Dürre, Wasserkrise und Landwirtschaft auf Sardinien
Beppe
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Dürre, Wasserkrise und Landwirtschaft auf Sardinien
Wasserkrise: Der Durst der sardischen Landwirtschaft kommt teuer zu stehen: „Jedes Jahr gehen Millionen verloren“
Im Norden geht mehr als die Hälfte des verfügbaren Wassers verloren. Die Nurra liegt quasi völlig am Boden aufgrund entweder eingestellter Produktion oder von einfach nie ausgesäter Kulturen.
Auf Sardinien ist die Wasserkrise nicht mehr nur das Ergebnis immer trockenerer Jahreszeiten. Eine weitere Belastung ist die Anfälligkeit des Wasserversorgungssystems, das mehr als die Hälfte des verfügbaren Wassers verliert, bevor es sein Ziel erreicht. Ein Netz, das den Klimawandel zu einem echten Dauer-Notfall mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen macht. Jedes Jahr zahlen die Landwirtschaft und die Viehzucht der Insel hierfür einen Preis, der sich auf Dutzende von Millionen Euro beläuft und das Jahr 2025 war vor allem im Norden Sardiniens eines der Kritischsten.
Beispielhaft dafür steht die Situation in Nurra, wo der Wassermangel zu Verlusten von über 30 Millionen Euro geführt hat, zu denen noch weitere 10 Millionen Euro aus der Zulieferindustrie hinzukommen. Die Zahlen spiegeln eine mittlerweile strukturelle Realität wider: Die Dürre macht heute 80 % des Gesamtwerts der Schäden durch Naturkatastrophen aus und verknüpft hierbei die Auswirkungen des Klimawandels mit einer Wasserwirtschaft, die weiterhin erhebliche Grenzen aufweist.
Dies ist das Bild, das sich in Sassari beim zweiten regionalen Treffen der von Coldiretti organisierten Veranstaltung abzeichnet und wo man nach eingehender Diskussionen die kritischsten Punkte in den Regionen zusammenfaßt, die nicht länger aufgeschoben werden können und welche die Notwendigkeit struktureller Entscheidungen deutlich macht.
Zahlen, die von einer beispiellosen Situation zeugen: 940 Hektar Mais wurden nicht angebaut, da keine Aussaat möglich war; von den 700 Hektar Luzerne-Futtergras gingen 70 % verloren; auf den 1.150 Hektar Rebfläche wurde ein Produktionsverlust von 30 % verzeichnet; im Olivenanbau gab es 50 % weniger Produktion auf 350 Hektar Anbaufläche; der Gemüseanbau, der sich normalerweise über 600 Hektar erstreckt, wurde vollständig zerstört; von den Artischocken bis hin zu Obstgärten gingen auf 220 Hektar rund 40 % der Produktion verloren.
Im Blickpunkt von Coldiretti Nord Sardegna steht auch die Verschwendung von Wasser, die wie eine Strafe lastet. Diese drastisch zu reduzieren oder sogar vollständig zu beseitigen , würde bedeuten, dass ein Großteil der mit der Dürre verbundenen Probleme überwunden, wirtschaftliche Schäden verringert und auch der Rückgriff auf öffentliche Entschädigungen drastisch reduziert werden könnten.
„Absolute Priorität muß haben, die Wassernetze zu überholen“, betont der Präsident von Coldiretti Nord Sardegna, Antonello Fois, „denn es ist nicht hinnehmbar, dass weiterhin die Hälfte des verfügbaren Wassers verloren geht, während Landwirte und Viehzüchter gezwungen sind, auf die Produktion zu verzichten“. In Nordsardinien, so Fois weiter, „ist die Situation unhaltbar geworden. Gerade die Nurra ist ein Symbol für eine Krise, die die gesamte Insel betrifft.
