Sardex

tom

Sehr aktives Mitglied
Ich bin kein Finanzgenie. Wirtschaft ist nicht mein Fachgebiet. Mit Aktien handle ich nicht. Banken sind mir suspekt.

Ich mag Tauschgeschäfte. Schon die Phönizier liebten auf Sardinien den Tauschhandel. Silber, Kupfer, Blei waren Tauschwährungen.

Und da lese ich heute vom Sardex! Man zahlt nicht in Euro .. man zahlt in Sardex. Da hatten kreative Sarden eine clevere Idee.

Sehr interessant für die regionale Wirtschaft. Eine alternative Währung? .. die Sardinien aus der Krise hilft?

http://derstandard.at/1381373591951/Auf-...Euro-der-Sardex
http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/a...le11406606.html
http://www.sardex.net/
 
Im Dorf auf Sardinien waren die Tauschgeschäfte schon immer rege - auch ohne Sardex, aber das setzt ja voraus, dass man eine Ware mit dem entsprechenden Wert zum Tausch anbieten kann, der eine hat Eier, der andere frisches Gemüse und Obst, oder Bea strickt und die Nachbarin näht. Im größeren Stil und über die Dorfgrenzen hinaus für andere Produkte als selbst produzierte Lebensmittel oder Ware finde ich das Tauschgeschäft mit Sardex eine großartige Idee.
 
Ich kenne das aus Sardinien auch, der eine hat Schweine, der andere Schafe, der dritte ist Fischer oder Gemüsebauer - die Waren werden untereinander getauscht. Sonst wäre auch oft das Überleben bei den entsprechenden Einkommen kaum möglich. Ich habe mir immer gewünscht, ich hätte auch etwas zum tauschen...
 
... es gibt so viel, was man tauschen kann, auch ohne Schafe, Gemüse etc. Manchmal sind es einfach auch besondere Fertigkeiten, besondere Talente, die vielen gar nicht so bewusst sind im Alltag... oder einfach auch 'Zeit', manche haben so viel davon, andere keine - oder meinen es zumindest...
 
Zeit und Fertigkeiten/Talente zu tauschen, egal gegen was, nennt man ARBEIT., denke ich. Damit kommt die Diskussion auf eine andere Ebene ;)
 
ach jaaaa, das tut gut zu lesen!!

ich finde es einfach nur genial, wenn sich andere formen der geschäftsbeziehungen entwickeln, jenseits der euro-tyrannei.

etwas zum tauschen findet jede/r. das kann sein, dass ich günstige flüge finde für leute, die aufs festland müssen oder ins ausland. oder vermietung des ferienhauses gegen brennholz tausche. oder ableger und jungpflanzen biete für käse. es gibt millionen möglichkeiten.

ihr in deutschland, wo ich immer öfters lese, dass sich tauschkreise etablieren, auch in kleinstädten, wo die fähigkeiten aller menschen zählen anstatt der kohle die jemand hat oder eben auch nicht hat....

il popolo siamo noi :)

christine
 
Zuletzt von einem Moderator geändert:
Zeit und Fertigkeiten/Talente zu tauschen, egal gegen was, nennt man ARBEIT., denke ich. Damit kommt die Diskussion auf eine andere Ebene ;)

Schafe aufziehen und pflegen und Gemüse anbauen sind demnach keine Arbeit?? auch das ist Arbeit bis dann getauscht werden kann, gegen was auch immer... und ebenso können immaterielle Dinge gegen 'materielle' getauscht werden, wobei Schafe für mich keine materiellen Dinge sind, sondern Lebewesen.. aber das ist dann wirklich eine andere Diskussion;
 
Doch, und ob das Arbeit ist - eine Tätigkeit zur Erzeugung von Produkten zum späteren Verkauf, hier das Aufziehen von Tieren zum Fleischverkauf oder das Anbauen von Gemüse. Eine ganz andere Art der Arbeit ist eine Leistung, die man für andere verrichtet, für die man Zeit und auch die Fähigkeit hat, wie Bäume schneiden, stricken oder mauern. Das sind zwei Paar Stiefel, aber beides ist Arbeit. Ob man diese beide Arten von Arbeit vermischen oder die eine Arbeit mit der anderen bezahlen bzw. tauschen kann? Das klingt einfach, ist es, glaube ich, aber nicht.
Ferienwohnung gegen Brennholz? Auch das klingt genial ;)
 
Mein Sohn sprach früher davon, dass er, wenn er groß ist, mal einen "Sachenmacher-Laden" aufmachen möchte. Da können dann die Leute eine Meldung hinterlassen, was sie für Sachen machen können und das wird dann gegenseitig erledigt. Dann braucht man für nichts mehr zu bezahlen.....
 
oh, dann ist dein Sohn in Sardinien ganz richtig, denn dort gibt es viele " Sachenmacher", die er koordinieren könnte;) Das klappt dort meiner Erfahrung nach spontan auch jetzt schon prima: Hilfe geben und Hife nehmen, da können wir einiges von den Sarden lernen!
 
