Das Erste mal Sardinien: Santa Teresa di Gallura

Vll

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Da ich gerade etwas Zeit habe möchte ich noch ein paar Eindrücke zu meiner Sardinienreise schildern, vielleicht ist es ja jemandem von Nutzen.

Mit Grimaldi gings über Nacht vom Industriehafen von Livorno nach Olbia. Da wir wegen 2 Stunden nicht in die Stadt wollten, fuhren wir weiter zur Bar und warteten dort etwas. Insgesamt hat es dann aber doch recht lange gedauert bis wir auf dem Schiff waren, aber gut, es war ja unsere erste Fährüberfahrt überhaupt.
Als gewiefte Sparfüchse haben ich und meine Freundin uns für die Nächtigung mit Isomatte und Schlafsack entschieden. Das erwies sich auch als die richtige Entscheidung, zumindest auf der Hinfahrt, denn auf dem Deck war es sehr angenehm und wegen mehrerer querverlaufender Glasscheiben windstill.


Wegen einer viel zu frühen Lautsprecherdurchsage gut einer Stunde Schlafes beraubt, schifften wir in die Bucht von Olbia ein und wurden gleich von sanftem Nieselregen im Morgengrauen begrüßt. War aber verkraftbar, da ich so meine Windschutzscheibe nicht extra putzen musste und es eh der einzige Kontakt mit Regen blieb.
Dank eines Tipps hier im Forum frühstückten wir in einer Strandbar in der Cala Sassari und spätestens da machte sich erstmals der Allradantrieb des X3 nützlich, da es doch über eine steile, durchlöcherte Wüstensandstraße hinunter zur Bucht und wieder hinauf ging. Das Auto hatte ich gerne im Blick und dort konnte man quasi auf dem Strand neben der Strandbar parken. Es regnete dort zwar nicht mehr, aber türkises Meer scheint es wohl nur bei Sonnenschein zu geben, davon gab es später aber noch genug :)

Die ersten beiden Tage ging heftiger und kühler Grecale (NO Wind). Am ersten Tag noch witzig, war er am zweiten Tag dann doch lästig. Vor allem auf dem Strand war der herumfliegende Sand eine Qual, auch auf relativ windgeschützten Stellen.
Einige werden mir zwar das Kreuz abfluchen, aber ins Wasser musste ich trotz roter Flagge doch, da ich erstens einfach eine Wasserratte bin, die gerne auch bei hohem Wellengang planscht, zweitens ich gefühlt hüfthoch bis Korsika rüber kam, so flach wie der Strand ist und drittens es im Wasser 25° hatte und somit wärmer war als draußen...


Das B&B war klein, aber sehr modern und neu, sowie mitten im Zentrum (50m zum Hauptplatz und 150m zum wunderschönen Stadtstrand). Frühstück war auch gut und der Besitzer sehr gechillt und nett, in Summe war das P/L einfach top! Auch das Städtchen Santa Teresa ist sehr nett und abseits des Hauptplatzes auch gar nicht teuer. Ein bisschen Einbahnstraßen Gewirr gibt es zwar und geparkt wird wo man gerade ist, aber das war nicht weiter ein Problem.

Die Restlichen Tage waren dann alle sehr sonnig, mit bis zu 27°C. Da musste ich kurzerhand sogar noch eine Sonnencreme mit LSF 50 kaufen...
Da gings auch auf die wunderschönen Strände auf dem Capotesta (Cala Spinosa und Cala Francese zum Schnorcheln, Rena di Levante und Ponente) sowie ein paar weitere weiter südlich, wobei aber ein paar überfüllt mit Algen und anderem Organischen Material war, das hat mich leider etwas gestört.
Das Wasser war aber überall sauber, wenn auch bei ein paar Stränden verblüffender Weise deutlich kälter. Scheint wohl an den Strömungen zu liegen, aber nur ein paar km Unterschied?

