Ich habe dazu mal eine Frage:
Warum tragen die sardischen Frauen mit den Trachten oft so große Kopftücher/Kopfschmuck, der komplett die Haare bedeckt und vom Gesicht oft nur wenig zeigt?
Hat das auch religiöse Gründe?
 
Wenn man sich die deutschen und slawischen Trachten anschaut findet man oft Kopftücher. Ich denke, dass das Kopftuch ausschließlich dem Islam zugeschrieben, wird ist eher ein Irrtum unserer Zeit. Meine Oma zum Beispiel hat im Alltag grundsätzlich Kopftuch getragen, einfach als Schutz vor Sonne, Regen und auch Schmutz, im Winter auch gegen die Kälte. Ähnlich könnte ich es mir bei sardischen Frauen und anderen, eher von der Landwirtschaft lebenden Völkern vorstellen.
 
Hallo Sirena

An einem Festtag ging man zu frühere Zeiten nicht barhäuptig, egal ob Männlein oder Weiblein. Ohne Kopfbedeckung ging man also zB nicht in die Kirche, insofern spielen da schon religiöse Motive mit rein. Zudem trug man Kopftücher (Frauen) oder Hüte (Frauen und Männer) natürlich auch aus Witterungsgründen.

Das gilt nicht nur für Sardinien, war auch nördlich der Alpen so. Wieso – falls das denn tatsächlich so sei sollte – auf Sardinien besonders oft ein Kopftuch getragen worden ist müsste Dir jemand mit ethnologischen Kenntnissen beantworten. Letztlich ist es ohne weiteres möglich, dass das einen völlig profanen Grund hat wie etwa denjenigen, dass es zu windig war für einen steifen Hut, wie man ihn von Trachten ebenfalls kennt.
Ok, das ist jetzt vielleicht ein blödes Beispiel, es soll einfach veranschaulichen, dass es alle möglichen Gründe geben und spekulieren keine verlässlichen Antworten bringen kann.

Erwähnenswert sicher auch wie Laura schon geschrieben hat, dass an sehr vielen anderen Orten bis in den hohen Norden Europas ebenfalls Kopftücher nicht nur zum Alltag sondern auch zu den histroischen Trachten gehörten.

Wobei es «die Tracht» natürlich nicht gibt, es gab immer Trachten für ganz verschiedene Anlässe. Hier mal ein Beispiel dafür, wenngleich keines aus Sardinien (sorry, habe gerade nur dieses zur Hand): https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bd/Trachten_Kanton_Zürich_18Jh_Damen.jpg Zu erwähnen wäre, dass die Trachten heute nicht mehr genauso aussehen wie auf diesem Bild, auch Trachten haben sich im Laufe der Zeit etwa verändert.

Lg, Maren
 
heutzutage treff ich zunehmend zuweilen outdoorbegeisterte Leute mit buffs verschiedener Designs... hat ne praktische Funktion, so nen Teil, wie LauraY beschreibt.... klar, im 10-Stunden-Bürojob rund ums Jahr braucht niemand so ein Teil, aber draussen ists schon auch wohltuend...
 
Danke für eure Antworten.
Ich meine nicht, die normalen Kopftücher, die man in allen Kulturen für Frauen findet, sondern die, die komplett alles verdecken, Haare, Haaransatz, Ohren, Hals, Stirn und oft nur die Mund- und Augenpartie noch sichtbar ist. So, wie auf dem Foto oben links und auf dem Foto aus Orgosolo.
 
Nonnen liefen früher in Europa auch so rum.... hat vielleicht doch auch Wurzeln in der Religion oder speziell im Katholizismus... die Frau gilt ja in den abrahamitischen Religionen immer noch als die Verführerin des Mannes in manchen Teilen.... und hat sich eher bedeckt zu halten in jeder Hinsicht....auch im heutigen Katholizismus, in Deutschland weniger, auf der Insel isses doch noch eher sseeeehr traditionell

wenn ich so die kirchliche Religiosität seh hier im Dorf... bei Prozessionen laufen ausschliesslich Männer vorne.... und solche Sachen, dann könnt ich mir das schon vorstellen. Naja, ansonsten bin ich lieber im Garten als in der Kirche whistling
 
Die auf den Fotos zu sehenden Kopftücher sind die zur Festkleidung passenden, nicht die, die zur Arbeit getragen wurden (und werden). Mit "Islam" hat das überhaupt nichts zu tun.
Noch vor wenigen Jahrzehnten trugen in vielen Gegenden Deutschlands Frauen bei der Feldarbeit (aber auch beim Gottesdienstbesuch) Kopftücher. Ich kenne das z.b. aus Oberhessen und Schwaben.
 
