House Warming Party und generelles Leute-Kennenlernen

bvc2002

Mitglied
Hallihallo,

Ich haette gerne mal den Rat von ein paar Ansaessigen. Wie macht man es denn auf Sardinien, wenn man irgendwo neu einzieht?

Aus Deutschland und England kenne ich es, dass man bei den Nachbarn klingelt, sich vorstellt, und dann alle zu einer House Warming Party zu sich einlaedt. Das macht ja auch Sinn, weil man so alle gleich kennenlernt

Ist das denn auch auf Sardinien ueblich? Ich ziehe bald nach Cagliari und moechte mich nicht sofort in die Nesseln setzen, weil ich mich benehme wie die Axt im Walde. Andererseits kenne ich niemanden und es waere schoen, auf diese Art zwanglos ein paar Leute im Haus kennen zu lernen.

Ueber andere Tipps zum Leute-Kennenlernen waere ich sehr dankbar. Ich bin Mitte fuenfzig und ueber das Alter hinaus, wo ich allein losziehen und davon ausgehen kann, jemanden kennen zu lernen. Ausserdem ist es nicht mein Stil, mich so einfach anquatschen zu lassen. Ich finde das Kennenlernen in einem spezifischen Umfeld leichter, wie z.B. der Kirche. Einen der Rotary Clubs in Cagliari habe ich schon angeschrieben, ob ich vielleicht mal zu einem Treffen kommen koennte, weil mein Mann Rotarier ist, aber die haben gar nicht erst geantwortet.

Also bitte her mit euren Tipps, falls ihr welche habt. :)

Allles Liebe und vielen Dank schon mal im Voraus,

Bettina
 
Also ehrlich da hab ich mir noch nie nen Kopp drum gemacht.
Ist hier im Dorf aber auch was anderes als in der Metropole. Die einen Nachbarn hab ich angequatscht ob ich mal Strom für ein paar Tage gegen kleines Bakschich haben könnte. Seitdem schreiben wir uns zu Ostern Weihnachten per SMS Grüße. Die Anderen haben einfach mal den Kopf aus dem Fenster gestreckt und Ciao gesagt. Andere hab ich auf der Straße und im Nego getroffen und in einem kleinem Dorf spricht sich das eh schnell rum das da jemand zugezogen ist. Hier kennt eh fast jeder jeden der jeden kennt. Und ein freundliches buon giorno hat auch fast jeder übrig. Na ja und dann gibt es ja noch die ständigen Feste um zu sehen und gesehen zu werden.
Keine Ahnung wie das in Cagliari ist.
 
sowas ist in Sardinien und ganz besonders in Cagliari sicher nicht üblich...
Aber warum nicht?
Auch die Sarden sind durchaus lernfähig und die jüngeren freuen sich bestimmt über so eine Einladung.
Ich würde es allerdings nicht gleich als Party bezeichnen, sondern ganz formlos eine Einladung zu einem
kleinen "rinfresco" oder caffé aussprechen.
Die Idee finde ich auf jeden Fall gut!
Wir haben damals zu unserer Hochzeit (nachdem wir erst 6 Monate hier lebten) auch das Tor
aufgemacht und alle Nachbarn eingeladen, auf ein Glas Wein vorbei zu schauen -
so etwa ein Drittel ist auch gekommen....
 
Hallo Bettina,

mach Dir da keine übertriebenen Gedanken. Als ich meine Stelle in Mainz angetreten habe, habe ich alle KollegInnen zu mir eingeladen. Gekommen ist niemand. Zu meiner Verabschiedung aber alle! (wahrscheinlich aus gutem Grund).
Lerne doch erstmal Deine Nachbarschaft etwas kennen, und dann siehst Du, was gut wäre.

Grüße von der Insel (ich lebe hier),

Günther
 
Hallo Bettina

Ich sitze abends oft an der Chiesa e Cripta del Santo Sepolcro (Kirche), Piazza S. Sepolcro, 5 in der Altstadt Cagliaris mit etwa 30 anderen Italienern, Franzosen und Erasmus Studenten aus Deutschland. Dies ist jeden Abend ein Treffpunkt für Leute die bei einer Flasche Ichnusa Bier einfach nur reden wollen. Ein weitere Treff wäre das Cuban Cafe an der Via Lodovico baylle 77. Dort wird am Sonntag getanzt. Salsa, Merenge etc. Neben der Bastione S. Remy wird am Samstag und Sonntag Tango getanzt. Normalerweise ist das direkt auf der Bastione, die wird aber leider im Moment umgebaut (Plastikmauern auf Steinwand - damit sich nicht mehr Leute umbringen könne :( dauert bis Oktober 2016. Bis adhin gibt es den Tango nahe dem Theater an der Bastione.

