Bosa
Hi Michaela, es lag wohl daran, dass es spät im Herbst war, ununterbrochen geregnet hat, kein Mensch auf der Strasse war und dazu kam mich Sicherheit noch ein übermässig grosses unerfreuliches persönliches Befinden, das nix mit dem Ort zu tun hatte, anders kann ichs mir nicht vorstellen. Also wenn ich mal in der Nähe bin dann schlürf ich auch was vor dem Rathaus, falls es da nicht nur Eis gibt :)
Grüsse, Maren
 
wer die bosani vielleicht etwas intimer kennt kann vielleicht durchaus eine gewisse stimmigkeit der mentalität vieler leute und der pseudo-touristisch motivierten knallfarbigkeit der häuser erkennen: ich erkenne schon so etwas bei vielen menschen aus bosa, die etwas paraphrasiert sinngemäss sagen könnten:

OOOOOOKKKKK, WENN MEIN NACHBAR SEIN HAUS KOTZGRÜN STREICHT, DANN STREICH ICH MEINS EBEN SCHREIPINK.

dies ist - wohlgemerkt - nicht im sinne eines erbittert ausgetragenen krieges zu verstehen, sondern eher eine spielerisch zelebrierte show zum thema zusammenleben auf engem raume mit allem verbindenden und auch konflikträchtigen.
dass viele bosani inzwischen nicht mehr unbedingt im centro storico wohnen tut diesem menschlich-allzumenschlichen flair keinen nennenswerten abbruch. von daher ist die farbigkeit wieder irgendwie ausgesprochen authentisch.

saluti aus dem wilden westen

christine
 
Da können wir ja nur froh sein, das Friedensreich Hundertwasser in Österreich geboren ist und er nicht auf Sardinien gewirkt hat. Denn wozu Bosa eine ganze Stadt benötigt, brauchte er, farbenmäßig immer nur ein einziges Haus. Siehe hier nur als Beispiel ein Bild von Wikimedia.org

Bad Blumau / Steiermark

800px-Hotel_Therme_Rogner_Bad_Blumau_Kunsthaus.jpg




oder in Essen, das MC Donaldhaus

800px-Hundertwasser-Geb%C3%A4ude%2C_Essen.jpg




Farben haben Menschen schon immer fasziniert. Die Höhlenbilder waren auch nur eingeritzt und ohne Farbe. Der Fußballfan schaut seinen Verein im Fernsehen auch lieber in Farbe an.

Gott sei Dank ist die Insel noch weitgehendst von den Graffitimalern verschont geblieben. Auch in den eigenen Wohnung dominieren die Farben.

Der Wandel ist nun mal nicht aufzuhalten. Klar, nicht immer zum Wohle der Menschheit. Wie weit wollen wir die Ursprünglichkeit von Sardinien zurückhaben? Nuraghenzeit? Mittelalter? 1900. Jahrhundert? Auch hier war der Wandel nicht aufzuhalten und das ist gut so.

Klar ist das ein wunderschönes Bild, wenn der Nonno mit seinem Eselskarren durchs Dorf fährt, aber würden wir dafür unser so geliebtes Auto verkaufen und ihm nacheifern? Warum soll es dann die jüngere Generation der Einheimischen tun?

Haben die Jüngeren, nicht nur, aber auch die Dörfer verlassen, wegen der geforderten Ursprünglichkeit? Gerne besuchen sie ihre Eltern und sonstigen Verwandte in ihren „Museen“ , aber drin ständig wohnen? Gerne möchten sie, genau wie wir, einfach die Heizung andrehen, modern wohnen und mit allen Vorzügen der Stadt, mal abgesehen von der Arbeit.

Übrigens wie weit soll hier die Ursprünglichkeit zurückreichen? Dürfen es schon Stromleitungen, Fernsehantennen, befestigte Straßen sein? Müssen die Autos (natürlich Jeep oder SUV) von den Straßen?

Soll all die Gülle noch auf die Felder gebracht werden oder durch Rinnsale fließen?

Die Ortseinwohner sehen auch sehr schön in ihren bunten Trachten aus. Müssen sie jetzt ständig darin rumlaufen?
Bei den traditionsreichen Umzügen kann ich diese Trachten immer wieder bestaunen. Aber passt dazu das ständige Gebimmel der Handys? Oder die schmucken, modernen Armbanduhren?

Mich fasziniert an Sardinien nicht die Ursprünglichkeit, sondern die Vielfalt und Widersprüchlichkeit.

