Ich habe den Hussein deswegen eingestellt, weil er saugut ist und ich einen Azubi brauchte. Das einzige Wort was er bis dato kannte war "si" und er hat mich manchmal damit an den Rand des Wahnsinns gebracht. Aber: Hussein, der in seiner Heimat als Berber einer Minderheit angehört hat schnell gelernt, ist emsig, arbeitet wie ein Brunnenputzer, ist neugierig und lernwillig und ich mag den Kerl einfach sehr gern. Heute sitzt er auf dem Traktor, bedient den Industriehäcksler, schneidet, erntet und pflegt 1000 Olivenbäume. Oft gehe ich dem Gedanken nach, ob aus Hussein mit der richtigen Chance nicht auch hätte ein passabler Ingenieur werden können. Jedes Gerät bedient er im Nu und hält penibel die Wartungspläne ein.
Als Betriebswirt mit Ausbilderschein kann ich mir über Mitarbeiter ein ganz gutes Bild machen und so einen hätte ich sehr gern in meinem Betrieb in Deutschland gehabt und wenn's ginge, würde ich ihn klonen. Wenn sich mir ein Sarde so vorgestellt hätte, hätte ich ihn auch eingestellt.
Um's mal klar zu sagen: Als Hussein kam war er illegal und zwar völlig. Kein Ausweis, keine Sprache, keine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Hussein hat sich hier integriert und es ist der Fürsprache mehrerer Familien, der Carabinieri, einem "condono", ganz viel Dusel und Toleranz zu verdanken, daß er hier seine Daseinsberechtigung hat. Ist ja nicht so, daß mich das irgendwie erschreckt, schließlich bin ich selbst mal durch die Mühlen der Behörden gerutscht.
Statt "buongiorno" grüßen wir uns mit "salem" und fassen uns ans Herz, haben den gleichen Humor und Ironie. Am Monatsersten gibt's das Gehalt wie vereinbart und wenn wir feiern dann nach unseren jeweiligen Riten mit Toleranz.
Ich bin hier mit Sicherheit nicht der Einzige der so agiert.
Marco