Gutes Krankenhaus?

Sonnenblume55

Neues Mitglied
Hallo Sardinien-Forum,

hier ist es ja richtig interessant: habe mich soeben angemeldet, nachdem ich schon eine Stunde in euren Beiträgen gestöbert hatte.

Sardinien scheint wunderschön zu sein, wir möchten heuer in der zweiten Augusthälfte (geht leider berufsbedingt nicht anders) hier den Urlaub verbringen und uns vorher natürlich mit Reiseführern kundig machen.

Was aber weniger in einem Reiseführer als vielmehr bei Sardinien-Insidern zu erfahren ist, möchte ich hier fragen, weil es für uns wichtig ist:
Welche Krankenhäuser auf der Insel sind am ehesten empfehlenswert, speziell bezüglich Innere Medizin / Herz / Kreislauf?
Sind diese Kliniken staatlich oder privat?
Und gibt es da einen Unterschied zwischen Norden (Olbia) und Süden (Cagliari)?

Vielen Dank für eure Antworten!
 
"Gute Krankenhäuser"? Das ist allgemein schwer zu sagen, außerdem sollte es ja nicht allzu weit vom Ort eurer Unterkunft entfernt sein. Ganz Italien, so auch Sardinien, hat primär ein öffentliches Gesundheitssystem. In jeder etwas größeren Stadt gibt es ein ambulantes Behandlungszentrum (ASL genannt) mit diversen Fachärzten, darunter auch Internisten u. Kardiologen. Uni-Klinken gibt es in Sassari u. Cagliari, weiter große Kankenhäuser in den Provinzhauptstädten, kleinere auch auf dem Land. Bei den niedergelassenen Ärzten zahlst Du privat, im öffentlichen System mit der Karte der dt. Krankenversicherung, in der Regel mit einer Eigenbeteiligung.
Hier im Forum findest Du auch eine Liste mit deutschen/deutschsprachigen Ärzten (Suchfunktion oben rechts).
 
Nach meinen Erfahrungen kann man in Sardinien nicht unterscheiden zwischen: schlechtes Krankenhaus hat schlechte Ärzte und gutes Krankenhaus hat gute Ärzte. Unterschiedslos alle Ärzte, die wir bisher brauchten, verstanden ihr Handwerk und heilten oder besserten unsere Krankheiten. Egal ob Privatpraxis, gutes oder schlechtes Krankenhaus. Es ist mehr eine Frage des Geldes, das die Städte in Ihre Krankenhäuser investieren können.
Eine Sardin, die leichtsinnigerweise Fave (eine Bohnenart) gegessen hatte, gegen die sie allergisch war, musste mit einer Matratze im Flur vorliebnehmen, mit einem Stuhl als einziges Möbelstück, bekam aber ihre Infusionen und wurde schnell wieder gesund.
Beim Zusammenbruch meines GG war Carbonia-Krankenhaus die nächste u. schnellste Anlaufstelle. Er wurde schnell diagnostiziert, kompetent behandelt u. dann per Rollstuhl in einen Saal mit 7 anderen Kranken geschoben. Auch dort für jede Person 1 Stuhl mit einer Rolle Klopapier drauf. Aber wenigstens ein Bett und alles einwandfrei sauber. (Später sagte man mir dann, dass das KH von den Sarden "il mattatoio" genannt wird.) Nach 5 Tagen wurden ihm dann die Bettgenossen und deren 2x täglich hereingelassener Besuch zu viel und ich holte ihn raus, damit er sich im Garten auskurierte. Wie gesagt, die Ärzte verstanden ihr Handwerk.

Das KH in Iglesias wird sehr gelobt. Wahrscheinlich weil es einfach besser ausgestattet ist.

Sehr hilfreich finde ich, wenn die Touristen einen kleinen Zettel mit ihren Vorerkrankungen vorzeigen können. Hilft Sprachbarrieren abbauen, wenns schnell gehen muss.

Bei der "Touristen-Ambulanz", die mancherorts im Sommer eingerichtet wird, kann man schon mal an eine Anfängerin geraten. Ich wollte sie in St. Antioco mal ausprobieren und ging mit einem Hautausschlag spätabends hin. Die Dame wusste mein Ekzem nicht zu deuten und begann das kluge Medizinbuch zu wälzen. Schließlich verwies sie mich an die Apotheke.
Die Apothekerin sah sich den Arm kurz an, fragte; "haben Sie Katzen?" Nach der Bejahung meinersiets bekam ich eine Salbe für 8 Tage gegen Katzenringflechte und das Problem war keins mehr.

Also keine Angst. Irgendwie wird einem immer geholfen, manchmal etwas unorthodox.
 
Ich kann bo-ju im wesentlichen nur zustimmen, da ich das sard. Gesundheitssystem hinreichend aus eigener Erfahrung kenne. Die Ärzte hier sind nicht schlechter oder besser als in D., das nichtärztliche Personal ist freundlich u. kompetent. Die Sauberkeit in den Kliniken, die ich kennengelernt habe, war deutlich besser als in D. - 3x täglich wurde das Zimmer durchgeputzt. An 5 oder 6 Menschen in einem Zimmer muss man sich natürlich gewöhnen, aber es kann auch lustig sein. Die Männer, mit denen ich zuletzt in Nuoro im Zimmer war, kamen alle aus der Barbagia, wir haben uns sehr anregend unterhalten. Aber der permanente Verwandtenbesuch ist wirklich nervig.

Mit der "Touristen-Ambulanz" (Guardia Medica Turistica) habe ich, anders al bo-ju, nur gute Erfahrungen gemacht. Diese jungen Ärztinnen u. Ärzte sind von ihrer Ausbildung auf dem neuesten Stand.
 
Über das Krankenhaus in Nuoro hab ich bislang nur Gutes gehört.
Ich war mal in Ozieri im Krankenhaus, wollte mir nur eine Schraube aus dem Haxen entfernen lassen, die da vor ein paar Jahren reingemacht worden war im Krankenhaus in Oristano, (die Orthopädie dort hab ich als sehr amüsant kennengelernt), sie haben es dann letztlich auch geschafft, aber die Umstände waren doch ziemlich unerfreulich chaotisch, so dass ich nicht mehr freiwillig nach Ozieri gehen würde...

Allgemein denke ich auch, dass es engagierte Ärzte überall gibt in jedem Krankenhaus. Freilich sind sie doch eher sehr schulmedizinisch überzeugt, so dass es manchmal schon jemandem im Pronto Soccorso unverständlich sein kann, wenn jemand zum Beispiel als Medikamention nicht unbedingt sofort Antibiotika verschrieben bekommen möchte, wenns vielleicht auch andere Möglichkeiten gäbe...
aber ok, jeder macht seinen Job nach seiner Überzeugung. Und wenns ne akute Sache ist, die schnell und effektiv behandelt werden soll, da meine ich, dass die medizinische Versorgung der in Deutschland in nichts nachsteht.
 
Antibiotika werden hier von Ärzten jeder Fachrichtung oft sehr voreilig verschrieben, selbst an Kleinkinder, die nur eine leichte Erkältung haben. Dann nehme ich diese Antibiotika eben nicht, jeder kann sich Wissen dazu heutzutage selber besorgen. Oder ich frage meinen Hausarzt in D.
 
Vielen lieben Dank für eure Antworten! Wir haben jetzt ein Hotel in Baia Sardinia gebucht und wollen von dort aus erstmal den Norden besuchen - irgendwo muss man bei der schönen Insel ja mal anfangen ;-)
 
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