Abends gabs dann auch mal einen spektakulären Sonnenuntergang am Rena Majore, wegen des Weststrands sinkt der rote Feuerball direkt ins Meer.
Nachts gingen wir 2mal in ein Agriturismo (Li Nalboni, und Sardo di Paolina) damit wir mal ordentlich satt wurden. Bei den typischen 6 Gängen ist das auch beides mal gelungen. Es gab einen Antipasto-Mix aus Salami, Käse, Essiggurken und -Zwiebeln, Eingelegte Tomaten, Artischocken, Oliven,… Hasugemachten Wein gab es ad libitum, musste aber noch Fahren… Danach gab es die Vorspeisen, Zuppa Galurese (Brotlasagne), Gnocchi und Raviloli mit Honig-Zitronen-Topfen Füllung. Das Spanferkel war dann schon hervorragend und ab dann wurde es wohl zu Völlerei. Die Seadas und den Nachspeisenmix schaffte ich aber auch noch irgendwie.

Da es wohl aber fast in jedem Agriturismo dasselbe gibt, würde ich dort aber nicht öfter als 2mal pro Woche hin, aber man sollte es keineswegs versäumen in eines zu gehen, eine Reservierung empfiehlt sich sowohl in der Haupt- als auch Nebensaison. Fisch und Pizza kann man überall in Italien oder sogar auf der Welt Essen, aber ein Sardisches Menü nun mal nicht.

Insgesamter Eindruck von Sardinien(Gallura): Wunderschöne Strände und Buchten mit kristallklarem Wasser. Das Letzte Meer das ich davor besucht habe gleicht da einem Tümpel (Jesolo) Kulinarisch sehr interessant und Ende September war es zwar stellenweise etwas belebt, aber nirgends überfüllt. Jedoch haben mich diese Dinge etwas gestört:

- Tempolimit 50 und Überholverbot auf schnurgeraden Straßenabschnitten und vor allem der ganze Müll am Straßenrand.
- Einige Strände waren überhäuft mit angeschwemmten Organischen Material (Algen oder Laub?) Werden die nur in der Hauptsaison gesäubert?
- Die Landschaft an sich ist sehr karg und trist. Verdorrtes Gras, tote Sträucher und vor sich hin faulende Kakteen gab es leider überall, sogar mitten in der Stadt. Ich verstehe deshalb nicht ganz, warum einige hier im Forum so sehr von der Landschaft angetan sind, aber vielleicht bin ich da etwas verwöhnt vom Alpenraum...
Die Granitfelsen an der Küste waren an sich wieder sehr schön. Da merkte man wie Wind und Wasser ihre Spuren hinterlassen haben.

Am Rückreisetag haben wir noch bei den Snobs in Porto Cervo Halt gemacht. Von der Tatsache, dass Geld dort für die Kunden keine Rolle zu spielen scheint, waren wir ebenso begeistert wie schockiert. Dennoch Glücklich und zufrieden mit unserem Leben fuhren wir weiter nach Olbia und traten die Rückreise, wieder mit Grimaldi, an.

Erneut mit Isomatte und Schlafsack auf dem Deck, wo es diesmal deutlich voller war, ging es zuerst ruhig zu. Ab zwei Uhr pfiff dann ein böiger Wind durch das ganz Deck. Da es keine Querscheiben gab, wurden wir alle heftig durchgebeutelt. Zwischenzeitlich konnte ich wieder etwas schlafen, bis irgendwo wieder ein Stuhl umkrachte oder eine leere Plastikflasche an uns vorbeigerattert ist. Als um ca 4 Uhr dann sogar die Wellen vom Bug auf das Deck spritzten, wurde es uns dann doch zu ungemütlich und wir suchten uns was im inneren, was wir schon vorher hätten machen sollen…
Ich würde aber auch beim nächsten Mal wieder campen, bei Wind oder gar Regen aber vermutlich im Inneren. Grimaldi war preislich unschlagbar und ich würde sie erneut buchen.

Resümee: Die positiven Aspekte überwiegen natürlich und ich würde wieder nach Sardinien fahren, wenn auch nichtmehr an die gleichen Orte..
 
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