27. - 28. Oktober - Ussassai feiert das Apfelfest

Beppe

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In Ussassai (OG – Provinz Ogliastra) wird "das Apfelfest" am 27. und 28. Oktober gefeiert. Diese traditionelle Veranstaltung findet bereits zum 16. Male statt und steht dieses Jahr unter dem Motto: Geschmack, Kunst & Kultur im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung.

Trempa Orrubia, Mel'e Ollu, Melapira, Mel'e ferru: all dies sind keine Zungenbrecher für Lernende von sardisch-nuragischen Kinderkehrreimen, sondern dies sind die Namen von Apfelsorten, die schon immer das typische Aushängeschild des Obstanbaus in den Bergen der Ogliastra waren.

Samstag und Sonntag, den 27. und 28. Oktober, wird Ussassai - unangefochtene Kapitale im Obstanbau auf Sardinien dank seiner Vitamin und Gesundheit spendenden Früchte - seine Häuser & Höfe entlang der Straßen des Ortes öffnen, um Geschmack, Tradition und Kunst im Rahmen des inzwischen berühmten „ Apfelfestes“ zu präsentieren.

Auch das Landscape-Szenario rundherum mit seinen megalithischen Felsformationen (auf sardisch Tònneri genannt) ist sehenswert und eindrucksvoll, zu dessen Füßen auf ca. 710 M.ü.d.M. das kleine Dorf mit rund 650 Einwohnern liegt. Ussassai ist weiterhin umgeben vom atemberaubenden Tal des Rio San Gerolamo, von üppigen Wäldern,bizzaren Kalksteinfelsen und bedeutenden archäologischen Stätten. Wer also am Wochenende in der Region ist, sollte aus diesem Grunde mal einen lohnenswerten Ausflug und Abstecher nach Ussassai unternehmen.
 
Hier mal ein paar weitere Informationen zu Ussassai, die teilweise vielleicht auch mal im ‚guten Reiseführer’ Erwähnung finden sollten.


An den Hängen des Monte Arcuerì liegt Ussassai und bildet das natürliche Tor zur Ogliastra, und in der Tat gibt es am Rande des Territoriums von Ussassai ein Gebiet mit dem Toponym Genn'Ogliastra (wobei Gènna auf sardisch auch Tor oder Ausgang bedeutet).

Ein sehr gebirgiges Gebiet mit großen Höhenunterschieden und recht steilen und schroffen Felsformationen und Hängen, die hauptsächlich aus Schiefer und Kalkstein bestehen. Charakteristisch für das Gebiet um Ussassai sind die sogenannten „Tacchi und Tonneri“ (Felsnadeln und –zinnen), die ein wenig an den „Wilden-Westen“ erinnern, sowie den dichten Wäldern aus Steineichen, Olivenbäumen, Korkeichen, Erdbeerbäumen, Wacholder und einer recht seltenen Spezies von Kastanienbäumen.

Auf dem kargeren Schieferboden ist die vorherrschende Flora Mittelmeer-Macchia: Zistrosen, Stechpalmen und Erika. Häufig anzutreffen ist auch der Mastixstrauch (auch wilde Pistazie genannt), aus dem man früher ein spezielles Öl/Harz extrahiert hat.

In der Fauna trifft man hier besonders Wildschweine und Mufflons an. Und mittlerweile sieht man auch wieder häufiger Adler, die in den hohen Kalkfelsen des „Taccu Mannu“ erneut Heimat gefunden haben und dort nisten und brüten.

Das Gebiet um Ussassai ist bekannt für sein reiches Naturerbe: ausgedehnte Wälder, zahlreiche Quellen, die u.a. den Rio San Girolamo speisen sowie zahlreiche Höhlen und Karsthöhlen herausgewaschen und herausgebildet haben. Eine der interessantesten Felsformationen ist die sogenannte „Su Pissu’e Irtzioni“ im naturalistischen Montarbu gelegen, welches ein Paradies für Wanderer, Naturfreunde und Vogelbeobachtungsfreunde ist. Desweiteren gibt es dort auch eine Felswand, die für Freeclimbing (Klettern) ausgestattet ist.

