Museumsschließungen in Nuoro
Die "Nuova" von heute meldet, daß das renommierte volkskundliche Etnographische Museum in Nuroro zum Monatsende geschlossen würde, ebenso das Museum im Geburtshaus von Grazia Deledda. Die Region habe die Zuschüsse gestrichen. Beide Museen gehören zu den bekanntesten und bestbesuchten auf Sardinien.

Das ist wirklich ein Schildbürgerstreich der "linken" Regionalregierung! Und der Nuova war dies nur eine kurze Notiz wert.

Günther

P.S.: Die Museumsschließungen sind auch ein "vorbildlicher" Beitrag zur Förderung des Tourismus: Beide Museen wurden seit Jahren auch von vielen Reisegruppen aus D/AU/CH besucht, insbesondere in der Vor- u. Nachsaison.
 
Zuletzt geändert:
Man könnte jetzt sarkastisch mit Erich Kästner antworten:
"Toren besuchen im fremden Land die Museen, Weise gehen in die Tavernen."

Aber da denken die Verantwortlichen in Sardinien (wahrscheinlich sind dies ja keine Sarden) wirklich sehr kurzsichtig. Einer Nobelpreisträgerin, deren Bücher das beste Aushängeschild der Region sind, diese "Werbung" einfach so "abzuhängen", ist nicht nur ein "vorbildlicher" Beitrag zur Förderung des Tourismus sondern zeigt auch, wie die Regierung zu ihrer eigenen Identität und Kultur steht ... oder beschränkt sich Nationalstolz und Tradition bald nur noch auf Garibaldi?
 
Ja Sabina, da bin ich doch voll deiner Meinung. Dumm nur, wenn man die mittlere Station "Museum" -weil geschlossen, jetzt auch noch mit Taverne austauscht ... ;) Nichts gegen "Kneipenkultur" ... da lernt man Land und Leute eh am Besten kennen....

Aber für Nuoro und die Region und den Tourismus ists schon schade!
 
Jens,

hai ragione, ich finde auch eine Kombination aus 'allem' - Natur, Kultur, Kulinarisches... am besten, und all das ist ja auch in Sardinien zu finden... aber unverständlich, solche Gelder zu kürzen...

tanti saluti
Sabine
 
@ Günther

danke für diesen Beitrag ,Günther. Die von dir genannten Museen sind etwas ganz besonders, zeugen vom kulturellen Erbe auf der Insel und sind ohne wenn und aber erhaltenswert. Eine Schließung kann und darf nicht hingenommen werden!!!! Bitte halte uns über die weitere Entwicklung auf dem laufenden

Wenn ich zu diesem Thema noch einen 2. Beitrag aufgemacht habe, liegt das an meiner ganz besonderen Liebe zu Constantino Nivola , seinen Werken und dem Museum in Orani

saludos Andrea
 
Hallo zusammen,

seid mir nicht böse, aber wenn ich diese Beiträge hier lese: http://www.sardinienforum.de/threads/ein-weiteres-tiefdüsteres-wirtschaftliches-jahr-für-sardinien.7282/ dann wundert es mich nicht, das Museen oder sonstige soziale Einrichtungen auf Grund von Geldmangel geschlossen werden (müssen).

Ich persönlich denke, das der Spiegel der allg. wirtschaflichen Situation auf Sardinien lediglich die Spitze eines Eisberges sind. Was da unter der gedachten Wasseroberfläche schon bereits passiert ist oder peu à peu nach oben geschwemmt wird sollte also niemanden mehr wirklich erstaunen.

Wie ist es denn hier in D? Auch nicht viel anders. Erst meldet die Wirtschaft das "aus" und einige Wochen oder gar Monate später folgt die Offenbarung der öffentlcihen Hand. Irgendwie haben sie noch Mittel in der Hand, die bis dato nicht aufgebraucht sind. Aber es kommt der Zeitpunkt, wo auch dort die Kohle zu Ende geht und der Nachschub nicht kommt ...

Wirklich traurig, aber so läuft das wohl in jedem Land.

Ich finde es auch sehr traurig, dass zwei sehr renommierte Museen aufgrund dessen erstmal schließen müssen. Wir haben im Mai das Museo Etnografico Sardo - Costumi in Nuoro besichtigt. Auch hier handelt es sich wohl um eine "Dauerbaustelle" an der man nicht wirklich weiß, ob und wie es dort weiter geht. Ich fand das Museum übrigens sehr interessant! Oder ist gerade dieses Museum von der Schließung betroffen?


Grüssle
Jürgen
 
Jürgen,

die wirtschaftliche Entwicklung auf Sardinien hat direkt mit den Mitteln im öff. Haushalt der Insel nichts zu tun. Die Steuern werden in Rom erhoben u. an die Regionen usw. verteilt.
Sardinien sollte vielleicht z.b. die Mittel für die Fraktionen im Regionalrat in Cagliari (aus denen sich Abgeordnete fast aller Parteien schamlos bedient haben) unter die Lupe nehmen, die 6 Mio. € für den Flughafen Tortolì, welche immer noch nicht abgerufen worden sind, aus dem Haushalt herausnehmen bzw. umwidmen, usw.usw. ... dann müsste kein Museum geschlossen werden!

