planet.e : Reportage über Salto di Quirra

xandra

Sehr aktives Mitglied
Am kommenden Sonntag ab 13.30 sendet das ZDF eine Reportage über Salto di Quirra unter der Rubrik planet.e : Sardiniens tödliches Geheimnis
Habe gerade im Mittagsmagazin einen kurzen Beitrag dazu gesehen, scheint sehr interessant zu werden.

LG Alex
 
Ich hab den Beitrag auch gerade gesehen und in der Programmvorschau Näheres dazu gefunden. Wird wohl nicht sehr erbaulich.
ADMIN: Vielleicht passt das Thema besser in das Unterforum "Gesellschaft und Politik".

Sardinien gilt als Bilderbuchinsel mit traumhaften Sandstränden und kristallklarem Wasser. Was aber kaum jemand weiss: Auf der Mittelmeerinsel liegt der grösste Truppenübungsplatz der NATO in Europa: Poligono Sperimentale Interforze del Salto di Quirra. Das zirka 130 Quadratkilometer grosse Sperrgebiet erstreckt sich im Osten Sardiniens bis weit in das Meer hinein. Hier trainieren die Truppen der NATO-Mitglieder und anderer Staaten für den Ernstfall. Und sie nutzen das Gelände zur Erprobung neuer Raketen und Munition. Waffen, deren Zusammensetzung und Bau in der Regel nur sie kennen. Was dabei in die Luft, den Boden oder das Wasser gelangt, weiss niemand so genau. Seit Jahren beklagen die Hirten der Region Missbildungen bei neugeborenen Schafen und Kühen. Ungewöhnlich viele Zivilisten und Soldaten erkranken an Lymphomen und Leukämie. War es abgereichertes Uran in so genannter DU-Munition, das hier zum Einsatz kam? Vieles spricht dafür. Denn abgereichertes Uran ist extrem giftig, und es ist radioaktiv. Eine andere Quelle von Radioaktivität könnte Thorium sein - ein ebenfalls gesundheitsschädliches Gift. Der Sarde Pitzente Bianco lebt in Berlin und setzt sich seit langem dafür ein, dass die Missbildungen und Erkrankungen in der Umgebung von Salto di Quirra bekannt werden. Während seiner Reise nach Sardinien hat "planet e." ihn bei seinen Recherchen begleitet. Bianco geht der Frage nach, was die Menschen und Tiere so krank gemacht hat beziehungsweise noch immer krank macht. Er trifft den Staatsanwalt Dr. Domenico Fiordalisi, der seit Januar 2011 wegen Umweltverschmutzung und fahrlässiger Tötung ermittelt. Fiordalisi setzte die umfangreichste Untersuchung, die es je auf einem militärischen Gelände gab, in Gang. Er fördert zu Tage, dass auf einem bestimmten Sektor des Militärgebiets alte, unbrauchbare Waffen, unter anderem auch Napalmbomben, per Explosion entsorgt worden sind. Jede weitere Explosion in der Umgebung wirbelte mit Giften und Schwermetallen belasteten Staub auf, den der Wind in die umliegenden Dörfer trug. Wie Bianco von einer in die Untersuchungen involvierten Wissenschaftlerin erfährt, findet sich dieser so genannte Kriegsstaub in Form winziger Partikel im Gewebe missgebildeter Tiere und erkrankter Soldaten wieder. Neben der Analyse des Geländes ordnete Fiordalisi die Exhumierung von 20 verstorbenen Hirten an. Er liess ihre Knochen auf abgereichertes Uran und Thorium hin untersuchen. Abgereichertes Uran wird nicht entdeckt. Weder auf dem Militärgelände noch in den Knochen der Leichen. Erhöhte Werte von Thorium entdecken die Wissenschaftler aber schon. Nach Angaben des Staatsanwaltes ist der Thoriumgehalt auf dem Sperrgebiet dort erhöht, wo MILAN-Raketen der Baureihe vor 1999 zum Einsatz kamen. Bis 1999 enthielten diese Lenkflugkörper aus deutsch-französischer Entwicklung Thorium. In Salto di Quirra wurden sie in grosser Zahl getestet. Erhöhte Thorium-Gehalte finden sich auch in den Knochen der Hirten, die sich zu Lebzeiten häufig auf dem Gelände aufhielten. Thorium hat eine Halbwertszeit von 14,05 Milliarden Jahren. Nach etwa 25 bis 30 Jahren hat es seine maximale Gefährlichkeit erreicht, weil es nach Ablauf dieser Zeit Nuklide bildet, die noch gefährlicher sind als es selbst. "Wir erleben jetzt die Konsequenzen der Waffen, die in den 80er Jahren hergestellt worden sind", bemerkt der Staatsanwalt in seinem Gespräch mit Pitzente Bianco.
planet e.: Sardiniens tödliches Geheimnis - Nächste Sendetermine:

Mo. 27.08.
03:55-04:25 Uhr
planet e.: Sardiniens tödliche...
(Wdh
 
Über Salto di Quirra ist in dt. Medien ja schon viel Falsches berichtet worden. Etwas davon habe ich vor einiger Zeit in einem Leserbrief an die TAZ moniert. Den stelle ich hier demnächst wieder ein. Zunächst nur dieses:

"Auf der Mittelmeerinsel liegt der grösste Truppenübungsplatz der NATO in Europa"

Die NATO hat mit Salto di Quirra nichts zu tun (ebensowenig wie der ital.-dt. Luftwaffenstützpunkt Decimomannu!). Der "Truppenübungsplatz" u. was dort passiert liegt allein in der Verantwortung des ital. Staates. Und wenn die NATO da mit ins Spiel gebracht wird, soll das ganz offensichtlich von der Verantwortung Italiens ablenken.

Günther
 
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