Ich möchte nicht respektlos gegenüber den jungen Orgolesen erscheinen, aber trotzdem muss es erlaubt sein, was dazu zu schreiben.
Ich bin der Meinung, dass Frank absolut Recht hat. Die Sarden reden nicht, sie schweigen, und das ist nicht nur in Orgosolo so. Sich des Schweigens der Menschen sicher zu sein, ist der beste Nährboden für kriminelle Energien, denn es gibt nie Zeugen, die auch aussagen. Wenn man dieses Schweigen nicht bricht, kann sich nichts ändern, und leider bin ich wie Frank der Meinung, dass es so bleiben wird, für immer hoffentlich nicht. Es muss eine Veränderung geben, indem das Schweigen gebrochen wird, da reicht es nicht, einen offenen Brief zu schreiben, der sicherlich ein Anfang sein könnte. Wer die sardische Realität kennt, weiß dass es für einen einzelnen so gut wie unmöglich ist, das Schweigen zu brechen, das hat nichts mit Feigheit oder sonstwas zu tun. Wenn aber über hundert junge Orgolesen unterschrieben haben, könnten sie in ihrer Vielzahl nicht auch stark genug sein, gemeinsam das Schweigen zu brechen und sich gegen diese kriminellen Kräfte zu wehren?
Ich möchte eine kleine Begebenheit erzählen. Wir waren auf Streifzug in den Bergen in der Nähe von Su Gorroppu. Wir wurden von einem freundlichen, älteren Sarden zu Vino und Acquavite eingeladen. Beides floss reichlich. Es waren wunderbare Stunden in der herrlichen Landschaft mit Gesprächen über Gott und die Welt, Sardinien und die sardische Seele. Irgendwann sagte er sinngemäß „Wenn ihr jetzt weg seid und es kommt jemand vorbei, der fragt, ob ich zwei deutsche Wanderer gesehen hätte, werde ich antworten „NEIN, hier ist niemand vorbei gekommen, ich habe niemanden gesehen. Es ist immer gut, nichts gehört und nichts gesehen zu haben.“
LG
Georgie