...nur irgendwann kommt die "Finanza" und sagt euch das ein Tauschgeschäft Steuerhinterziehung ist, da ihr Vater Staat nicht mit einem Anteil Eiern zahlen könnt...
Gilt übrigens auch für den Sardex, der eigentlich eine gute Idee ist.
Schon jetzt, seit 2014, ist es ja nicht mal mehr erlaubt die Miete für eine Ferienwohnung in Bar anzunehmen...
 
Doch, und ob das Arbeit ist - eine Tätigkeit zur Erzeugung von Produkten zum späteren Verkauf, hier das Aufziehen von Tieren zum Fleischverkauf oder das Anbauen von Gemüse. Eine ganz andere Art der Arbeit ist eine Leistung, die man für andere verrichtet, für die man Zeit und auch die Fähigkeit hat, wie Bäume schneiden, stricken oder mauern. Das sind zwei Paar Stiefel, aber beides ist Arbeit. Ob man diese beide Arten von Arbeit vermischen oder die eine Arbeit mit der anderen bezahlen bzw. tauschen kann? Das klingt einfach, ist es, glaube ich, aber nicht.
Ferienwohnung gegen Brennholz? Auch das klingt genial ;)

aber es kann auch funktionieren - manches ist dann einfach Verhandlungssache - das ist doch auch bei dem Tauschbeispiel Schaf gegen Gemüse so, mal mehr Schaf für Gemüse, mal weniger.... und warum nicht auch bei materiellen Dingen gegen immaterielle, warum nicht Englisch- oder Italienischunterricht gegen Gemüse? ich sehe hier nicht das Problem der unterschiedlichen Tausch'gegenstände', sondern mehr das Sich-Lösen von Geldgeschäften und den gängigen Clichées was wie viel Wert ist... hier wird es dann wirklich spannend... denn warum haben denn bestimmte Dinge und Gegenstände ihre Werte, das ist dann doch nicht der Materialwert x Arbeitsstunden x sonstige Kosten bis zum Verkauf, sondern es sind Marken oder ein bestimmtes Lebensgefühl oder Luxusgefühl oder was auch immer den Preis der verschiedenen oft überflüssigen Konsumartikel ausmacht;
 
Das ist alles schön und gut und ist auch gängige Praxis. Muß aber Orientale Sarda leider Recht geben. Das Finanzamt will bei diesem Spiel gerne mitmachen.
Könnte ja auch bunte Blüten treiben. Hochzeitskapelle spielt nur für die Verpflegung. :)

Trotzdem ist die Idee gut und funktioniert auch in verschiedenen Gegenden. Soviel ich weiß, in Deutschland und in Belgien.

LG

Dieter
 
...nur irgendwann kommt die "Finanza" und sagt euch das ein Tauschgeschäft Steuerhinterziehung ist, da ihr Vater Staat nicht mit einem Anteil Eiern zahlen könnt...
Gilt übrigens auch für den Sardex, der eigentlich eine gute Idee ist.
Schon jetzt, seit 2014, ist es ja nicht mal mehr erlaubt die Miete für eine Ferienwohnung in Bar anzunehmen...

von dem einen Extrem ins andere, so scheint es manchmal; sicher haben 'Tauschgeschäfte' ihre Grenzen und eine eigene 'Währung' ist noch einmal eine ganz andere Sache; allerdings gibt es ja auch noch eine andere Seite des Tauschens oder des in einer funktionierenden 'Kommune mit Austauschcharakter' zu leben - die Zwischenmenschlichkeit ist auf einem ganz anderen Niveau als in einer reinen 'Geldgeschäftswelt';
 
Wir diskutieren über 3 verschiedene Dinge: Sardex, Tauschbörsen und Nachbarschaftshilfe auf Sardinien. Da gerät leicht was durcheinander.

Sardex ist, wenn ich die Links von Tom richtig verstehe, eine Gemeinschaft von Produzenten auf Sardinien, die die mangelnde Geldzirkulation wegen der Finanzkrise durch die Einführung des Sardex überbrücken und so die Produktion sichern und den Vertrieb ihrer regionalen Produkte ankurbeln wollen. Das scheint zu klappen, und Steuern zahlen sie auch. Es handelt sich also nicht um Steuerhinterziehung. Dieser Tauschring hat mit Privatleuten nichts zu tun, es ist ein Netzwerk von Unternehmern. Mal sehen, wie das weiter geht.

