Erfahrungsbericht: Zum ersten Mal mit der Fähre nach Sardinien

Mark5025

Mitglied
Zum ersten Mal mit der Fähre nach Sardinien


Es gibt doch viele Fragen hier im Forum, wie das mit der Fähre so läuft. Auch wir hatten viele Fragen, für viele davon haben wir Antworten hier im Forum gefunden, anderes muss man einfach mal selbst erleben. Deshalb möchte ich hier einfach mal unsere Erfahrungen teilen.


Wir wohnen im Rhein-Main-Gebiet und haben über Direct-Ferries eine Tirrenia-Überfahrt von Genua nach Olbia für Freitag, den 5.8.2016 gebucht. Wir haben uns für Freitag entschieden, weil wir gehofft haben, besser durchzukommen als am Wochenende. Uns war klar, dass wir die Direct-Ferries-Tickets erst noch in echte Tirrenia-Tickets umtauschen mussten. Auch wenn das reibungslos geklappt hat, würde ich zukünftig entweder bei der Fährgesellschaft direkt oder über Tourissarda buchen, wo man “Original Tickets” bekommt.


Die Fähre sollte um 21.30 gehen, der Routenplaner hat knapp 800 km ausgeworfen und wir sind sicherheitshalber um 5.00 Uhr morgens los gefahren. Wir hatten Riesenpanik, dass wir wegen Staus die Fähre verpassen. Es war auch gut, so früh los gefahren zu sein, denn wir hatten eine gute Fahrt. Wir waren schon gegen 8 Uhr in Basel und gegen 10 Uhr am Gotthard-Tunnel. Eine unserer großen Sorgen war, dass wir hier lange im Stau stehen würden, deshalb haben wir auch als Alternative die San-Bernadino-Route erwogen. Aber nachdem wir bis Basel so gut durch gekommen waren, gab es keinen Hinweis darauf, dass das nötig sein würde. Tatsächlich war der Gotthard auch kein Problem. Wir hatten nur wenige Minuten Wartezeit in dem Bereich, in dem es einspurig wird und die Zufahrt zum Gotthard-Tunnel mit Ampeln geregelt wird.


Probleme gab es allerdings nach dem Tunnel. Denn hier begann es unangenehm zu regnen und auch zu stürmen. Wir kamen eher mit 80 als mit 100 km/h voran und hatten auch zwei Staus, die uns etwas Zeit gekostet haben. Vor allem kurz hinter der italienischen Grenze war ein Ast auf die Autobahn gefallen und es stand nur eine Spur zur Verfügung, das hat natürlich auch Zeit gekostet. Danach floss der Verkehr aber wieder reibungslos, und zwar bis Genua.


Wir haben an einer der ersten Autogrill-Raststätten nach den Alpen Mittagspause machen wollen, und der Plan war, mit Nudelsalat und Frikadellen zu picknicken. Leider gab es dort außerhalb der Raststätte überhaupt keine Tische und Bänke, so dass wir am Ende mit den Plastiktellern auf den Knien im Auto gesessen haben. Das war natürlich ziemlich doof. Hier würde ich gerne fürs nächste Mal eine bessere Lösung finden. Aber am Ende fährt man ja doch ziemlich schnell wieder weiter.


Am Ende waren wir mit Mittags- und mehreren Pipi-Pausen ziemlich genau um 15 Uhr in Genua,also nach 10 Stunden Fahrt. Die Anfahrt auf den Hafen, über die man ja hier im Forum liest, sie sei kompliziert, habe ich vor der Fahrt mehrfach mit Google Streetview geübt, das klappt sehr gut. Tatsächlich verlässt man die Autobahn kurz nach einem Tunnel von der linken Spur aus, aber auf der Fahrspur ist mehrfach groß “Porto” vermerkt. Nach der Ausfahrt fährt man auf einer zweispurigen Hochstraße weiter, über einen großen Kreisel eine Etage tiefer und ist dann schon in der Via Ariberto Albertazzi. Ich habe in den Navi Via Ariberto Albertazzi 2 eingegeben. Das funktioniert sehr gut.


Da wir unsere Fährtickets noch in Original-Tickets umtauschen müssten, haben wir den Parkplatz des Shoppingcenters des Fährterminals angesteuert. Steuert man Via Ariberto Albertazzi 2 an, landet man direkt an der Kreuzung, über die man auf den Parkplatz des Shoppingcenters fährt. Man fährt also nicht rein den Tunnel Richtung Hafen, sondern rechts daran vorbei. Am Shoppingcenter waren genügend Parkplätze frei. Im Terminal selbst hatten wir am Tirrenia-Schalter auch keine Wartezeit und unser Ticket nach wenigen Minuten in den Händen. Jetzt waren wir nur viel zu früh!


