Hintergrund der Brandstiftung?

Forumarchiv

(Beitrag aus dem alten Forum übernommen)
Autor: pekoat
Datum: 16.07.11 13:39

Die Feuer-Saison hat wieder begonnen, und wieder heißt es, ein Großteil der Brände entstünde durch Brandlegung.

Das ist etwas, was ich - vielleicht mangels ausreichender Gesetzeskenntnis - nicht kapiere.

Brandlegung zur Weidegewinnung.
Soweit ich das hier beobachten kann, kann ich meine Schafe (so ich welche habe) nur auf meinem eigenen Grund weiden lassen, oder auf Grund, mit dessen Besitzer ich eine (auch bezahlte) Vereinbarung habe.
Fackle ich nun ein Stück Macchia/Wald ab, so ist das entweder mein eigenes Land oder eines, wo ich die Eigentümer-Erlaubnis habe, meine Schafe weiden zu lassen. Das müßte doch eruierbar sein - cui bono? Fremden Wald anzuzünden, bringt mir doch nix.

Grundstücksspekulation.
Wird ein Stück Agrarland, das abbrennt, automatisch zum Bauland umgewidmet? Wenn ja - wieso ändert man dann nicht diese Gesetzeslage (die ja eigentlich als Anstiftung zur Brandlegung zu interpretieren wäre!)? Wenn nein - wenn also Agrarland auch nach dem völligen Abbrennen Agrarland bleibt - wer profitiert dann davon, und wie?

Kann mir das wer erklären? Tät mich interessieren ...

peko
 
Autor: Claro
Datum: 16.07.11 22:02

Hallo peko,

zu deiner Info:
Die Gestzeslage ist einer der Gründe, warum Brandstiftung ein Racheakt sein kann.
Auf einem abgebrannten Grund wird 10 Jahre keine Bugenehmigung erteilt.

So kann man den Nachbarn oder demjenigen, den man nicht mag, seine Baupläne durchkreuzen.

In Sardinien sollte man niemals eine Leiche im Keller haben!!

Gruß Claro
 
Autor: siyam
Datum: 16.07.11 22:30

Ciao Pe,

auch ein Grund: für Agrar gibt es Subventionen, ist der Weinberg oder das Agrarland abgebrannt, braucht und kann man für die nächste Zeit nichts anpflanzen, braucht aber auch die Subvention nicht zurück zahlen. Wenn man allerdings Geld vom Staat bekommt für einen Weinberg o.ä. , dies dann aber nicht bepflanzt und 3 Jahre später immernoch keine Ernte einfährt, muss das Geld zurück gegeben werden. Subventionen werden Stücke weise ausgezahlt, den Großteil gibt es, nachdem das Land als Ackerland zubereitet wurde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ;o) Habe schon so einen Fall selbst mitbekommen, inkl. Aussage desjenigen.
ABER: nicht alle sind so!!! Das muss ich dick unterstreichen.

Es gibt auch die, die immernoch nicht kapiert haben, dass es eine Müllabfuhr gibt. Die nehmen ihren Hausmüll mit in die Campagnie und stellen erst einmal ab, für ein bis zwei Jahre ;o) da reichen Glasflaschen und andere Sachen, die in der prallen Sonne liegen. Irgendwann besinnt man sich mal darauf, etwas Ordnung zu schaffen und eine ganz tief verwurzelte Angewohnheit ist: alles auf einen Haufen und mal kurz niedergebrannt. Das bei falschem Wind, oder explosiven Gegenständen mit dabei reicht auch oft aus, um einen Großbrand auszulösen. Grad letztes Jahr nähe Ploaghe wieder passiert.

Also nicht immer absichtliche Brandlegung sondern öfter auch: una testa dura/Dickkopp und nicht kapieren wollen, dass man nicht immer alles machen kann wie es früher die sardischen Urgroßväter gemacht hatten.

Grüße euch ganz lieb
Simone
 
Autor: P1
Datum: 17.07.11 13:11

Ich habe in Oberfranken von den Vorgängen gehört aber noch keine genauen Berichte gelesen oder gesehen.

Wenn ich das richtig verstanden habe ist es um Palau gerade nicht mehr so schön wie ich es vor kurzem gesehen habe. Auch habe ich von Evakuationen gehört aber eben nix genaues.