Händler und Privatleute können in sog. Tauschbörsen auch Gegenstände, Produkte, Dienste, einfach alles tauschen, es müssen aber Rechnungen erstellt werden, die vom Fiskus bewertet werden. Denn auch mit einem Tausch kann Gewinn erzielt werden. Also, einfach einen Sachenmacher-Laden aufmachen und tauschen und niemand braucht was zu bezahlen, ist leider nicht immer richtig.:(

Die Nachbarschaftshilfe ist der Tausch von jeweils überschüssigen Produkten der Familien untereinander, der auf Sardinien noch so wunderbar klappt und der so manchen Familien hilft, über die Runden zu kommen, was Sabina so schön mit "Kommune mit Austauschcharakter" beschrieben hat. Arbeiten und Dienste im Rahmen der Nachbarschaftshilfe geraten allerdings leicht in die Grauzone, die schnell schwarz werden kann.;)

Sehe ich das richtig? Nur zu meinem eigenen Verständnis, weil ich das Gefühl habe, wir reden ab und zu aneinander vorbei.

Übrigens, ein sehr interessantes Thema und eine tolle, angeregte Diskussion.

LG
Georgie
 
So wie Georgie das sieht, ist es in sich - für mich - schlüssig.
Ich denke nicht, das die Finanza antreten wird, wenn man 10 Eier gegen ein Kilo Paprika eintauscht, das wäre ja noch schöner...
Dann dürfte man auch keinen Geschäftspartner mehr zum Essen einladen, das wäre nämlich Bestechung - und wir hätten deutsche Verhältnisse :)
Es wird wahrscheinlich irgendeine imaginäre Bemessungsgrenze geben - vielleicht.
Gerade das aneinander vorbeireden macht es hier übrigens ausgesprochen witzig - finde ich :)
 
Gerade das aneinander vorbeireden macht es hier übrigens ausgesprochen witzig - finde ich :)

hai ragione, empfinde ich selber auch; allerdings ist es nicht so sehr aneinander vorbei, sondern mehr aus anderen Blickrichtungen oder mit anderen Denkweisen.... mir steht nicht so sehr die - wissenschaftlich oder finanztechnisch - völlig korrekte Abgrenzung im Vordergrund, Georgie hat das oben gut beschrieben, sondern vielmehr die Begeisterung für Alternativen zur 'gemeinen' Geldwirtschaft und die zwischenmenschliche Komponente!! ich schreibe dann immer aus dem Bauch heraus....
 
Ciao Georgie,

vielen Dank für die tolle Erklärung. Jetzt versteht das sogar eine Blondine ... :D

Im Prinzip ist das doch ein ganz toller Gedanke mit diesem Sardex als Ersatzwährung. Der könnte den kleinen sardischen Unternehmen vielleicht wirklich helfen, aus der Krise erfolgreich wieder herauszukommen.

LG - Barbara ;)
 
Zu alternativen (Selbsthilfe-) Projekten in Zeiten der Krise auf Sardinien hatten wir ja schon einmal eine Rubrik eröffnet. Da gab es gute Beiträge, aber leider ist die nach kurzer Zeit eingeschlafen. Mein Vorschlag war damals, reihum die Projekte zu besuchen und so einen produktiven Erfahrungsaustausch in Gang zu bringen.

Günther
 
Zuletzt geändert:
Eine gute Möglichkeit zur Stützung der sardischen Wirtschaft ist, dass wir, besonders die, die ein Domizil auf Sardinien haben, auch unsere Produkte auf Sardinien kaufen und nicht aus Deutschland mitbringen. Ich weiß, dass die Qualität z.B. von Elektrogeräten wie Kühlschränke und Heißwasserboiler, etc. oftmals nicht so gut ist, aber trotzdem, wenn uns Sardinien am Herzen liegt, sollten wir auch dort ganz verstärkt unser Geld ausgeben.
 
Zuletzt geändert:
Hallo Georgie,

genau richtig, Produkte auf der Insel kaufen. Zur Qualität von Elektrogeräten: Schon vor über 30 Jahren kam der Großteil der "weißen Ware" in D. aus Italien u. wurde unter "Siemens" usw. verkauft. Heißwasserboiler hier sind oft falsch montiert, es fehlen Ventile, so gehen sie schneller kaputt. Unser Ariston-Boiler hat 10 J. gehalten. Der von Stiebel-Eltron in D. hält allerdings schon viel länger, kostete aber auch mehr als das Zehnfache.