Gehe in Cagliari einfach vor die Tür - die beste Zeit ist ab 22:00 Uhr - und schaue was so passiert.

Grüße
 
ja bitte, denn ich habe auch vor, cagliari heimzusuchen. entweder im herbst oder nächstes frühjahr. dann würde ich mit dir auch gern mal einen espresso trinken (oder ichnusa oder irgendwas).

lg anke, die einen guten start wünscht und sich keine sorgen um dich macht bzgl anschluss finden :)
 
Hallo Bettina, (toller Name ;)) ich glaube auch das die Cagliaritaner weniger auf solche Partys gewohnt sind und wuerde mich auch erst mal in aller Ruhe in der Gegend umschauen. Aber die Sarden sind doch beruehmt (oder nicht? ) wegen ihrer warmhertzlichen Empfaenge. Also da DU in diesen Fall die Neue bist solltest du eher eine Einladung bekommen und wenn nicht wenichstens einen netten Gruss :) In kleineren Orten ist das noch ueblich und ich kann dir sofort ein praktisches Beispiel nennen: als ich vor 8 Jahren von der eher anonymen Stadt Quartu S.Elena nach Sinnai zog (immerhin 16.000 Einwohner) kam gleich die Nachbarin mit frischgebacknem Brot zu mir und stellte sich vor. Noch heute in einem Todesfall ist es ueblich fuer die Verwandten der Betroffenen zu Kochen und ich persoenlich habe mit der Nachbarschaft ein guten Verhaeltnis aufgebaut. In Cagliari sind diese Traditionen zwar bekannt aber weniger oder garnicht mehr ueblich. Also Take it easy und vielleicht ueberrascht dich ja doch jemand mit einem Capuccino :) Vielleicht hast du ja Lust dich zu melden wenn der Umzug soweit ist. LG Bettina
 
Hallo Bettina, ok ich lebe hier in einem kleinen Nest und auch immer nur zeitweise, aber als ich hier am renovieren war, sind hier viele vorbei gekommen und Ciao zu sagen und weil sie neugierig waren auf die "Neue" aus Deutschland, ich habe zum Kaffee eingeladen und wurde eingeladen, ganz unkompliziert. Und wenn du da bist, dann schließe ich mit der anderen Bettina an, melde dich. Vielleicht bin ich ja auch noch hier...oder dann schon wieder Gruß Tina
 
Die Sarden sind generell zurückhaltend, erwarten erst mal gar nichts von dir, eher wirst du in der Bar eingeladen, ohne große Worte und ohne dass du wirklich weißt, von wem genau - sardische Gastfreundschaft. Wenn du sofort auf sie mit einer Einladung zugehst, wird sie das eher befremden. Man grüßt sich freundlich und wechselt ein paar Worte, das reicht für's Erste. Alles wird sich ergeben. Mach dir keine Gedanken. Und noch was, die Menschen/Nachbarn sind bei aller Zurückhaltung auch neugierig. Sie fragen einen gerne aus. Man muss ja nicht gleich alles von sich preisgeben.;)
Einen guten Start wünscht
Georgie
 
Zuletzt geändert:
Und noch was zu diesem Thema (ist mit diese Nacht eingefallen, dass ich dir das noch unbedingt schreiben müsse :))
Es ist eigentlich nur eine Vertiefung dessen, was ich oben schon geschrieben habe.
Die Sarden lassen auch unter sich niemanden so schnell in ihr Haus. Gespräche unter Nachbarn finden häufig nur am Hoftor oder an der Haustüre statt. Man lebt ein Leben lang miteinander, oft ohne jemals das Innere des Nachbarhauses gesehen zu haben. Das hat auch was mit Abschottung und ein auf Sardinien althergebrachtes (angebrachtes?:() Misstrauen zu tun, "my home is my castle". Das sieht man schon an der Architektur der Häuser und Höfe. Hohe, nicht einsehbare Hofmauern meist komplett geschlossene eiserne Hoftore, Gitter an den Fenstern. Das sagt was aus.
Die jungen Leute sehen das vielleicht heute etwas anders, sie werden offener. Trotzdem, die Mauern bleiben.

PS: Deshalb bin ich auch gegen "Streetview". Hier wird über hohe Hofmauern hinweg gefilmt und ins Netz gestellt - für mich eine Respektlosigkeit und Missachtung der Privatsphäre. Auf Sardinien ist es unüblich, auch nur im Vorbeigehen in Höfe zu schauen.
 