Was also tun? Wir entschieden uns, ins Zentrum von Genua zu fahren. Das war mir dem Auto in wenigen Minuten erledigt. Wir haben auch eine Parkplatz gefunden. Von dort aus sind wir durch die Altstadt zum Hafen hinunter gebummelt. Dort kann man die alten Hafenanlagen, ein altes Schiff und wenn man mag auch das Aquarium besichtigen. Allerdings: Zum Hafen ist man auch schnell vom Shoppingcenter gelaufen, in die Stadt zu fahren, war eigentlich unnötig. Gegen 18.00 Uhr sind wir zurück zum Hafen und diesmal über den Tunnel zum Boarding gefahren. Kurz hinter der Einfahrt werden erstmal die Fährtickets kontrolliert, die sollte man dann parat haben. Etwas weiter werden nochmal die Tickets und die Ausweise kontrolliert, und man bekommt einen Aufklebern mit dem Ziel an den Außenspiegel geklebt. Dann fährt man direkt zu seinem Boardingbereich, hier werden nochmal Pässe und Tickets kontrolliert, dann bekommt man eine Warteschlange zugewiesen, in die man sich mit seinem Auto einzureihen hat. Ziemlich eng, das Ganze.


Unser Schiff, die Janas, war zu spät, kam erst um 19.45 Uhr, dabei sollten wir ab 19.30 schon boarden. Bis das Schiff leer und wir drauf waren, hat es etwas noch eine Stunde gedauert. Am Ende haben wir mit einer Stunde Verspätung abgelegt. Das war tatsächlich ziemlich aufregend und für die Kinder ein tolles Erlebnis. Wir haben an Deck noch etwas getrunken und sind dann schlafen gegangen. Wir hatten ein 4Bett-Innenkabine mit Frühstück für 796 Euro gebucht (hin und zurück). Ich fand das ziemlich teuer, aber es war günstiger als Flug+Mietwagen, was wir im Vorjahr hatten. Viele sparen sich das Geld für die Kabine und schlafen an Deck, unter Treppen oder gleich im Gang, aber das war für uns als Familie keine Option.

Die Kabine war erstaunlich geräumig geräumig und die Betten angemessen bequem. Die Nasszelle war in Ordnung. Wir haben alle ganz gut geschlafen, auf der Rückseite fand es meine Frau allerdings ziemlich heiß, sie hat da schlecht geschlafen.


Um 6 Uhr wurden wir mit Lautsprecherdurchsagen geweckt, das war zwei Stunden vor der Ankunft. Wir haben geduscht, uns fertig gemacht und sind frühstücken gegangen. Achtung, hier entsteht eine Warteschlange.


Auch bei der Rückkehr zum Fahrzeug gibt es Gedränge, wenn die Türen zu den Parkdecks geöffnet werden. Die Ausfahrt aus der Fähre ging dann aber erstaunlich schnell. Fürs uns war das aufregend und von den Zeitabläufen gut darstellbar.
 
Zuletzt geändert:

robbie-tobbie

Sehr aktives Mitglied
Danke für Deinen Erfahrungsbericht! Nimmt sicher dem ein oder anderen "Erstling" den Schrecken, dass das bei Euch alles so reibungslos geklappt hat. Nur ein kleiner Hinweis am Rande: vielleicht solltest Du den Titel ändern, irgendwas mit "Erfahrung" reinbringen, da der Thread mit den sonst üblichen "Frage-Threads" verwechselt werden kann ;) (nur so als Vorschlag)

Viele Grüße, Robert
 

mare

Sehr aktives Mitglied
Hallo Mark,

vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Das ist schön, dass eure Anreise und Überfahrt so gut geklappt hat. Eine Frage hätte ich dazu.