Von den Spenden für das Projekt "Hilfe für Torpè u. Region" kaufen wir übrigens Elektrogeräte u. Möbel nur bei Geschäften hier in der Gegend, die nagen ja auch fast alle am Hungertuch.

Günther
 
Eine gute Möglichkeit zur Stützung der sardischen Wirtschaft ist, dass wir, besonders die, die ein Domizil auf Sardinien haben, auch unsere Produkte auf Sardinien kaufen und nicht aus Deutschland mitbringen. Ich weiß, dass die Qualität z.B. von Elektrogeräten wie Kühlschränke und Heißwasserboiler, etc. oftmals nicht so gut ist, aber trotzdem, wenn uns Sardinien am Herzen liegt, sollten wir auch dort ganz verstärkt unser Geld ausgeben.
vero, nach Möglichkeit sollte 'man' immer regional kaufen, ob im Grossen oder im Kleinen...;

leider lebe ich - noch nicht - dauerhaft in Sardinien, das ist mein ganz GROSSER TRAUM für meine Zukunft.. wenn ich, wie im letzten Sommer, in Sardinien arbeite, kaufe ich immer alles in den kleinen Läden vor Ort (Santa Teresa), oder bei den Cooperativen und Erzeugern direkt; auch meine Gäste schleppe ich immer in die kleinen Lebensmittelläden etc, und cooperiere bei den Weinproben mit den kleinen Erzeugern vor Ort; auch für die Bootsausflüge in das Archipel habe ich mir einen ehemaligen Fischer gesucht und 'schleppe' meine Gäste auf sein Boot und nicht auf die der grossen Anbieter; werde das alles hoffentlich noch weiter ausbauen können;
 
Hallo Sabina,

so versuchen wir das auch. Leider gibt es einige (nicht arme) deutsche Freunde, die anstatt im Dorfladen aus Geiz bei Eurospin kaufen :mad:
 
Hallo Günther,

ja, das ist tatsächlich oft so, dass gerade die Leutchen mit viel Geld es so machen... manchmal fragt man sich warum?? ist es 'nur' Geiz oder auch einfach Ignoranz und Blödheit (??)
Mir hat es im letzten Sommer oft im wahrsten Wortsinn das Herz zerissen, wenn ich am Strand Männer gesehen habe, die Pecorino verkaufen wollten... und das meistens nicht klappte;
 
Und wenn man schon einmal im Supermarkt einkaufen will, dann z.b. bei Conad/Leclerc. Das ist eine Genossenschaft. Außerdem gibt es dort auf S. regelmäßig sard. Produkte zu kaufen, im derzeitigen Prospekt immerhin 4 gr. Seiten. Das ist auch Unterstützung für sard. Produzenten. Auch bei Auchan gibt es viele sard. Produkte. Wir kaufen nach Möglichkeit aber nur noch in unserem Dorfladen, da hängen 2 Arbeitsplätze dran, und wenn der auch noch schließt, sind wir dran und müssen uns ins Auto schmeissen u. nach Budoni düsen, h/z 14 km!

Gott sei dank läuft der Dorfladen in Brunella gut, aber leider auch, weil in den Nachbardörfern fast alle Läden dicht gemacht haben.

Günther
 
Günther,

ist das wirklich so mit dem Leclerc?? ist denn E. Leclerc nicht dieser französische Supermarktriese? ich kenne den von vielen Frankreichreisen, auch wenn es lange her ist...
 
Ich kaufe auch fast alles hier im Ort....wir sind zum Glück Selbstversorger,Schafe.Lamm,Ferkel,Pecorino,Ricotta und Obst und Gemüse
baut mein Freund selbst an...nicht im grossen Stil::: für uns und um mit denen zu tauschen die was haben was wir nicht haben.
Natürlich kaufe ich ab und zu auch mal Bananen aber ich halte mich daran zu essen was gerade Saison hat.Obwohl uns das
Unwetter im November viel genommen hat :( Aber ich will nicht klagen andere hat es schlimmer getroffen.
Kann mir jemand sagen von wo der LD ist?
LG Manuel
 
Sabina,ja, das ist er, "Hypermarché". Trotzdem ist das eine Genossenschaft, oder Cooperative, wie der Franzose sagen würde. Conad ist auch eine Genossenschaft, ein Zusammenschluss regionaler Genossenschaften u. selbständiger Einzelhändler. Bei den Ipermercati Leclerc/Conad kooperieren die. Das mit den vielen regionalen sard. Produkten stimmt schon. Und da die ja von der Insel kommen, profitieren davon auch kleinere Produzenten.

Günther
 
Manuel,
kommt drauf an, wo Du wohnst. Unser nächster LD ist in Siniscola, aus Richtung Olbia kommend am Ortseingang.
Günther
 
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