Die Unternehmen zahlen einen sehr hohen Preis, und die Region muss unverzüglich reagieren, ohne weitere jegliche Verzögerungen. Es bedarf einer starken, strukturierten Planung, die Investitionen in die Netze und die Bewirtschaftung der Ressourcen in den Mittelpunkt stellt“, fährt er fort, „sonst wird dies weiterhin immer mehr Auswirkungen auf die Stabilität der Unternehmen, das Vertrauen der jungen Landwirte und den Verbleib der Familien in den ländlichen Gebieten haben und die Entvölkerung sowie eine steigende Nachfrage nach öffentlichen Maßnahmen begünstigen.“
Ähnlich äußert sich Marco Locci, Direktor von Coldiretti Nord Sardegna, der betont, dass Wassereinsparungen in direktem Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stehen. „Jeder eingesparte Kubikmeter Wasser“, erklärt er, „bedeutet neues Einkommen für die landwirtschaftlichen Betriebe. Jeder Tag, an dem die Lösung des Problems verzögert wird, bedeutet, dass einige Betriebe schließen müssen oder junge Menschen die Hoffnung verlieren, in diesem Sektor zu bleiben oder darin zu investieren. Ohne Landwirtschaft veröden die Gebiete.“ Locci betont auch die Opfer, die die Landwirte im Jahr 2025 bringen mussten: „Die Betriebe mussten entscheiden, welche Kulturen sie retten und welche sie opfern wollten. Eine dramatische Entscheidung, die zu einem Rückgang der Lebensmittelproduktion führte, die nicht nur für den Binnenverbrauch, sondern auch für den Export von grundlegender Bedeutung ist.“
Noch kritischer wird die Lage durch den Wasserstand der Stauseen. In Nordsardinien gibt es u.a. einen mit nur 30 Millionen Kubikmetern in der Baronia und wo aufgrund von Bauarbeiten an diesem wichtigen Stausee dieser einfach komplett ins Meer abgelassen wurde, während im Sulcis anhaltende Not herrschte. Coldiretti betont, dass allein in Nordsardinien folgende Zahlen zu verzeichnen sind:
im Temo: nur 22,3 Millionen Kubikmeter trotz einer Kapazität von 77,6 Mill. m³;
im Cuga: nur 5 Millionen m³ von 20,4 Millionen potenziellen Kubikmetern;
im Bidighinzu: nur 2,1 Millionen m³ von möglichen 10,9 Millionen Kubikmetern.
Allein diese Zahlen erklären, warum für die Landwirtschaft in diesen Gebieten es heute bedeutet, unter permanenten Notbedingungen zu arbeiten. An dem Treffen in Sassari nahmen alle Präsidenten und Verwalter der 'Consorzi di Bonifica della Sardegna' sowie die Führungsspitzen der regionalen ANBI teil. Für Gavino Zirattu „ist das, was dieses Jahr in Nordsardinien, insbesondere in der Nurra, geschieht, kein Einzelfall, sondern eine Konstante und repräsentativ für ganz Sardinien.
Es gibt 3 Dinge, die sofort getan werden müssen:
1. Instandhaltungsarbeiten des kompletten Leitungsnetzes bis hin zu allen Endnutzern
2. Leitungen/Verbindungen zwischen den Stauseen herstellen und
3. weiter analysieren, um zu verstehen, ob auf Sardinien weitere Staudämme gebaut werden müssen.
Denn eins ist klar: Ohne irgendwelche Dämme auf Sardinien hätten wir jedenfalls überhaupt kein Wasser gehabt.
Quelle:
www.unionesarda.it
Wasserkrise: Der Durst der sardischen Landwirtschaft kommt teuer zu stehen: „Jedes Jahr gehen Millionen verloren“
Im Norden geht mehr als die Hälfte des verfügbaren Wassers verloren. Die Nurra liegt quasi völlig am Boden aufgrund entweder eingestellter Produktion oder von einfach nie ausgesäter Kulturen.
Auf Sardinien ist die Wasserkrise nicht mehr nur das Ergebnis immer trockenerer Jahreszeiten. Eine weitere Belastung ist die Anfälligkeit des Wasserversorgungssystems, das mehr als die Hälfte des verfügbaren Wassers verliert, bevor es sein Ziel erreicht. Ein Netz, das den Klimawandel zu einem echten Dauer-Notfall mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen macht. Jedes Jahr zahlen die Landwirtschaft und die Viehzucht der Insel hierfür einen Preis, der sich auf Dutzende von Millionen Euro beläuft und das Jahr 2025 war vor allem im Norden Sardiniens eines der Kritischsten.
Beispielhaft dafür steht die Situation in Nurra, wo der Wassermangel zu Verlusten von über 30 Millionen Euro geführt hat, zu denen noch weitere 10 Millionen Euro aus der Zulieferindustrie hinzukommen. Die Zahlen spiegeln eine mittlerweile strukturelle Realität wider: Die Dürre macht heute 80 % des Gesamtwerts der Schäden durch Naturkatastrophen aus und verknüpft hierbei die Auswirkungen des Klimawandels mit einer Wasserwirtschaft, die weiterhin erhebliche Grenzen aufweist.
Dies ist das Bild, das sich in Sassari beim zweiten regionalen Treffen der von Coldiretti organisierten Veranstaltung abzeichnet und wo man nach eingehender Diskussionen die kritischsten Punkte in den Regionen zusammenfaßt, die nicht länger aufgeschoben werden können und welche die Notwendigkeit struktureller Entscheidungen deutlich macht.
Zahlen, die von einer beispiellosen Situation zeugen: 940 Hektar Mais wurden nicht angebaut, da keine Aussaat möglich war; von den 700 Hektar Luzerne-Futtergras gingen 70 % verloren; auf den 1.150 Hektar Rebfläche wurde ein Produktionsverlust von 30 % verzeichnet; im Olivenanbau gab es 50 % weniger Produktion auf 350 Hektar Anbaufläche; der Gemüseanbau, der sich normalerweise über 600 Hektar erstreckt, wurde vollständig zerstört; von den Artischocken bis hin zu Obstgärten gingen auf 220 Hektar rund 40 % der Produktion verloren.