Günther
 
Hallo Günther,

da Sardinien den Statut der Autonomie seit 1948 besitzt haben sie dadurch die Möglichkeit die Steuern selbst zu verwalten. In Sardinien sind das 70% der eingetriebenen Steuern (http://www.reise-nach-italien.de/italien-regionen.html).

Nur: wenn die Wirtschaft lahmt fließen dadurch eben auch weniger Steuern in die Kassen. Somit hat die wirtschaftliche Entwicklung meines Erachtens schon etwas mit dem öffentlichen Haushalt zu tun.


Grüssle
Jürgen
 
Vielleicht könnte ja ein positives Handeln der Einwohner wie in Schwerte helfen.

Dort hat man ein Schwimmbad schließen wollen. Die Einwohner waren dagegen und haben einen Verein "Elsebad" ins Leben gerufen. Alles ehrenamtliche Helfer. Lediglich der Bademeister ist angestellt. Ich dachte da an eine Eintagsfliege,aber der Verein lebt noch heute, nach über 10 Jahren. Macht im Jahr mehrere Veranstaltungen u.a. am letzten Badetag im Jahr, eine Hundeparty., Poolpartys usw. und sofort. Ist in der Gewinnzone.

Sehr gelungen, das Ganze. Könnte Vielen als Vorbild dienen.Klar jammern und nach der Gemeinde/Staat rufen ist leichter.

Aua, ich weiß, jetzt bekomme ich Prügel. :oops:

Ist aber meine Meinung

Dieter
 
Hallo Zusammen,
Der Staat hat einen Etat, den teilt er auf die Regionen auf. Je nach Beschlusslage werden Schwrepunkte gesetzt. So verfahren die Regionen dann ebenfalls in ihrer Verteilung an die Kommunen. Die Autonomieregionen haben mehr Entscheidungsbefugnisse - vor allem bei Schule, Gesundheitswesen und Infrastruktur- desegen wird ihnen dafür mehr Geld zugestanden. Die Regionen haben darüber hinaus eigene Steuereinkünfte und das sind insbesoneder die IRAP (vergleichbar mit der Gewerbesteuer) und sie verfügen über einen Anteil der IVA (Mehrwertsteuer). Bei "schwarzen Jahren" bzw so wie sie beschrieben sind sinken ganz bestimmt die Einnahmen aus der IRAP. Insgesamt glaube ich aber auch, dass man den Begriff "schwarze Jahre" fast doppeltdeutig sehen kann. Ich glaube , dass in den schlechten Jahren Schwarzarbeit deutlich zunimmt - so entgehen dem Staat zusätzliche Steuern. Nimmt man die ganzen Gewerbetreibenden (Handwerk, Tourismus etc.) hat die hier nicht gezahlte Gewerbesteuer keine Auswirkungen auf den Staat, sondern auf die Region.
Was die Ehrenamtler angeht, so gibt es doch auf Sardinien schon ganz viel ehrenamtlich betriebene Museen etc durch z.B. Kooperativen. Ich sehe es wie Su Corvu, die Region muss Prioritäten setzen. Da nützt auch keine "großartige" Bewerbung , dass Cagliari irgendwann Kulturhauptstadt Europas werden soll und alles Geld da rein gebuttert wird. Derweil gehen die anderen Kommunen vor die Hunde. LG Elke
 
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Vielleicht könnte ja ein positives Handeln der Einwohner wie in Schwerte helfen.

Dort hat man ein Schwimmbad schließen wollen. Die Einwohner waren dagegen und haben einen Verein "Elsebad" ins Leben gerufen. Alles ehrenamtliche Helfer. Lediglich der Bademeister ist angestellt. Ich dachte da an eine Eintagsfliege,aber der Verein lebt noch heute, nach über 10 Jahren. Macht im Jahr mehrere Veranstaltungen u.a. am letzten Badetag im Jahr, eine Hundeparty., Poolpartys usw. und sofort. Ist in der Gewinnzone.

Sehr gelungen, das Ganze. Könnte Vielen als Vorbild dienen.Klar jammern und nach der Gemeinde/Staat rufen ist leichter.

Aua, ich weiß, jetzt bekomme ich Prügel. :oops:

Ist aber meine Meinung

Dieter


Dieter,

das ist ja ein ganz tolles Beispiel! und dann in der Gewinnzone, ist doch sicher nicht einfach für ein Schwimmbad - auguri!

Sabine
 
Sabine,

da hast Du Recht und über 100 Leute stehen immer bereit. Also wenn man will geht alles. Aber man muß eben anpacken.

