Lieber Beppe,
Ich hab noch Mal nachgefragt und folgende Ergebnisse erhalten, die wirklich interessant sind.
„Neben der französischen Langzeitstudie von Servanty et al. (Journal of Animal Ecology 2009) werden vor allem folgende Arbeiten und Auswertungen zitiert, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen oder diese stützen:
Wichtige Fachstudien und Dissertationen
• Gethöffer, Sodeikat & Pohlmeyer 2007: Untersuchung in drei Regionen Deutschlands, die zeigt, dass der Anteil reproduzierender juveniler Bachen nach der Jagdsaison stark ansteigt (bis zu 60% tragend im März/April).[abschaffung-der-jagd]
• Mauget 1982, Groot Bruinderink et al. 1994, Massei et al. 1996: Frühere Studien, die hohe Reproduktionsraten bei Wildschweinbachen beschreiben und die Basis für die spätere Bewertung „nahezu jedes geschlechtsreife Weibchen reproduziert“ liefern.[abschaffung-der-jagd]
• Neef 2009 (Dissertation, Uni Gießen): „Untersuchungen zur Reproduktionsdynamik beim Wildschwein“ mit 499 erlegten Tieren in Rheinland‑Pfalz und Hessen, detaillierte Analyse von Alter, Körpermasse und Reproduktion.[jlupub.uni-giessen]
• Brogi et al. 2022 (Current Zoology): „It is time to mate“ – zeigt hohe Plastizität von Paarungszeitpunkten und sehr robust hohe Trächtigkeitswahrscheinlichkeiten über Jahre hinweg, was die starke kompensatorische Reproduktion unter wechselnden Umweltbedingungen bestätigt.[academic.oup]
• Servanty et al. 2009 (ergänzend über PubMed/Wiley): beschreibt explizit, dass juvenile Bachen einen großen Anteil am jährlichen Reproduktionserfolg stellen und dass unter starkem Jagddruck Körpermassen‑Schwellen für Reproduktion sinken.[besjournals.onlinelibrary.wiley +1]
Sekundärquellen, die diese Studien zusammenfassen
• Zusammenfassung „Studie gegen Wildschweinjagd“ (Abschaffung-der-Jagd): fasst die 22‑jährige Untersuchung und die genannten Vorarbeiten (Mauget, Groot Bruinderink, Massei, Gethöffer u. a.) zusammen und betont: nahezu jedes geschlechtsreife weibliche Wildschwein versucht zu reproduzieren, hoher Anteil juveniler Bachen bei der Fortpflanzung, niedriger Körpermassen-Grenzwert unter hohem Jagddruck.[abschaffung-der-jagd]
• Broschüre/Artikel „Mehr Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine“: popularwissenschaftliche Darstellung der Servanty‑Studie mit Hinweis auf spätere Geschlechtsreife und niedrigere Reproduktion in wenig bejagten Gebieten.[wildbeimwild]
• Artikel „Jagd kann Wildschweine nicht regulieren“ bzw. ähnlich betitelte PDFs (z. B. „Jagd fördert die unkontrollierte Vermehrung…“): greifen dieselben Primärstudien auf und stellen den Zusammenhang zwischen hohem Jagddruck, gestörter Sozialstruktur und erhöhter Fruchtbarkeit dar.[lusttoeter +1]
Kontext aus jagdlichen/verbandlichen Quellen
• DJV-Auswertung „Rekord-Jagdbilanz für Wildschweine“: keine direkte Kausalstudie, aber liefert Zahlen zur sehr hohen Reproduktionsrate (ca. 250% jährlich) und betont, dass insbesondere junge Tiere überproportional zur Fortpflanzung beitragen – was gut zu den o. g. Befunden passt.[jagdverband]
Kernaussagen einzelner dieser Originalarbeiten (z. B. Gethöffer 2007 oder Neef 2009) noch genauer in 2–3 Sätzen je Studie zusammengefasst!
„Hier sind knappe Zusammenfassungen der wichtigsten Studien (außer Servanty et al. 2009), fokussiert auf den Zusammenhang zwischen Jagddruck und erhöhter Wildschweinvermehrung. Ich priorisiere Primärquellen mit direkten Daten zur Reproduktion.
Gethöffer et al. 2007 (Dissertation, TiHo Hannover)
In einer zweijährigen Untersuchung in drei deutschen Regionen (Niedersachsen, Eifel, Pfälzerwald) zeigten nur 30% der juvenilen Bachen während der Jagdsaison aktive Reproduktion, doch bis zu 60% waren im Folgefrühling (März/April) tragend – hohe Ovulationsraten und frühe Geschlechtsreife trotz Stress. Externe Faktoren wie Fütterung beeinflussen Saisonalität und Altersanteil an der Fortpflanzung stark.[elib.tiho-hannover +2]
Neef 2009 (Dissertation, Uni Gießen)
Bei 475 erlegten Wildschweinen in Rheinland-Pfalz/Hessen stieg der Anteil sexuell reifer Frischlingsbachen ab dem 7. Monat signifikant (bis 68% mit Funktionskörpern im 12. Monat), mit 53% tragend oder ovulierend. Dreigipfelige Geburtenverteilung (April, August, Dezember); keine strenge Saisonalität mehr durch Ernährung – frühe Pubertät korreliert mit körperlicher Konstitution.[jlupub.uni-giessen +2]
Brogi et al. 2022 (Current Zoology)
Hohe Populationsplastizität der Reproduktionsphänologie: Individuen passen Paarungszeit und -länge an Umwelt an, z. B. Verzögerung bei schlechten Bedingungen. Plastizität ermöglicht robuste Fortpflanzung trotz Jagddruck; RT (reproductive timing) verschiebt sich populär, unterstützt kompensatorische Effekte wie bei Servanty.