Hans
 
Autor: apixedda
Datum: 19.07.11 16:12

Simone hat Recht -
leider sind es oft unbelehrbare Idioten, die bei 39°C und heftigem Maestrale ihren Unrat irgendwo in der campagnia verbrennen, da reicht dann winziger Funkenflug und ab geht die Post...

die Brandstiftung zur Gewinnung von Weidegruenden ist eher ein alter Hut, das ist heute nicht mehr an der Tagesordnung, die meisten Schaefer haben naemlich verstanden, dass sie sich damit am Ende ins eigene Fleisch schneiden, da ja viele heutzutage auch einen Agriturismo oder ein B&B betreiben - und wissen, dass Touristen nicht so gern schwarzes Land sehen.

ansonsten gibt es aber auch immernoch die herkoemmlichen Brandursachen, die mit mutwilliger Brandstiftung nichts zu tun haben:
Glasstueckchen, die im perfekten Winkel liegen, um zur Lupe zu werden
kurzes Anhalten mit heissem Auspuff am trockenen Seitenstreifen
weggeworfene Zigaretten (wobei das schon eher mutwillig ist)

con saluti di sole dalla Sardegna
Apixedda di casaperta
 
Autor: pekoat
Datum: 19.07.11 18:24

@ all,
danke für die Infos von allen Seiten ...

Wodurch Feuer entstehen können, ist mir schon klar.
Meine Frage bezog sich eigentlich ausschließlich auf die Brandstiftung aus kommerziellen Gründen, weil in den Medien immer wieder von "Grundstücksspekulanten", "Immobilienhaien", ja sogar von der Mafia als Brandstifter die Rede ist. Und ich blicke da nicht durch, wie das funktionieren soll, dass jemand Geld damit verdient, dass ein Stück Land abbrennt.

Oder ist das nur die übliche Pauschalverdächtigung, weil sich in den Zeitungsüberschriften "Immobilienhaie verursachen Waldbrände" spannender/quotenträchtiger liest als "Ignoranter Depp warf Tschick (=österreichisch für Zigarettenstummel) aus Autofenster"?

@ Dieter: der Überdrübersarde wird dahinter wahrscheinlich den Versuch der italienischen Regierung vermuten, die sardischen Unabhängigkeitsbestrebungen mittels Flammendem Inferno auszuräuchern...
 
Autor: bo-ju
Datum: 19.07.11 23:14

Mit Grundstücksspekulation hat das wohl kaum was zu tun. Man darf tatsächlich 10 Jahre nach einem Feuer nicht bauen und nicht mal das halbverbrannte Holz aufsammeln.

Mir kommt mitunter der Verdacht, dass bei der Brandstiftung die alte sardische Untugend von Neid und Missgunst wieder durchbricht.

Der hat ein Auto? Ich nicht. Also anzünden und weg damit.
Der hat ein Haus? Ich nicht. Also anzünden und weg damit.
Der hat einen schönen Garten? Ich nicht. Also anzünden und weg damit. usw.usf.

Anders kann ich mir die vielen uns sinnlos erscheinenden Brände nicht erklären.

Doch, viele Kinder wollen ihren Spass haben, Löschflugzeuge in Aktion sehen und die Feuerwehrtechnik bewundern.

Mich macht sie krank, diese sinnlose Zerstörung. Ich kann sie nicht ändern, nur hilflos zuschauen, wie alles zu Asche wird.
 
Autor: Sab
Datum: 19.07.11 23:39

Haben auch vor kurzem auf dem Weg zum Flughafen Elmas beobachtet, wie plötzlich am Strassenrand ein Feuer aufgelodert ist, höchstwahrscheinlich hatte kurz vorher einer eine Zigarette aus dem Auto geworfen. Der Rest geht dann ganz schnell.

Also ich dachte eigentlich immer dass die Bauern nach der Ernte die Stoppeln abbrennen, weil die Asche guter Dünger für den Boden ist.
Ist zwar verboten aber man sieht immer mal wieder einige Felder die abgebrannt sind. Kann mich auch irren, aber so wurde mir das mal erklärt? Weiß auch nicht ob da wirklich was dran ist?

Sab
 
Autor: P1
Datum: 20.07.11 13:58

Was ist denn drann an der Missgunst, die Ju hier anspricht.
Ich habe im Urlaub einiges dazu gehört und glaube auch daran. Es wäre zumindest ein Erklärung wie man sich selber im Weg stehen kann und nix gscheites auf die Schiene nagelt.

Hans
 
Autor: SaNugoresa
Datum: 20.07.11 15:02

Wie wär´s mit politischen Gründen.... vielleicht Separatisten - Leute die vielleicht keine Lust mehr haben auf immer mehr Bettenburgen und immer weniger Küstenlandschaft....?

- die Brandstifter haben gezielt Ferienorte ausgewählt...

- die Region Olbia dadurch stark geschädigt... (Olbia boomt-dank Tourismus)

- der Zeitpunkt:gleich am Beginn der touristischen Hochsaison - die
Touristen sind verunsichert - wer will noch dorthin, wo alles abgebrannt ist?

- die Küste steht unter Naturschutz, doch gebaut wird immer noch....

