Traditions-Wurstfabrik Murru produziert wieder
Die seit 2014 geschlossene Wurstfarik Murru aus Irgoli nimmt zum 50. Jahrestag der Gründung der Firma unter einem neuen Besitzer und Namen ("Salumeria Sarda") die Produktion wieder auf. Exportiert werden sollen die Produkte künftig verstärkt nach Deutschland u. Belgien, dank neuer Kooperationspartner in diesen Ländern. Die Mitarbeiter sollen wieder eingestellt werden. Eine gute Nachricht für die Baronia! (La Nuova, 20.9.15)

Günther
 
Neue Entwicklung bei der Wurstfabrik "Salumeria Sarda" in Irgoli: Die Firma soll jetzt von der Belegschaft übernommen werden, Geschäftsführer wird der ehemalige Bürgermeister von Irgoli (La Nuova v. 17.12.15). Die 24 MitarbeiterInnen werden im Januar die neuen Eigentümer, sichern damit ihre Arbeitsplätze und die Fortführung der Produktion, übrigens unter der alten Marke "Murru".

Also: Kauft wieder "Murru", denn jetzt können wir wohl sicher sein, dass "Wo Murru draufsteht, auch Murru drin ist" (früherer Werbe-Slogan). Das war ja zuletzt nicht mehr immer der Fall, ein großteil der "sardischen" Schweine kam bekanntlich aus Rumänien.
 
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Es ist auch klug, denke ich, trotz aller Qualitätsdefizite der letzten Jahre den Markennamen Murru beizubehalten. Irgoli ist eng mit dem Namen Murru verknüpft, viele Käufer kamen oft sogar von weiter her, um bei Murru einzukaufen.

In den vergangenen Zeit der Unsicherheiten und Entlassungen ist die Salumi Welt in Irgoli nicht still gestanden. Einzelne, frühere Angestellte von Murru haben sich inzwischen selbstständig gemacht und eine Wurstfabrikation im eigenen, kleinen Stil aufgebaut und liefern sehr gute Qualität. Auch das ist bemerkens- und beachtenswert. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und könnte für alle Ansporn sein, 1a Qualität zu produzieren. Dann, so hoffen wir mal, können alle überleben, sogar gute Geschäfte machen, im Kleinen wie im Großen.
 
"Wo Murru draufsteht, auch Murru drin ist" (früherer Werbe-Slogan). Das war ja zuletzt nicht mehr immer der Fall, ein großteil der "sardischen" Schweine kam bekanntlich aus Rumänien.

Ist dem wirklich so? Also gibt es in Sardinien tatsächlich genug Schweine, die dort aufgezogen, geschlachtet und verabeitet werden können, um den Bedarf zu decken, auch im Hochsommer?

Ich frage deshalb, weil es in Korsika (die Korsen haben es, ich wiederhole mich da, einfach 100x besser "drauf", ihre Region zu vermarkten; ausnahmslos jeder(!) Supermarkt hat da eine Regalreihe mit (insb. tierischen) Produkten aus der Region) wichtig ist, genau hinzusehen: Das Versprechen "Fabriqué en Corse" meint nämlich nur, dass das Fleisch dort verarbeitet wurde, während es zusätzlich "élevé et fabriqué" (gezüchtet und verarbeitet) gibt und ich letzten Spätsommer sogar "né, élevé, nourri et abbatu" (geboren, gezüchtet, gemästet und geschlachtet) gesehen habe. Der Bedarf an Produkten übersteigt das Angebot gerade im Sommer nämlich bei weitem, so dass viele der bemitleidenswerten Geschöpfe, die bei Tönnies und Co. im deutschen Schweinegürtel misshandelt und gemästet werden, schließlich als "korsische" Schweine enden. Ich kaufe in Korsika ggf. in den Bergerien in den Bergen, wo noch Hausschlachtung betrieben wird oder zumindest nur kurze Wege zurückgelegt werden und bin damit halbwegs auf der sicheren Seite, weil ich den zukünftigen Würsten dabei zusehen kann, wie sie leben.

