Arbeit und Arbeitslosigkeit auf Sardinien!

Forumarchiv

(Beitrag aus dem alten Forum übernommen)
Autor: Erwin
Datum: 19.08.08 15:27

Hallo,

Sardinien ist ein wunderbares Land, man lebt dort sicher gut und ist zufrieden. Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Deutsche sich mit der Absicht tragen nach Sardinien auszuwandern. Nur , kann man auf Sardinien wirklich so gut leben wie in Deutschland bezüglich des Verdienstes und der sozialen Sicherung? Ich habe alle Beiträge hier im Forum gelesen. Niemand schreibt etwas Konkretes. Deshalb schildere ich folgend die Situation wie diese in Deutschland ist und bitte Euch, der ihr auf Sardinien wohnt, die dortigen Verhältnisse gegenüber zu stellen.

Arbeit: Ich wohne in Oberbayern südlich von München und in meinem Landkreis beträgt die Arbeitslosigkeit 2,8 % Es gibt Landkreise unter 2 %. Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit auf Sardinien?

Verdienst: Ausgebildete Handwerker verdienen in der Stunde etwa € 13,00. Man arbeitet in der Woche zwischen 38 und 40 Stunden, Das heißt, man verdient etwa € 2.340,00 brutto im Monat. Davon werden 21 % für Sozialabgaben und noch die Steuern abgezogen. Insgesamt etwa 30 – 35 %. Hinzu kommt das Kindergeld von € 154 – 179 je Kind.

Was hat ein Handwerker nach einem Monat auf Sardinien in der Tasche?

Soziales Netz: Wer arbeitslos wird bekommt zuerst Arbeitslosengeld. Hat er dazu keinen Anspruch, dann bekommt er vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an eine Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SGB II. Der Arbeitslose und seine arbeitslose Ehefrau (oder auch Lebenspartner) bekommen im Monat eine sogenannte Grundsicherung von je € 316. Jedes Kind erhält € 281. Ein Ehepaar mit 3 Kindern bekommt als monatliche Grundsicherung somit € 1.475,00

Zusätzlich sind folgende Leistungen möglich:
- Es werden die Wohnungsmiete und die Heizkosten bezahlt..
- Bezahlung der gesetzlichen Kranken – und Pflegeversicherung.
- Erstausstattung für Wohnung einschl. der Haushaltsgeräte.
- Erstausstattung für Bekleidung, auch bei Schwangerschaft und Geburt.
- Unterstützung der Kinder bei Einschulung und bei mehrtägigen Klassenfahrten

Wie ist das soziale Netz für Arbeitslose auf Sardinien?????? Was bekommt ein Arbeitsloser? Ich bin echt neugierig auf eine konkrete Antwort1

Mit besten Grüßen
Erwin
 
Autor: Chicco
Datum: 20.08.08 07:38

Buongiorno Erwin,

um es vorab zu sagen - man kann!

Lob, ob Deiner Fleißarbeit, dass Du alle über 40.000 Beiträge hier im Forum gelesen hast. Diese Zeit kann sich wahrscheinlich nur jemand erlauben, der das deutsche Sozialsystem aus dem FF kennt und es entprechend in Anspruch nimmt.

Dass Du bei über 40.000 Beiträgen nichts Konkretes gefunden haben sollst, wundert mich persönlich. Tummeln sich denn etwa alle Schreiber hier nur in Gemeinplätzen und keiner läßt sich hier Konkret aus?

Um mit statistischen Daten KONKRET umgehen zu können, solle man vor allen Dingen deren Basis- und Relationsdaten verstehen können und diese nicht nur einfach von den staatlichen Statistikdesignern übernehmen.
Arbeitslosenquote bedeutet immer: Quote der arbeitslos gemeldeten (neudeutsch geschönt: jetzt nur noch mit berechtigtem Anspruch) in Relation zu den abhängig Beschäftigten. Hier fallen also alle selbständigen und nichtabhängig Beschäftigten schon mal aus der Statistik raus und natürlich auch alle die, die Suchend sind und keinen Anspruch haben.

Die Arbeitslosenstatistik für Sardinien weist in der Regel eine jährliche mittlere Arbeitslosenquote von um die 9% aus, wobei auch hier die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Im Winterhalbjahr schnellen diese Zahlen auch bis zu über 20% hoch (und liegen insbesondere in der Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren dann bei bis zu 50%).