Ich kann mich gar nicht satt sehen an den vielen kleinen Details der Trachten und finde eigentlich, dass das eine feine Sache ist. Auch bei uns im Alpenland gibt es ja die durchaus alltagstaugliche Tracht. Frauen und Männer haben ein Festtagsgewand, welches über Jahrzehnte (so man noch reinpasst) zu allen Gelegenheiten mit Stolz getragen wird, das ist doch toll und ungemein praktisch. Kein Überlegen "Was ziehe ich denn an, das Blaue hatte ich ja schon beim letzten Mal an und das Grüne an Weihnachten". Ich hätte auch gerne eine Tracht, aber im Pott sieht man ja nur Pseudo-Dirndl zum Pseudo-Oktoberfest von Karnevalsbedarf Krautwurst. Kopftücher kenne ich in der Tat u.a. auch gegen die Witterung oder aus der Landwirtschaft, dass das Haar nicht sofort jeden Geruch annimmt, z.B. im Stall oder nicht in irgendwelche Maschinen gezogen wird.
 
Stimmt Corona - das könnten auch katholische Einflüsse sein. Erinnert mich auch stark an die Kopfbedeckungen der Nonnen :)

@ Feuerpferd: Das ist wirklich großen Handwerkskunst, wie die Trachten gefertigt sind und die vielen kleinen aufwändigen Details fallen erst bei näherem Betrachten auf.
 
Denkt auch mal an viel profanere Gründe. Früher gingen die Frauen nicht regelmäßig zu einem Damenfriseur oder stylten täglich ihre Frisur. Die Haare wurden fast immer lang wachsen gelassen und zu einem Dutt gebunden oder geflochten. Für den Hausgebrauch o. k., aber ging die Frau aus dem Haus, wurde ein Kopftuch darüber gebunden. So zumindest habe ich es noch bei meiner Oma erlebt. Erst im hohen Alter konnten wir sie zu einem Kurzhaarschnitt mit Dauerwelle überreden. Danach verließ auch sie das Haus plötzlich ohne Kopftuch....
Erinnert wurde ich daran erst viel später wieder durch eine muslemische Freundin in Ägypten, die mal - nicht nur im Scherz - zu mir sagte, sie hätte es doch viel einfacher als ich, wenn sie das eigene Haus (in dem sie übrigens nie eine Kopfbedeckung trägt) verlassen würde. Sie brauche sich im Alltag um ihre Frisur keine Gedanken zu machen, weil sie grundsätzlich draußen ein Tuch darüber trage. Dafür verfügt sie über eine riesige Auswahl an schönen Tüchern. Ein recht pragmatischer Ansatz....
Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Art des Kopfschmucks sich auch unabhängig von den verschiedenen religiösen Ursprüngen oder Hintergründen in den Traditionen verselbständigt hat, so dass zu besonderen Anlässen und Festen eben ganz besondere Tücher getragen wurden.
 
Diese von Ort zu Ort ganz eigenen Festkleider der Frauen sind in erster Linie die Brautkleider, heute werden sie zur Hochzeit kaum noch getragen, denn wenn sie in der Familie nicht vererbt worden sind, ist die Anfertigung kaum mehr zu bezahlen, denkt nur an den vielen Gold- und Silberschmuck. Die Kleider werden natürlich auch an anderen hohen kirchlichen Feiertagen zu Prozessionen getragen, aber nie zum normalen Kirchgang, somit hat auch das festliche Kopftuch mit dem Katholizismus im Alltag so gut wie nichts zu tun.
 
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