Pfandsystem, die andere Seite der Medaille: wir - und -zigtausende andere in der campagna - sind auf Wasser aus Plastikflaschen angewiesen (die gleiche Menge Wasser in Glasflaschen wäre logistisch nicht bewältigbar). Wir bringen unseren Plastikmüll (beinhaltet auch Gemüse- und Fleischverpackungen, Blister, und sämtliche anderen Kunststoffverpackungen) ein- bis zweimal pro Monat zur Isola Ecologica. Wenn wir unsere Plastikflaschen nicht verdichten (zusammendrücken) würden, müssten wir zweimal pro Woche oder öfter fahren, jedes mal zehn Kilometer, also vier bis acht mal so oft. Da das Pfandsystem ein Zusammendrücken nicht zulässt, liegt das Problem im exponentiell ansteigenden Volumen der Flaschen. Und da unser Haushalt dank ausgeklügelter Vorratswirtschaft so funktioniert, dass wir nur maximal 1mal pro Woche, oft auch nur alle 10 Tage, einkaufen fahren, ist auch eine Rückgabe unzerdrückter Flaschen im Zuge des Einkaufens nicht praktikabel.
Nicht nur, weil wir hier direkt betroffen sind, orte ich die Problemlösung in anderen Maßnahmen als einem Pfandsystem, das für mich sowieso lediglich eine politische Alibimaßnahme ist, die unterm Strich nur wenig für die Umwelt bringt: in Österreich, wo vor kurzem erst das Pfandsystem für PET-Flaschen und Aludosen eingeführt wurde, überschlagen sich die medialen Erfolgsmeldungen, wieviele Tonnen Plastik mittlerweile dem Pfandsystem zugeführt wurden. Aber nirgendwo wird gegenübergestellt, wieviel Plastik schon vorher in den Containern und Abgabestellen gesammelt wurde. Meiner Beobachtung zufolge sind dieselben Leute, die jetzt das Pfandsystem bedienen, überwiegend die, die auch vorher schon Plastik gesammelt haben. Dazugekommen sind die "Sandler", für die das Pfandsystem eine nun neue Einnahmequelle bietet. Im Gegenschluß - diejenigen, die vorher ihr Plastik aus Ignoranz weggeschmissen haben, sammeln es jetzt nicht plötzlich, lagern es zu Hause, packen es in Einkaufstaschen, tragen es zum Automaten, stellen sich dort an ... wegen 20 Cent ... Und, anders als in Sardinien, in Österreich gibt's überall gutes Trinkwasser aus der Leitung, Plastikflaschenwasser ist dort eine Frage des Wollens, nicht des Müssens.
Zurück zu Sardinien. Gäbe es in den urbanen Gebieten aus der Leitung trinkbares Wasser (nicht die übliche Chlorlauge), würde sich die Plastikbelastung schlagartig reduzieren. Könnte sich die (Wasser-)Industrie dazu aufraffen, Wasser in sinnvollen, größeren Gebinden anzubieten (etwa 5 oder auch 10 Liter), sollte sich der Plastikmüll auch in der campagna verringern, ich bin ziemlich sicher, dass ein 5-Liter-Gebinde spürbar weniger Plastik beansprucht als zweieinhalb 2-Liter-Flaschen (plus Umverpackung des sixpacks).
Just my 2 cents.