Das ganze Gebiet ist bei Touristen äußerst beliebt, zumal auch der Trenino Verde (Strecke: Arbatax-Mandas) hier durchfährt und u.a. die Schlucht des Riu Niala über eine eiserne Brücke (im Jahre 1894 konstruiert) am „Su Ponti’e Irtzioni überquert. Ussassai und Umgebung erfreuen Auge und Herz mit einer der schönsten Landschaften der Ogliastra. Man kann die Landschaft komplett durchwandern, vom höchsten Berg der Gemeinde (1123 Meter), bis hin zu den Bergen von Gerrei. Im Tal des Ortes entspringt der Quellfluß Milisai, der sowohl im Sommer als auch im Winter immer reichlich Wasser führt.

Um Ussussai herum finden sich ebenfalls zahlreiche archäologische Stätten und Monumente, die Zeugen der prähistorischen Vergangenheit sind. Wie z.B. einige Domus de Janas (Aurraci, Forrus und Perdobia), welche noch aus pränuraghischer Zeit stammen. Ebenso findet man auch einige sehenswerte Nuraghen wie z.B. in Nela, Is Coccoronis, Taccu Addai und Nuragi.

Bei den typisch landwirtschaftlichen Erzeugnissen von Ussassai ist insbesondere die unvergleichliche Apfelsorte „Tremp’Orrubia“ (Rotwange) zu erwähnen, welche auch unter dem Namen „San Giovanni Apfel“ oder „Mantovana“ (nach seiner ursprünglichen Herkunft) bezeichnet wird. Für diese köstlichen Äpfel ist Ussassai jedenfalls auf ganz Sardinien bekannt und hierzu ist immer in der letzten Oktoberwoche ein großes Fest diesen Äpfeln gewidmet.
Desweiteren wird erzählt, dass ein Mitglied des Adelsgeschlechtes des Hauses Savoyen seinerzeit anlässlich des Wiener Kongresses von 1815 ein großes Fest arrangierte, bei dem Wein und Fleisch aus der Ogliastra sowie Äpfel aus Ussassai serviert wurden, was den erschienen Adligen ausgesprochen gemundet haben soll.

Eine der traditionell wichtigsten Lebensmittel der Ussassesi ist Brot. Jede Familie, sogar die Ärmsten backen und produzieren ihr Brot zu Hause im Holzofen. Vielfach wird auch heute noch hierfür ein ‚Gemeinschafts-Holzofen’ von mehren Familien bzw. Hausfrauen genutzt.

Es gibt viele Arten von Brot, von denen einige eine stark symbolische Bedeutung haben:
wie z.B. das „Su Coccoi“ und „Su Pani Biancu“ mit phantasievollen Vieleckformen, die zu besonderen Anlässen und Feierlichkeiten (wie z.B. Hochzeiten, Taufen o.ä) hergestellt werden. Das „Su Civargiu oder das berühmte "Moddizzosu" werden unter Zugabe von Kartoffeln für den täglichen Gebrauch hergestellt, wodurch das Brot für relativ lange Zeit weich und haltbar bleibt.



Entfernungen: von/nach Ussassai
Arbatax/Tortoli: ca. 60 km
Olbia: ca: 140 km
Cagliari: ca. 160 km
Alghero: ca. 220 km
 
Hallo Beppe, vielen Dank für Deine Informationen. Ich habe sie mir ausgedruckt und lege sie in den "guten Reiseführer", wir werden bestimmt mal diese schöne Gegend besuchen! Hoffentlich hattet Ihr ein schönes Apfelfest und nicht Schnee und Kälte, wie wir hier in Bayern.
 
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