Hallo Georgie
Du schreibst: "Die Sarden lassen auch unter sich niemanden so schnell in ihr Haus."

Das trifft für Cagliari nicht unbedingt zu. Mein Sohn ist erst zwei Wochen in Cagliari und hat heute seine zweite Einladung in fremde Wohnungen. Als ich meine erste Zeit in Cagliari verbrachte, hat es auch nur 2 Wochen gedauert bis ich zum Essen etc. eingeladen wurde. Wie das in anderen Teilen der Insel aussieht, kann ich nicht sagen.

Grüße
 
ja, da gibt es sicherlich Unterschiede zwischen Stadt und Land, früher und heute ... etc. Ich rede von meinen Erfahrungen auf dem Land. Man lädt in die cucina rustica oder ins campagna ein, selten in den privaten Wohnbereich. Aber wie gesagt, das kann man nicht pauschal sagen.
LG
Georgie
 
Unser Dorf hat rund 250 Einwohner. Viele davon sind Verwandte. Da kommt man auch nicht immer, aber öfter auch ins Wohnzimmer. Und alle kommen bei einer Beerdigung ins Haus.
 
Eine ganz alte Gewohnheit hat sich auf dem Lande gehalten. Selbst wenn eine Tür einladend offen steht, geht man nie durch in die Privatsphäre der Menschen. Man ruft lauthals: Ist jemand da, oder Hallo oder einen Namen. Erst wenn man als Antwort "Avanti" bekommt, geht man weiter. (Sollte eigentlich überall so Sitte sein.)

Wir hatten nur einen einzigen Gartennachbarn. Wir verstanden uns so gut, dass wir ein Türchen in unseren angrenzenden Zaun machten um uns den Umweg aussen rum zu sparen. Aber niemals betraten wir des anderen Grundstück ohne uns laut anzumelden.

Mit Lob, speziell gegen Ausländer, sind Sarden recht sparsam. Dass unser Nachbar nach über 10 Jahren eines Tages sagte beim Reinkommen: "Na, jetzt sieht man ja, was es mal werden soll" hat mich ein bisschen stolz gemacht.
 
Hallo Bettina

Ein Nachtrag von mir: Angeregt von dieser Diskussion habe ich mich vor zwei Tagen mit einem 30-jährigen Italiener und einer 28-jährigen Italienerin in Cagliari unterhalten. Beide sind auf der Insel geboren.

Wegen des langen Verhältnisses zur Mutter haben viele Männer oft Bindungsängste. Das gleichen Problem besteht oft auch bei einer normalen Diskussion ohne Bindungswunsch. Unterhaltungs-Partner dürfen hier auf keinen Fall kompliziert sein, das kennt der Sarde schon von zu Hause. Das Schöne (auch wenn die meisten nicht viel davon haben), geben die Sarden gerne viel Geld aus, sind sehr großzügig und erwarten keine besonderen extrovertierten Menschen mit einer ausgeprägten Fähigkeiten zur Diskussion. Soll heißen, Smalltalk reicht für die ersten paar Monate. Wenn die Sarden keine Lust haben, zu reden, können Sie auch einfach mal die Klappe halten - genüsslich eine rauchen, das stört hier niemanden. Wenn das Thema den Poltik sein muß, obwohl ich die ersten Wochen davon abrate, nehme den Herrn Silvio Berlusconi - der wurde von den meisten Sarden nicht gewählt. Berlusconi findet die Italiener nicht sehr "helle". Dieses Wort haben hier noch viele im Kopf! Mutti Angela kennt hier auch jeder, wegen Ihres ausgeprägten Sinn für stylische Klamotten. Jemanden telefonierend oder am Handy schreibend anzusprechen, geht hier gar nicht. Italienischkenntnisse sind von Vorteil. Sie beeindrucken und die Sarden sind keine ausgesprochenen Sprachgenies. Du kannst nicht erwarten, das sich dein Gegenüber problemlos auf Englisch mit dir verständigen kann. Falls es dann mal in ein Restaurant oder Cafe geht - mit zwei oder mehr Personen - bezahlt eine(r) die Rechnung. Das Aufteilen der Rechnung beim Kellner ist hier nicht erwünscht. Beim nächsten Mal bezahlt jemand anders.

Jetzt noch ein Zitat von jemanden, der mich beschreibt - als ich meinen ersten Aufenthalt hier hatte. "Als ich dich zum ersten Mal in kurzen Hosen sah, so groß und weiß, kamst du mir komisch vor."

Ansonsten kann auch dieser Link eine Hilfe sein:
http://www.slf.ruhr-uni-bochum.de/etandem/etindex-de.html

Grüße
 
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