Mauget 1982 (Bioscience Proceedings)
Hohe Reproduktionskapazität des Wildschweins (höchste unter vergleichbaren Huftieren): Bimodale oder unimodale Geburtenverteilung (April/Mai, evtl. Jan/Feb + Aug/Sep), mit hoher Gestationslänge. Umweltfaktoren modulieren Peaks; Grundlage für spätere Erkenntnisse zu saisonaler Anpassung unter Druck.
WIRKLICH INTERESSANT!
Ursachen Populationsschwankungen Wildschweine Italien
Die Populationsschwankungen von Wildschweinen in Italien resultieren hauptsächlich aus anthropogenen und ökologischen Faktoren, die zu explosionsartiger Zunahme führten.
Hauptursachen
• Einführung invasiver Populationen: In den 1950er-1970er Jahren wurden osteuropäische Wildschweine (größer, fruchtbarer: 8–9 Ferkel/Wurf vs. 2–3 bei einheimischen) aus Ungarn/Osteuropa importiert und ausgesetzt, da lokale Bestände fast ausgestorben waren. Dies löste den Populationsboom aus.
• Hoher Jagddruck fördert Vermehrung: Wie in Frankreich/DE stört Abschuss Leitbachen, was junge Bachen früher reifen lässt und Fruchtbarkeit steigert (Toskana: Population verdoppelt trotz Jagd).[wildbeimwild]
• Gute Ernährung und Lebensraum: Ackerbau, Müll, Fütterung und fehlende Prädatoren (bis Wolf-Rückkehr) ermöglichen 2 Würfe/Jahr; Schäden >100 Mio. €/Jahr (Abruzzen, Piemont).
Konsequenzen
Bestand: 1–1,5 Mio. Tiere (ISPRA 2021); Rom/Venetien: Stadtinvasionen, 10.000 Verkehrsunfälle/Jahr, ASP-Risiko. Gegenmaßnahmen: Intensivjagd scheitert oft, da sie Vermehrung antreibt.
Wildschweinpopulationen unterscheiden sich auf Sardinien und dem italienischen Festland in Größe, Dichte und Problemausmaß, wobei beide Regionen von Überpopulationen betroffen sind.
## Vergleichstabelle
| Parameter | Sardinien | Italien Festland (z. B. Kalabrien, Apulien, Toskana)
|--------------------------|------------------------------------------------------------|-----------------------------------------------------------------------------|
| Populationsgröße | 100.000–200.000 Tiere (ca. 60–70.000 Sauen) | 2–2,3 Mio. gesamt; Kalabrien: 300.000, Apulien: 250.000, Toskana: 200.000 |
| Dichte pro Einwohner | Hohe lokale Dichte nahe Schutzgebieten ("kritisch") | 1 Wildschwein/26 Einwohner (Italien gesamt) |
| Schäden | 200 Mio. €/Jahr (Landwirtschaft, ASP-Risiko, Unfälle) | >200 Mio. €/Jahr; Ernten zerstört, 170+ Unfälle/Jahr (Sardinien ähnlich) |
| Gesundheitsrisiken | Trichinella-Fälle, ASP-Prävention (Notstand 2024 aufgehoben)| ASP-Ausbrüche, Trichinen; Jägerproben: 20.000/Jahr |
| Management | Intensive Jagd, aber "außer Kontrolle"; ASP-frei | Massenjagd gescheitert; Wolf-Prädation dämpft lokal |
## Schlüsselfaktoren
Sardinien hat kleinere, isolierte Bestände (kleinere Rasse Sus scrofa meridionalis), leidet aber stärker unter lokalen Invasionen in Schutzgebieten. Festland zeigt explosionsartigen Zuwachs durch Einführungen und Fütterung; beide profitieren nicht von effektiver Regulierung durch Jagd.
Die hohe Wildschweinpopulation auf Sardinien wird durch eine Kombination aus historischen, ökologischen und managementbedingten Faktoren verursacht.
Hauptursachen
• Natürliche Isolation und genetische Besonderheiten: Sardinien beherbergt eine autochthone Unterart (Sus scrofa meridionalis), die seit Jahrtausenden isoliert ist und sich an raue, trockene Bedingungen angepasst hat; geringe Prädatoren (wenig Wölfe) und Schutzgebiete fördern ungestörtes Wachstum.
• Landwirtschaftliche Verführbarkeit: Reichlich Kulturpflanzen (Mais, Wein, Oliven, Gemüse), Wasserquellen und illegale Fütterung locken Tiere an; Erntenverluste bis 35% (z. B. Mais), was Zuwachs durch bessere Kondition (2 Würfe/Jahr) antreibt.
• Ineffektive Regulierung: Trotz intensiver Jagd (Jäger testen auf ASP/Trichinen) bleibt die Population “außer Kontrolle”, da Abschuss – wie anderswo – kompensatorische Vermehrung auslöst; Schätzungen: 100.000–200.000 Tiere.
Konsequenzen
Schäden: 200 Mio. €/Jahr, 170+ Verkehrsunfälle (2023), Bedrohung für Schafe/Haustiere; ASP-Überwachung priorisiert, Insel derzeit frei dank Seuchenbekämpfung (Notstand 2024 aufgehoben).“