LG

Dieter
 
Kurzes Update:

Bei der Schliessungs-Drohung, die von den Museen kam, war eigentlich von Anfang an klar, dass es sich um eine Drohung handelte, die ua aufzeigen sollte, dass Etatkürzungen eben negative Folgen haben. Was ja auch funktioniert und allerlei Staub aufgewirbelt hat. Damit hier nun niemand meint, die Museen seien geschlossen worden:

Das Museo Etnografico vermeldete für den Sommer 2015 (Mai - August) über 11‘000 Besucher. Das Grazia-Deledda-Museum über 7500. Die Kürzung des Etats, so hat der Direktor erklärt, hat dazu geführt, dass zB die Öffnungszeiten eingeschränkt werden mussten. Bevor mal also extra nach Nuoro fährt empfiehlt es sich, sich darüber zu informieren.

Einen Besucherrekord konnte übrigens das MAN_Museo in Nuoro verzeichnen: Gegen 30‘000 Eintritte kamen zur rund drei Monaten dauernde und heute schliessenden Ausstellung von Vivian Maier. Das Museum hat ein tolles Begleitprogramm auf die Beine gestellt, zudem hat es offensichtlich Top-Leute im Bereich Marketing/Kommunikation, was sich zB in einer FB-Präsenz niederschlägt, die keinen Vergleich zu scheuen braucht mit denjenigen von anderen Institutionen - im Gegenteil. Und parallel laufende Hirschhorn-Ausstellung hat natürlich auch zum tollen Resultat beigetragen.Complimenti!
 
Hallo Zusammen,
leider ist das nur die halbe Wahrheit. Wenn ich es richtig verstehe, müssen aufgrund Geldmangel bis zum Ende des Jahres einige Museen schliessen: Barumini, Museen von Carbonia und Sant'Antioco, das Cagliari Römisches Amphitheater, die kulturellen Zentren von Santa Cristina und Villanova Grande und viele andere Museumskomplexe der Insel. http://www.unionesarda.it/articolo/..._barumini_e_santa_cristina_sen-68-440393.html
LG Elke
 
Hallo Elke

Was ich geschrieben habe bezog sich nur auf die beiden Museen in Nuoro, den von dir verlinkten Artikel sehe ich erst jetzt.

Ich verstehe jedoch nicht, worum es jetzt genau geht.
War schon länger klar, dass die gesprochenen Gelder (14,6 statt der benötigten 17 Mio.) zu knapp bemessen sind, nur für 10 Monate reichen und nun das Risiko besteht, zwei Monate schliessen zu müssen? Oder weiss man das erst neuerdings? Wie das mit den Budgets geht in Italien ist mir einfach schleierhaft – und somit auch so ein Artikel. Um sich ein Bild zu machen fehlen eh etliche Informationen.

Mir scheint es mir, dass man sich bei solchen mit einer Art „Drohungen“ versehenen Artikeln immer auch fragen sollte, was dahinter steht – manchmal ist dies und das eben auch reichlich zugespitzt hinsichtlich erwünschter Reaktionen (siehe den Artikel von 2014, dass die beiden Museen in Nuoro geschlossen würden, das stand wirklich so in der Zeitung als es eine beschlossene Sache - ist aber letztlich nur ein Beispiel unter vielen). Wahrscheinlich geht’s gar nicht anders, wird man nur so gehört... Ich will die finanziellen Probleme, die sich dann ja immer vor allem bei den Arbeitnehmenden negativ auswirken, bestimmt nicht negieren, darum geht’s mir absolut nicht. Nur darum, dass „Aufschreck-Artikel“ eben ein düsteres Szenario malen, das eben zunächst mal ein Szenario (oft von einer Person oder von einer Gruppierung) ist und nicht die Realität. Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass eine Lösung gefunden wird, es geht da ja offensichtlich um sehr viele Arbeitsplätze.

Lg
 
Zuletzt geändert:
Hallo Maren, Du hast natürlich recht. Es wäre wohl besser gewesen die Info bezüglich der Schliessungen (bis Jahresende) zu den Kulturgütern extra zu posten und nicht in den direkten Zusammenhang zu bringen. Aber trotzdem scheint es ja zusammenzuhängen. Es zeigt zumindest auf, dass die "Kultur-Ein-Ausgabetöpfe" nicht untereinander verschoben werden (können?) - sowohl regional als überregional- um sich gegenseitig zu unterstützen. LG Elke
 
Der seinerzeitige Direktor des ISRE (Sardisches Regionalinstitut für Ethnographie), welches für die drei Museen (Casa Deledda, Volkskunde u. MAN) in Nuoro zuständig ist, hat m.E. (im Nachhinein betrachtet) der Sache keinen guten Dienst erwiesen. Wer "Hilfe" ruft, ohne unmittelbar in Gefahr zu sein, wird das nächste Mal nicht mehr ernstgenommen.

Günther
 
Hallo Elke
Ja, das wäre sicher gut, diese Info extra zu posten, falls die Museen tatsächlich geschlossen werden für 2 Monate, zunächst ist ja mal nur klar, dass das Geld offenbar nicht reichen wird.

Hallo Günther
Kan man so sehen, ich sehe es nicht so, ist aber ja egal. Nur dies: MAN hat ja gar nichts mit Ethnologie zu tun, deshalb ist ISRE meines Wissens nicht dafür zuständig.

Lg
 
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