Bootstouren Opferanoden - Sinn oder Unsinn??

Beppe

Sehr aktives Mitglied
Opferanoden - Sinn oder Unsinn??

Hatte heute ein interessantes Gespräch zum Thema Opferanoden, insbesondere an Schiffen sowie deren Notwendigkeit.

weitere generelle Infos hierzu auch auf:

Bei Segel-/Motorschiffen hat man oft 2 Opferanoden auf dem Ruderblatt sowie z.B. weitere auf der Motor-/Propellerwelle. Bei Stahlschiffen hat man oft noch weitere Opferanoden auch am Vorschiff. In der Skippersprache werden diese Opferanoden auch oft als "Zinkmäuse" bezeichnet.

Schiffe und Boote
Opferanoden dienen an Wasserfahrzeugen zum Schutz aller Metallteile im Wasser, wie Schiffspropellern, Antriebswellen, Ruder, Rumpf. Dies ist insbesondere bei Schiffen wichtig, die im elektrochemisch aggressiven Salzwasser fahren. Als Opferanode werden hier Blöcke aus Zink, früher Cadmium, in der erforderlichen Größe und Anzahl rings um den Propeller auf dem Schiffsrumpf aufgeschraubt oder aufgenietet, fallweise auch auf großen Ruderblättern.

Meist werden dazu bereits auf der Werft Anodenklötze mittels eingegossenen Stahlstreifen angeschweißt. Zusätzliche Opferanoden zum Schutz des stählernen Rumpfes werden meist in geringerer Zahl angebracht.

Schiffe und Boote, die im Brack- und Süßwasser fahren, besitzen Opferanoden aus Aluminium oder Magnesium. Die genaue Position der Anoden lässt sich nicht sicher vorherbestimmen, sondern muss nach Erfahrung geschehen und bei Werftaufenthalten gegebenenfalls angepasst werden.

Wirkungsweise
Das zu schützende Metall wird mit der Opferanode elektrisch leitend verbunden. Es entsteht ein Primärelement, bei dem das zu schützende Metall als Kathode und das unedlere Metall als Anode fungiert. Die Elektronen, welche die Anode abgibt, fließen durch die Leitung zum zu schützenden Metall, der technische Strom durch die Leitung wird in umgekehrter Richtung gezählt, also zur Opferanode. Statt dem zu schützenden Metall gibt jetzt das unedlere Opferanoden-Metall seine Elektronen an den Sauerstoff ab, wird oxidiert und geht in Lösung. Das Wasser ist in diesem Lokalelement der Elektrolyt, der den Transport der geladenen Teilchen (Kationen von der Anode) ermöglicht und so den Stromkreis schließt. Die Opferanode wird mit der Zeit verbraucht und muss erneuert werden.

Meine langjährige Erfahrung ist, daß man jedes Jahr diese Opferanoden erneuern/auswechseln muß! Die jährliche Investition hierfür ist recht überschaubar und dürfte bei Schiffen bis ca.15 m LÜA nicht mehr als ca. € 50,--- bis 150,-- (insgesamt) ausmachen. Die Eventualschäden, die hierdurch jedenfalls am Schiff durch Salzfraßkorrosion und Elektrolyse verhindert werden, sind kolossal!

Übrigens:
auch die Außenbordmotore z.B. von den Gommonis besitzen in der Regel 2 Zinkmäuse und/oder auch eine Zinkfinne am unteren Getriebeteil unterhalb der Wasserlinie mit dem Propeller.

Weiteres Wissenwertes über Opferanoden auch auf:

In Kurzform:
Das unedlere Metall der Zinkmäuse wird im Laufe des Jahres im Salzwasser zuerst zerfressen und verhindert so, daß das Salzwasser evtl. auch die edleren Metalle angreift (Elektronegativitätseffekt). Da nach ca. 1 Jahr so eine Zinkmaus (Opferanode) oft zerfressen und aufgebraucht ist (geopfert wurde) - daher auch der Name - kann man hierdurch weitgendst Schäden am Schiff vermeiden. Deshalb auch jährliche Erneuerung dieser Zinkmäuse!
 
Zuletzt geändert:
Wir haben eine Opferanode an unserer Tiefpumpe. Seither müssen wir diese weniger oft austauschen
 
und noch was @Feuerpferd,

als ich meinen "Albtraum - Sardinien mit dem Fahrrad" gestartet habe, da habe ich weniger an Opferanoden aber oftmals mehr an meine bedauernswerten Opferhoden gedacht.
dann war das Rad nicht gut eingestellt
ich bin mit meinem mittlerweile historisch relevanten Stahl- MTB durch halb Südeuropa gefahren, also sprich IT Festland, F continente, Sardegna halbe Westküste, D sowiso viele tausend Kilometer,

wennde Probleme hattest oder hast ist das Rad nicht optimal eingestellt
oder deine Teile sind irgendwie speziell, aber das traue ich mich kaum zu sagen ;-))))))
 
wennde Probleme hattest oder hast ist das Rad nicht optimal eingestellt
oder deine Teile sind irgendwie speziell, aber das traue ich mich kaum zu sagen ;-))))))

Eunuchen hätten diese Probleme auch nicht mehr. Da könnte man wortwörtlich von einer "Opferanode" samt fehlendem Zubehör sprechen ;)
 
Die Opferanode ist mir auch bekannt, aber nicht vom Fahrrad (zwei Räder unterm Hintern etc sind mir definitiv zu wenig ;) ): Als ich unsere nähere und fernere Umgebung mit Einverständnis des jeweiligen Grundbesitzers nach Metallen abgesucht habe, kamen auch etliche alte, für mich historisch interessante Werkzeuge zu Vorschein, oder zB auch Hufeisen von der Neuzeit bis zurück ins Mittelalter. Und all diese Eisentrümmer waren je nach Alter massiv verrostet.
Diese Teile habe ich einer mehrstündigen Elektrolyse unterzogen und damit den Rost weitestgehend entfernen können, ohne das jeweilige Stück - wie etwa bei einer Drahtbürstenreinigung - zu zerkratzen und zu beschädigen. Dazu wurden sie in Wasser mit ein wenig aufgelöstem Backpulver (leitfähig) gelegt, Strom in bestimmter Stärke angelegt und eben die Opferanode (ein Stück Blech in entsprechender Größe) hinzugefügt. Über Nacht war der Rost vom Werkstück weg, und auch ein guter Teil der Anode. Erstaunlicherweise spricht man in diesem Zusammenhang zwar von "Opferanode", aber nicht von "Opferrost" ...

Römischer Meissel/scalpello (vermutlich 3.Jht), Fundzustand

PK 20160824_171507, röm Steinspaltkeil.jpg

und so schaut er nach mehrstündiger Elektrolyse aus - im gleichen Maß. wie der Rost verschwunden ist, wurde die Opferanode kleiner:

PK 20160826_150753.jpg

Warum soll dieses Prinzip bei Booten/Schiffen nicht genauso funktionieren? Frage "Sinn oder Unsinn" beantwortet.
 
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