blu ist kein Wanderweg. Es gibt normalerweise kein Süßwasser, keine Infrastruktur, keine Markierungen, es sind diverse Abseilstellen bis ca. 50m enthalten, die nicht umgangen werden können. In weiten Teilen kein Handynetz. Wer nicht wirklich Erfahrung mitbringt und unvorbereitet alleine aufbricht, hat Chancen, dass es der letzte Sardinienurlaub wird.
Meine Tour wurde von der Cooperativa Goloritzé organisiert. Eine überschaubare Gruppe, ein staatlich geprüfter Bergführer aus dem Trentino. Die Sarden scheuen die Ausbildung, für die sie in die Hochalpen müssten, sagt der "Erfinder" des Treks. Man wandert mit einem Tagesrucksack, abends kommen, je nach Standort per Jeep oder Boot, Verpflegung und Zelt. Es gibt wohl von anderen Anbietern auch die Möglichkeit, dass man täglich in die Zivilisation zurückgebracht wird, für mich hätte sich das auf diesem Weg aber irgendwie "falsch" angefühlt. Saison ist im März/April und September/Oktober, vorher ist es zu dunkel und kalt, im Sommer zu heiß.
Startpunkt ist in Pedra Longa, es geht dann über fünf Etappen mit Übernachtungen auf der Punta Giràdili (Gennirco), Portu Cuau, Su Tasaru und Bacu Su Padente in die Cala Sisine. Es gibt wohl mittlerweile diverse schwerere und leichtere Varianten, diese gilt als das "Original".
Der erste Tag ist eine vergleichsweise harmlose Wanderung mit Badestopp in einer erst durch einen Erdrutsch entstanden Bucht. Ich habe Sardinien noch selten so grün gesehen, allerdings dominieren dann im Aufstieg helle Felsen die Landschaft. Heißt Sonne von oben und von der Seite - ich will allerdings nicht klagen, fünf Tage Sonne am Stück ohne Regen sind im April schließlich nicht selbstverständlich.
Tag 2 liefert dann die ersten kleineren Stellen, an denen der Bergführer ein Seil legt. Ob man es nutzt, bleibt einem selbst überlassen. Der Fels ist gut und nicht speckig.
Am 3. Tag kommt dann die erste Abseilstelle, noch komplett harmlos, ein paar Meter, aber eben ein paar Meter zu viel, um zu fallen/springen. Goloritzé ist natürlich ein Highlight, von oben wie unten ... allerdings bekanntermaßen von Instagram zerstört. Im April bereits kaum noch ein Platz frei.
Tag 4 bietenden eine Highlight-Abseilstelle in die völlige Leere (siehe Bild, that's me). Unter einem nur das blaue Meer. Gurt sollte sitzen, Seil halten. Im Prinzip spart man sich den nächsten Abstieg dadurch. Nachmittags wartet dann auf einmal eine frei zugängliche Grotte am Wegesrand.
Am letzten Tag schließlich die längste Abseilstelle, die schwierigste Kletterpassage (Sollte vermutlich C/D bis D sein, das in Italien übliche lockere KS-Seil hing schon). Und eine menschenleere Cala Sisine, die das Glück hat, einen Tick weniger spektakulär als Goloritzé zu sein.
Kurzum: Eine wunderschöne Erfahrung, wer genügsam und gerne in der Natur ist, findet hier den wilderen und anspruchsvolleren Bruder des GR20 auf Korsika.
Infos gibt's beim Büro der Gemeinde Baunei. Und ich habe mit der Cooperativa Goloritzé nichts zu tun, aber ich kann Antonio und Co. nur wärmstens empfehlen.




Zuletzt geändert:








