Heinz

Sandokan

Sehr aktives Mitglied
Liebes Sardinienforum,

wie manche von Euch mitbekommen haben, ist mein Freund Heinz in der Nacht zum 04.01.2015 im Alter von 74 Jahren auf dem Weg ins Krankenhaus nach Olbia verstorben.

Ich sitze gerade hier in meinem Haus am Meer und mein Kopf und meine Erinnerungen an ihn rumoren gewaltig und lassen mir keine Ruh'. Zu sehr sind meine Erinnerungen lebendig und zu sehr mochte ich diesen kauzigen Kerl, als daß ich so tun könne daß mich das kalt lässt. Das tut es mitnichten.

Ich habe Heinz aus Agesi (Agesi ist der Hausberg von Baja Sardinia) 1997 kennengelernt und in Kürze machte er sich aufgrund meiner notorischen Zigarettendreherei sehr über mich lustig. Ich muß zugeben, daß ich ein Faible für Menschen haben die mich nicht ganz für voll nehmen und über mich lachen können, habe. Nun - Heinz, ehemaliger Taxifahrer aus Leverkusen und ein echter "rheinischer Jong", war so einer.

Ich fand ihn zu Beginn auch recht schräg mit seinem Stiernacken und seiner imposanten Museklgestalt, habe aber ser schnell bemerkt, daß dieser Mensch für jeglichen Schabernack zu haben ist und Sardinien mindestens genauso liebt wie ich. Der klassische freundliche Riese eben.

Einmal zwischen uns die Freundschaft beschlossen, erzählte er mir gern über seine Ankunft in Sardinien, die Freundschaften, die Tauchausflüge in 100 Metern Tiefe in den 70er Jahren, die Amphoren und Römerschiffe im Untergrund in der Cala Moresca und in der Figarole. Er erzählte mir über seine Tauchunfälle und Aufenthalte in der Druckkammer auf der Maddalena (damals noch bei den Amerikanern) und seiner großen Taucherleidenschaft.

Als Ihm nach etlichen Tauchunfällen und aufgrund der Arbeit die deutschen Ärzte rieten kürzer zu treten, ließ er sich in Baja Sardinia nieder und hat mit seiner Frau Marlies seinen Lebensabend in der Costa Smeralda verbracht und unsere Freundschaft hat sich im Laufe der Jahre vertieft. Heinz kam täglich zum obligatorischen Frühstückskaffee vorbei, hatte meine Hausschlüssel und die Fernbedienung für mein Tor. Da ihn zumeist mehrere Doggen begrüßten, hatte Heinz bis zuletzt immer eine Packung an Hundekuchen mit dabei und schon um 10 Uhr morgens wurden in der Regel die Hunde nervös ob der Erwartung des täglichen Besuchs.

Ich erinnere mich noch als sei es gestern, als ich Heinz 2009 sagte, daß ich noch so einen Kerl in der Nachbarschaft kenne der genauso einen rheinischen/kölschen Slang spricht wie er und stellte ihm dem "Franz" aus Cannigione vor was ich auch tat. Innert 2 Minuten hatten Heinz und Franz Freundschaft geschlossen und ich hätte mich auch getrost aus dem Fenster werfen können, die beiden hätte das sicher nicht sonderlich interessiert. Diese Freundschaft zwischen Franz und Heinz blieb bis zum letzten Tag und ich habe es immer genossen, die beiden mit "wat"und "dat" im kölsche Släng zu hören.

Ich selbst fand Heinz immer äußerst amüsant. Er hatte sich oben am Berg ein Haus nach deutschen Maßgaben errichtet - nein, besser noch, eine gute deutsche Stube. Immer dann, wenn es mich nach Deutschland gelüstet (ohja, das tut es auch !) und ich Lust nach Frikadellen, Schaschlick, ungarischem Gulasch und deutschem Abendbrot hatte, bin ich zu ihm gegngen und das war recht oft. In mir ist manchmal mehr Deutschland als mir beliebt.

Ich habe mit Heinz, Massimiliano, Tim und Celine gemeinsam Weihnachten verbracht und uns gemeinsam mit Barbara noch an Neujahr gemeinsam "Dinner for One" auf Kölsch und im WDR angeschaut und köstlich amüsiert - speziell über Biolek und Calmund. Überhaupt habe ich meinen Freund Heinz immer zu jedem Anlass mit dabeigehabt.

In der Nacht zum 04.01.2015 gegen 3 Uhr erhielt ich einen Anruf seitens der Carabinieri in Porto Rotondo, die mir über seinen "decesso" mitteilten.

Sein Verlust schmerzt mich und alle anderen Freunde sehr und es ist mir ein Bedürfnis mir das von der Seele zu schreiben.