Steuert man Via Aribaldi 2 an, landet man direkt an der Kreuzung, über die man auf den Parkplatz des Shoppingcenters fährt
Meinst du mit der Navi Adresse "Via Ariberto Albertazzi 2", wo man an der Kreuzung (?) landet (google maps) ? Das ist da, wo es auf der linken Spur in den Tunnel zur Hafeneinfahrt (Porto Passeggeri) geht, auf der rechten Spur kommt man zum Parkplatz des Einkaufszentrums (Shopping Center). Wenn ich die von dir genannte Via Aribaldi 2 eingebe, wirft er mir die Via Garibaldi aus, die ist aber in der Stadtmitte, also ganz woanders. (Via Aribalidi gibt es gar nicht)

Das ist genau das Problem, dass verschiedene Navis u.U. verschiedenes Kartenmaterial haben und man vorher prüfen muss, ob das eingegebene Ziel wirklich korrekt ist. Auch die Angaben auf der Homepage von Moby/Tirrenia führen nicht zur Hafeneinfahrt. Sicher ist es eigentlich einfach, wenn man sich nicht verfährt. Aber der direkte Weg vom Parkplatz des Shopping Centers zur Hafeneinfahrt ist u.U. nicht so leicht zu finden (Hochstraßen, Unterführungen, zweispurige Einbahnstraßen etc.). Dazu kommt möglicherweise noch der Feierabendverkehr, wenn es sich staut. Wenn man dagegen die korrekte Navi Adresse eigegeben hat, findet man natürlich auch von der Innenstadt oder dem Parkplatz des Shopping Centers relativ problemlos zur Hafeneinfahrt, den Stau hat man aber u.U. trotzdem und der Weg, insbesondere von letzterem, ist umständlicher, weiter als es vielleicht scheint.

Sicherer und bequemer ist m.E. dennoch, wenn man sich nicht auskennt, direkt zur Hafeneinfahrt zu fahren, dort kurz zu halten und die Tickets zu holen. Oder am allerbesten, wie du auch sagst, direkt auf der homepage oder über eine Agentur zu buchen, wobei man schon sofort vorab die Originaltickets erhält. Wenn man dann im Hafen am Steg in der Warteschlange steht, kann man immer noch von dort aus ins Einkaufszentrum oder wenn man sehr früh ist in Richtung Stadt.

Viele Grüße
Petra
 
Zuletzt geändert:

Mark5025

Mitglied
Liebe Petra,

Du hast recht, "Via Aribaldi" - wie es meinem Text ursprünglich hieß - war falsch, ich habe es korrigiert in "Via Ariberto Albertazzi".

Danke für den Hinweis.
 

Jenny685

Aktives Mitglied
Toller Beitrag! Danke! Wir sind bisher auch nur die "Flieger + Mietwagen Fraktion" überlegen allerdings auch in Zukunft mal die Fährüberfahrt zu wagen. Unser Großer Sohn wird bald 12 und zählt damit zu den Erwachsenen, was wir bei den Flügen natürlich zu spüren bekommen...für nächstes Jahr haben wir bereits (bezahlbare) Flüge gefunden aber ab 2018 ist die Fährüberfahrt sicher eine Überlegung.

Dein Beitrag nimmt einem etwas die Angst. Wir hätten bis Genua ca 1100 km, meinst du das ist ohne Übernachtung machbar? Schätzungsweise würden wir gegen 04:00 morgens im Westen Deutschlands los fahren...
 

Mark5025

Mitglied
Hallo Jenny,

naja es kommt drauf an, wie man durch kommt. Die zehn Stunden waren jetzt für uns kein Problem, und sicher wäre noch eine weitere gegangen. Aber wenn man Stau hat, wird es dann schon ziemlich ätzend, je länger es dauert. Wenn Du um 4. 00 Uhr los fährst, wirst du auch irgendwann ziemlich müde. Ihr müsst Euch also beim Fahren abwechseln. Dann ist es leichter.

Liebe Grüße,
Mark
 

Karl

Sehr aktives Mitglied
Hallo Jenny,
Um relativ sicher zu sein, solltet ihr schon 16 Stunden für die Reise berücksichtigen. Ob ihr das mit oder ohne Übernachtung bewerkstelligen könnt, müßt ihr für euch selbst entscheiden. Wir haben ab Duisburg auch ca. 1050 km bis Genova. Mit normalen Pausen etc. und ohne Staus ist das in 12 bis 14 Stunden zu schaffen. Eine gesperrte Autobahn bzw. Stillstand habe ich bisher 3 mal erlebt. Umleitung etc. dauerte etwa 2 Stunden. Wir selbst benutzen regelmäßig beides, Flug oder Auto und Fähre. Der Flug ist viel einfacher. Die Erlebnisse und Eindrücke per Auto und Fähre sind um ein vielfaches größer.
 
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