Selbst die Natur wandelte sich im Laufe der Zeit, durch Vulkane, neue Bettläufe der Flüsse, Erdbeben, Überschwemmungen usw. Nichts bleibt, wie es mal war.- Heute ist Morgen schon Gestern. –

Es ist schon komisch, daß wir genau das alles von Anderen anfordern, selbst aber nach Klimaanlage, Pool, natürlich Internetanschluss, Auto usw. streben. Aber vor der eigenen Haustüre nimmt man es nicht so genau, das fordert man ja von den Urlaubsgebieten.

Ich bin der festen Überzeugung, daß Jeder nur die Ursprünglichkeit anfordert, die er selbst für gut erachtet. Oder doch Nurghenzeit und Schäferhütten?

Der Wandel ist nun mal nicht aufzuhalten, der überkommt uns wie eine Tsunamiwelle. Wenn wir uns dagegen stemmen, werden wir brutal weggespült. ……und wollen doch mal ehrlich sein, in den meisten Fällen ist es ja zum Segen der Menschheit (nicht immer) geschehen.

Das sind nur meine Gedanken dazu.

Anobius, so weit liegen wir in unseren Meinungen garnicht auseinander. Ich bin nur gegen diese Ausschließlichkeit



Ich wünsche einen schönen Sonntag



Dieter
 
Trotz dieser "Farbenpracht" ist das Haus in Essen aber sehr trostlos. Klar, den Menschen, die dort eine zeitlang wohnen, ist auch nicht unbedingt nach Lachen zumute. Ich habe aber schon viele Hospize besucht und in denen ging es sehr lebendig zu. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, warum dieses Haus so einen negativen Eindruck bei mir hinterläßt.
 
Hallo Michaela,


vielleicht verbindest Du das Ronald Mc Donald Haus mit den schweren Erkrankungen der Kinder und so entsteht in Deinem Unterbewusstsein das trostlose Bild.




Ich finde dieses farbenfrohe Jahrhundertwasserhaus gerade richtig für diese leidgeplagten Familien. Die Innenräume sind funktional, aber dennoch liebevoll eingerichtet.


Besser als in einem mausgrauen Krankenhaus. Farben sollen ja auch die Therapien unterstützen.




LG



Dieter
 
Hi Dieter

Guter Beitrag zur Ursprünglichkeit. Da ich hier ja auch rumgemosert habe über diese Farbenpracht möchte ich nun mal noch schreiben, was mich daran stört - es ist nämlich nicht die Abkehr von der Ursprünglichkeit :)

Bei Hundertwasser passt das alles zusammen, die Farben gehören zum Konzept. An die Fassade eines schmalen Altstadthauses, das vor 100 Jahren oder früher gebaut worden ist, passen bunte knallige Farben (ich meine nicht Farben an sich sondern Knallfarben) einfach nicht, sie zerstören die Harmonie, wirken wie ein Fremdkörper. Jedes Haus hat einen Baustil und dieser beinhaltet auch die Art der Fassadenfarbe. Es geht mir da nicht um Ursprünglichkeit, sondern um ein Gefühl von Ästhetik. Sonst könnte man ja auch den Dom von Köln froschgrün anmalen, sieht doch trist aus, das Ding, so grau wie es jetzt ist.

Im Quartier, in dem ich wohne, wurden in den letzten Jahren etliche rund 120 Jahre alte Häuser mit dieser ganz dunkelroten Farbe angemalt. Sie waren nie rot, aber die Farbe passt zum Stil der Häuser. Das ist in meinen Augen der springende Punkt und nichts anderes.

A propos: Wo in Europa ist eine Altstadt berühmt geworden wegen froschgrüner Häuser? In welche Altstadt strömen die Touristen weil die alten Häuser knallbunt sind? Die Antwort ist ganz einfach: in keine.

Gleichzeitig gibt es neuere Quartiere oder Überbauungen in diversen Städten, die sehr farbig und durchaus berühmt und bei Touristen beliebt sind. Weil die Farbe da zu den Häusern passt, weil Form und Farbe harmonieren.

