Seenotrettung

Sandokan

Sehr aktives Mitglied
Hallo Sardinienforum,

wie so jeden morgen gegen halb Zehn, wenn ich früh aufstehe, so zwischen Espresso und Zähneputzen schaue ich mir systematisch in der Weltgeschichte um was da so passiert sein mag und mäandere zwischen spiegel.de, antefatto.it, corriere.it, repubblica.it und Nuova Sardegna und Unione Sarda und ergötze mich zwischen Dorfschwatz und Weltgeschehen.

Zwischen der Ankunft von Leonardo di Caprio, Cameron Diaz, Richard Gere fällt mir heute morgen folgender Artikel der Nuova Sardegna auf von heute:

CAGLIARI. Un turista di 50 anni, rimasto in balia delle onde per due ore a causa dell’affondamento del suo catamarano, è stato soccorso nel pomeriggio da una barca a vela tedesca e poi dalla Guardia costiera al largo di Torre delle Stelle, sulla costa che da Cagliari porta a Villasimius.

Secondo quanto accertato dalla Capitaneria di porto, il turista, di Ferrara, avrebbe iniziato a imbarcare acqua sul natante intorno alle 13.

L'imbarcazione è affondata in pochi istanti senza lasciare il tempo al 50enne di lanciare l'allarme.

Dopo essere rimasto a lungo in mare, intorno alle 15.30 è stato avvistato da una barca a vela con a bordo turisti tedeschi diretti a Cagliari che lo hanno soccorso e affidato poco dopo a una motovedetta della Guardia costiera.

Martin von der Age of Swan schreibt gleichzeitig 10 Minuten vorher auf Facebook:

Age of Swan Sailing
25 July
Nicht mit Foto festgehalten, aber ein besonderes Ereignis ... und hier einmal ganz nüchtern berichtet.
Auf unserem Weg nach Cagliari bemerkten wir eine Person, die im Wasser trieb und Winksignale gab, als wir uns näherten. Wir nahmen sofort die Segel weg, manövrierten die Yacht mit Motorhilfe an die Person und brachten die Badeleiter seitlich aus. Die Person war glücklicherweise trotz offensichtlicher Unterkühlung und Entkräftung noch in der Lage, an Bord zu steigen.
Wir versorgten den Mann, der ansprechbar und voll orientiert war und normalen Puls hatte, mit heißem gesüßten Tee und Banane und wickelten ihm in Fleecedecken ein. Er berichtete, sein Sportkatamaran sei vier Stunden zuvor gekentert. Über Funk nahmen wir Kontakt mit der Küstenwache in Cagliari auf, die den Geretteten zwei Stunden später am Steg in Empfang nehmen konnte.
Unser Fazit: der Mann hatte Riesenglück, dass er wenigstens eine Jollenschwimmweste trug und dass wir da noch rechtzeitig vorbeikamen und ihn bemerkten.
Das Fazit des Geretteten (das waren wirklich seine ersten Worte, nachdem er die Flagge am Heck bemerkte):"Salvato dai crucchi!

Irgendwie bemerke ich, daß alle beiden Geschichten zusammenhängen und eine Freundin die mit Martin und mir verbunden ist und im September an der hiesigen Segelregatta teilnehmen wird aus Friedrichshafen schreibt 2 Stunden später:

Ciao Marco

Wow - toll der Martin!! Das sind doch wahre Helden - wer will da schon Caprese von Di Caprio oder Diamanten von Diaz ?

Es sei dabei nur am Rande angemerkt daß wir uns alle über das Sardinienforum kennen und schätzen gelernt haben und Martin ist sicher nicht der Typ der ein großes Bohai um seine Taten macht. Dennoch finde ich, daß diese Geschichte hier ihr Plätzchen finden soll.

Just my 2 cents.

Marco
 
Ganz toll, das große Glück nach dem Unglück.

Interessant wie der Begriff "krauts" bzw. "crucchi" mit der Zeit immer positiver wird.
 
Das vergesse ich auch bestimmt nicht! Schön zu merken, dass die gelernten Routinen auf dem Boot tatsächlich auch im Ernstfall greifen. Und das muss hier gesagt werden, ich war nicht allein an Bord, sondern war mit zwei Gästen unterwegs, und die ganze Aktion war von vorn bis hinten Teamarbeit -- Entdecken, im Auge behalten, Segelbergen, Boot manövrieren, Person an Bord holen, medizinisch versorgen, Funkverkehr abwickeln, nach Cagliari fahren. Habe ich alles nicht allein gemacht.
Nur die Küstenwache hier ist ein bisschen ... eigenartig. Sie haben zwar das Boot geschickt, aber das hat uns nur auf den letzten einhundert Metern vor dem Hafen Begleitschutz gegeben, und in Empfang genommen haben sie den bereits versorgten Geretteten am Steg in Cagliari, nachdem wir angelegt hatten. Dann sind sie so schnell mit ihm verschwunden, dass sie nicht mal Zeit für Dank, Anerkennung oder Kritik hatten. Nur einen Bericht mit meiner Anschrift wollten sie nachher noch haben.
Inzwischen bin ich überzeugt, dass der Begleitschutz ein sinnvolles Manöver war, um die Presse von uns abzulenken ... und dass das auch geklappt hat ...
LG Martin
 
Hoffen wir das wir Anderen weiterhin nur Fender zum Spass, aus dem Wasser fischen müssen.
 
Ärgere dich nicht , wenn die Küstenwache sich wenig freundlich gezeigt hat, lieber Martin. Du weißt, was du/ihr geleistet habt und der Gerettete hoffentlich auch !! 4 Stunden im Wasser sind auf jeden Fall verdammt lange - ufff. Was war denn mit dem Kat? Ist er denn nicht direkt dabeigeblieben?
Auch ich kenne bisher nur die " Fender über Bord " Manöver und eine Rettungsaktion, bei der ein betrunkener Mitsegler nachts ins Wasser sprang und aufs offene Meer hinauswollte........ ( bei Nacht sehr dramatische Aktion mit gutem Ausgang)

Das Wissen, dass ihr so umsichtig gehandelt habt und erfolgreich gewesen seid, soll euch mehr wert sein als die unterlassene Anerkennung durch die Küstenwachen ( deren Verhalten ich übrigens unmöglich finde!)

lG Andrea
 
Keine Sorge ... die fehlende Anerkennung zeigt nur ein Defizit der Küstenwache, nicht etwa eins bei uns.
Der Kat war ein kleiner Sportkatamaran, so etwa Größe Hobie, und der Segler war damit allein unterwegs. Angeblich ist der Kat auch bald untergegangen (keine Ahnung, wie ... die sind praktisch unsinkbar). Einmal hat der Segler uns aber erzählt, er sei Richtung Land geschwommen, weil der Kat aufs Meer hinausgetrieben wurde. Damit hätte er dann jeden Fehler gemacht, der im Buch steht -- das besser sichtbare Wrack verlassen, die Schwimmhilfe des treibenden Wracks aufgegeben, die Distanz und die Strömungen unterschätzt und dafür die eigenen Kräfte überschätzt, und zudem noch die Wellen und den Wind falsch beurteilt. Wir hatten klar auflandigen Wind. Mit jeder halben Stunde wäre er etwas näher in die stärker befahrenen Zonen gekommen.
Und natürlich haben wir auch etwas gelernt. Ich wusste vorher jedenfalls nicht, was "crucchi" sind ...
LG Martin
 
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