Sardinien benötigt jährlich 1,1 Milliarden Euro zusätzlich

Beppe

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Wie einem Bericht der „La Nuova Sardegna“ zu entnehmen ist, benötigt Sardinien
zukünftig rund 1,1 Milliarden jährlich zusätzlich aus Rom.

Diese Rechnung und Forderung hat jedenfalls der sardische Ministerpräsident Francesco Pigliaru dem italienischen Ministerpräsidenten Renzi anläßlich eines Treffens in Olbia präsentiert. Das von Pigliaru an Renzi übergebene Dossier begründet diese Rechnung vornehmlich mit den überproportionalen Kosten aufgrund der Insellage sowie der energiepolitischen Mangelstellung Sardiniens.

Pigliaru stützt sich dabei insbesondere auf den 22. Jahresbericht der CRENOS, der hierbei ausführlich auf den Zustand der sardischen Wirtschaft eingeht. (Anm. d. Verf.: die CRENOS ist eine anerkannte Forschungseinrichtung der Universität Cagliari und Sassari, die ständig zu wirtschaftlichen Fragen Sardiniens Stellung nimmt.)

Im Jahresbericht macht die CRENOS u.a. deutlich, daß die Entfernung zum Festland Olbia – Civitavecchi 230 km beträgt und hierfür eine Fähre durchschnittlich 9 Stunden und 22 Minuten benötigt. In der gleichen Zeit legt ein LKW auf dem Festland 553 km zurück. Hierdurch rückt Sardinien - bildlich und wirtschaftlich gesehen nahezu 3 mal soweit vom Festland fort wie geographisch tatsächlich gegeben.

Die CRENOS attestiert hierzu: „Die wirkliche Wahrnehmung der Entfernung beträgt 553 km, worunter Sardinien mehr leidet als in jedem anderen Bereich“. Es ist vor allen Dingen die Insellage Sardiniens, die weder vom Staat noch von europäischer Seite in entsprechender Form berücksichtigt wird. Allein hierfür berechnet die CRENOS einen notwendigen infrastrukturellen Jahresausgleich von 600-660 Millionen Euro.

Doch dies ist noch lange nicht das Ende der notwendigen Kompensationsforderungen. Sardinien ist überdies die einzige Region Italiens, die keinen Zugang bzw. Anbindung an ein Erdgasnetz hat. Dieses energiepolitische Manko wird mit einem erhöhten Kostenapparat von 400-450 Millionen Euro für die Insel angegeben. Wenn aber bereits die Wirtschaft aufgrund der Insellage wettbewerbstechnisch lahmt, so wird die inländische Produktion aufgrund der teuren und hohen Energiekosten doppelt abgestraft.

Der Bericht der CRENOS hebt insbesondere hervor, daß aufgrund der schlechten Infrastrukturen (schlechte Strassen, ineffizientes Eisenbahnnetz, Systemmangel bei der Bewirtschaftung und Einbindung von Häfen und Flughäfen) zusammen mit dem schon fast historischen Vergessenwerden in Rom, Sardinien wirtschaftlich völlig ins Abseits driftet.

„All dies sind die dringenden Probleme Sardiniens, auf deren Lösung Sardinien nicht länger warten kann“, so Pigliaru „und diese akuten Probleme müssen nun endlich auch mal der Staat als auch die Europäische Union so sehen“.

Der italienische Ministerpräsident Renzi hat zumindest angekündigt, sich der Problematik anzunehmen und im Herbst etwaigen Versprechungen auch Taten folgen lassen will.
 
Zuletzt geändert:
Hallo Beppe,

wieso denn energiepolitischen Mangelstellung Sardiniens?

Es gibt doch das GALSI Projekt und da soll/wird Erdgas von Algerien über Sardinien aufs Festland Transportiert. Diese Aussage kann ich nicht ganz nach vollziehen. Strom gibt es zu genüge auf der Insel nur beim Gas bin ich mir nicht ganz sicher.
Oder meinte man damit die industrielle Versorgung?

Grüße
 
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