SOS LAVORO
Marco hatte ja schon im November 2011 hier ausführlich über die Situation sardischer Unternehmen berichtet. Zur Ergänzung hier einige aktuelle Daten:

Unter der Überschrift "Ein Heer von 100 Tsd. in der Integrationskasse" (staatl. finanzierte Arbeitslosenkasse) berichtet die "La Nuova" am 13.9.2012 auf S. 7 über die wirtschaftliche Krise in ganz Sardinien u. illustriert den Artikel mit einer "Karte der Krise" verloren gegangener Arbeitsplätze in den letzten Jahren:

  • Petrochemie (Porto Torres): - 4.500 Arbeiter
  • Merdiana fly (Olbia): - 800 "cassaintegrati"
  • Legler (Siniscola): - 777 Arbeiter (Fabrik geschlossen seit 2003)
  • Queen (Macomer): - 200 Arbeiter (bankrott seit 2012)
  • Bonifiche Sarde (Oristano): - 90 Beschäftigte
  • Alcoa (Portovesme): 500 Arbeiter (Risiko der Schließung)
  • Euroallumina (Portovesme): 400 Arbeiter in cassa integrazione seit 2009
  • Carbosulcis (Nuraxis Figus bei Iglesias): 463 Arbeiter warten auf die Wiederaufnahme der Kohleförderung)
  • Ener.git (Cagliari): 70 Arbeiter vor der Entlassung)
  • Miniera (Silius): 121 Arbeiter, geschlossen seit 2007
  • Keller (Vilacidro): 329 Arbeiter warten auf die Verlängerung der cassa integrazione
  • Ottana: 182 Arbeiter bei Idea Motore, Cartonsarda u. Lorica freigesetzt oder in cassa integrazione
Dazu kommen unzählige kleine Firmen u. Betriebe!
Und was tut die Region? "Die Region betätigt sich als Bremser: Nur 5 Milliarden von 15 ausgegeben",
anstatt die im Haushalt zur Verfügung stehenden Mittel zur Bekämpfung der ökonomischen u. sozialen Krise einzusetzen (La Nuova 18.9.2012, S. 7).

Günther
 
das Lage ist ja schlecht.
Ob die Losung ist, weiter Milionen vom Euro in Firmen die Pleite waren und sind, ist fraglich.
 
Hallo Günther,

danke für Deinen Beitrag. Nein, man kann wenn man hier erlebt einfach nicht mehr die Augen davor verschließen und so tun als ob man das nicht sehen würde. Es machen täglich Geschäfte zu, Hotels gehen pleite und Freunde wandern ab und suchen ihr Glück woanders.

Erst heute morgen war ich in einem Motorradladen und habe das bestellte Ersatzteil abgeholt und las an der Kasse den Hinweis, daß man aufgrund der angespannten Lage leider keinen Kredit mehr gewähren könne und hörte den Hinweis des Inhabers, ich möge doch alle Ersatzteile jetzt bestellen da er seinen Laden schließen müsse. Etwas naiv fragte ich nach dem warum als es aus ihm herauszürnte: "Da ! Seh her ! Die Bank verlangt allein für die Benutzung des POS Gerätes 240 Euro im Monat und der Steuerberater schickt mir eine Rechnung über 4700 Euro und seit Monaten sehe ich kaum noch Kunden ! Ich kann nachts nicht mehr schlafen...."

Es sind diese kleinen Erlebnisse, die Ausdünnung der Geschäfte und die Schilder "vendesi", "affittasi" und "cessione attivitá" die mich die Stirn runzeln lassen und die damit einhergehende Frage, ob Sardinien das Irland der 50/60 er Jahre werden wird und die Menschen erneut beginnen auszuwandern.

Zeitgleich lese ich in der Nuova Sardegna daß die Hälfte der sardischen "consiglieri" wegen Unterschlagung und Veruntreuung vor Gericht stehen, der Arbeitsminister vor 2 Wochen bei seinem Besuch mit Steinen beworfen wurde und unter Geleitschutz nach Hause begleitet werden musste. Das Mißtrauen gegen sardische und italienische Politik sitzt so tief, daß es beinahe alle Aktivitäten lähmt.Su Corvus Zahlen und Beitrag zur Situation sind hier Tagesgespräch überall.

