Domenico Millelire - der sardische Held - der Napoleon besiegte

Beppe

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Domenico Millelire - der sardische Held - der Napoleon besiegte
1793 führte der Seemann aus Maddalena seine Mitbürger in eine Schlacht, die man gegen die Franzosen gewann.

Es ist die noch sehr junge französische Republik, die nunmehr versucht, eigene und neue Wege auch diesseits der Alpen zu gehen und die davon träumt, ihre Landesgröße auch mit einer Ausdehnung in Richtung Poebene und Mittelmeer zu vergrößern.

Aber der Angriff auf die Berge des Piemont wird von Savoyen zurückgeschlagen, ein Strategiewechsel ist nötig. 1793 ist eine Zeit der Kämpfe und Eroberungen in einem von militärischen Spannungen geschüttelten Europa. Die französischen Streitkräfte beschließen, weiter nach Süden zu ziehen und auf Korsika vorzustoßen, mit dem Ziel, die Seele des Königreichs Sardinien zu erreichen. Eine Mission mit 22 bewaffneten Schiffen, die sich zwischen den zerklüfteten und felsigen Küsten des Bocche di Bonifacio bewegen.
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Die Franzosen im Bocche
Die von Paris entsandten Soldaten rückten ohne große Schwierigkeiten vor, bis sie La Maddalena erblickten, das Einfallstor nach Sardinien, das für die neu gegründete transalpine Republik von strategischer Bedeutung war.
Den französischen Schiffen gelingt es, sich auf den (unbewohnten) Inseln des Gallura-Archipels festzusetzen. Sie errichten ihren Stützpunkt in Spargi, nur eine Meile von der Mutterinsel entfernt. Zu diesem Geschwader gehört ein junger Artillerieoffizier, der später zum legendären Kommandanten des Ersten Französischen Kaiserreichs werden soll. Es handelt sich hierbei um einen der ersten Auslandseinsätze von Napoleon Bonaparte, einem noch jungen aber charismatischen Leutnant, der Sardinien schnell einnehmen will. Am 22. Februar verlassen die Korvette Fauvette und andere Boote Spargi und ankern auf Reede vor Mezzo Schifo vor Palau. Auf Maddalena gibt es eine junge und vermeintlich unbedarfte Gemeinde, die jedenfalls nicht allzu viel Widerstand leisten dürfte, aber es ist trotzdem und auf jeden Fall strategisches Handeln erforderlich, um etwaige Überraschungen zu vermeiden.

Überfall auf La Maddalena
Auf der anderen Seite des Meeres befinden sich zwei Feuerbatterien (Cavaliere und Sant'Andrea) mit etwa 500 Männern, die zwar alles andere als trainiert sind, sich aber geschickt durch dieses Land zwischen Wind, Felsen und Granit bewegen. Vor allem aber gibt es einen furchtlosen Seemann, den Steuermann Domenico Millelire, den zweiten von vier Brüdern: 32 Jahre alt und mit einem Mut, der dem seines angesehenen Gegners in nichts nachsteht. Er übernahm das Kommando über die Maddalena-Gruppe und bewegte sich auf dem Seeweg in Richtung Punta Tegge im Südwesten der Insel, obwohl er unter ständigem Beschuss durch die Fauvette und andere Schiffe steht. Mit einer „fliegenden“ Batterie startete er den Gegenangriff auf das Kommandoschiff, das so gezwungen ist, die Reede mitten auf dem Meer zu verlassen, um sich vor dem ständigen Beschuss in Sicherheit zu bringen. In der Zwischenzeit landet Napoleon mit einem anderen Bootspaar auf Santo Stefano und postiert dort seine Kanonen direkt auf Maddalena. Millelire befindet sich fast gegenüber, die beiden feindlichen Anführer stehen sich lediglich nur durch einige hundert Meter Meer getrennt gegenüber.
Der französische Offizier feuert unablässig auf die Stadt, in der sich inzwischen viele Zivilisten in aller Eile an die Küste von Palau begeben haben. Das Feuer wird zwar erwidert, aber es ist nicht stark genug, um die Offensive abzuwehren.

Millelire und eine Gruppe von Männern (darunter der spätere mehrfach dekorierte Steuermann Tommaso Zonza) stechen mit den (Ruder-)Galeeren Beata Margherita und Santa Barbara in See und drängen in Richtung der Küste Sardiniens, um die Franzosen von hinten zu erwischen. Ein schwieriges Unterfangen, sowohl weil die Munition knapp ist als auch die Entfernung zur feindlichen Garnison etwas zu weit ist. Stattdessen ist der Angriff aus dem Süden unerwartet und effektiv, die Franzosen werden gezwungen, Santo Stefano zu verlassen. Napoleon ist wütend, auch auf sein Kommando, das den Rückzug antritt. Millelire bemerkt den Rückzug und rückt mit seinen Männern im Meer vor, vestärkt durch Zivilisten aus Maddalena sowie weiteren Hirten aus der Gallura. Es ist eine wahre kleine Armee aus unzähligen sardischen Booten + Kähnen, die sich fast spontan gebildet hat. Sie schießen alle wie wild auf die Franzosen, die hierdurch gezwungen sind, nach Korsika zu fliehen. Man erzählt sich, dass der maddalenische Steuermann mit einem der 'Feuerschiffe' Napoleon und seine Männer verfolgt und unzählge Artillerieschüsse abgibt, um hierdurch jegliche erneuten Angriffsversuche abzuwehren.

Die Erinnerung an einen Helden
Das Schicksal der beiden Protagonisten wollte es allerdings, daß nach dieser Schlacht sich dieses signifikant teilte:
Napoleon sollte seinen unaufhaltsamen Aufstieg zum Führer Frankreichs beginnen, den die Historiker als „unvergleichlichen Meister der Kriegskunst“ bezeichnen, während Millelire für diese Leistung im Rahmen einer glänzenden Karriere in der Marine mit einer Goldmedaille ausgezeichnet werden sollte. Die Büste in La Maddalena und auch einige Straßennamen in Italien sowie der Name eines U-Bootes aus dem Jahr 1928 und der Name des 2024 vom Stapel gelaufenen Patrouillenschiffs der Marine zeugen auch heute noch von seiner Heldentat.

Aber die kühne und erfolgreiche Aktion von Domenico Millelire, dem Sarden, der Napoleon aufhielt, wurde von den Geschichtsbüchern nahezu vernachlässigt und blieb nur im Gedächtnis weniger hängen. Die spärliche Biografie auch auf Wikipedia reicht nicht aus, um den Steuermann aus Maddalena zu würdigen. Selbst sein richtiger Name bleibt zweifelhaft: In den Marineakten wird er als Domenico Leoni geführt, Millelire wäre also ein Spitzname, während andere Quellen von Domenico, dem Sohn von Pietro Millelire, sprechen. Der künstlichen Intelligenz von ChatGpt gelingt es sogar, den mit einer Goldmedaille ausgezeichneten Matrosen völlig zu ignorieren: „Vielleicht ist er nur eine fiktive Figur oder auch nur eine historische Fehlinterpretation“.
"Nein, es war tatsächlich der Kampf von David gegen Goliath" und der zufällige Held, der hierdurch die republikanisch-imperialistischen Kräfte Frankreichs zurückschlagen konnte; dieselben, die in jenen Tagen auch noch im Süden der Insel (Cagliari) auftauchten und dort ebenfalls ins sardische Territorium eindringen wollten. Aber das ist ein anderer Teil der „Revolutionsgeschichte, die ihre eigene Geschichte verdient.

heute aus der Unione Sarda:

siehe hierzu auch:
 
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