Du hast recht, nichts bleibt, wie es einmal war, zum Glück. Und es freut mich natürlich, dass du Sardinien nicht wegen der Ursprünglichkeit toll findest, ich sehe das genau wie du. Für mich ist dieses Alles-so-schön-ursprünglich-hier sowieso ein reiner Touristenblick, ein wenig vermeintlich archaisches Leben im Urlaub und dann kehrt man nach Hause zurück. Macht aber ja nichts, jeder wie es ihm gefällt. Doch: Wenn sich alle ändert, dann könnte man die Dinge, die man selber verändert, doch einfach schöner machen. Kommt mir jetzt bitte nicht mit „Geschmäcker sind eben verschieden“ :) :) – das ist mir zu einfach, es gibt nun einfach mal Dinge, die für mich nicht darunter fallen sondern einfach geschmacklos sind.

In dem Sinn: Knallbunten Farben – ja gerne, wenn es zum Stil einen Hauses passt. Wenn ein neu gebautes Quartier irgendwo auf Sardinien knallbunt würde, würde mich das keineswegs stören, ganz im Gegenteil. Auch Hundertwasser hätte auf Sardinien wirken können, aber der hätte sicherlich keine Originalfassade eines bestehenden Altstadthauses knallbunt bemalt, der Mann hatte ja bekanntlich einen Sinn für Formen und Farben.

Grüsse, Maren
 
Ganz Ösiland hat empört aufgeheult, als in den 80ern die bis dahin in würdigem Farblos gehaltene Stiftskirche Dürnstein in der Wachau himmelblau angestrichen wurde. Kulturschande, Geschmacksverwirrung, Vergewaltigung des historischen Kulturerbes, kein Respekt vor der Vergangenheit, völlige Verschandelung der Gegend, so lauteten nur einige der Anklagen, die in aller Munde waren:

Duernstein_Wachau.jpg

© wikipedia​

...bis sich dann herausstellte, dass die Stiftskirche Dürnstein bereits zur Zeit ihrer Errichtung Anfang 18. Jth genau dieses Blau aufgewiesen hatte und man mit der Restaurierung nur den Originalzustand wiederhergestellt hatte....

Scheint so, dass Europa im 20. Jahrhundert, vor allem in der Nachkriegszeit, in tristen, vielleicht der Lebenssituation entspechenden Grautönen erstarrt war und der (Wieder-)Einzug kräftigerer Farben gern als Zeichen von Unseriosität, ja sogar Verderbtheit gesehen wurde. Nicht nur im Bauwesen, auch in der Mode. Erinnert Euch doch (oder schaut auf alten Fotos nach), was man in den beginnenden 60ern getragen hat! ... Als ich meinen ersten orangefarbenen Pullover bekam, hieß es "Aber rausgehen tust nicht damit!"

Ob verkrampftes Bunt-um-jeden-Preis immer schön und geschmackvoll ist, bleibe dahingestellt. Aber fröhlicher, lebenslustiger und in dieser Hinsicht positiver als sieches Grabsteingraubraun ist es allemal.

peko
 
Da Ihr mich dumm sterben lassen wollt und auf meine Frage vom 12.04. keine Antwort gekommen ist, habe ich mal
einen Algheresen gefragt. Die Antwort war:

Ein männlicher Einwohner von Bosa heißt "bosano"
Eine weibliche Einwohnerin "bosana"
Mehrzahl - bosani und bosane.

Ich hoffe mal, es ist von Allgemeininteresse, da hier verschiedene Bezeichnungen kursieren.

LG

Dieter
 
dieter, es kursieren nicht verschiedene bezeichnungen. nur ist das eine deutsch und das andere italienisch.
ok, in aho ist das vielleicht im catalan anders ;-)
 
@ wenn ich an die Puppenstube oder Bonboniere Assisi denke.
Das ist dort wie in einem Mausoleum.
grässlich
Bea2
 
Dann erstmal ehrzlichen Glückwunsch an das schönste Dorf Sardiniens - Bosa.

Außer mir, haben auch andere, Bosa für schön erachtet und abgestimmt.

Einziger Wermutstropfen: Bosa war das einzige Dorf Sardiniens, daß sich zur Abstimmung bei RAI TV stellte. Nun kann man sagen (schreiben) die anderen Dörfer haben gar nicht erst mitgemacht, weil sie sich keine Chance ausrechneten. :)

Auf jeden Fall können wir nun mit Fug und Recht schreiben, die schönste Stadt - Alghero ( laut Merian )
und das schönste Dorf ( laut RAI ) Bosa liegen direkt nebeneinander.

LG

Dieter
 
Wie du siehst Dieter,
immer ein Grund in den schönen ursprünglichen Westen zu kommen
oder sogar hier zu leben;)

Tanti saluti
Bea2
 
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