Interessanter wäre es, hier einfach das erwirtschaftete pro Kopf Einkommen bzw. das erwirtschaftete Bruttosozialprodukt zu vergleichen, um evtl. überhaupt ansatzweise vergleichbare Zahlen zu erhalten.

Um das Beispiel mit dem ausgebildeten Handwerker aufzugreifen, der als abhängig Beschäftigter arbeitet. Stundenlöhne liegen hier in Anhängigkeit von Alter, Erfahrung und Branche zwischen Euro 7,00 bis Euro 15,00.
Die Sozialabgabenquote liegt bei über 40%. Kindergeld i.S. der dtsch. Regelung wird keines gezahlt!

Arbeitslose haben auch hier in Italien einen Arbeitslosengeldanspruch.
Grundsicherung gibt es auch in Italien, (die für die 1. Person rund Euro 335,00 beträgt - bei 2. Personen Euro 555,-- - und aus anderen Sozialfonds auf bis zu Euro 800,-- aufgestockt werden können - und für ein Ehepaar mit 3 Kindern z.B. bei ca. Euro 950,00 p.M. liegt).

Weitere analoge Leistungen zu Deinen "zusätzlichen Leistungen" sind bei Bedürftigkeit ebenfalls möglich.

Insbesondere wird das soziale Netz auf Sardinien zusätzlich von Familie und Freunden aufrechterhalten!

Was ein Arbeitsloser bekommt hängt auch in Deutschland vom letzten Einkommen, Alter, Beschäftigungshistorie etc. ab und wird entsprechend des ALGG berechnet. In etwa analog sind die Regelungen in Italien.
Insofern kann man auf Deine unkonkrete Frage "Was bekommt ein Arbeitsloser?" auch keine konkrete Anwort geben.
Das hängt wie immer im Leben - vom Einzelfall ab.

Hoffe, Deine Neugier konnte insofern befriedigt werden.

Chicco



Nachricht bearbeitet (20.08.08 07:45)
 
Autor: Erwin
Datum: 20.08.08 10:55

Buon giorno Chico,

ich danke Dir für Deine Erklärungen über die Verdienste und über das soziale Netz auf Sardinien. Ich habe alles verstanden.

Deinen Ausführungen über das Arbeitslosengeld in Deutschland möchte ich wie folgt ergänzen. Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt in Deutschland von dem vorgehenden Verdienst und davon ab, wie lange man Arbeitslosengeld in der Zeit der Beschäftigung bezahlt hat. Wer also kein Beiträge zur Arbeitslosenversicherung in der Zeit seiner Beschäftigung bezahlt hat, bekommt auch kein Arbeitslosengeld wenn er arbeitslos ist, sondern eine Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SGB II. Darauf besteht ein Rechtsanspruch und das sind feste Sätze für alle, ob 20 Jahre alt oder 60 Jahre.

Beispiel: Ein 18 Jähriger hat seine Ausbildung beendet und sucht nun Arbeit. Er hat keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld aber einen Rechtsanspruch auf eine Grundsicherung. Er bekommt den Regelsatz von € 316, Hat er eine Wohnung, dann bezahlt man ihm Miete, und Heizung, Man bezahkt für ihn die Kranken- und Pflegeversicherung.

Oder ein Familienvater mit 3 Kindern kündigt seinen Arbeitsplatz aus eigenem Entschluß. Er verliert damit vorrübergehend seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, hat aber vom ersten Tag an einen Rechtsanspruch auf die Grundsicherung und diese beträgt in diesem Fall monatlick € 1.475,00,
dazu die anderen Leistungen wie Miete Heizung, Kranken- und Pflegegeversicgerung, und die anderen Leistungen,

Und wer keine Lust zum Arbeiten hat, der bekommt diese Grundsicherung so lange er lebt!!!!!! Das ist ein Rechtsanspuch und den kann ihn niemand nehmen. Und wer 3 Kinder und mehr hat, der bekommt unter Umständen monatlich mehr Geld und sonstige Leistungen an Grundsicherung als er durch eigene Arbeit verdienen kann.

So ist das in Deutschland!!!

Tanti saluti

Erwin
 
Autor: Baronia
Datum: 20.08.08 11:56

Wenn dieser in Deutschland Arbeitssuchende aber noch Grundbesitz, Kapital oder eine Lebensversicherung hat (eigentlich seine "Rente") , wird dies erst einem "aufgebraucht" - bis er vom Staat Geld bekommt...

