"Wo die Arbeit fehlt, fehlt auch die Würde", Papst Franziskus in Cagliari im Jahr 2013 - und weiter, "Arbeitslosigkeit sei
nicht nur das Problem Italiens, sondern die Folge einer rein am Profit orientierten Wirtschaft".
In Cagliari und auf der ganzen Insel gibt es keine Aushilfjobs für 8 Euro die Stunde - selbst dann nicht, wenn jemand studiert - oder eine Ausbildung hat. Stellt ein z.B. Gastrobetrieb jemanden ein - der z.B. 8 oder 9 Euro die Stunde bekommt - kostet das dem Arbeitgeber etwa 32 Euro in der Stunde - Steuern und Abgaben. Bei drei Euro pro Stunde - sind es dann 9 Euro für den Arbeitgeber Und das sind in Cagliari realistische Gagen für Jobs. Diese drei oder vier-Euro-Jobs gibt es aber auch in Deutschland, oder Holland etc....
Was die Sache für Familien etc so teuer macht sind die horrende Müllgebühren, die meine Meinung nach die Stadt nehmen muß, da die Löhne so gering sind und dadurch weniger Einnahmen für die Verwaltung erzielt werden. Außerdem, wer sich schonmal auf der Einkaufsmeile in Cagliari bewegt hat, sieht am Abend oft volle Straßen - die Läden sind jedoch fast leer. Die Kaufkraft ist in Cagliari im Keller. Außerdem wird die Stadt von immer weniger Urlaubern besucht - viele kommen mit einem Bus nur für ein paar Stunden.
Ich kenne hier Journalisten oder Pressefotografen, die für einen Hungerlohn arbeiten und ohne Unterstützung der Eltern, oder von Deutschland aus, kein Bein auf die Erde bekommen würden. Ich sehe darin auch den Grund, warum Männer - oft über 30 Jahre - noch bei den Eltern wohnen. Mit meiner Ausbildung und Studium würde ich auf der Insel, falls ich überhaupt einen Job bekommen würde, etwa 950,- Euro nette verdienen. Davon könnte ich hier niemals eine Familie ernähren und hätte schon große Probleme meinen eigenen Lebensunterhalt - wie Wohnung, Strom, Müll, Essen etc - zu finanzieren.
Aber auch hier in Deutschland gibt es Städte mit den gleichen Problemen. Viele Verwaltungen im Ruhrgebiet gehen am Stock, die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Mieten, Strom, Gas ist auch hier für viele Familien nicht mehr bezahlbar - auch dann nicht - wenn der Familienvater alles richtig gemacht hat und eine Ausbildung in einer z.B. Bäckerei gemacht hat. Wer sich hier die Löhne vieler Handwerksbetriebe ansieht, kommt auch in Deutschland leicht in's grübeln.
Der Mittelstand wird in Deutschland und auch in Italien (wie in vielen anderen Ländern der EU) immer dünner - die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Auch in Cagliari gibt es Menschen mit viel, viel Geld - wo das allerdings hingeht - entzieht sich meiner Kenntnis.