Ich habe es wirklich nie erlebt daß mich Menschen im Winter besuchen und nach etwas Holz fragen um ihre Häuser zu wärmen. Erst letztes Jahr passierte es mir und ich nehme an, daß es dieses Jahr mehr werden - solche Krisen haben in der sardischen Kultur auch ihr Gutes. Man rückt wieder näher zusammen.

Nachdenkliche Grüße

Marco
 
Hallo Marco,

Deine Beobachtungen teile ich. Selbst Menschen mit qualifizierter Ausbildung finden kaum Arbeit. Die jüngste Schwester meiner Frau ist seit 5 Jahren Architektin u. findet keine Arbeit (zwischendurch hatte sie eine, ist aber nie bezahlt worden). Leute aus dem Dorf leihen sich Geld von uns, u. können es nicht zurückzahlen.

Gott sei Dank gibt es manchmal auch kleine Hoffnungsschimmer, wenn Menschen Eigeninitiative zeigen: Verwandte haben hier den letzten noch verbliebenen Tante-Emma-Laden, der vor 3 Jahren dicht gemacht hatte, wieder eröffnet, der Laden läuft, wir treffen immer dort Leute an, u. haben auch selbst unsere Supermarkt-Einkäufe drastisch reduziert.

Ein anderes Beispiel: Seit wenigen Jahren gibt es im Dorf wieder ein Kulturzentrum. Natürlich verdient daran niemand einen Pfennig, im Gegenteil, aber die Lesungen, Tanzgruppen, Musik, Sprachkurse, Aktivitäten mit Kindern, Umwelt-Tage etc. bereichern das soziale Leben u. stiften auch Gemeinsinn, wie Du auch bemerkt hast. Das macht die ökonomische Situation erträglicher.

Hallo Eva,

Millionen in krisengeschüttelte Firmen zu stecken, war nicht meine Absicht, die Krise hier ist ja auch eine Folge der oft völlig verfehlten Industrialisierungspolitik auf Sardinien seit einem halben Jahrhundert. Ich sage nur Ottana. Ich meinte zukunftsträchtige Investitionen ins Bildungs-, Sozial- u. Gesundheitssystem, in die Infrastruktur der Insel, insbesondere in die Verkehrsverbindungen. Aber wenn staatliche Gelder Firmen retten sollen, dann sollten zuerst die privaten Eigner mit ihrem Vermögen zur Kasse gebeten werden. Verstaatlichung wäre auch nicht schlecht!

Günther
 
Marco hatte ja schon im November 2011 hier ausführlich über die Situation sardischer Unternehmen berichtet. Zur Ergänzung hier einige aktuelle Daten:

Unter der Überschrift "Ein Heer von 100 Tsd. in der Integrationskasse" (staatl. finanzierte Arbeitslosenkasse) berichtet die "La Nuova" am 13.9.2012 auf S. 7 über die wirtschaftliche Krise in ganz Sardinien u. illustriert den Artikel mit einer "Karte der Krise" verloren gegangener Arbeitsplätze in den letzten Jahren:

  • Petrochemie (Porto Torres): - 4.500 Arbeiter
  • Merdiana fly (Olbia): - 800 "cassaintegrati"
  • Legler (Siniscola): - 777 Arbeiter (Fabrik geschlossen seit 2003)
  • Queen (Macomer): - 200 Arbeiter (bankrott seit 2012)
  • Bonifiche Sarde (Oristano): - 90 Beschäftigte
  • Alcoa (Portovesme): 500 Arbeiter (Risiko der Schließung)
  • Euroallumina (Portovesme): 400 Arbeiter in cassa integrazione seit 2009
  • Carbosulcis (Nuraxis Figus bei Iglesias): 463 Arbeiter warten auf die Wiederaufnahme der Kohleförderung)
  • Ener.git (Cagliari): 70 Arbeiter vor der Entlassung)
  • Miniera (Silius): 121 Arbeiter, geschlossen seit 2007
  • Keller (Vilacidro): 329 Arbeiter warten auf die Verlängerung der cassa integrazione
  • Ottana: 182 Arbeiter bei Idea Motore, Cartonsarda u. Lorica freigesetzt oder in cassa integrazione
Dazu kommen unzählige kleine Firmen u. Betriebe!
Und was tut die Region? "Die Region betätigt sich als Bremser: Nur 5 Milliarden von 15 ausgegeben",
anstatt die im Haushalt zur Verfügung stehenden Mittel zur Bekämpfung der ökonomischen u. sozialen Krise einzusetzen (La Nuova 18.9.2012, S. 7).