Anzumerken sei noch, dass in Sardinien für gewöhnlich die Kosten für Miete, Wasser, Strom, u.s.w. ein bisschen bis viel günstiger ausfallen können.
 
Autor: terra sarda
Datum: 20.08.08 12:02

Hallo Erwin,

was auch zu bedenken ist:

Sobald Du Dich einmal selbstständig gemacht hast verfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld in D. Es gab nicht wenige der sogenannten

Wenn Du dann als Deutscher auch noch im Ausland lebst, hast Du auch keinen Anspruch auf Hartz4 mehr.
 
Autor: Erwin
Datum: 20.08.08 12:30

Hallo terra sarda und Baronina,

stimmt, wenn Du also nach Sardinien auswandern würdest, dann verläßt Du das sichere deutsche soziale Netz. Deshalb ja meine Frage,, wie Du dann abgesichert bist. Wie???????

Stimmt Selbstständige bekommen in Deutschland kein Arbeitslosengeld und auch keine Grundsicherung nach SG II sondern nach SGB XII= Sozialhilfe. Und die Unterstützung beider Gruppen ist in etwa gleich hoch. Für diese gazen Gestze gibt es ein Sammelbegriff, nämlich Harzt IV, wie Du ja richtig schreibst. Arbeitslose (nicht Selbstständige) bekommen Arbeitslosengeld, wenn sie vorher Beiträge zur Arbeitslosenversicherung geleistet haben. Wenn nicht, dann bekommen sie die Grundsicherung nach SGB !!. Das sind Unterschiede!!!! Etwas kompliziert.

Interessant wäre die Frage was der italienische Staat demjenigen bezahlt, der nicht arbeiten will.

Baronina, was kostet dann eine Wohnung (Küche, Wohnzimmer, Bad, 2 Schlafzimmer) in CAGLIARI und wie hoch sind die Heizkosten?


Erwin
 
Autor: Baronia
Datum: 20.08.08 13:13

Da ich dem Namen nach in der Baronia ansässig bin, weiß ich nicht, was eine Mietwohnung in Cagliari kostet, zumal dies ja auch "drauf ankommt".

Nicht minder ist dies bei Heizkosten. Als Beispiel:
Mein Haus in Deutschland liegt um 600 Euro p.a., in Sardinien theoretisch um 50 Euro - ich verbrenne dort aber nur gesammeltes Holz = Null Kosten. Andere heizen hier gleichgroße Häuser für 2.000 und in Sardinien für 1.000...

Die oben erwähnten Durchschnittskosten für das Wohnen liegen in Sardinien niedriger. Dennoch kommt Sardinien für die Meisten "teurer".

Mir ist aber irgendwie noch nicht klar, um was es in diesem Thread geht. Werbung für Deutschland und seine immer noch vorhandenen Sozialleistungen?
Ein "Geh Nicht!"-Aufruf an Auswanderungswillige?
Ein persönlicher Rechenvergleich, ob es sich als zukünftiger Arbeitsloser lohnt, nach Sardinien zu gehen oder was?



Nachricht bearbeitet (20.08.08 14:04)
 
Autor: Chicco
Datum: 21.08.08 09:02

Werter Erwin,

das ganze Rentenversicherungs-, Arbeitslosengeldgesetz etc. ist der große Blöff und die große Vergewaltigung und "Verar....ei" an den abhängig Beschäftigten - sowohl in Deutschland wie auch in Italien.

Das von Dir so geschätzte soziale Netz muß hochüberteuert vom Zwangsverpflichteten erkauft werden und die durchschnittliche Auskehr (Versicherungsleistung) liegt bei weit unter 50% eines möglichen und realistischen Endkapitalwertes. Der tatsächlich erwirtschaftete Differenzgewinn versickert in den unendlichen Weiten eines Staatsmolochs.

Würdest Du z.B. Deine in die BFA oder LVA eingezahlten Beiträge ganz normal z.B. in eine Kapitallebensversicherung o.ä. einzahlen, dann würdest Du Dich wundern - wenn Du diese beiden arithmetischen Zeitreihensummen einmal gegenüberstellst - welches Ergebnis bei der KLV rauskommt und welches bei der BFA. Der Differenzfaktor beträgt ca. 5.

