Ein wirklich schöner Thread, der sich in vielen Punkten mit meinen Erfahrungen deckt. Ich bin im Grunde meines Herzen sehr frankophil. Ich spreche relativ perfekt französisch und habe in den letzten 30 Jahren unzählige Urlaube in Frankreich verbracht, angefangen in der Bretagne und dann rundherum fast alle Gegenden besucht. Es hat mich immer sehr glücklich gemacht und macht es weiterhin, ich bin beruflich ca. 1 Woche im Monat in Frankreich unterwegs. Italienisch spreche ich (nur) mit Händen und Füßen, aber das französische Vokabular, italienisch ausgesprochen, hilft enorm.
Auf Korsika waren wir sicherlich zehnmal und ich habe die Insel immer als wunderschön empfunden mit einer in der Regel sehr guten touristischen Infrastruktur und häufig toller Küche, all das zu in der Regel sehr stolzen Preisen.
Vor fünf Jahren haben uns gute Freunde, die seit vielen Jahren nach Sardinien fahren, überredet, doch mal nach dort zu kommen. Ein bisschen skeptisch haben wir damals in den NRW-Herbstferien drei Tage Sardinien (Nähe Golfo Aranci) und dann vier Tage Korsika (Nähe Porto Vecchio) gebucht. Das Ergebnis ist, dass wir vor zwei Jahren eine Wohnung auf Sardinien, nahe Golfo Aranci, gekauft haben. Warum?
1. Das Meer: eine solche Dichte und Vielzahl großer und kleiner Traumstrände haben wir so auf Korsika nicht vorgefunden.
2. Die Preise: es fällt mir außer dem Sprit nicht viel ein, was auf Sardinien nicht nennenswert günstiger ist als auf Korsika. Das Essen auf Korsika ist halt viel französischer, aufwändiger, aber eben auch viel teurer. Die Preise im Supermarkt sind, wie schon von anderen geschildert, in Sardinien nicht wirklich viel teurer als bei uns. Das ist auf Korsika anders. Insgesamt kommt uns der Urlaubstag auf Sardinien (wir gehen viel Essen, fahren viel mit unserem Boot) um ein Drittel günstiger als es auf Korsika der Fall war (alleine schon die Weinpreise im Restaurant auf Korsika...).
3. Die Zugänglichkeit. Wir sind dieses Jahr achtmal auf Sardinien und freuen uns über die gute Verbindung, meistens mit Air Berlin. Korsika, gerade der Süden, ist da viel schwieriger zu erreichen und kein Ziel für ein langes Wochenende. Wir fahren oft von Donnerstagmorgen bis Sonntagabend, das wäre auf Korsika so nicht möglich.
4. Die Offenheit und Herzlichkeit der Sarden: ob beim Bäcker, der Hafenmeister, im Stammrestaurant, die Anerkennung, dass man regelmäßig kommt und die einheimischen Leistungen gerne in Anspruch nimmt, ist sehr groß. Ich habe auf Korsika ein Auto gekauft und werde es nächste Woche nach Sardinien überführen. Der Verkäufer ist Hotelier auf Korsika, sehr freundlich und korrekt, aber meilenweit von der Herzlichkeit entfernt, die ich regelmäßig auf Sardinien erlebe.
Wir fahren mit unserem 7m-Gommone jedes Jahr im Hochsommer von Golfo Aranci nach Korsika rüber, bei gutem Wetter und wenig Wind geht das sehr gut, so ca. 1,5-2 Stunden. Wenn wir uns dann, nachdem wir an den Maddalenas vorbei gefahren sind, Korsika nähern, und dann Bonifacio ansteuern zum günstigeren Tanken, geht uns beim Anblick der Kreidefelsen-Landschaft das Herz auf, Wahnsinn. Wir fahren dann weiter in den Golf von Santa Manza, verbringen dort ein paar Stunden und fahren wieder zurück. Wir nehmen die Fahrt auf uns, weil wir Korsika so sehr mögen. Aber als Urlaubsziel für die nächsten Jahr und hoffentlich Jahrzehnte haben wir die Wahl "Sardinien" noch nicht eine Sekunde lang bereut.
Wir sind aber auch eher mehr-affin und nicht die Wanderer und Kletterer. Dann wäre die Wahl vielleicht anders ausgefallen, denn die Topographie von Korsika ist da auf jeden Fall extremer...
Viele Grüße
Konstantin