Günther

Hallo Guenther,

Ja eine sehr gute Erklaerung die du da abgegeben hast, perfekt in allen Details ! ... ... Sardinien ist Heute so zu sagen "knock out" in allen Sektoren, schlimmer noch wie es im italienischen Festland ist, die Weltkrise ++ die immer schon falschgeleitete Industrieprogrammierung (oft fehl im Platz und ueberaltert) ist Heute das Zeugnis das wir hier auf der Insel finden.
Die Loesung ??? .. ... La Consulta wird in diesen Wochen geboren und koordiniert von vielen Berufssektoren - Freiberufler - Unternehmer - Arbeitnehmerschaften - freie Parteien - Interlekuelle u. der einfachen Buergerschaft kommt eine "geballte Voelkergemeinschaft zusammen die sich organisieren wird und sicherlich im naechsten Jahr 2013 sich zu den Wahlen stellen.

LG. Gion Loi.
 
@ Su Corvo .... Eine kurze Sprachstuetze fuer dich. ... Es heist nicht "SOS LAVORO" weil LAVORO = Arbeit auf italienisch ist. Auf sardisch nennt sich das "Trabàgliu od. Trabàllu" !!! ok nichts fuer ungut ;-))
 
Su Corvo.
Verstehe und bin einverstanden.

loi John

Wenn deine Liste zusammen zaehlen, haben wir noch nicht 8000 Arbeitsplaetze.
Jede von denen hat ind er laufenden den Jahren mehrere Milionen Euro gekostet.
Uns alle!"
Hat es ein Sinn?
Warscheinloich fuer die Politiker ja.
jede Arbeitsplatz sind mehrere Wahlstimme!
Aber nicht fuer die normale menschen die zum Leben arbeiten muessen und dafuer Ihre Steur zahlen! .
Man kann ueber alles opinionen haben, aber Mathe und Zahlen bleiben fuer alle gleich.

Was tut die region?
Die region hat aufgehoert die Wahlstimme fuer die Politiker zu zahlen und denkt endlich, dass diese Geld, irgendwie anders benutzen kann
Jede vom diese 8000 Personen wurde Heute reich sein, wenn auch nur ein kleine Einteil vom unsere bezahlte Steuer, in Ihre Tasche geflossen waere und nicht durch umwege, immer wieder in andere Taschen!

Autonomie!
mit das Geld und die Arbeit vom andere
Tolles Planung !

unsere Politische Klasse, egal welche, sollte mal anfangen sein Lohn auf die sterbliche Standard zu setzen und auf seine Priviliege zu verzichten.Dazu wenn auch ein bisschen Arbeit leisten wurde, waere es nicht schlecht!
 
John,

brauche Deine Sprachstütze nicht."SOS LAVORO" heisst die Rubrik aus der "Nuova", aus der ich zitierte, u. so habe ich es auch wiedergegeben. Ich finde es beknackt, alles "einsardischen" zu wollen. Bin für gleichberechtigte Mehrsprachigkeit u. nicht für Sprachhegemonie!

Günther
 
@ Evalein .... ganz Richtig was du da sagst, deshalb haben sich die Politiker und das ganze italienische polit System selber ein Grab gemacht. Die Buerger verstehen es Tag fuer Tag immer mehr was fuer ein "Sauhaufen" sich da breit politisiert hat. Der Tag kommt immer naeher Cappellacci der Regionalpresident Sardiniens wird nach unseren Informaten und Mitarbeiter dieses Jahr noch fallen.
 
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