Wer ein wenig Ahnung von investitionstheoretischen Modellen und deren Berechnung hat, wird - wenn es sich vermeiden läßt - einen großen Bogen um eine solche Zwangsverpflichtung und Kapitalvernichtung machen.

Die insgesamt demographische Entwicklung und die damit verbundene Leistungsauskehr läßt eigentlich - ceteris paribus - nur noch Schlechteres erwarten. In den Arbeits- und Sozialministerium der europäischen Staaten hat man längst den Begriff von der Belastungsquote geprägt (und berechnet diese natürlich auch ständig), die die Belastung dieser einmal ursprünglich als "staatlich abgesicherte Bürgerversicherung" geplanten Kassen durch die "Versicherungsnehmer" widerspiegelt. Die Belastungsquote steigt natürlich je mehr Rentner, Arbeitslose und sonstige Nichteinzahler, Zahlungsansprüche an diese "Versicherungen" stellen und je weniger Einzahler da sind.

Allein der Terminus Technikus "Belastungsquote" impliziert bereits eine solche Negativbesetzung der demographischen Beschreibungsgruppe, dass es mich nicht wundern würde, wenn in einigen Jahrzehnten mit Ausscheiden aus dem Arbeitsleben die Zwangseuthanasie eingeführt würde, um nur ja diese Quote niedrig zu halten bzw. andere Leistungen z.B. der Krankenversicherungen so rigoros zu kürzen, dass deren Nichtleistungen einer Euthanasiepraxis nahezu gleich kommen.

Die staatlich verordnete Zwangsmitgliedschaft und die hieraus resultierenden Beitragsverpflichtungen übersteigen um ein vielfaches den volkswirtschaftlich oder arbeitsmarkt- oder rententechnisch erforderlichen Rahmen bzw. den eines angemessen volkswirtschaftlichen Solidarbeitrages. Und dieser sollte insofern von ALLEN und nicht nur von den abhängig Beschäftigten getragen werden.

Die vereinnahmten Beiträge hieraus sind schon längst eine weitere verdeckte Besteuerung der Arbeitnehmer. Insbesondere für den hehren "Wiederaufbau Ost" sind die Rentenkassen in Deutschland auf Generationen hinaus geplündert worden. Das war eine klammheimliche Kapitalenteignung der Versicherungsnehmer und Einzahler.

Und da aufgrund der demographischen Entwicklung die Belastungsquote steigt, werden natürlich in allen Bereichen nunmehr die bisher erbrachten Versicherungsleistungen rigoros und immer weiter heruntergefahren. Dies sieht man insbesondere an den Leistungseinschnitten bei den Pflichtkrankenversicherungen. Bei natürlich gleich bleibenden oder auch steigenden Beiträgen. Ebenso die die vielen letztjährigen Nullrunden bei der Angleichung der Renten an die allgemeinen Preis- und Inflationsentwicklungen kommen einem zusätzlichen Kapitalverlust gleich.

Das soziale Sicherungssystem oder Netz ist schon lange nicht mehr wirtschaftlich aufrecht zu erhalten und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die absolute „Schmerzschwelle“ erreicht ist.

Insofern verkommt das „soziale Netz“ immer weiter zur Makulatur.

Chicco



Nachricht bearbeitet (21.08.08 13:13)
 
Autor: Baronia
Datum: 21.08.08 09:35

Alles gesagt (äh - geschrieben), aber nur noch zwei Dinge:

Eine private Kapitallebensversicherung hat heute wahrhaftig und berechtigt keinen guten Ruf mehr - aber sie bringt anteilig dennoch mehr als die gesetzliche Rentenversicherung. Das sagt doch eigentlich alles aus.


Aber, wo es doch so oft bei Auswandern um "Freiheit", Verwirklichung, Berufschancen und was sonst noch so alles geht:
Soll man sich den Ort, bzw. das Land seiner Träume, Wahl oder Zukunft nach den möglichen, staatlichen Sozialleistungen aussuchen?

Wer so anfängt, ist doch schon am Ende.......
 
Autor: Chicco
Datum: 22.08.08 22:28

Baronia,

bei einer privaten LV haben auch die Erben was davon!

Ist der BFA/LVA Einzahler z.B. ledig geblieben, dann gibt's bei der BFA
einfach nix zum erben!