Und noch eine weitere Frage: Ich bin kein Vegetarier, esse aber selten und wenn dann bewusst "gutes" Fleisch, gerne auch zu den dafür aufgerufenen Preisen. Wie steht es eigentlich um die Fleischproduktion in Sardinien? Hat man es dort mit ähnlich widerlichen Massentierhaltungsbetrieben wie in Deutschland zu tun? Gibt es so etwas wie Bio-Bauernhöfe? Werden die Wildschweine tatsächlich irgendwo in der Macchia erlegt? Ich habe wirklich keine Ahnung von der Situation in Sardinien und wäre froh über ein paar Hinweise, ob bei Murru wirklich nur Murru drin ist, oder auch jede Menge Antibiotika und tierisches Leid (abgesehen vom Schlachtungsvorgang, der sich nicht vermeiden lässt, wenn man nicht komplett auf Fleisch verzichtet)? Das würde nämlich wesentlich beeinflussen, ob ich dort mal anhalte oder nicht ... wenn die Wahl nämlich eigentlich schreckliche Bedingungen für die Tiere auf Sardinien oder auf dem Festland heißt (bzw. die Schweine gar zur Schlachtung nach Sardinien verschifft werden, siehe oben), dann verzichte ich definitiv auf beides (.)(.)
 
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meines Wissens gibt es bisher nur wilde Wildschweine, die während der Jagdsaison erlegt werden, also keine in Massen gehaltenen Wildschweine eigens für die Schlachtung...
Ich ess nicht viel Fleisch, so dreimal im Monat vielleicht, aber wenn, dann nur von kleinen Tierhaltern aus der Region.
Bio-Höfe kenne ich in Sachen Fleischproduktion keine, aber es kommt nah dran bei vielen Höfen... bue rosso, diese uralte rote Rinderrasse, die im Montiferru im Freiland lebt, esse ich zum Beispiel sehr gerne, da weiss ich, dass die Tiere ein würdevolles Leben hatten in der Herde unter freiem Himmel und sie leben mit ihren Hörnern, nicht als Verstümmelte...
Wo Murru und Co. ihr Fleisch herbekommen weiss ich nicht. Ich halte mich an die örtlichen Schafzüchter und an ausgewählte Metzgereien meines Vertrauens, wo ich weiss, wo ihre Tiere leben.
 
qwoperiu,

Die einzige deiner Fragen, die ich mit Gewissheit beantworten kann, ist die, dass jede Menge Wildschweine in Sardinien von jeder Menge Jägern jedes Jahr mit Begeisterung erlegt werden. Leider passiert es immer mal wieder, dass von privaten Jägern in den innersardischen Dörfern vergessen wird, das erlegte Schwein auf Trichinen untersuchen zu lassen. (Das kostet Zeit und Geld beim Veterinär). Mit dem Erfolg, dass nur halbgegartes Fleisch manchmal Trichinen auf den Menschen überträgt.

Aber bei einer richtigen Wurstfabrik wie Murru kann das nicht passieren. Die können es sich garnicht leisten, bei einer so wichtigen Kontrolle zu schlampen.

Dass sie Schweine auch aus Deutschland mitverarbeitet haben, war lange bekannt.
 
Das mit den Schweinen aus Rumänien war so, ist mir auch von einem Lkw-Fahrer bestätigt worden. Das kommt dabei heraus, wenn eine Firma immer mehr expandieren will. Dieser Versuchung werden die neuen Besitzer nicht erliegen, denn die Belegschaft will ja ihre Arbeitsplätze erhalten.
 
Tja, das ist der Spagat: Einerseits soll ein Unternehmen traditionell und bodenständig bleiben, nur rein sardische Produkte erzeugen, andererseits muss man expandieren und exportieren was das Zeug hält, sonst wird dem Unternehmen Stillstand vorgeworfen. Man wünscht sich die Qualität eines kleinen lokalen Metzgers und gleichzeitig die Schaffung bzw. den Erhalt vieler Arbeitsplätze. Ich hoffe für Irgoli und die Angestellten, dass Murru diesen Spagat schaftt.
 
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