Marco
 
Zuletzt geändert:
Lieber Marco, ich kenne Heinz nur aus Erzählungen von dem anderen rheinischen Jong und es tut mir sehr leid für Euch, dass Ihr Euren lieben Freund verloren habt. Sollte auf Sardinien irgendwann einmal ein Haus zu mir finden (ich bin fest davon überzeugt, dass es schon irgendwo auf auf mich wartet), dann bist Du dort auch jederzeit zu Frikadellen, Schaschlick, ungarischem Gulasch und deutschem Abendbrot eingeladen und ein Leckerli für die Hunde wird es auch immer geben - versprochen.

Liebe Grüße aus Essen,
Michaela
 
Liebe Michaela,

hab' Dank für Deine Zeilen und Dein Angebot. Ich kannte ja zunächst beide, den Heinz und die Marlies die seit Ende der 80er Jahre wiederrum meine Großeltern kannten. Wir sind hier nunmal im Winter 20 Einwohner und da versteht es sich von selbst, daß Jeder Jeden kennt. Marlies' letzte Worte waren: "Kümmer' Dich um Heinz" und das habe ich auch die letzten Jahre gemacht. Heinz ist mir und uns allen immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Mit Heinz und Franz verliere ich zwei feste Größen in dieser Gegend, gewinne aber Neue, die sich erstmal hier mit ihrem "Schneid" werden beweisen müssen.

Liebe Grüße aus Baja

Marco
 

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hallo Marco,
es tut mir sehr leid um deinen freund, den du beschreibst, als wäre er ein unikum und mich an meinen papa erinnert. vielleicht ist es ein trost, dass Heinz seine freunde und sardinien im herzen hatte und damit glück erleben durfte.
viele grüße aus leipzig, anke
 
Hallo Anke,

danke Dir für Deine Worte - Unikate die man gerne hat eben, auch wenn man sie nicht unbedingt immer greifen und verstehen kann, so sehr wird man sie missen.

Marco
 
Lieber Marco,

Er war einer von den Lieben. Sonst hätte er Paul mit seinem wehen Fuß nicht mit zum Arzt begleitet und solange mit uns gewartet, bis wir fertig waren.
Die Zeit mit ihm war zu kurz, als dass wir viel miteinander hätten reden können bei der Olivenernte. Deswegen fehlen auch mir hier jetzt die Worte. Die Tränen sieht ja niemand in meinem Arbeitszimmer.
Und hoffentlich weißt du, dass meine Gedanken ganz oft um Baja kreisen. Auch wenn man sie nicht sieht. Ganz liebe Grüße von Paul und Jutta
 
Auch ich bin ne KÖLSCHE JUNG und war mit Heinz befreundet.Schon vor 35 Jahren war ich mit dem ehemaligen Taxi Unternehmer
aus Leverkusen an der Tavolara und habe mit ihm bei vielen Tauchgängen wunderschöne Amphoren gefunden.Ja,sein Humor war
nicht von jedem Menschen zu verstehen aber seine Herzlichkeit grenzenlos.
Durch einen längeren Aufenthalt in den USA habe ich diesen jecken "Stiernacken" leider etwas aus den Augen verloren.Im Oktober
2014 habe ich ihn dann am Hausberg/Agesi besucht und mich als Gast bei ihm sehr wohl gefühlt.Bei diesem Trip durfte ich seine
Freunde Marco und Franz und andere kennen lernen.VIELEN DANK hierfür!
Bei diesem Besuch auf Eurer schönen Insel ist die Liebe zu Sardinien neu entflammt.Es wurden schon Pläne geschmiedet vorerst
halbjährig ansässig zu werden und unseren Franz möchte ich auch gern mit integrieren,er gehört dort hin.
Seit 23 Jahren lebe ich als Exil-Rheinländer :)D)auf der Insel Rügen in der Ostsee und unser LIEBER HEINZ wollte mich hier im
April besuchen.Nun bin ich sehr traurig gestimmt
Auch ich muss diesen schmerzhaften Verlust ertragen und schicke ihm meine persönliche KÖLNER GLÜCKSBRINGERIN hinterher.

Vielen Dank an Euch Alle für die Anteilnahme

Werner, der Ostsee Pirat

Colonnölche kleine Datei.jpg
 
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Hallo Marco,

mein tiefempfundenes Beileid. Einen Freund zu verlieren ist nicht einfach. ....aber wie lautet ein kölsches Lied von Trude Herr:-..Niemand geht so ganz.......???

Liebe Grüße

Dieter
 
Hallo Ihr Lieben,

habt' Dank für Eure Anteilnahme und Eure Beiträge sowie PM's. Es geht mir gut und dennoch vermisse ich den täglichen Besuch und den Schwatz - immerhin ging dieses Ritual seit 18 Jahren.

Zu trauern bedeutet auch immer etwas über sich selbst nachzudenken und in dieser Phase befinde ich mich derzeit.

Es ist gut so wie es ist.

Marcolino
 
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