Da sackt die BFA/LVA einfach alles vollends ein!
Und mit der so bequem eingesparten Belastungsquote kann sich der Vorstand wieder die Tantiemen und der Aufsichtsrat die Sitzungsgelder erhöhen.

Vielleicht ist ja der Ruf der LV schlechter - aber fast sämtliche
Leistungen sind eigentlich besser.

Nota Bene:
Bei der privaten LV wird grundsätzlich immer ein Liquidationserlös erzielt.

Merksatz:
Jeder letale Schaden eines BFA Singles und jeder letale Schaden eines Versicherungsnehmers > 65 erhöht grundsätzlich das Ergebnis der BFA.

Jeder letale Schadensverlauf schmälert das Ergebnis einer LV.

Chicco
 
Autor: Baronia
Datum: 23.08.08 10:18

Chicco, Du musst mich nicht mehr überzeugen, ich bin schon seit 10 Jahren nicht mehr "Mitglied" und habe auch LV`s...

Ich wollte ja nur aufzeigen, dass trotz des berechtigterweise schlechten Rufes (andere Geldanlagen können effizienter sein), sie dennoch besser ist, als die Zwangsvariante.

Andererseits sieht man ja immer wieder (egal ob aus Deutschland oder anderen Ländern) manche Leute zu ihrem "kleinen Glück" gezwungen werden müssen - sonst stehen sie plötzlich ganz schön dumm da...
 
Autor: Chicco
Datum: 23.08.08 11:20

Baronia,

es lag mir fern ein aufgeklärtes "Nichtmitglied" zu überzeugen.

Natürlich gibt es Geldanlagen, die wesentlich effizienter sein können,
als LV's. Aber wie immer im Leben: je Größer die Chance, je größer auch das eventuale Risiko. Insofern gehört hier auch immer das notwendige
finanztechnische "Know-How" dazu und auf jeden Fall auch ein glückliches Händchen (äh - ...heute ja nur noch Tastendruck).

Auf jeden Fall hast Du aber insofern Recht, daß wer schon keine Vorsorge
trifft, insofern zu seinem "kleinen Glück" gezwungen werden muß.
 
Autor: Baronia
Datum: 23.08.08 16:03

Franz-Josef, ist schon klar - null problemo.

Wie sieht es denn auf Sardinien aus?

Meinst Du, die Sarden haben Lebensversicherungen, u.s.w. oder eher nur Grundstücke und Familie?
 
Autor: Erwin
Datum: 31.08.08 11:58

Hallo Chicco, Baronian terrasarda,

ich danke Euch für Eure teils sehr ausführlichen Beiträge aufgrund meiner Anfrage. Ich möcte dazu kurz Stellung nehmen:

Es geht mit nicht darum jemanden von seiner Absicht nach Sardinien auszuwandern abzuhalten. Mich interessieren nur die Lebensbedingungen und ob es da Unterschiede gibt.

Chicco hat nun konkrete Angaben gemacht und da gibt es bezüglich der Stundenlöhne kaum Unterschiede zwischen beiden Ländern € 7 - 15 seien die Stundenlöhne von Handwerkern auf Sardinien. So in etwa ist es auch in Deutschland,. Teilweise liegen diese noch darunter. Ich bezahle für meine Putzfrau, die wöchentlich 4 Stunden bei mir putzt, € 11,00 in der Stunde.

Die Arbeitslosigkeit sei auf Sardinien im Sommer ca 9 %. So ist es auch in Deutschland, onwohl bei uns in Bayern mit teilweise nur 2 % Arbeitslose.
Vollbeschäftigung herrscht.

Und nun zum sozialen Netz. Jeder der kein Einkommen und kein Vermögen hat, hat Anspruch auf eine Grundsicherung nach HARTZ IV. Das gilt für alle, auch für Selbstständige die noch nie Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt haben.

Und da schreibt nun CHICCO, dass eine Familie mit 3 Kindern bis zu € 950,00 Unterstützung auf Sardinien bekommt, wobei noch offen ist, ob das auch für Selbstständige gilt.
In Deutschland bekommt diese Familie mit 3 Kindern Grundsicherung wie folgt:
Für Ehemann...... € 316,00
Für Ehefrau...€ 316,00
Für Kind mit 12 Jhr.......€ 211,00
Für Kind mit 14 Jahr.....€ 211,00
Für Kind mit 16 Jahr,,,,,€ 211,00
Kindergeld für 3 Kinder € 462,00
(3 x € 154,00)
Miete und Heizung bis € 970,00

Diese 5-köpfige Familie bekommt also aufgrund des viel geschähten Harzt IV Gesetzes monatlich € 2.697,00 in bar. Dazu noch sonstige Sachleistungen.