- Wer profitiert vom Tourismus? wer geht seit Jahrzehnten leer aus?....

die Smaragdküste heißt doch unter Sarden "costa rubata" & "Furat chie benit dae su mare...:"


 
Autor: P1
Datum: 20.07.11 17:19

Ja gut, kenne ich von Korsika, nichts neues. Könnte mir aber vorstellen, dass es wohl etwas spät ist, das Glump steht nämlich schon längst. Und son bischen Feuer bringt da auch nix mehr.
- Wer profitiert vom Tourismus? wer geht seit Jahrzehnten leer aus?....
Und warum ist das so, kleines Beispiel aus Tortoli, da gibt es einen Job auf einem Campingplatz, der eine Familie ernährt und ein ganz Jahres Job ist, also nicht nur 4Monate. Den hat ein Rumäne bekommen und warum kein Sarde, das ist hier die Frage.
Ein anderes Beispiel, da gibt es einen Investor der gerne PV Anlagen bauen möchte und zu diesem Zweck Dächer anmietet, der Besitzer des Daches bekommt ein neues Dach und Miete für das Objekt und natürlich bekommt der Investor den Löwenanteil, er trägt ja schließlich das Risiko und hat die Mittel bereitgestellt, selbst wenn es nur 100€ im Monat wären, dann wäre das ein gutes Geschäft, aber der clevere Sarde hat abgelehnt, da frag ich mich doch wirklich.
So SaNugoresa, jetzt erzähl Du mir was von Benachteiligung, so bisserl auf Zack sollte man schon sein wenns was werden soll. Nur immer allen anderen die Schuld geben bringt Sardinien nicht weiter und der Spruch das haben wir schon immer so gemacht ist auch kein Schritt in die Zukunft. Wenn dann der letzte Touri vergrault ist dann wird ja alles besser, freut euch schon drauf, für mich wäre das jetzt nicht das große Problem, ich kann auch woanders Urlaub machen.

P1
 
Autor: SaNugoresa
Datum: 20.07.11 21:14

Ja P1, Korsika und Sardinien haben viele Gemeinsamkeiten. Das weißt Du, Andere sind da ziemlich blauäugig.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass viele Forianer einfach denken, dass diese Brände das Ergebnis sind von Unachtsamkeiten. Auf Sardinien sollte man schnellstens die rosa Brille ablegen. Es gibt auch ethnonationalistische Bewegungen....

Ich kann weder die Bezahlung des Jobs auf dem Campeggio noch die Lebensverhältnisse des Rumänen beurteilen.

Ich weiß wie die Realität vieler Sarden aussieht, und für Viele geht es nicht nur um Jobs sondern um Land, Kultur, Identität und Selbstbestimmung eines Volkes.
 
Autor: P1
Datum: 21.07.11 06:59

Wir haben uns ausgiebig mit ihm unterhalten, er hat seinen Lebensmittelpunkt in Tortoli, lebt also nicht in Rumänien. Ich habe ihn am Anfang für den Chef gehalten, weil er sich angagiert hat wie ein Chef, immer da, sich für nichts zu schade und sehr freundlich. Dann hat er uns erzählt seine Tochter würde studieren und desshalb hätte er einen Job gesucht, mittlerweile ist er mit seiner Frau, die auch auf dem Platz arbeitet das ganze Jahr auf Sardinien und hat Rumänien den Rücken gekehrt. Es gibt also Arbeit, ich will ja gerne glauben, dass das Einzelfälle sind. Mir ist aber auch aufgefallen, dass es oft die Nichtinsulaner sind, die etwas auf die Füsse stellen. Land, Kultur, Identität und Selbstbestimmung, ist ja erstrebenwert, wir haben das in Bayern, wir können uns das auch leisten. Das Problem ist überall das gleiche, es ist halt mit Mühe verbunden und es ist Teamgeist gefragt und nicht Neid. Was ich hier geschrieben habe gilt natürlich auch für Korsika, nur haben die rechtzeitig angefangen die Betonbauten wegzusprengen und sich erst garnicht so auf die Touristen gestürzt und es gibt noch einen wesentlichen Unterschied. Auf Korsika sind viele ehemalige Legionäre angesiedelt worden und die halten Zusammen, vor denen nimmt sich jeder Korse in acht.
Das Rad ist nicht mehr zurückzudrehen, es gilt jetzt nur noch Schadensbegrenzung zu betreiben, mir hat die Zubetonierte Landschaft auch nicht gefallen, aber irgendwer hat den Investoren das Land verkauft und ich vermute jetzt das waren Sarden. In meinen Augen eine kurzsichtige Aktion. Sein Land anzünden ist so ziemlich das Blödeste was einem einfallen kann.

Hans
 
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