Im Blickpunkt von Coldiretti Nord Sardegna steht auch die Verschwendung von Wasser, die wie eine Strafe lastet. Diese drastisch zu reduzieren oder sogar vollständig zu beseitigen , würde bedeuten, dass ein Großteil der mit der Dürre verbundenen Probleme überwunden, wirtschaftliche Schäden verringert und auch der Rückgriff auf öffentliche Entschädigungen drastisch reduziert werden könnten.
„Absolute Priorität muß haben, die Wassernetze zu überholen“, betont der Präsident von Coldiretti Nord Sardegna, Antonello Fois, „denn es ist nicht hinnehmbar, dass weiterhin die Hälfte des verfügbaren Wassers verloren geht, während Landwirte und Viehzüchter gezwungen sind, auf die Produktion zu verzichten“. In Nordsardinien, so Fois weiter, „ist die Situation unhaltbar geworden. Gerade die Nurra ist ein Symbol für eine Krise, die die gesamte Insel betrifft.
Die Unternehmen zahlen einen sehr hohen Preis, und die Region muss unverzüglich reagieren, ohne weitere jegliche Verzögerungen. Es bedarf einer starken, strukturierten Planung, die Investitionen in die Netze und die Bewirtschaftung der Ressourcen in den Mittelpunkt stellt“, fährt er fort, „sonst wird dies weiterhin immer mehr Auswirkungen auf die Stabilität der Unternehmen, das Vertrauen der jungen Landwirte und den Verbleib der Familien in den ländlichen Gebieten haben und die Entvölkerung sowie eine steigende Nachfrage nach öffentlichen Maßnahmen begünstigen.“
Ähnlich äußert sich Marco Locci, Direktor von Coldiretti Nord Sardegna, der betont, dass Wassereinsparungen in direktem Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stehen. „Jeder eingesparte Kubikmeter Wasser“, erklärt er, „bedeutet neues Einkommen für die landwirtschaftlichen Betriebe. Jeder Tag, an dem die Lösung des Problems verzögert wird, bedeutet, dass einige Betriebe schließen müssen oder junge Menschen die Hoffnung verlieren, in diesem Sektor zu bleiben oder darin zu investieren. Ohne Landwirtschaft veröden die Gebiete.“ Locci betont auch die Opfer, die die Landwirte im Jahr 2025 bringen mussten: „Die Betriebe mussten entscheiden, welche Kulturen sie retten und welche sie opfern wollten. Eine dramatische Entscheidung, die zu einem Rückgang der Lebensmittelproduktion führte, die nicht nur für den Binnenverbrauch, sondern auch für den Export von grundlegender Bedeutung ist.“
Noch kritischer wird die Lage durch den Wasserstand der Stauseen. In Nordsardinien gibt es u.a. einen mit nur 30 Millionen Kubikmetern in der Baronia und wo aufgrund von Bauarbeiten an diesem wichtigen Stausee dieser einfach komplett ins Meer abgelassen wurde, während im Sulcis anhaltende Not herrschte. Coldiretti betont, dass allein in Nordsardinien folgende Zahlen zu verzeichnen sind:
im Temo: nur 22,3 Millionen Kubikmeter trotz einer Kapazität von 77,6 Mill. m³;
im Cuga: nur 5 Millionen m³ von 20,4 Millionen potenziellen Kubikmetern;
im Bidighinzu: nur 2,1 Millionen m³ von möglichen 10,9 Millionen Kubikmetern.
Allein diese Zahlen erklären, warum für die Landwirtschaft in diesen Gebieten es heute bedeutet, unter permanenten Notbedingungen zu arbeiten. An dem Treffen in Sassari nahmen alle Präsidenten und Verwalter der 'Consorzi di Bonifica della Sardegna' sowie die Führungsspitzen der regionalen ANBI teil. Für Gavino Zirattu „ist das, was dieses Jahr in Nordsardinien, insbesondere in der Nurra, geschieht, kein Einzelfall, sondern eine Konstante und repräsentativ für ganz Sardinien.
Es gibt 3 Dinge, die sofort getan werden müssen:
1. Instandhaltungsarbeiten des kompletten Leitungsnetzes bis hin zu allen Endnutzern
2. Leitungen/Verbindungen zwischen den Stauseen herstellen und
3. weiter analysieren, um zu verstehen, ob auf Sardinien weitere Staudämme gebaut werden müssen.
Denn eins ist klar: Ohne irgendwelche Dämme auf Sardinien hätten wir jedenfalls überhaupt kein Wasser gehabt.
Quelle:
Crisi idrica, la sete delle campagne sarde costa cara: «Decine di milioni persi ogni anno» - L'Unione Sarda.it
Nel Nord si disperde oltre metà dell’acqua disponibile. La Nurra in ginocchio tra produzioni azzerate e colture mai seminate
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