Diese Vergleiche haben mich interessiert und ich danke Euch vielmals

Viele Grüße
Erwin


 
Autor: Baronia
Datum: 31.08.08 14:23

Ich verstehe denn gesamten Hintergrund leider immer noch nicht.

Glücklicherweise bin ich auch weit entfernt von Hartz IV und kenne mich somit darin nicht aus. Ich denke aber, das z.B. Kindergeld eine "Einnahme" darstellt und somit vom H IV-Betrag abgezogen wird.

Erstmal sieht dieses o.g. Beispiel für eine größere Familie ja ganz akzeptabel aus. Bei Alleinstehenden dann aber nicht mehr. Und erst einmal muss ja ein Vermögen "abgerechnet" werden, also das Meiste, das man sich vorher mühsam zusammen gespart hat...



Nachricht bearbeitet (31.08.08 14:58)
 
Autor: baru
Datum: 31.08.08 16:43

Habe den Fragenkonzept auch nicht verstanden, Ok ... habe nun verstanden dass man in Deutschland bei Hartz IV so und soviel bekommt (scheint so wie eine Werbung zu sein) ...

Es sollte aber eine vorübergehende Lösung sein ... oder ?? Nur für Notzeiten ... und vor allem gehen wir davon aus ... dass man Arbeiten geht ... und nicht auf Hartz IV plädiert ...

Wie war es den früher in Deutschland ohne Hartz IV ?? Ich glaube dass manche Leuten wesentlich schneller einen Job gefunden haben !!!!!!!

In Sardinien ist kein Hartz IV ... deswegen gehen viele Menschen auf Festland Arbeiten .... mhhhh oder möchten sie vielleicht meinen dass viele Menschen die in Deutschland wohnen ... mit Hartz IV dann nach Sardinien gehen sollten ???????

Nah ja, vielleicht werde ich es noch verstehen !

Bis dahin ... VG aus Deutschland ... mit Arbeit (zum Glück!!)



Nachricht bearbeitet (31.08.08 16:50)
 
Autor: Chicco
Datum: 31.08.08 19:36

Erwin,

ich hatte bereits schon mal erklärt, daß man mit statistischen Zahlen recht vorsichtig umgehen muß und man vor allen Dingen die Eingangs- und Basisdaten sorgfältig betrachten muß.

Wenn man sich nicht mal mit Statistik ganz intensiv auseinandergesetzt und dies z.B. mal wirklich auch studiert hat und sich mit Beziehungszahlen, arithmetischen Werten, gewogenen arithmetischen Werten, mit einfachen und gewogenen geometrischen Mitteln, mit Medianen, Streuung, Zeitreihenwerten u.v.a. statistikrelevanten Berechnungsgrundlagen auseinandergesetzt hat, dann versteht man u.U. einfach nicht was da öffentlich publiziert wird und wie das berechnet worden ist.

Wenn die offizielle Statistik im Jahresdurchschnitt 9% Arbeitslose vermeldet, dann muß man diese Zahl im Verhältnis der arbeitslos gemeldeten zu den abhängig (sozialversicherungsrechtlich gemeldeten) Arbeitnehmern sehen. Wer aber sowieso keinen Arbeitslosengeldanspruch hat, der meldet sich u.U. auch erst gar nicht arbeitslos. Schon fast gar nicht hier in Italien. Warum dann auch?

Und selbst wenn er sich arbeitslos meldet (ohne ALG Anspruch) dann wird er nicht in der gewöhnlichen Arbeitslosenstatistik erfaßt, die ausschließlich
arbeitslos gemeldete mit AL Anspruch erfaßt und diese ins Verhältnis setzt.

Das ist, soweit mir bekannt auch in Deutschland so, und die AA hat aufgrund ihrer geänderten Statistikdatenerfassungsgrundsätze vor ein paar Jahren, die deutschen AL Statisitken frisiert und geschönt. Die tatsächliche Arbeitslosenquote bzw. -zahl in Deutschland liegt tatsächlich auch um fast 3.0 Mio höher!!! Und auch in Bayern liegt der tatsächliche AL-Prozentsatz höher.

