Fauna Ordnungswidriges Verhalten eines sardischen Frosches

peko

Sehr aktives Mitglied
Am und ums Haus haben wir meistens etliche Frösche, die nachts Mücken fangen und tagsüber als oberflächenreduzierte Halbkugel irgendwo in einer Mauernische bewegungslos verharren. Manchmal gönnen sie sich auch ein erfrischendes Bad in einer der Blumenbewässerungsflaschen.
Heuer hat sich einer auf dem Türsims etabliert, jeden Tag sitzt er wie versteinert auf derselben Stelle und wartet auf die Abenddämmerung. Doch heute hat er sich plötzlich bewegt und einen dicken Klumpen Laich abgelegt.

DSCN0603.JPG

Das wirft für mich einige Fragen auf: Frösche sind sehr wasseraffine Tiere; auch wenn sie selbst eine Zeitlang ohne oder mit wenig Wasser auskommen, brauchen sie für ihre Vermehrung auf jeden Fall Wasser, und wenn's nur eine veralgte Pfütze ist. Ihren Laich legen sie grundsätzlich in oder knapp über dem Wasser ab, damit daraus dann die kiemenatmenden Kaulquappen schlüpfen können. Diese leben ihr gesamtes Dasein im Wasser, bis sie sich schließlich in richtige Frösche verwandeln und zur amphibischen Lebensweise wechseln. Wieso legt "unser(e)" Fro(ö)sch(in) den Laich auf dem Türsims ab, obwohl Wasser mehrfach in erreichbarer Nähe ist? Was wird aus dem Laich?
Und die zweite Frage: Frösche bringen sich selbst ums Vergnügen und praktizieren Externe Befruchtung. D.h., das Weibchen legt seinen Laich ab und das Männchen verteilt sein Sperma danach über die Eier. "Unser" Frosch (jetzt spar ich mir das Gendern) hat den Laich jedoch abgelegt, ohne dass ein anderer Frosch in der Nähe gewesen wäre. Heißt das jetzt, dass die Eier unbefruchtet sind?
Ich kann mir dieses Verhalten nur so erklären, dass das eine Art Not-Laichablage war, wofür mir allerdings der Grund unverständlich ist: Die große Hitzewelle ist seit mehreren Tagen vorbei, Futter gibt's reichlich, und Wasser wäre nur 2 Meter neben der Ablagestelle ebenfalls (dauerhaft) vorhanden. Auch andere Frösche derselben Art quaken in unmittelbarer Umgebung.

Vielleicht kennt sich eine(r) von euch mit Amphibien besser aus und weiß Antworten, ob das zB eine spezielle Anpassung an die sardische Sommer-Trockenheit ist, oder die Frösche hier auf der Insel einfach anders funktionieren.
Ich weiß, die Welt hat größere Probleme - aber mich interessiert das halt auch ...
 
Ein Amphibienspezialist bin ich nu mal nicht. Wir haben selbst einen Gartenteich mit allerhand Fröschen drin. Da hat es manchmal auch Froschlaich, wenn die Fressfeinde nicht zuschlagen.
Tippen würde ich bei deiner Spezies eher auf eine Kröte. Die leben normalerweise an Land, nur zum Laichen begeben sie sich in stehende Gewässer.
Evtl. ist das Tier krank, deshalb die Fehl,- oder Frühgeburt.
 
Nein, also Kröte ist's definitiv nicht, so weit kenn ich unsere Amphibien. Wir haben, jedes Jahr mehr oder weniger, bis zu 10 solcher Frösche (mit den Saugnapf-Fingern, Kröten haben die meines Wissens nicht, sondern kleine Krallen), und besiedeln üblicherweise unsere Versorgungsflaschen bei den Blumenkistln am Fensterbrett. Zuerst dachte ich, sie wären reingefallen und machte mir Sorgen, wie sie durch den engen Flaschenhals wieder rauskommen - sie klettern mühelos auch über Kopf nach oben, indem sie sich mit ihren "Fingerspitzen" ansaugen.
Und ja, an Krankheit hab ich auch schon gedacht.
 
Nachtrag: jetzt, knapp halb 10 und schon finster, tummeln sich drei Frösche an unserer Hausmauer und jagen Fluginsekten. Darunter auch der/die Frühlaicher/in, ohne jedwede Anzeichen irgendeiner Beeinträchtigung. Der Laich am Türsims ist mittlerweile völlig eingtrocknet.
Die Natur hier gibt mir immer wieder Rätsel auf.

PS: hätte günstig einen Teelöffel Froschkaviar abzugeben ...
 
Das ist wirklich spannend. Ohne die guten Bedingungen in Eurem Garten hätte ich auch vermutet, dass es die große Hitze ist, wegen derer die Natur den Fortpflazungsvorgang evtl. abbricht, um Kräfte zu sparen. Aber sooo ungewöhnlich ist die Hitze ja auch wieder nicht.
 
@nonna
Klugscheißmodus: Geckos haben keine Saugnapfzehen, sondern verbreiterte Zehenendglieder mit feinsten Lamellenplatten. Damit haken sie sich in die kleinsten Unebenheiten ein, auf Glas finden sie keinen Halt wie die Frösche.
Klugscheißmodus off
Aber sooo ungewöhnlich ist die Hitze ja auch wieder nicht.
Lass das ja ja nicht die Klimakleber hören!
 
Wenn die Frösche da herum toben, kann es ja sein, dass frau auf die Anderen gesetzt hat.
Aber ausgetrockneter Laich hat leider keine Chance.
Vielleicht ist sie sogar super clever.
Denn manche Erdkrötin wird ja im Wasser von den Männchen ertränkt.
Das kann ihr nicht mehr passieren.

Einen richtigen Teich würde ich denen aber mal gönnen.
Wegen sommerlicher Abwesenheit kann ich unseren immer austrocknenden Bach nicht "am Leben halten".
Aber große Wannen im Schatten werden immer randvoll mit Wasser gemacht und schaffen es dann meist bis September nicht auszutrocknen.

 
Zuletzt geändert:
Einen richtigen Teich würde ich denen aber mal gönnen.
Aber große Wannen im Schatten werden immer randvoll mit Wasser gemacht und schaffen es dann meist bis September nicht auszutrocknen.
Wir sind direkt über dem Lago Casteldoria - da Frösche laut schlauem Buch bis zu zwei Kilometer wandern, nahe genug. Und es gibt im unmittelbaren Umfeld mehrere Quellen mit Abläufen, auch einige kleine Tümpel und Gerinne, z.T ganzjährig.
Deshalb verzichten wir auf zusätzliche private Mückenzuchtanlagen.
 
Das wusste ich nicht.
Aber bei 40° können andernorts auch trockene 200 m schön tödlich werden...
Mückenzucht kann man aber bekanntlich vermeiden.
 
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