Laß Dir kein Salz von den staatlichen Stastikverdrehern in die Augen streuen. Die Beschäftigungsmarktsituationen sind in Wahrheit wesentlich schlechter, als nach außen hin verkündet und dargestellt wird.

Insofern ist oder dürfte die tatsächliche Arbeitslosenquote hier auf Sardinien bestimmt weit höher und im 2-stelligen Prozentbereich im Jahresmittel liegen. Ich kann Dir aber nicht sagen, ob diese tatsächlich eher bei 12% oder 20% oder sogar bei 30% liegt, da ich weder ein Statistikinstitut noch eine staatliche Einrichtung bin.

Ich kann Dir aber versichern, daß ich Dir je nach gewünschtem Auftraggeber und gewünschten Stastik-Aussageziel Dir nahezu jede Statistik mundgerecht so aufbereite, daß sie einem gewünschten positiven publizistischen Aussageziel nahe oder sehr nahe kommt oder dieses sogar noch rechts überholt!

Auch die Grundsicherung in Italien erfaßt sämtliche Bedürftige und ist auf alle anwendbar. Es gibt allerdings bestimmte Aufenthalts- oder Meldebestimmungsvoraussetzunugen, die sich hieran knüpfen, wie z.B. für Nichtitaliener mindestens 5-Jahre mit Wohnsitz in Italien gemeldet sein oder mit einem italienischen Staatsbürger verheiratet sein was einen direkten Anspruch anlöst.

Analog zu Deiner Tabelle würde es in Italien für 1 Ehepaar mit 3 Kindern geben:

Summe: ca. Euro 950,--
zusätzlich bis zu weiteren Euro 800,-- für Miete und Heizung

Also auch schon mal Euro 1.750,00.

Desweiteren weitere Zuschüsse zu Schulgeld- und Klassenfahrten für Kinder, Zuschüsse zu Kleidung und Wohnungseinrichtung, Zuschüsse bei Behinderung, Übernahme von Kranken- und Pflegekosten sowie von Krankenhaus- und Heilbehandlungen und eine Reihe weiterer Zuwendungen, die ich hier im einzelnen nicht auch noch alle aufzählen möchte.

Auch von der nach Hartz IV ausgeschütteten Stütze in Deutschland
nimmt der Staat über den sukzessiven Wirtschaftskreislauf am Ende wieder rund mehr als 80% in Form von Steuern und Abgaben ein. So dass die Nettobelastung der Stützeempfänger den Staat gerade mal weniger als 20% der verauslagten Beträge kosten. Eigentlich "Peanuts" - aber es hilft anscheinend in etwa den schmalen Grad des sozialen Friedens zu wahren, ohne daß es zu Tumulten, Volksaufstand und harten Umverteilungskämpfen etc. kommt.

Auf Deutsch gesagt:
Hartz IV etc. hilft den "Besitzenden" Pfründe zu sichern und diese weiter ungestört auszubauen. Die sich in den letzten Jahren immer weiter öffnende Einkommensschere in fast allen europäischen Ländern beweist dies tagtäglich.

Chicco
 
Autor: Sabsi
Datum: 03.09.08 09:48

Hallo alle zusammen,

ich verstehe leider nicht worum es überhaubt geht!

Ist es erstrebenswert, sofern man arbeitssuchend oder arbeitslos ist nach Sardinien auszuwandern? Ist dies die Frage die Erwin stellt?

Ist der Wunsch nach Sardnien auszuwandern nur in Verbinung mit deutscher Arbeitslosigkeit zu sehen und ist weiterhin Erwins Frage, wie man am leichtesten den Sozialstaat und dessen Möglichkeiten ausnutzen kann - gleich in welchem Land?

Es tut mir leid, ich sehe hier wirklich keinen Zusammenhang mit dem Gedanken sich auf Sardinien wohler zu fühlen, als in Deutschland.

Vielleicht klärt mich mal einer auf über den eigendlichen Sinn des Beitrags

Danke
 
Autor: Baronia
Datum: 03.09.08 10:55

Willkommen im Club........

Ich denke, hoffe, weiß nicht genau, aber vielleicht (?) schauen wir uns den 3. Satz des Threadstarters an:

"Nur, kann man auf Sardinien wirklich so gut leben wie in Deutschland bezüglich des Verdienstes und der sozialen Sicherung?"


Darum geht es IHM vielleicht - aber wie wir mehrfach anschaulich dargestellt haben, kann dies nicht der Anlass für einen Auswanderer sein, egal ob nach Sardinien oder nach Honululu...

Wer aus wirtschaftlichen Gründen Deutschland verlässt und denkt, er könne seine vorher schlechte Situation in Sardinien verbessern, denkt verkehrt.

Wer sein Geld schon verdient hat und damit möglichst viel "erleben", aber auch einsparen will/ muss, geht besser nach Thailand und andere Billig-Länder. Da kann selbst ein Hartz IV-Empfänger den großen Max spielen. Für 100 Euro monat wohnen und für 1 Euro Essen gehen...
 
Autor: tattie
Datum: 03.09.08 14:16

der sinn ist mir auch nicht ganz klar....... :D
macht den thread zu; sonst bekomme ich bei meinen nächsten steuererklärung wutanfall erste klasse und anschließend infarkt.....
wo bleibt mein bundesverdienstkreuz ????????????
 
Autor: Baronia
Datum: 03.09.08 16:42

Bundesverdienstkreuz - wofür?

Für den höchsten persönlichen Steuersatz von 50% und das man dann dabei noch nicht mal seine sardische Villa absetzen kann? ...



Nachricht bearbeitet (04.09.08 09:33)
 
Autor: Chicco
Datum: 04.09.08 23:07

Baronia,
Tatti,

man kann fast alles! Es kommt im Einzelfall immer drauf an!
Ist immer nur eine Frage des Erklärungsansatzes.
Analog zu "Sale & Lease Back", vielleicht mal "Lease and Rent Back".
Ganz interessante steuerliche Variante!

Normale Bundesverdienstkreuzträger nehmen diese Variante bereits seit Jahren ganz legal in Anspruch, ohne im Geringsten infarktgefährdet zu sein.

Es ist immer besser Beratungsqualität 1. Klasse in Anspruch zu nehmen anstatt einen Wutanfall 1. Klasse zu bekommen. Das schont Nerven und Portamoneta.

Chicco
 
Autor: tattie
Datum: 10.09.08 10:43

@chicco.....recht hast du ja. aber wenn ich jetzt drauf antworte komme ich bis zu meinem lieblingsthema "alles wird nur so gemanagt/entschieden, damit es den (bescheuerten)bankanalysten gefällt" dann werde ich ausfallend gegen den lümmeln die mal drei monaten bei mckinsey die wahrheit total aufgesaugt meinen und dann...bekomme ich meinen herzinfarkt. :D
 
Autor: Wolfgang 1
Datum: 08.07.11 21:47

Hallo
wer nach Sardinien auswandern will, der sollte sich das genau überlegen. So schön auf Sardinien die Natur ist, so nett und freundlich die Sarden zu Gästen sind, so gut das Wetter in nden Sommermonaten ist, so muss man seinen Lebensunterhalt auf Sardinien härter verdienen als in Deutscvhland.

Und das soiziale deutsche Netz ist unübertroffen und das Wetter ist viele Monate auf Sardinien nicht gut und es ist kalt und es wird nicht so geheizt wie in Deutschland.

Wolfgang
 
Autor: Evalein
Datum: 08.07.11 22:14

Man hat den e indruck du bist hier angekommen:)

Uebertreiben sollte man nicht, aber wahr ist, dass hier arbeitet man in 6 Monaten, genau soviel, wie die andere in 12.
 
Autor: Yoshiham
Datum: 09.07.11 15:20

Hallo Wolfgang,

mit der Arbeit gebe ich Dir vollkommen Recht,

Das Wetter ist auf Sardinien zu jeder Jahreszeit, mit einigen Ausnahmen, wärmer, als in Deutschland, oder?
Sebstverständlich muß man hier im Winter heizen. Hast Du einmal berechnet, wieviel Du in Deutschland an Heizkosten im Jahr aufbringst, oder aufbringen müsstest?
Meinst Du nicht auch, wenn man hier die gleiche Summe für die Heizung ausgeben würde, daß man es dann auch hier mollig warm zu Hause hat. Die Heizperiode ist hier bestimmt kürzer.
Draußen ist es ohnehin wärmer als in Deutschland.
 
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